Grenzen der Unterwerfung in Griechenland

12. Juli 2013 / Aktualisiert: 21. Juli 2013 / Aufrufe: 1.158

Premierminister Antonis Samaras spricht gerne von einer griechischen Succes Story, die jedoch eher einen Erfolg der Gläubiger darstellt, die ihre Kredite recyceln.

Sie schreiten zu Auflösungen, Ausverkäufen, Entlassungen vom Fleck weg! Es ist die Zweier-Regierung, die Regierung Samaras – Venizelos, die Regierung ND und PASOK, die Regierung, die von den Parteien gebildet wurde, die sich bei den Wahlen ihrer Stimmen versicherten, indem sie die Menschen plump betrogen und eine „Neuverhandlung des Memorandums“ und „keinerlei weitere Maßnahmen“ versprachen. Es sind diejenigen, die regieren und dabei vergessen, dass sie Rechenschaft schuldig sind – nicht gegenüber Schäuble und der Zinswucherer-Clique der Gläubiger, sondern gegenüber dem Volk.

Es ist offensichtlich, dass welches kommunikative Spielchen auch immer bezüglich der Tranche veranstaltet wird, der sich die ehrenwerten Herren des von PASOK und Nea Dimokratia beherrschten neoliberalen Griechenlands versichert haben, keinerlei Eindruck zu schaffen vermag. Es sind viele, denen bewusst wird, wie viel die neue Tranche des neuen Kredits kostet, die höchstwahrscheinlich in Raten ausgezahlt werden wird, damit andere Raten diverser älterer Kredite getilgt werden.

Verelendung im Namen des Fortschritts

Die Kosten der Tranchen also sind greifbar und blutig:

  • Bereitschaft für 25.000 Arbeitnehmer
  • Kündigungen für 12.000 Arbeitnehmer
  • Pfändungen und Versteigerungen von Hauptwohnungen
  • Ausverkauf öffentlicher Unternehmen, Häfen, Flughäfen und staatlicher Filetstücke
  • Verpfändung zukünftiger Einnahmen

Und all dies im Namen des Fortschritts, des Aufschwungs und der Reformen. Wenn zu all diesen … Reformierungen die Steuerraubzüge, die Abzocken, die außerordentlichen (aber beständig gemachten) Abgaben hinzugefügt werden, zeigen sich Werk und Errungenschaft der engen Partner Samaras und Venizelos: eine verelendete Gesellschaft in einem geplünderten Land.

Diese gesellschaftliche Verelendung wird multipliziert durch die empor geschnellte Arbeitslosigkeit (europäischer Rekord), durch die Jugendarbeitslosigkeit (Weltrekordniveau), durch das Beharren der Preise, die höchsten in Europa zu bleiben, durch die Auflösung des Gesundheitssystems (wer kein Geld auf der hohen Kante hat stirbt einfach), durch die Zerschlagung der Bildung (nach den Universitäten werden systematisch auch die Schulen der Sekundarstufe und sogar auch die Vorschulen aufgelöst).

Dies ist die griechische Erfolgsstory, von welcher der Premierminister spricht. Und er hat Recht, nur dass er einen absoluten Erfolg der Zinswucherer-Gläubiger beschreibt, die ihre Kredite recyceln und sehen, wie sich ihre Zinseszinsen auf eine analoge Höhe zur Tiefe der Hölle multiplizieren, die sich aufgetan hat und einen immer größeren Teil der griechischen Gesellschaft erwartet.

PS: Die Gläubiger vergessen vielleicht und sicher berücksichtigen ihre arroganten einheimischen Vasallen nicht, dass es erforderlich ist, dass die Regierungen eines Landes ein Minimum an Zustimmung sicherstellen. Oder, einfach gesagt, auch die Unterwerfung hat ihre Grenzen …

(Quelle: To Pontiki)

  1. windjob
    12. Juli 2013, 13:23 | #1

    … sondern gegenüber dem Volk

    Ja, und genau dieses Volk hat diese korrupten Verbrecher gewählt. Warum beschweren sie sich nun. Der vorhergehende Artikel zeigt doch deutlich wo die korruptesten Institutionen sitzen. An erster Stelle Politiker die den Hals nicht voll genug bekommen können. Was interessiert die den das Volk solange ihre Taschen gefüllt sind. Ist es den so schwer zu begreifen wer hier die Schuld trägt. Aber ich gehe jede Wette ein bei der nächsten Wahl gehen wieder alle brav an die Urne. Und glaubt bitte nicht, dass die Politiker der anderen Parteien auch nur ein Quentchen besser sind. Wenn, dann nur solange Wahlkampf herrscht.

