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Kosten der Gefälligkeits-Einstellungen in Griechenland

14. Juli 2013 / Aufrufe: 6.710

Die über Jahrzehnte erfolgten Einstellungen auf dem öffentlichen Sektor in Griechenland stellen einen viel größeren Skandal als alle anderen Skandale zusammen dar.

Während es uns zu Recht beschäftigt, wie viel Geld jahrzehntelang die bestochenen Politiker und Amtsträger des Staates verschwendeten – und es ist zweifellos sehr viel -, beschäftigen sich nur sehr wenige mit den zahlreichen Anstellungen und Einstellungen, welche die Politiker und Parteien auf dem öffentlichen Sektor vornahmen, ohne dass dies für den reibungslosen Betrieb erforderlich ist und ohne Leistungskriterien.

Nur sehr wenige haben sich systematisch mit diesem Thema beschäftigt, trotz der Tatsache, dass die Einstellungen auf dem öffentlichen Sektor mittels der Partei- oder Günstlingsnetze der größte Skandal der modernen griechischen Geschichte bleibt, mit direktem Täter das politische System und Mittätern die eingestellten Beamten.

Wenn wir jedoch überlegen, was die Gefälligkeits-Einstellungen das Land schließlich kosteten und weiterhin kosten, wird uns bewusst, dass die Schmiergelder der Siemens, der Waffenlieferanten und dutzender anderer Lieferanten des Staates ein Tropfen gegenüber dem Ozean der staatlichen Verschwendung waren.

Die durchschnittlichen Kosten eines öffentlichen Bediensteten

Wie viel kostet den griechischen Bürger jede Gefälligkeits-Einstellung auf dem öffentlichen Sektor? Unsere Berechnungen müssen grundsätzlich die von zuverlässigen Quellen hauptsächlich des Versicherungsmarktes oder internationaler Organismen angenommene durchschnittliche Lebenserwartung (für Männer und Frauen) berücksichtigen. Diese liegt heute laut der verlässlichen Zeitschrift Lancet für Griechenland bei 79 Jahren.

2013 erreichen die Gehaltskosten der offiziell auf dem öffentlichen Sektor Beschäftigten (Daten der Zentralregierung) 24 Mrd. Euro (2009 betrugen sie 31 Mrd. Euro). Ihre Anzahl beläuft sich unter Einbezug auch der Beschäftigten bei den staatlich kontrollierten juristischen Personen privaten Rechts, die an dem öffentlichen Defizit beteiligt sind, heute auf ungefähr 900.000. Das durchschnittliche Brutto-Gehalt eines auf dem öffentlichen Sektor Beschäftigten bewegt sich 2013 folglich bei 27.000 Euro (während es 2009 fast 32.000 Euro erreichte). Es versteht sich, dass die Berechnung sich auf Brutto-Gehälter bezieht (ohne Berücksichtigung der Überstunden). Diesem Betrag sind die Versicherungsbeiträge hinzuzurechnen, die der Staat und seine Träger für ihre Bediensteten entrichten, welcher Betrag im Durchschnitt ungefähr 3.000 Euro je Bediensteten tangiert.

Damit die obige Berechnung der wirklichen Kosten eines jeden Bediensteten für den Haushaltsplan nach oben hin genauer ist, müssten zu den obigen Beträgen regulär auch die Betriebskosten hinzugerechnet werden, die auf jeden öffentlichen Bediensteten entfallen (fully loaded cost).

Die Bediensteten des Staates und des allgemeinen öffentlichen Sektors arbeiteten in den letzten dreißig Jahren bis zu ihrer Pensionierung im Durchschnitt jeweils weniger als 25 Jahre. Zu diesen Jahren wurden in direkter Mitwirkung des politischen Systems sogar auch fiktiv die verloren Zeit der Streiks des öffentlichen Sektors hinzugerechnet, die für die letzten vier Jahrzehnte auf mehr als 1.500 Tage oder ungefähr 6 Arbeitsjahre veranschlagt worden ist (unter Abzug der Tage, die keine Werktage sind).

