Griechenland: Einkommen sinken, Steuern explodieren

29. Juli 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 1.315

Einkommen und Steuerbelastungen im Detail

Detaillierter zeigen die statistischen Daten der GGPS bezüglich der Einkommen, welche die Steuerpflichtigen deklarierten, und der Steuern, die sie zu zahlen aufgefordert wurden, Folgendes:

1. Die Krise hat dramatisch die Einkommen der Arbeitnehmer und Rentner eingeschränkt. Das 2012 von Arbeitnehmer und Rentnern deklarierte durchschnittliche Einkommen (des Jahres 2011) belief sich auf 14.640 Euro. 2011 hatten diese Steuerpflichtigen im Durchschnitt 17.928 Euro (als Einkommen des Jahres 2010) deklariert. Das durchschnittlich Einkommen der Arbeitnehmer und Rentner im Jahr 2011 erlitt also eine signifikante Senkung in einer Größenordnung von 18,3% gegenüber dem Jahr 2010.

2. Trotz des Rückgangs des durchschnittlichen Einkommens schnellte die steuerliche Belastung der Arbeitnehmer und Rentner in die Höhe. Konkret war die durchschnittlich von jedem Arbeitnehmer und Rentner gezahlte Steuer um 52% erhöht. Von 1.091 Euro im Jahr 2011 erreichte sie 1.654 Euro im Jahr 2012. Der steile Anstieg der steuerlichen Belastung beruht auf dem Sturm der Steuern und Maßnahmen, der die Einkommen der Steuerpflichtigen „heimsuchte“, wie:

  • Senkung des für die Steuerzahler geltenden Steuerfreibetrags von 12.000 Euro auf 5.000 Euro und Erhebung einer Steuer von 10% auf den Teil des Jahreseinkommens über dem neuen reduzierten Steuerfreibetrag von 5.000 Euro und bis zur Grenze des alten Freibetrags von 12.000 Euro.
  • Senkungen bei den Steuerfreibeträgen für die Kinder.
  • Erhöhungen bei den Steuersätzen für die niedrigen und mittleren Einkommen.
  • Erhöhung der Lebenshaltungsindizien für Wohnungen und Fahrzeuge.
  • Kürzungen bei den Einkommensteuer-Ermäßigungen.
  • Wechsel zu einer ungünstigeren Art der Berücksichtigung des Wertes der Zahlungsbelege zur Begründung des Steuerfreibetrags.

3. Ungefähr 1,1 Mio. Arbeitnehmer und Rentner erscheinen inzwischen mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Konkret deklarierten 1.098.510 Arbeitnehmer und Rentner – was 22,86% der Gesamtheit entspricht – ein Jahreseinkommen von bis zu 6.000 Euro, also bis zu 500 Euro im Monat. Von diesen  deklarierten 65.185 ein Jahreseinkommen von bis zu 1.000 Euro.

4. Fast sechs von zehn Arbeitnehmern und Rentnern deklarierten im vergangenen Jahr ab 6.000 bis 20.000 Euro.

5. Auf 7.011 beläuft sich die Anzahl der reichen Steuerpflichtigen, da sie bei dem Finanzamt mit Einkommen von bis zu 150 Mio. Euro erscheinen. Trotz der Krise deklarierten sie im Jahr 2012 (also für 2011) insgesamt 1,16 Mrd. Euro, worin Einkommen auch aus anderen Quellen wie Mieteinnahmen, Beteiligungen an Unternehmen, im Ausland erzielte und in Griechenland besteuerte Einkommen u. a. umfasst sind. Die von ihnen insgesamt gezahlte Steuer erreicht 418,39 Mio. Euro.

6. Reduzierte Einkommen präsentierten in ihren Steuererklärungen auch die Selbständigen. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern, die für ein weiteres Jahr die Steuerlasten stemmten, sahen die Selbständigen allerdings zusammen mit ihren Einkommen auch ihre steuerliche Belastung erheblich sinken. Konkret war das von den rein (also keine weitere Tätigkeit ausübenden) Selbständigen 2012 deklarierte durchschnittliche Einkommen (des Jahres 2011) im Vergleich zu dem 2011 deklarierten durchschnittlichen Einkommen (des Jahres 2010) um 38,5% geringer. Konkret deklarierten 2012 insgesamt 347.304 Selbständige ein durchschnittliches Einkommen von 19.880 Euro, gegenüber 32.313 Euro im Jahr 2011. Die durchschnittliche steuerliche Belastung eines jeden Selbständigen gestaltete sich 2012 auf 3.603 Euro, gegenüber 4.378 Euro im Jahr 2011, sank also um 17,7%. (Anmerkung: Hinzu kam allerdings die 2011 neu eingeführte und inzwischen 650 – 1.000 Euro pro Sitz / Filiale betragende pauschale jährliche „Gewerbeabgabe“, die unabhängig von dem deklarierten Einkommen erhoben wird.)

7. 60% der Selbständigen (also 207.729 von insgesamt 347.304) deklarierten ein Jahreseinkommen von bis zu 6.000 Euro.

8. Auf der Gegenseite deklarierten gerade einmal 2.443 Selbständige ein Jahreseinkommen von über 101.000 Euro und bis zu 1,5 Mio. Euro.

(Quelle: Imerisia)

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