Polizeiwillkür und Diskriminierung Transsexueller in Griechenland

9. Juni 2013 / Aktualisiert: 11. Juni 2013 / Aufrufe: 1.844

In einem neuen an die Öffentlichkeit gelangten Fall polizeilicher Willkür in Griechenland fand sich die Verteidigerin eines transsexuellen Mandanten in der Arrestzelle wieder.

Wenige Tage vor der Durchführung der Gay Pride Parade am 14 – 15 Juni 2013 in Thessaloniki gelangt eine neue Beschwerde über die mit der massenhaften Vorführung transsexueller Personen in Zusammenhang stehende polizeiliche Willkür in Thessaloniki an die Öffentlichkeit.

Die Rechtsanwältin Ilektra-Lida Koutra, die sich auf ein Polizeirevier begab um ihren Mandanten – eine transsexuelle Person – aufzusuchen, wurde an der Kommunikation mit ihrem Mandanten gehindert und fand sich stattdessen schließlich in der Arrestzelle eingesperrt wieder, ohne dass es Erklärungen der Polizeibeamten gab.

Laut der Anzeige der Rechtsanwältin machten die Polizeibeamten sich über sie lustig und sagten ihr „Du wolltest es selbst, eingeschlossen zu werden …„. Als die Anwältin im weiteren Verlauf wieder freigelassen wurde, weigerte sich der diensthabende Offizier, eine Anzeige der Rechtsanwältin zu Lasten der Polizisten aufzunehmen.

SYD moniert mittelalterliche und faschistische Polizeipraktiken

Die Vereinigung zur Unterstützung Transsexueller (SYD) betont in ihrer Bekanntmachung: „Diese faschistischen Praktiken der Polizei erinnern an das Mittelalter und stehen in keinerlei Bezug zu irgendeiner Form des Rechtsstaats.

Der SYD stellt klar, sich an die Justiz und internationale Organisationen und Träger wenden und die Verurteilung des griechischen Staates verlangen zu werden, der einerseits für die barbarische Missachtung der Menschenrechte transsexueller Menschen und der sie verteidigenden Rechtsanwältin und andererseits für die direkte Missachtung jeder Bedeutung der Umsetzung des Rechts verantwortlich ist.

Wie die Griechische Bewegung für die Menschenrechte „Pleiades“ in einer Bekanntmachung anführt, stellt sie mit besonderer Beunruhigung die Eskalation fest, mit der Verteidiger der Menschenrechte in Griechenland ins Ziel genommen werden. Die Bewegung fordert das Ministerium für Bürgerschutz auf, umgehend zu den gesetzlichen Schritten bezüglich der disziplinarischen Untersuchung des Falls zu schreiten und „tugendlichen Aktionen“, die sich – abgesehen von der geschlechtlichen Identität – ohne jegliche Begründung gegen die Transsexuellen richten, einen endgültigen Schluss zu setzen.

Zusätzlich fordert die Bewegung das Justizministerium auf, wachsam zu sein, aber auch die zügige Untersuchung der Falls und die unerschütterliche Umsetzung der Gesetzgebung zu garantieren, und betont: „Es ist allgemein bekannt, dass es nichts anderes als die Straffreiheit der Polizisten – Straftäter ist, die deren Hände und Denken hinsichtlich der Verübung der Straftaten ’scharf macht‘.

Rechtsanwältin besuchte ihren Mandanten und landete in der Arrestzelle

Lesen Sie nachstehend den erschütternden Bericht der Rechtsanwältin Ilektra Koutra über ihre gewaltsame Einsperrung in dem Polizeirevier am Platz der Demokratie in Thessaloniki bei der Ausübung ihrer Aufgaben zur Verteidigung einer transsexuellen Mandantin von ihr. Aus der Schilderung der Präsidentin der Griechischen Aktion für die Menschenrechte zeigen sich die Terrorisierung, die Gewalt und der Machtmissbrauch, mit denen sie konfrontiert wurde.

Der Fall weist jedoch auch ein breiteres Interesse auf, da er schwerwiegendste Überschreitungen enthüllt, die von Männern der Kriminalpolizei zu Lasten von Bürgern begangen werden, und erhebt ein weiteres Mal das Thema der Straflosigkeit auf dem Sektor der Polizei.

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  1. Petroulla
    9. Juni 2013, 12:51 | #1

    Mit Erschütterung habe ich diesen Bericht gelesen. Leider handelt es sich dabei um ein Phänomen, dem man hier immer wieder begegnet. Jeder, der sich in einer Machtposition gegenüber anderen befindet, fühlt sich verführt, diese auch auszunutzen. Ob es sich nun um Behörden, Politiker, Arbeitgeber, Vermieter oder was auch immer handelt. Da kommen wieder Selbstherrlichkeit und Egoismus zum Vorschein. Aber die Polizei!! Bei so gravierenden Entgleisungen kann man nur hoffen, daß es sich um Einzelfälle handelt, die nun aber auch untersucht und bestraft gehören. Wem kann man denn sonst noch vertrauen?
    Der Rechtsanwältin wünsche ich viel Erfolg bei ihrem weiteren Vorgehen. Persönlich kann ich zwar mit Transsexualität und ähnlichen Ausrichtungen nicht viel anfangen, bin aber der Meinung, daß jeder nach seiner Fasson glücklich werden soll, solange er anderen nicht schadet.

  2. retsinaouzorakis
    9. Juni 2013, 13:48 | #2

    Warum wurde nicht direkt bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet. Hier wäre sofort ein Aktenzeichen bzw. Vorgangsnummer vorhanden gewesen und die Anzeige, falls sie bei der Polizei aufgenommen wurde, wäre nicht möglicherweise „außer Kontrolle“ – wie die Lagarde-CD – geraten.

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