Schließung der ERT kostet Griechenland bis 500 Mio Euro

29. Juni 2013 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 876

Die Schließung der öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt ERT in Griechenland kostet den Fiskus laut dem Personal der ERT bis zu einer halben Milliarde Euro.

Die Schließung der ERT und die wie auch immer geartete fadenscheinige Planung der Regierung bezüglich des weiteren Verlaufs beschert in diesem Moment den staatlichen Kassen eine zusätzliche Verschuldung, die laut gemäßigten Berechnungen 300 Mio. Euro übersteigt und sich vielleicht sogar einer halben Milliarde Euro nähert„, betonten die Journalisten der am 11 Juni 2013 von Premierminister Antonis Samaras in einem politischen Alleingang überraschend geschlossenen öffentlichen Rundfunk und Fernsehanstalt ERT bei einer Pressekonferenz, die am Dienstag im „Radiopalast“ in Agia Paraskevi stattfand.

Die Abfindungen der 2.650 Beschäftigten, die Vertragsstrafen, die Annullierung von Verträgen über Programmproduktionen, ungeheure Kosten für Entschädigungen jeglicher Natur werden mit der ‚KYA Kedikoglou‘ allesamt auf den Fiskus und den defizitären Haushaltsplan transferiert„, ergänzten sie und vertraten, die Fehler der überraschenden Aktion der Schließung der ERT werden nicht zu korrigieren sein.

Gekündigte Journalisten erhalten Programmbetrieb aufrecht

Die – wie das gesamte Personal mit Wirkung ab dem 11 Juni 2013 als gekündigt geltenden – Journalisten der ERT erklärten ebenfalls, auf alltäglicher Basis rund um die Uhr ihre Arbeit zu erbringen und im Radiopalast bleiben und das öffentliche Vermögen bewachen zu werden. Weiter wiesen sie die Charakterisierung der „Besetzung“ zurück und merkten an, die ERT sei geöffnet und in ihren Einrichtungen befinden sich kontinuierlich Gäste, Besucher, Bürger, Schüler und politische Funktionäre fast aller Parteien.

Der Fehler und die zur Korrektur des ersten vom 11 Juni fortgesetzten Folgefehler lassen sich in einem Zug berichtigen. Die Rückkehr zum Status des 10 Juni und den Beginn einer ehrlichen und klaren Diskussion über das Morgen der ERT„, äußerten sie und stellten klar, die Position der Journalisten der ERT bleibe stark und unbeirrt und werde von der Annullierung der Dekrete, welche die ERT schließen, der dauerhaften Wiederherstellung des Signals und der Sender der ERT und dem Beginn eines Dialogs ohne die vollendete Tatsache der Entlassungen bestimmt.

Die Beschäftigten der ERT sind kein Teil der Lösung, sondern die einzige Lösung„, betonte der Präsident des Panhellenischen Verbands der Redakteure, Giorgos Savvidis, und kommentierte die Erklärungen des neuen Staatssekretärs für den öffentlichen Rundfunk, Pantelis Kapsis. „Wir, die Beschäftigten der ERT, werden das Gebäude nicht verlassen und nicht nachgeben. Wir sind für Ausrüstung verantwortlich und werden nicht weggehen„, erklärte Panagiotis Kalfagiannis, Präsident der gewerkschaftlichen Organisation POSPERT.

Schließung der ERT hat weitreichende Auswirkungen

Sich auf die entgangenen Gewinne der ERT beziehend sprach Panagiotis Kalfagiannis von Sportereignissen, die bezahlt worden sind, wie der internationale Verbandspokal, die Formel 1 und das Endspiel der Basketball-Meisterschaft.

Die Schließung der ERT hat zum Ergebnis, dass 650 Vorschläge griechischer Produzenten und Regisseure bezüglich der TV-Periode unbeantwortet bleiben„, erklärte von ihrer Seite die ehemalige Regisseurin und Programmdirektorin der ERT, Pandora Mouriki, die Schäden analysierend, welche die überraschende Einstellung des Betriebs des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens auf dem Sektor des Filmwesens verursachte, und meinte: „Die ERT wird geschlossen und auch die – noch verbliebenen – Unternehmen des audiovisuellen Bereichs sind von der Schließung bedroht.

