42 Mrd. aus Steuern sind für Griechenland "verloren"

9. Juli 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 1.380

Ein Großteil der in Griechenland seit vielen Jahren aufgelaufenen Verbindlichkeiten der Steuerzahler an den Fiskus gelten als nicht eintreibbar.

Die Daily Telegraph schreibt, „Griechenland hofft, dass die Finanzminister der Eurozone am Montag die nächste Tranche von 8,1 Mrd. Euro freigeben werden, weil es für das Land von vitaler Bedeutung ist, im kommenden Monat Anleihen von ungefähr 2,2 Mrd. Euro auszulösen„. (Anmerkung: Die in Rede stehende Tranche wurde inzwischen auf Teilraten von insgesamt 6,8 Mrd. Euro gestutzt.)

Zur selben Stunde erklärt allerdings gegenüber der Zeitung der Generalsekretär für öffentliche Einnahmen, Charis Theocharis, dass hauptsächlich aus der Besteuerung der Bürger herrührende Verbindlichkeiten an den Fiskus in einem Betrag von bis zu 42 Mrd. Euro als „nicht eintreibbar“ angesehen werden müssen.

Großteil der Verbindlichkeiten „schönt“ einfach nur die Bilanzen

Wie von der Zeitung betont wird, rühren die in Rede stehenden Verbindlichkeiten aus den wiederholten Misserfolgen der griechischen Behörden her, Steuern beizutreiben. „Der größte Teil wird außerdem von Firmen oder Personen geschuldet, die entweder Pleite gemacht haben oder verstorben sind oder bei denen es letztendlich unwahrscheinlich ist, dass sie zahlen werden„, schreibt die Telegraph.

Es handelt sich einfach nur um Schulden in den Büchern, und es gibt nichts, was wir tun können„, erklärt Herr Theocharis und ergänzt: „Dem Rest müssen wir jedoch begegnen. Es gibt für Griechenland keinen Ausweg aus der Wirtschaftskrise, wenn nicht die Effizienz der Steuerverwaltung gesteigert wird„.

Ergänzend sei angemerkt, dass die zum Teil bereits vor vielen Jahren festgestellten Verbindlichkeiten an den griechischen Fiskus sich nebst den horrenden Zuschlägen inzwischen dem schwindelerregenden Betrag von insgesamt 60 Milliarden Euro nähern.

(Quellen: Imerisia.gr)

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  1. Kostantinos
    9. Juli 2013, 12:47 | #1

    Vermutlich hat eh keiner geglaubt, dass ein großteil der deklarieren Steuerschulden eintreibar war. Da hat die Regierung sich mal eine Schönung der Staatsbilanzen einfallen lassen um die Kreditgeber zu beruhigen. So schlecht ist der Fiskus in Griechenland nicht, wie dargestellt. Dem zu entgehen, da muß man schon wirklich nichts mehr haben oder sehr gut schmieren. Und ich möchte nicht wissen, wieviel Millarden angebliche Steuerschulden das Finanzministerium veranlagt hat, welche in Wirklichkeit gar keine sind.
    Das Bankguthaben von Griechen die vor langer Zeit mal im Ausland gelebt haben, steht immer noch im Visier der Regierung. Und der Steuerbescheid den meine Eltern bekommen haben, ist noch nicht zurückgenommen worden, obwohl alle verlangten Nachweise vorgezeit wurden. Statistisch gesehen, müßten dann deren „Schulden“ die keine sind, auch noch unter offene Forderungen verbucht sein.

  2. Böse
    9. Juli 2013, 13:19 | #2

    Es gibt nur eines. neu starten mit einer guten Steuerbehörde (sieht ja auch gut aus, dass dieses langsam gelingt). Die verantwortlichen Beamten, müssen überprüft werden und gegebenfalls Konzequenzen für diese Personen gezogen werden.

  3. windjob
    9. Juli 2013, 14:52 | #3

    Was soll man dazu sagen. Keine funktionierende Steuerverwaltung. Keine Vernetzung. Wer einmal in einem griechischen Finanzamt war, ich war es um meine 0,88€ zu bezahlen, wundert sich nicht. 0,88€ und damit beschäftigen sich zwei Beamte und man bekommt einen Beleg in dreifacher Ausfertigung. Jedem Betriebswirtschaftler würden die Tränen in die Augen schiessen. Hätten sie mir 10€ gegeben wäre es billiger gewesen.