  2. Ottfried Storz
    12. Juli 2013, 14:29 | #2

    Die Rückzahlung von Krediten ist „Unterwerfung“ ?!? Der bereits erfolgte Verzicht auf Kredite in Höhe von 107 Mrd. Euro im Schuldenschnitt vor gerade einmal einem Jahr (Frühjahr 2012) wird komplett ausgeblendet ? Die umgetauschten Anleihen erhalten erstmals keine Zinsen, später nur 2 Prozent, ebenso sieht es bei mittlerweile hunderten Milliarden EZB-Geldern aus.
    Man muss angesichts dieser Fakten schon reichlichst verblendet sein, wenn man dann von „Zinswucherer-Clique der Gläubiger“ schreibt.
    „Versteigerungen von Hauptwohnungen“ werden in wohl allen anderen EU-Staaten bereits seit Jahrzehnten realisiert, gleiches gilt für den angeblichen „Ausverkauf öffentlicher Unternehmen“ (der Versorgungsunternehmen von ND und PASOK): In Resteuropa wurden Telekommunikations- , Post-, Öl- und Luftfahrtunternehmen bereits in den 90er Jahren und bis 2005 privatisiert.

    Wenn es jetzt einen Schuldenschnitt gäbe, hätte Griechenlands Regierung und Gesellschaft (Gewerkschaften, Justiz, Parteien etc) viel weniger Reformdruck. Dann bliebe Griechenland so ineffektiv, klientelistisch und korrupt, wie es ist. Und damit für Investoren unverändert extrem unattraktiv !

  3. Maja
    12. Juli 2013, 18:49 | #3

    Tja, so etwas kommt dabei heraus, wenn man keine vernünftigen Alternativen zum Wählen hat. Hier gibt es eben nur Pest (die Etablierten Korrupten) und Cholera (die Chaoten von Syriza) …

    @Ottfried Storz
    Bloß weil einige Dinge in Deutschland eher geschehen sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gut sind 😉
    Es ist ja nun tatsächlich Fakt, dass nicht alle mit Herrn Schäubles Bankenunterstützungspolitik, huch entschuldige, „Konsolidierung“ einverstanden sind, siehe Bofinger, Juncker und viele andere Europäer.
    „Reformdruck“? Da ist er wieder, der Oberlehrer, der uns so beliebt macht = am deutschen Wesen soll die Welt genesen …

  4. 13. Juli 2013, 00:27 | #4

    Manchmal schäme ich mich ja, Deutscher zu sein. Zum Beispiel, wenn ich einige Kommentare hier (und auch anderswo) lese. Die Südländer, die jahrelang unsere Produkte gekauft und damit unsere (im Vergleich zur Produktivität lausig bezahlten) Arbeitsplätze gesichert haben, sind jetzt plötzlich die Faulenzer. Was viele Deutsche noch nicht kapiert haben: das sind unsere Kunden! Und wenn man seine Kunden in den Ruin treibt, darf man sich nicht wundern, wenn man sein Geld nie wieder sieht. Das weiß jede schwäbische Hausfrau. Jede schwäbische Hausfrau hätte übrigens auch gegengesteuert, wenn sie gemerkt hätte, dass ihre Kunden ihrerseits keine Waren mehr zum Tausch anbieten können, sondern nur noch anschreiben lassen.

    De facto haben die Deutschen den Euro unterwandert, indem sie durch Niedriglöhne ihre Inflationsrate deutlich unter das von ihnen selbst vorgegebene Ziel von knapp 2% gedrückt haben. Und der Sozialverrat Schröder hat sich auch noch damit gebrüstet, einen der größten Billiglohnsektoren Europas geschaffen zu haben. In einem der reichsten Ländern der Welt! Und die Deutschen jubeln dazu, dass sie durch ihren Lohnverzicht die Faulenzer in Südeuropa plattgemacht haben und wählen die Plattmacher nochmal. Dass in Griechenland mittlerweile ein Elend wie im Krieg herrscht, sehen sie nicht. Sie wissen auch nicht mehr, wer den letzten Krieg dort veranstaltet hat.

    Meine Empfehlung an alle Ausländer: mit den Deutschen ist keine Währungsgemeinschaft zu machen, weil sie das Wort „gemein“ im falschen Sinn verstehen. Wie Politik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

  5. GR-Block
    13. Juli 2013, 01:14 | #5

    Bei aller Polemik hat der Artikel natürlich prinzipiell recht. EURO-Verzocker ungestraft ihr Geld zurück zu erstatten, zeigt Kulanz gegenüber eigenen Karriereförderern. Die griechische Politik hat erlaubt, dass Herr Schäuble seine Förderer rekapitalisiert, über den Umweg Griechenland. Die entstehenden Schulden allerdings bekommt die griechische Bevölkerung aufs Konto und mit jedem Schnitt auch die anderen Europäer. Das erzeugt Hass. Jedoch haben weder Griechen noch andere Europäer die Schulden gemacht. Es sind die EURO-Verzocker, die über den EU-Völkern sitzen und Schulden produzieren. Und darunter wird man nur wenige Griechen finden. Die Banken sind dabei Vermittler, die lediglich helfen, die Anonymität der Verursacher zu waren.