Wenn also jemand im Alter von 24 Jahren auf dem öffentlichen Sektor eingestellt und mit 49 Jahren pensioniert wurde, wird er wenigstens dreißig Jahre lang Rente erhalten. Wegen des Unvermögens, die Daten zu finden, haben wir nicht berücksichtigt, dass in etlichen Fällen ein jüngerer Ehepartner existiert, der auch nach dem Tod des Berechtigten noch viele Jahre lang eine reduzierte Rente bezieht, oder auch nicht die speziellen Fälle der – laut der charakteristischen Formulierung des Sprau-Berichts – „Inseln hypertrophen Schutzes“ des Rentensystems, in denen gewisse Nachkommen des Versicherten per Gesetz die volle Rente beziehen, ohne jemals in ihrem Leben arbeiten zu müssen (volljährige ledige Töchter von Militärs, Justizbeamten usw.).

Im Jahr 2012 betrugen die Aufwendungen des Haushaltsplans für die Pensionen ungefähr 440.000 pensionierter öffentlicher Bediensteter betrugen 6,58 Mrd. Euro, also ungefähr 15.000 Euro je Pensionär. In heutigen Preisen kostete also den Staat ein öffentlicher Bediensteter im Durchschnitt mindestens die folgenden Beträge:

  1. während seines Arbeitslebens (25 x 30.000 Euro =) 750.000 Euro,
  2. bei seiner Pensionierung erhielt er eine Abfindung, die sich im Durchschnitt bei 75.000 Euro bewegte, und
  3. während des Zeitraums seines Lebens als Rentner bezog er mindestens (30 x 15.000 Euro =) 450.000 Euro.

Insgesamt erhielt er somit mindestens 1.275.000 Euro.

Von 150.000 Bediensteten 1956 zu über 1 Mio. im Jahr 2011

Es sei in Erinnerung gerufen, dass 1956 die Summe der auf dem öffentlichen Sektor Beschäftigten nicht über 150.000 lag, welche Anzahl sich laut Varvaresou zu Lasten der Wirtschaft auswirken würde (1). Das politische System hörte nicht auf die äußerst richtigen Hinweise von Varvaresou, mit dem Ergebnis, dass sich 1974 die Anzahl der auf dem öffentlichen Sektor Beschäftigten auf 270.000 beläuft, um 1981 etwa 390.000 zu tangieren. Die zahlreichen Einstellungen der acht Jahre 1981 – 1989 verdoppelten fast die Anzahl der auf dem öffentlichen Sektor Beschäftigten, die sich zu Beginn des 90er Jahrzehnts auf ungefähr 800.000 beliefen (2).

Der Anteil des öffentlichen Sektors am BIP von 38,4% im Jahr 1975 tangierte somit 70% im Jahr 1988, welche Tatsache anders ausgedrückt bedeutet, dass es einen Transfer ungeheurer Größe von Mitteln von dem privaten zu dem öffentlichen Sektor gab, was die Zunichtemachung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Untergrabung der Produktivität des Landes zum Ergebnis hatte.

In den fünf Jahren unter Karamanlis kamen zusätzlich 120.000 öffentliche Bedienstete hinzu, womit das Land 2011 dahin gelangte, mehr als eine Million Beschäftigter auf dem öffentlichen Sektor zu zählen.

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. windjob
    14. Juli 2013, 09:52 | #1

    Dies ist doch nichts neues und wurde sowohl von der OECD als auch von der Troika festgestellt worden. Es ist ja nicht nur die Anzahl der Staatsbediensteten sondern auch die mangelnde Kommunikation und Organisation. Z.B. sind in den letzten Jahren in allen Hafenbehörden neue junge Beamten/innen aufgetaucht. Ganz offensichtlich ist die alte Garde in Pension gegangen.

    Nur ein Beispiel: In Sitia (Ost Kreta) treten sich in einer Schicht 7-8 Beamte auf die Füsse. In diesen Hafen kommen in der Woche jetzt in der Saison 3 Fährschiffe, ein paar Segler (für mehr als 6-7 ist kein Platz) und ab und zu ein Frachtschiff. Das einzige was die tun ist bedrucktes Papier zu produzieren.

    Die Belastung für den Staatssäckle wird die nächsten Jahre noch gewaltig steigen.