  4. GR-Block
    9. Juli 2013, 21:09 | #4

    Es gibt für Griechenland keinen Ausweg aus der Wirtschaftskrise, wenn nicht die Effizienz der Steuerverwaltung gesteigert wird.
    Es ist die gehässige Ablenkung der verantwortungslosen Regierungen, die die Mär von den ineffizienten Steuerbehörden und den steuerhinterziehenden Bürgern in die Welt gesetzt hatten. Es war ihr verzweifelter Versuch, mit einem Streich, Geld aus der Schattenwirtschaft locker zu machen, um ihre jahrelangen politischen Fehlentscheidungen gegenüber der griechischen Wirtschaft innerhalb der EU zu kompensieren.
    Die Steuereinnahmen in GR kann man nicht erhöhen. Schon gar nicht, wenn die Menschen und die nationalen Unternehmen immer weniger einnehmen. Und je mehr Marktsegmente für ausländische Unternehmen geöffnet werden (Stichwort ausländische Investitionen), desto mehr Geld wird legal über die Grenze gehen, wenn diese nicht gleichzeitig Arbeitsplätze anbieten. Es ist eine Katastrophe, wenn die einzigen funktionierenden Großkonzerne Griechenlands zerteilt werden, nur weil sie staatlich oder halbstaatlich sind. Damit werden sie angreifbar gemacht und der Staat verliert selbst erwirtschaftete Einnahmen.
    Die griechischen Finanzämter sind genauso effizient im Steuereintreiben wie die deutschen und die wenigen griechischen (Halb-)Staatskonzerne sind genauso effizient wie die vielen skandinavischen.

  5. Mark
    10. Juli 2013, 11:05 | #5

    @GR-Block
    Sie haben recht wenn Sie schreiben das man die Steuereinnahmen in GR nicht mehr steigern kann. Allerdings nur in deren Summe. Man kann aber sehr wohl die gesamte Steuerlast gerechter verteilen. Desweiteren wird gerne vergessen das in GR die Sozialabgaben ebenso sehr hoch sind. Da wird garnichts gemacht.

    Ihre letzte Aussage kann man so nicht stehen lassen. Wenn schon der griechische Staat einen teil der Steuern über die DEI eintreibt sind die Finanzämter wohl Lichtjahre von effizientem Arbeiten entfernt. Von den Staatskonzernen will ich garnicht mal sprechen. Da ist Vetternwirtschaft vom feinsten zu beobachten.

  6. windjob
    10. Juli 2013, 11:46 | #6

    GR-Block :
    Die griechischen Finanzämter sind genauso effizient im Steuereintreiben wie die deutschen

    Entschuldigung,
    aber dies halte ich für ein absolutes Gerücht. Sowas geht nur mit Organisation und Struktur und die fehlt hier vollkommen im gesamten griechischen Verwaltungswesen. Dies sagt auch ein Bericht der OECD.

  7. GR-Block
    10. Juli 2013, 18:06 | #7

    Danke für die Kommentare.
    Ich will nichts beschönigen, aber ich werfe den EU-genehmen Regierungen in GR vor, halbwegs funktionierende Systeme durch ruckartige Reformen kaputt zu machen. Plattitüden wie, Personal sparen, Gehälter kürzen, Strukturen verbessern sind politische Schönwetterreden, wie überall auf der Welt. Die Katastrophe ist, dass die Schönwetter-Redner der ND und PASOK im EU-Auftrieb ohne genügende Kontrolle am Staat herumexperimentieren und dabei, wie seit Jahrzehnten, die simplen Statistiken (bitte nur Rohdaten) unter den Teppich kehren.

    @Mark
    Über die Sozialabgaben beschweren sich vor allem Kleinunternehmer. Diese müssen nämlich für sich 300-500 € TEBE (Krankenkasse / Rente) abführen, egal wie wenig sie verdienen. Da macht so mancher Tante-Emma-Laden Pleite. Aber das ist wohl das Ziel, wie seinerseits in D.
    Das Eintreiben über die DEI war eine Sofortmaßnahme am Unfallort. Es hat verhindert, dass der Patient sich wehren kann. Steuererklärungen dagegen werden nur einmal im Jahr gemacht und die Steuerschuld dann in Raten abgestottert. Solange konnte man nicht warten, dachte man.

    @windjob
    Die griechische, provinzielle Organisation und Struktur hatte in der Vergangenheit zum Land sehr gut gepasst. Die übereilten „Verbesserungen“ haben sie allerdings vollkommen aus dem Takt gebracht. Bitte glauben Sie nur den Rohdaten über die Schattenwirtschaft, nicht dem Geschwätz griechischer und europäischer EURO-Politiker. Wenn D seine 350 Mrd € jährlicher Schattenwirtschaft nicht reduzieren kann (will), dann macht das in GR mit seinen 50 Mrd € auch keinen Sinn.
    Das wirkliche Problem stellt immer noch das BIP und die Außenhandelsbilanz dar, nicht die inländischen Staatsausgaben oder die Steuermoral. Das sind nur Ablenkungsmanöver.

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