Rechtsextremisten wollen Schulen in Griechenland bewachen

19. Juli 2013 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 724

Nach der beschlossenen Abschaffung der kommunalen Schulwächter in Griechenland will die Chrysi Avgi die Bewachung“ der Schulen übernehmen.

Die rechtsradikale Chrysi Avgi zielt in die Lücke, welche die Abschaffung der kommunalen Schulwächter hinterlässt. Die Erklärung eines Spitzenfunktionärs der Partei auf einer Webseite des rechtsradikalen Raums vermittelt einen Eindruck davon, wer wen und wovor schützen wird: „Wir können nicht zulassen, dass die Schulen unbewacht bleiben. Speziell in den Gebieten, in denen die Kriminalität ‚mäht‘, werden wir Freiwillige im Schichtbetrieb positionieren, damit die Kinder der Griechen sicher sind.

Während der zweiten Lesung der Multi-Gesetzesvorlage hatte Bildungsminister Konstantinos Arvanitopoulos angesichts der gegebenen Eingliederung der Schulwächter in das Programm der Mobilität / Entlassungen die Beunruhigung über das Thema der Abschaffung der Bewachung der Schulen zum Ausdruck gebracht.

Schulen müssen vor extremen Elementen geschützt werden

Konkret erklärte Herr Arvanitopoulos: „Bezüglich der Schulwächter, die nicht dem Bildungsministerium unterstehen, existiert natürlich große Besorgnis. Ich spreche zu Ihnen von der Warte meines Verantwortungsbereichs und sage Ihnen mutig und ehrlich, das eine Beunruhigung besteht. Diese Beunruhigung hat mit der Tatsache zu tun, dass die Schulen geschützt werden müssen, weil allen bekannt ist, dass die extremen Elemente lauern, die in die schulischen Einheiten eindringen wollen.

Der Bildungsminister schritt nicht zu weiteren Klarstellungen, von welchen „extremen Elementen“ er spricht, jedoch sputete sich die Chrysi Avgi, die Befürchtungen zu bestätigen. Ein Spitzenfunktionär der Partei äußerte sich auf einer Webseite des rechtsradikalen Raums:

Sie entlassen die Schulwächter, die den einzigen Schutzschild darstellen, damit die Schulen nicht von Gangstern, Drogenhändlern usw. erobert werden. Wir können nicht zulassen, dass die Schulen unbewacht bleiben. Speziell in den Gebieten, in denen die Kriminalität ‚mäht‘, werden wir Freiwillige im Schichtbetrieb positionieren, damit die Kinder der Griechen sicher sind. Tagsüber wird es weibliche Freiwillige geben, damit die Kinder die Überwege an den Ampeln überqueren und die Fahrzeuge an den Zebrastreifen halten, und nachts werden alle unsere Leute in Zusammenarbeit mit der lokalen Gesellschaft rund um die Schulen herum patrouillieren. Im Gegensatz zu der Regierung werden wir die Kinder der Griechen, welche die Zukunft des Landes sind, nicht schutzlos den Kriminellen oder den Unfällen aussetzen, und auch nicht die Basis der Nation, welche die Schule ist, ungeschützt lassen.

Erklärend sei angemerkt, dass die in Rede stehenden Schulwächter, deren Stellen im Rahmen des verordneten Personalabbaus auf dem allgemeinen öffentlichen Sektor gestrichen werden, Bedienstete der jeweiligen Gemeinden sind und im Gegensatz zu klassischen „Hausmeistern“ primär Kontroll- und Sicherheitsfunktionen ausüben.

(Quelle: in.gr)

  1. Deutscher
    19. Juli 2013, 16:44 | #1

    Lobenswert, dass es in Griechenland Politiker gibt, die sich dem Schutze der Kinder verschrieben haben.

  2. Catalina
    20. Juli 2013, 00:30 | #2

    @Deutscher
    Dem Schutz der Kinder? Sie scheinen überlesen zu haben, dass dieser „Schutz“ nur den Kindern der Griechen gelten soll. Wie schützen Sie, als Ausländer in Griechenland, ihr Kind dann in Griechenland, falls es dort zur Schule gehen sollte? Sind Kinder anderer Nationalitäten dann Freiwild? Darüberhinaus ist dieser „Schutz“ für griechische Kinder für diese faschistische Schlägertruppe, denn etwas anderes ist die Chrysi Avgi nicht, eine gefundene Gelegenheit, um „Nachwuchs“ zu rekrutieren. Früh übt sich, was ein strammer Nazi werden will …
    Und kotzübel kann einem dann werden, wenn man sieht, wie lasch die Regierung Samaras dieses Problem mit den Faschisten angeht. Durch die Hintertür versucht sie, diese Schlägertruppe hoffähig zu machen. Und wieder einmal haben wir in Europa die Situation „nichts hören, nichts sehen, nichts wissen“ 🙁

  3. Alexios
    20. Juli 2013, 09:54 | #3

    @Catalina

    Es ist keineswegs so, dass griechische Kinder von Nazis verführt werden, sondern sie werden durch die korrupten, ungrechten, miesen Verhältnisse zu welchen, durch Leute, die sie dreckig behandeln, aber von sich selbst so überzeugt sind, dass sich für die moralisch vollkommensten Geschöpfe halten. Eine Partei die noch vor Kurzem bei 0,2 % lag, kann ja gar nicht so Propaganda betreiben. Nein das kommt aus dem Herzen des Volkes, aus der innersten Seele der Menschen. Wollen Sie Kinder und Jugendlichen, die vor Hunger aus der Schulbank fallen, einen Vorwurf machen, dass sie gewaltbereit werden? Sicherlich nicht. Wenn ich Berichten aus meiner Umgebung glaube, begrüßen griechische Kinder schon mal ihren Schuldirektor mit dem „Handgruß“. Vorbilder eben.