    Das Geld bei den Völkern einzusammeln ist eine Maßnahme gegen das Verursacherprinzip und führt langfristig nicht zu Stabilität, sondern zu Unruhen. Durch Schönwetterreden wird das weder Herr Samaras noch die EU abwenden können. Da müssen sie schon was Besseres bieten. Ich bin sicher, der nächste Schnitt ist schon in der Schublade.
    Doch doch, die Unterwerfung ist offenkundig. Europa verneigt sein Haupt vor den Zockern und ist gleichzeitig deren Versicherung. Offensichtlich WILL die EU zocken. Und wenn die Blase platzt, richtet man sich ein „Bad Land“ ein und transferiert alle Schulden der Verzocker dorthin.
    Natürlich hat kein Brüsseller geglaubt, das griechische Volk mit seinem moderaten Wohlstand könne die Verzocker auszahlen. Nein, die REICHEN Europäer waren das eigentliche Ziel. Weil diese aber schlecht angreifbar sind, sollte das „arme“ Griechenland deren Herzen rühren, um die „Rettungskredite“ (in Wirklichkeit faule Kredite) nach GR fließen zu lassen. Das mit der Rührung allerdings ging wohl vollends in die Windel. Latenter brauner Hass schwappte in das kleine Land und blieb liegen.

    Schäme dich junge(s) Europa, du hast in deine eigene Wiege gemacht. Hättest du 1993 bloß die Windel nicht ausgezogen. Das war doch zu früh.

  6. Götterbote
    13. Juli 2013, 11:03 | #6

    @arno

    Danke, für einen guten, so seit langem nicht mehr gelesenen Leserkommentar.

    @Ottfried Storz

    Sie sind ja ein fleißiger Schreiber hier und daher fallen mir Ihre Kommentare auch immer wieder auf. Mal kann ich Sie nachvollziehen, mal weniger, so wie auch diesen hier. Diese deutsche Obermoral von den Krediten, die man als „anständiger Bürger (Staat)“ zurückzahlen muss gehört zu den in meinen Augen größten Blödsinn in dieser Diskussion.
    Ja, es gab Kredite, das Geld ist (erst virtuell) geflossen. Aber dieses Geld haben die Banken eigentlich nie besessen, sondern sie haben es auch dem Nichts erschaffen. Wenn dann keine Rückzahlung erfolgt, ist der Verlust der Bank maximal der der nicht erhaltenen Zinsen, die sie durch die Hinterlegung von Sicherheiten leisten musste. Diese Sicherheiten liegen nach meinem Wissen derzeit bei 1%. Das heißt also, die Banken haben bei Ihrer genannten Zahl einen Verlust von 1,07 Milliarden. Eine Zahl, die sich schon ganz anders liest.

  7. Mark
    13. Juli 2013, 12:29 | #7

    Anstatt immer den gleichen Standpunkt zu übersetzen (die Ausländer / Troika/Deutschen sind an allem Schuld) kann man sich auch mal einen anderen Standpunkt ansehen:
    http://tasosavrantinis.blogspot.gr/2013/07/blog-post_12.html

    Kleiner Auszug:
    … um einen Geldempfänger im öffentlichen Dienst zu finanzieren muss man 7,5 Lohnempfänger aus der Privatwirtschaft steuerlich abschöpfen. Bei 900.000 Geldempfängern im öffentlichen Dienst braucht man 6,5 millionen Zahler in der privaten Wirtschaft …

  8. Delta120
    13. Juli 2013, 13:58 | #8

    In einer Demokratie braucht man nur 50+x Prozent um zu bestimmen und die muss man versorgen. Die 50-x kann man verhungern lassen, was gerade geschied.

    Das die meisten Leute zu doof sind um zu verstehen, was die Mächtigen wirklich vorhaben ist normal. 1 Jahr vor den Wahlen, läßt man die Zügel schleifen und die Leute haben den scheiß vergessen und wählen wieder ihre Peiniger.

  9. Götterbote
    13. Juli 2013, 18:58 | #9

    @Mark
    Genau das Gegenteil ist der Fall. „Solche“ Argumente bekommt man tagtäglich in den deutschen Medien zu lesen, hören und zu sehen. Daher ist es umso wichtiger, dass es auch Quellen gibt, welche die andere Seite zeigen, so wie es hier der Fall ist.

    • Team
      14. Juli 2013, 04:21 | #10

      @Götterbote
      THX – ist schon gut, der Artikel (sprich die reichlich 1.500 Wörter umfassende Übersetzung) war eh „gescheduled“ und ist inzwischen publiziert worden: Kosten der Gefälligkeits-Einstellungen in Griechenland.
      Einige Leser glauben augenscheinlich, hier eine Plattform zur Selbstdarstellung gefunden zu haben (Mami, Mami, ich weiß was – anstatt zeitnah eine eigene Übersetzung als Gastbeitrag zuzusenden); Schwamm drüber, lassen wir ihnen den Spaß … .

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