Auf die wirtschaftlichen Verluste, welche die überraschende Abschaltung des Signals ERT World verursachte, bezog sich Nikos Michalitsis, ehemaliger technischer Direktor des Unternehmens. „Die überraschende und ohne Warnung erfolgte Unterbrechung der Übertragung bietet allen Abo-Plattformen die Gelegenheit, Zahlungen zu verweigern und sich dabei auf den Schaden zu berufen, den sie selbst aus der Unterbrechung der Verträge mit ihren Abonnenten erlitten. Mithin jährliche Verluste für die ERT ab 04/09/2012 von 2.000.000 Euro„, erklärte er und endete ergänzend: „Die Auflösung der ERT annulliert praktisch auch ihre Beteiligung am NSRP, mit Verlusten von 9,8 Mio. Euro, aber führt auch den Verlust der Frequenzen des digitalen Fernsehens herbei. Der Schaden ist unermesslich, nicht nur wirtschaftlich, aber auch weil der Staat ohne eigene Frequenzen und ohne eigenes Digital-TV-Netz bleiben wird.

Personal der ERT erhält Kündigungen per Post

In einem zumindest ernsthafte Fragen aufwerfenden Prozedere wird seit Donnerstagmorgen (27 Juni 2013) den Beschäftigten der ERT per Post ein Schreiben mit Absender das Finanzministerium und konkret den Sonderverwalter Gkikas Manalis zugestellt, das eine auf den 17 Juni 2013 datierte Protokollnummer trägt. In dem Schreiben lautet es, die Aktiengesellschaft ERT AG sei eingestellt und ein Sonderverwalter eingesetzt worden ist, der die Beschäftigten informiert, „Ihr Arbeits- oder Projektvertrag ist ab dem 11 Juni 2013 gelöst worden. Als Abschlagzahlung auf die Ihnen zustehende gesetzliche Abfindung werden Ihnen die Bezüge zweier Monate gezahlt werden.

Zusätzlich wird angeführt, „bis zur Übergabe der Vermögenswerte der eingestellten ERT AG und deren Tochtergesellschaften, die sich in Ihrem Besitz befinden und für welche Sie in dem Rahmen ihrer Aufgaben verantwortlich sind, die sich aus der Ausführung Ihres gelösten Vertrags, der Betriebsordnung und jeder einschlägigen allgemeinen oder speziellen Aufgabenübertragung ableiten, tragen Sie weiterhin die Verantwortung und sind zu deren Aufbewahrung verpflichtet„.

Wie Panagiotis Kalfagiannis, Präsident der PROSPERT charakteristisch anführt, ist diese letzte Entwicklung völlig paradox, da sie zwar die die Beschäftigten informiert, entlassen worden zu sein, diese jedoch ihre Entlassungen nicht unterschrieben haben. Gleichzeitig wird ihnen beschieden, für die Bewachung der Vermögensteile der Gesellschaft verantwortlich zu sein. „Selbst wenn sie es absichtlich getan haben, hätten sie es nicht schlimmer anstellen können„, äußert Herr Kalfagiannis bezeichnend.

(Quelle: in.gr, in.gr)

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  1. Helmut Josef Weber
    29. Juni 2013, 17:48 | #1

    Macht doch nichts, die nächste Umschuldung / Schulderlass oder wie man es nenne mag, ist doch sowieso bald fällig; da fallen doch eine halbe Milliarde nicht mehr auf. Zumal nun alle Staaten unbegrenzt Anleihen bei der EZB aufnehmen können. Jetzt ist Party! Egal ob mit oder ohne Rundfunk. Die EZB-Notenpresse läuft nun für alle. Sparen war gestern.

  2. Ohnmacht-Bürger
    29. Juni 2013, 17:56 | #2

    Das bischen Verlust zahlt Griechenland doch aus der Portokasse … man hat’s ja.

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