Griechenland schließt öffentliche Rundfunk- und Fernsehanstalt

12. Juni 2013 / Aktualisiert: 04. Oktober 2020 / Aufrufe: 4.393

Bekanntmachung des Personals der ERT

Die Beschäftigten der ERT informierten ab dem Augenblick der Bekanntgabe des Beschlusses der Regierung kontinuierlich über die Entwicklungen in dem Thema (bis schließlich ab 20:00 Uhr schrittweise die Sender der ERT abgeschaltet wurden) und führten unter anderem in einer einschlägigen Bekanntmachung an:

Die ERT muss offen bleiben: für die Gesellschaft, ihre Widersprüche, ihre Probleme, ihre Unruhen, ihre Ideen und Aktionen. Die ERT muss offen bleiben: für die Kultur, deren Menschen und ihre unterschiedlichen Tendenzen, Forschungen und Dynamiken. Die ERT muss offen bleiben: für jeden Bürger der Welt, in Europa, in Amerika, in Asien, in Afrika, in Australien.

Die Dynamik des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens hat die Kraft und den Willen, das gesellschaftliche Gut der Information, der Kultur, der Athletik hoch zu halten. es hat den Mut und den Willen, dafür zu kämpfen, dass die ERT nicht mehr von jeder Ein- oder Mehrparteien-Regierung manipuliert wird. Wir, die Beschäftigten, sind noch lebendig und werden uns den Umständen gewachsen zeigen.

Wir werden für einen institutionellen Rahmen des Betriebs der ERT kämpfen, der die Unabhängigkeit des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens sichern und bewachen und endlich die Nabelschnur zu der jeweiligen Regierung und jedem Zentrum oder Schattenzentrum politischer und kundengefälliger Interventionen durchtrennen wird Die ERT muss offen, Besitz und tatsächliches Eigentum der griechischen Bürger sein.

Proteste der Parteien nach dem einseitigen Regierungsbeschluss

Funktionäre der SYRIZA-Partei reagierten umgehend und sprachen von einer Entscheidung, die einem Putsch gleichkommt, der sich nicht nur gegen die Arbeitnehmer, sondern auch gegen das Volk richtet, das ein Recht auf Information hat. Parteisprecher Panos Skourletis führte in seiner Erklärung an, die Regierung agiere mit der Logik „wir beschließen und befehlen„, und die Erklärung des Regierungssprechers Simos Kedikoglou kommentierend charakterisierte er diese als „extremen Autoritarismus“. Parteiführer Alexis Tsipras wiederum forderte die Regierung auf, nicht zu wagen, die Frequenzen der ERT ohne Beschluss des Parlaments abzuschalten, da sie sich anderenfalls vor der Justiz zu verantworten haben werde(n).

Zu letzterem ist anzumerken, dass im Fall der tatsächlichen völligen Abschaltung der Sender der ERT aus gegebenem Anlass damit zu rechnen ist, dass speziell in grenznahen Regionen die Frequenzen von ausländischen Sendeanstalten benachbarter Staaten in Beschlag genommen werden könnten.

Die PASOK-Partei betont mit einer Erklärung des Sekretärs des zentralen Parteiorgans, Giannis Maniatis, „die öffentliche Rundfunk- und Fernsehanstalt kann nicht schließen“ und verlangt die Umsetzung eines Sanierungsplans. Zu mehr oder weniger harten Protesterklärungen schritten ebenfalls zahlreiche Abgeordnete, Personen des öffentlichen und kulturellen Lebens, Vertreter der Diaspora und sogar auch das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Parallel riefen die gewerkschaftlichen Organisationen ESIEA und POESY einen spontanen Streik bei den privaten Medien von 19:00 bis 01:00 Uhr aus.

Vor dem sogenannten „Rundfunkpalast“ im Athener Stadtteil Agia Paraskevi begannen sich derweilen sowohl Personal der ERT als zur Bekundung ihres Beistands auch Beschäftigte anderer Branchen zu versammeln, während parallel schrittweise auch starke Sicherheits- und Spezialeinheiten der Polizei an verschiedenen Positionen Stellung bezogen. Ein ähnliches Bild stellte sich ebenfalls in anderen Städten an Standorten von Sendeanstalten der ERT ein.

Das derzeitige Personal der ERT wird auf gut 2.500, anderen Quellen zufolge auf etwa 2.700 Personen veranschlagt, denen allesamt die Entlassung bevorsteht. Mit der angeordneten Einstellung des Sendebetriebs auf den Radio- und TV-Frequenzen der ERT wird in abgelegeneren Regionen Griechenlands der Bevölkerung die zum Teil einzige Möglichkeit zum terrestrischen Empfang griechischer Radio- oder / und TV-Programme genommen, und auch in zahlreichen provinziellen Gebieten, in denen die Programme privater Sender nicht oder nur bedingt empfangen werden können, wird sich das mediale Informationsangebot signifikant reduzieren. Ab etwa 23:30 Uhr (11 Juni 2013) wurde auch die Übertragung der Kanäle der ERT per Internet eingestellt.

(Quellen: Ethnos, Mega, diverse Medienberichte)

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  1. Jörg
    12. Juni 2013, 07:45 | #1

    Sowas haben wir in Deutschland auch (nennt sich öffentlicher Ründfunk)

  2. Kahlenberg
    12. Juni 2013, 09:04 | #2

    Kenne nun den ERT nicht. Aber von den Zahlen her könnte man auch mal bei deutschen ö-r. Sendeanstalten ausmisten.