  4. Catalina
    21. Juli 2013, 00:19 | #4

    @Alexios
    Die Partei lag nicht „vor kurzem“ noch bei 0,2 Prozent. Sie hat bei den letzten beiden Parlamentswahlen im vergangenen Jahr jeweils knapp 7% erreicht und wird momentan bei Werten zwischen 10 und 12% gehandelt.
    Nein, ich mache Kindern und Jugendlichen, die vor Hunger aus der Schulbank fallen, keinen Vorwurf, dass sie gewaltbereit werden und sich meinetwegen zusammenklauen, was sie brauchen, um ihren Hunger zu stillen. Ich kann allerdings nicht verstehen, dass „Hunger leiden“ automatisch mit Rechtsradikalität zusammengehen soll / muß?? Und genau hier wäre jetzt der Staat gefordert, um das zu verhindern, was er aber definitiv nicht tut!! Die Chrysi Avgi füllt somit ein Vakuum aus, welches der Staat hinterlassen hat bzw. wo er nicht willig ist, etwas zu tun. Sorry, aber normalerweise wird man nicht als Nazi geboren, zum Nazi wird man gemacht und es obliegt den Eltern, den Lehrern, der Regierung, den Parteien, der Gesellschaft dies zu verhindern! Und wenn in Ihrer Umgebung griechische Kinder ihren Schuldirektor mit dem Hitlergruß begrüssen, dann sollte sich der Direktor die Kinder schnappen und ihnen diese furchtbaren Bilder aus den KZs von Ausschwitz, Dachau etc. zeigen und versuchen, ihnen diese menschenverachtende Ideologie begreiflich zu machen.

    Und diesen Blödsinn mit „die Krise macht die Leute zu Anhängern der Chrysi Avgi“ kann ich nicht mehr hören. Wir sind auch Opfer dieser Krise und kommen monatlich gerade noch so über die Runden und jetzt muß man sogar aufpassen, dass man nicht noch das Haus verliert mit diesen ganzen verdammten Extrasteuern / Abgaben, die monatlich im Briefkasten sind bzw. in Kürze sein werden, aber kein Mitglied unserer Familie hat auch nur irgendwelche kleinsten Tendenzen Anhänger dieser faschistischen Schlägertruppe zu werden. Es ist die Aufklärung der „Älteren“, die so etwas verhindert! Und dann kann auch nichts „aus der innersten Seele“ des Menschen kommen, egal wie die Situation ist.

    Diese „Goldene Morgenröte“ sind primitivste Schläger, sie schrecken auch nicht davor zurück, Menschen zu Tode zu prügeln und suchen sich dafür bevorzugt Menschen aus, die in der Gesellschaft noch schwächer sind als die „armen Griechen“, denen sie ja „so gerne“ helfen, und das sind die Einwanderer / Flüchtlinge aus dem Nahen und Fernen Osten, aus Afrika und sonstwo her. Was würden Sie Ihren griechischen Kindern sagen, wenn deren Schule von Leuten bewacht wird, die zwar die griechischen Kinder „beschützen“ würden, aber z. B. nicht den albanischen Schulfreund, mit dem vielleicht ihr Sohn nebeneinander auf der Schulbank sitzt. Was würden Sie auf die Frage Ihres Sohnes „Warum?“ antworten?

  5. Roditisa
    24. Juli 2013, 07:41 | #5

    @Alexios
    Meine Nichte besucht ein griechisches Lyzeum und berichtete schon vor 3 Jahren vom Erscheinen Rechtsradikaler im Schulhof, die gezielt Schüler ansprachen und mit rechtem Gedankengut vertraut machten. Die Zahl der Anhänger von Chrysi Avgi wuchs damit unter ihren Mitschülern schnell an. Das hat nichts mit einer imaginären Volksseele zu tun, es gab sofort zu Beginn der Krise schon starke Aktivität dieser Partei.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass es auch nach dem Ende der Diktatur in der Bevölkerung weiterhin Anhänger der Diktatoren gegeben hat und gibt, die über die finanziellen Mittel verfügen, eine kleine Partei logistisch aufzurüsten.

    Natürlich hat die wirtschaftliche und besonders die moralische Krise des Landes besonders die Jugendlichen anfällig für Propaganda gemacht, aber erstens nicht zwingend für rechte Propaganda, zweitens gab es sogar hier in der Provinz eben schon ganz am Anfang der Krise plötzlich schulfremde Elemente, die die Schüler gezielt ansprachen.

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