  2. ZanteBlüht
    14. Juli 2013, 15:43 | #2

    Hab selten beim Lesen eines Blog-Eintrages hier so schmunzeln müssen.
    Das, was ich jedes Mal gegenüber meinen griechischen Freunden vertreten und argumentiert habe, und für das ich mir, als Deutscher, immer und immer wieder Anfeindungen habe gefallen lassen müssen, gibt es hier mal Schwarz auf Weiß. Ich bin dabei immer von 1 Mio. Beamter ausgegangen und hab ebenfalls mit 3000 € gerechnet. Wenn ich jedesmal die Zahlen überschlagsmäßig gerechnet habe, sind viele Griechen immer blaß geworden …
    Am erschreckendsten für mich ist, das, wenn man früher die Reißleine gezogen hätte, nicht so tief gefallen wäre. Schade für das Land – vielleicht ziehen zukünftige Verantwortliche daraus ihre Lehren. Zu hoffen wäre es …

  3. Irini
    14. Juli 2013, 15:46 | #3

    Der erste Artikel seit langem, der objektiv die Problematik Griechenlands, deren Ursache und Auswirkung auf das griechische Volk schildert. Alles andere ist Augenwischerei und Aufhetzung des Volkes gegen Europa, speziell Deutschland.

  4. Böse
    14. Juli 2013, 17:04 | #4

    Guter Bericht und nach meiner Einschätzung auch sachlich. Was sagen denn die „LINKEN“ und die Gewerkschaften dazu? Dieses Thema sollte viel stärker in der Presse verarbeitet werden. Warum erfolgt dieses nicht?
    Hoffentlich kann Samaras und Frau Merkel und Co. so standhaft bleiben, bis tatsächlich diese absolut notwendigen Maßnahmen auch realisiert werden. Gleichzeitig müssen Umschulungen und die privaten Unternehmen gefördert werden, damit auch tatsächlich neue Arbeitsplätze entstehen können. Nur dann kann GR das Problem der Strukturveränderungen erfolgreich lösen.
    Leider hat man von „außen“ nur den Eindruck, dass Generalstreiks das einzige ist was die Gewerkschaften können.

  5. Moppel
    15. Juli 2013, 05:54 | #5

    Wieder eine der opportunistischen Pseudo-Analysen, die bei einschlägig „gepolten“ Intelligenzverweigerern natürlich immer gut ankommen, abgesehen von einem unbestreitbaren elementaren Wahrheitsgehalt jedoch primär dokumentieren, wie schlimm es um das intellektuell verkrüppelte „Vereinigte Europa“ wirklich bestellt ist.

  6. Roland Wolf
    15. Juli 2013, 09:14 | #6

    @Moppel
    Dann ist doch hier eine gute Gelegenheit Ihre Sicht der Dinge darzustellen. Sind die Zahlen des Artikels falsch, fehlen Daten, gibt es gute Gründe warum Griechenland so viel mehr Staatsbedienstete benötigt als früher und hat deren Arbeit auch heute noch einen wesentlichen Wert für die Gesellschaft?
    Oder sind es vieleicht dann doch zu viele Staatsdiener und z. T. an den falschen Stellen? Ein Verweis auf den ebenfalls großen öffentlichen Sektor anderer Staaten würde ich hier außer acht lassen, da diese für gewöhnlich in der Lage sind diese selbst zu finanzieren.

  7. Heinz
    15. Juli 2013, 12:50 | #7

    @Moppel

    Nun, wer sagt denn, dass gerade die, welche den Artikel als erhellend einstufen, die Intelligenzverweigerer sind? Man könnte ja vielleicht auch etwas Anderes vermuten, oder?

  8. Catalina
    16. Juli 2013, 02:17 | #8

    Ich habe selten so einen dummen Artikel gelesen wie den des Herrn Tassos Arvanitis. Für wen ist das geschrieben? Für die deutschen „Ja wohl, ich hab’s ja schon immer gewußt“ Bürger?
    Herr Arvanitis ist Mitglied einer Partei, die bei den letzten Wahlen in Verbindung mit einer anderen Kleinstpartei insgesamt nur 1,59% der Wählerstimmen bekommen hat. Gegründet wurde die Drassi-Partei übrigens von Stefanos Manos, ehemaliger – abtrünniger – ND-Minister (unter anderem Minister für Umwelt und öffentliche Projekte …) und das ist wichtig zu wissen, denn nur so versteht man, warum in diesem hanebüchenen Artikel die ND so vergleichsweise „harmlos“ wegkommt, obwohl in ihren Regierungszeiten das Geld dreifach verschleudert wurde bzw. gleich direkt auf die schweizer Konten der Minister, Staatssekretäre, Untersekretäre etc. ging.
    Und wenn nun die übermässigen „Gefälligkeitsanstellungen“ beklagt werden, so sollte man doch bitte auch gleich die Lösung mitliefern, was man sonst mit vielleicht einer Million mehr Arbeitslosen gemacht hätte. Öffentlicher Dienst und Tourismus, das waren bis jetzt die Standbeine der Arbeitsplatzbeschaffung in Griechenland. Man sollte die Herren Arvanitis und Manos vielleicht mal diskret fragen, was sie denn in ihren aktiven politischen Zeiten für die Arbeitsplatzbeschaffung / für Firmengründungen abseits des Öffentlichen Dienstes getan haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass da die „Superideen“ nur so gesprudelt wären bzw. das Füllhorn an anderen Arbeitsstellen sich über die Griechen ergossen hätte. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es in diesen Zeiten besonders leicht für ausländische Firmen und Investoren gewesen war, in Griechenland zum Zuge zu kommen.
    Und wenn jemand nun die Anzahl der Angestellten des Jahres 1956 mit denen des Jahres 2011 vergleicht, da kann man nur noch den Kopf schütteln. Ja klar, wir hatten weniger Bedienstete, lustigerweise hatten wir auch ein paar Millionen weniger Einwohner …
    Und dann geht es munter weiter. Jedes Klischee wird bedient. Natürlich dürfen die arbeitsscheuen unverheirateten Töchter irgendwelcher Militärs nicht fehlen, natürlich darf der faule Arbeitssack, der schon mit 49 Jahren in Rente ging, nicht fehlen etc. Wenn schon so mit Zahlen jongliert wird, dann möchte ich aber bitteschön auch ganz detailierte Quellenangaben genannt bekommen. Denn das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Griechen lag – laut europäischem Statistikamt – bei 61,5 Jahren vor der Krise. Zeitgleich lag es bei den Deutschen bei 61,8 Jahren. So einen grossen Unterschied sehe ich da jetzt nicht!
    Und wenn Herr Arvanitis jetzt so tut, als ob alle öffentlichen Bediensteten mit 49 Jahren in Rente gegangen und 30 Jahre ihre (nicht verdiente) Rente bekommen hätten und anhand dieser Zahlenrechnung jetzt seine „großartigen“ Zahlenbeispiele unter die Leute bringt, dann ist das nichts weiter als eine populistische Stimmungsmache bei neoliberal gefärbten Lesern auf Kosten des einfachen griechischen Bürgers.
    Laut Herrn Arvanitis braucht man 400.000 Angestellte nicht. Okay, wohin bzw. wie soll man sie entsorgen? Vielleicht alle nach Deutschland schicken?
    Hinter jedem Menschen, der entlassen wird, steht eine (Groß-) Familie, stehen Angehörige, die versorgt werden müssen, steht ein Schicksal. Und erst recht in diesen furchtbaren Zeiten, wo es in immer mehr Familien nur noch ein Familienmitglied gibt, welches überhaupt noch eine Arbeitsstelle hat.
    Es gibt nur eine „Institution“ in Griechenland, die ganz dringend einer „grossen“ Reform bedarf und deren Gehälter, Zulagen, Extraspesen, Vergünstigungen für Direktangestellte und für „um drei Ecken herum-Angestellte“ etc. RIGOROS gekappt werden müssen, und das ist das Griechische Parlament (vom Ministerpräsidenten bis hin zur Putzfrau). Wenn da endlich mal jemand durchgreifen würde, würde man übers Jahr gerechnet etliche hundert Millionen, wenn nicht gar noch mehr einsparen … Aber da bleibt alles so gut wie unangetastet! Zeit für Herrn Arvanitis, sich mal mit diesem Thema zu beschäftigen, als Gemeinderatsmitglied von Athen sollte ihm das nicht all zu schwer fallen.

  9. Mark
    16. Juli 2013, 09:36 | #9

    @Catalina
    Es geht genau um den einfachen griechischen Bürger, der nicht im öffentlichen Dienst arbeitet. Es geht um alle Griechen die von öffentlichen Dienst nichts bekommen aber dafür fürstlich bezahlen dürfen. Diese Griechen werden mit immensen Steuern / Gebühren / Fakelaki belastet um dieses Riesenheer zu finanzieren. Meinen Sie das das die Wirtschaftsleistung dieser Griechen erhöht? Was glauben Sie machen Menschen unter diesen Bedingungen? Was geschieht mit Unternehmen? Wie reagieren Unternehmer? Meinen Sie das Menschen unter diesen Bedingungen etwas Unternehmen wollen und Risiken eingehen die ohne politische Rückendeckung nicht kalkulierbar sind? Glauben Sie tatsächlich das der einfache Grieche diese absurde ungerechte Behandlung nicht wahrnimmt? Der öffentliche Dienst wird geschont und die Privatwirtschaft wird zum schutze des öffentlichen Dienstes finanziel geschlachtet!
    Es ist an der Zeit in GR den öffentlichen Dienst, die heilige Kuh Griechenlands, zu schlachten!

  10. Ottfried Storz
    16. Juli 2013, 10:58 | #10

    Laut OECD und EU-Angaben war der Anteil der im öffentlichen Dienst und Unternehmen im öffentlichen Besitz beschäftigten Mitarbeiter unter OECD und EU-Schnitt. Jedoch hatte Griechenland hier die höchsten Steigerungen in der EU, versus Rückgänge in den meisten EU-Ländern von 2005-2010.
    Laut Monetary Fund lag die Staatsquote Griechenland zuletzt bei 50,2 Prozent, damit an Platz 7 von 27 EU-Staaten. Noch deutlich höher lagen sie in Finnland, Dänemark, Belgien und Frankreich. Staaten, wo Ölunternehmen, Stromversorger und Banken großteils noch in Staatsbesitz sind. Zum Vergleich: In Großbritanien liegt sie bei 43,5%, in Deutschland bei 45%, ohne das von Ausverkauf des Tafelsilbers geschrieben wurde.

    Das Grundproblem hat der Artikel jedoch erfaßt (wenn auch mit Übertreibungen): Staatsbedienstete kosten der Gesellschaft und dem Geld. Und das hat Griechenland zu wenig, insofern wären weniger Staatsbedienstete eine deutliche Entspannung für die extrem angespannten Haushalte. Das jedoch auch eine extreme Effizienzsteigerung der Verwaltung nötig ist, brachte u.a. die OECD-Studie „Review of the central administration“ an die Öffentlichkeit.

  11. Ronald
    16. Juli 2013, 15:48 | #11

    Die Reaktion von Cantalina ist exakt die, die ich auf Seiten der Griechen immer wieder sehe. Es ist nicht erkennbar, dass man sich einem Sachverhalt auch nur ansatzweise in einer – zugegebenermaßen kalten – aber auch wissenschaftlichen Art und weise nähert. Zunächst einmal wird Herkunft, politische Einstellung und – sehr beliebt bei älteren Griechen – die Familiengeschichte des Autors durchleuchtet. Dann kommen Sätze wie „… und wenn nun die übermässigen ‚Gefälligkeitsanstellungen‘ beklagt werden, so sollte man doch bitte auch gleich die Lösung mitliefern, was man sonst mit vielleicht einer Million mehr Arbeitslosen gemacht hätte …

    Verlassen wir hier die Analyse der griechischen Argumentatsionskette und wenden uns kurz den Inhalten zu:
    Niemand hat je in Griechenland Freunde, Parteigänger oder Familie im Staatsapparat untergebracht um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Ein weiterer und meiner Meinung nach entscheidender Irrtum ist, dass durch die Aufblähung des Staatsapparates Arbeitslosigkeit verhindert oder reduziert wird. Genau das Gegenteil ist der Fall. Denn eine aufgeblähter Staat muss nicht nur unterhalten, sondern auch beschäftigt werden. Dies führt zu komplizierten Verfahren, damit möglichst viele der Staatsangestellten auch „sinnvoll“ beschäftigt werden. Ich habe oft genug die Ämterrennerei meines Schwiegervaters für in DE einfache und selbstverständliche Dinge beobachtet. Die Konsulatsbesuche mit meiner Frau sind für mich in der Erinnerung ein steter Quell der Freude und die Diskussionen mit den Angestellten sowie deren eigene Unwissenheit sind für mich immer Legende.

    Kehren wir zurück zur Analyse der griechischen Argumentationskette:
    Laut Herrn Arvanitis braucht man 400.000 Angestellte nicht. Okay, wohin bzw. wie soll man sie entsorgen? Vielleicht alle nach Deutschland schicken? Hinter jedem Menschen, der entlassen wird, steht eine (Groß-) Familie, stehen Angehörige, die versorgt werden müssen, steht ein Schicksal. Und erst recht in diesen furchtbaren Zeiten, wo es in immer mehr Familien nur noch ein Familienmitglied gibt, welches überhaupt noch eine Arbeitsstelle hat.

    Was soll ich dazu sagen? Reicht es denn nicht, dass abertausende Staatsbediensteter über Jahrzehnte versorgt waren? Was ist mit den 27% Arbeitslosen in Griechenland die keine Chance auf einen Arbeitsplatz haben, solange der Staat so agiert wie er agiert und niemand in Griechenland investiert? Soll man Zukunft einer ganzen Nation zugunsten derjenigen opfern, die am System der Gefälligkeitsposten im öffentlichen Dienst bereits jahrelang profitiert haben? Das klingt für mich ein bißchen so, als könne man einem Dieb seine Beute nicht mehr wegnehmen, weil seine Familie dann nicht mehr versorgt ist.

    Ob die Zahlen des Autors haltbar sind kann ich nicht sagen, das gebe ich unumwunden zu. Tatsache ist aber, dass der griechische Staatsapparat aufgebläht, unorganisiert selbst für Insider sschwer durchschaubar ist und ineffektiv agiert. Er hat naturgemäß auch kein interesse auf eine Steigerung der Effizienz hinzuarbeiten. Und ohne die wird Griechenland für Jahrzehnte auf dem Niveau eines Schwellenlandes bleiben.

  12. Ottfried Storz
    18. Juli 2013, 10:21 | #12

    Das Parlament hat gestern nach erheblichen Troika-Druck beschlossen, dass bis Jahresende 25.000 Staatsdiener – hauptsächlich Lehrer und Polizisten – in eine Transfergesellschaft überführt werden SOLLEN. Kommen sie nicht innerhalb von acht Monaten in einer anderen Abteilung unter, werden sie entlassen. Damit wurde der Druck erneut weg von den Ministerien auf die Kommune verlagert, die über 80% der Transferbeamten melden sollen.
    Mit dieser Vorgehensweise scheiterte die Regierung bereits 2011, bzw. sie hatte 2011 den Troika-Druck „aufgenommen“ und griechisch gelöst: Beschluss im Parlament – ohne Umsetzung vor Ort. Im September 2011 ordnete das Finanzministerium an, dass staatliche Unternehmen und Arbeitgeber binnen zwei Wochen Namenslisten mit 10 Prozent ihrer Angestellten vorlegen müssen, die zur „Arbeitsreserve“ zu versetzen seien. Dieser Aufforderung kamen diese jedoch „einfach“ und ohne Negativfolgen nicht nach. Insofern ist auch die Umsetzung des aktuellen Beschlusses zweifelhaft. Siehe hierzu auch den lesenswerten FAZ-Artikel „Griechenlands zäher Weg zur Entlassung von Beamten“.
    Die 2010 durchgeführte Erhebung der OECD zur Effizienz der Verwaltungen in Griechenland brachte für das Schul- und Polizeiwesen keine überdurchschnittlichen Personalverringerungsbedarf, sondern in in griechischen Verwaltungen.

  13. V99 %
    19. Juli 2013, 00:28 | #13

    Wer den Artikel durchliest merkt eigentlich schnell, dass sich hier jemand, der nicht unbedingt zu den „Analysten“ gehoert, mit einigen Uebertreibungen ausgetobt hat … wenn da nicht der „unbestreitbare elementare Wahrheitsgehalt“ waere … Die Regierung Samaras will hier ihr jahrelanges Versagen mit einer Portion Zweckoptimismus uebertuenchen und die „Geldgeber“ gnaedig stimmen. Statt sich dem Problem der Ueberarbeitung einer Verwaltung zu stellen und sinnvolle Reformen durchzufuehren greift man, wie allgemein in der Geschichte ueblich, erstmal zu „Bauernopfern“, das hilft auch von der Schliessung der ERT abzulenken. Dieses Ereignis ist so auch fast aus den Medien verschwunden. Und noch etwas zu den Staatsangestellten, es sind Gehaelter teils um ueber 40% gekuerzt worden, also wurde schon viel Geld eingespaart, wenn die Entlassungen dann solche Menschen treffen, finde ich das auch ungerecht, besonders wenn es sich um die unteren Besoldungsgruppen handelt. Es wird und kann definitiv keine gerechten Losesungen geben …

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