    Anstalt Gebühreneinnahmen Planstellen Einwohner im Sendegebiet
    BR 879 2.893 12,5
    DW 1.444
    HR 481 407 6,1
    MDR 556 2.023 8,9
    NDR 956 3.447 14,8
    RB 41 300 0,6
    Rbb 344 1.650 6,0
    SR 64 635 1,0
    SWR 959 3.648 14,8
    WDR 1.140 4.210 18,0
    ZDF 2.028 (Umsatz) 3.600 (MA) 80,5

    Zu den Zahlen ist anzumerken:
    Die Umsätze sind höher als die Gebühreneinnahmen.
    Die Zahl der MA höher als die Planstellen.

  3. Gianni
    12. Juni 2013, 10:22 | #3

    Die ERT ist (war) ein Spiegelbild vieler griechischer Staatsbetriebe. Das was man hier liest, ist kaum zu glauben: Eine Verschwendungssucht ohnegleichen! Dabei konnte ich feststellen, daß die Programme der ERT vom Niveau und der Qualität nicht einmal niedrigste Ansprüche erfüllten. Ich kann nur hoffen, daß der neue Sender von den bisherigen Seilschaften verschont bleibt und ein deutlich verbessrter Neustart gelingt.

  4. pyramis
    12. Juni 2013, 10:32 | #4

    Es ist bekannt, dass es keine griechische Staatsherrschaft seit dem Memorandum gibt. Herr Fuchsel schwingt die Kelle. Auch ist kürzlich die Troika wieder aufgetaucht (immer im Sommer! schönen Aufenthalt …). Berichte über Griechenland sind seit längerem aus der Medienlandschaft verschwunden – aber dass das gesamte staatliche Fernsehen u.a. ERT World (der einzige internationale gr. Sender) runtergefahren wird, ist äusserst ärgerlich, mehr als empörend!

  5. Greekrabbitt
    12. Juni 2013, 11:26 | #5

    Der Rundfunk sei zu groß, zu ineffektiv und korrupt, teilte der Regierungssprecher mit.
    Der meinte wohl das Griechische Parlament damit …

  6. Holy
    12. Juni 2013, 11:35 | #6

    Ist doch gut. Dann werden die Griechen endlich nicht mehr geistig vergiftet, durch die gleichgeschalteten Medienhuren, sondern können sich endlich mal eine eigene Meinung zur EU bilden. Somit gehen dann die letzten Griechen bald auch noch auf die Barrikaden.

  7. JorgoGR
    12. Juni 2013, 12:29 | #7

    Wurde auch Zeit. Die wo sich jetzt dagegen stemmen sind fast alle immer nur geschmiert worden damit Sie auch das bringen was das Volk sehen darf. Leider sind die Medien so in Griechenland. Dazu Std langes Nachrichten wo im Sekundentakt Bilder und Clips wiederholt werden. Diskussionen wo mehr gestritten wird wie dem Volk klar und Deutlich etwas rüber zu bringen. Imo gibt es in den Griechischen Medien nix aber auch gar nix was es sich lohnen würde zu erhalten..gut den sender Star vielleicht noch aber TRT Mega unsw…sowas von abklatsch dazu Abends non Stop naja nicht nur Abends Verkaufssendungen…also wie gesagt nichts was sich lohnen würde..und schaut man hinter den Kullisen stecken fast in allen medienbereiche Politiker dahinter hier…egal ob im Print oder TV. Einer hatte mal den Mut er war frei und unhabhängig hat sogar den Mut gehabt die Liste zu veröffentlichen mit seiner kleinen Zeitung. Stunden später wurde er verhaftet er passt halt nicht in das Prinzip Augenwäscherei. Bravo ich hoffe das sich was tut auf dem Sektor bei uns in Griechenland

  8. Guar
    12. Juni 2013, 12:58 | #8

    Hier gehts nicht mehr ums Sparen sondern um Zensur und Gleichschaltung. Wenn es da jetzt nicht richtig rappelt in Griechenland habe ich meine Hoffnung in diese Gesellschaft völlig verloren.

  9. 12. Juni 2013, 13:12 | #9

    Äußerst übel, dieser Rundfunk-Putsch, was immer man auch gegen den ERT sagen konnte.

  10. CYR
    12. Juni 2013, 13:22 | #10

    Das ist doch wohl klar in welche Richtung das gehen soll. Griechenland entlässt 2900 staatliche Bedienstete auf einen Schlag. ie Vorgabe der Troika ist 1n diesem Jahr 4000 zu entlassen. Fehlen dann nur noch 1100.
    Einen weiteren Punkt sehe ich dann in der Berlusconisierung des Rundfunks. Die Opposition wird wohl kaum bei den Privaten Sendetermin erhalten und die Qualität wird weiterhin fallen. Ob die privaten Sendern sich durch Werbung finanzieren können steht ja auch in den Sternen. Bezahlfernsehen wird es in Griechenland auf absehbarer Zeit nicht geben.

    • Team
      12. Juni 2013, 13:54 | #11

      @CYR
      „Bezahlfernsehen“ gibt es in Griechenland seit eh und je, die „Begeisterung“ (sprich Resonanz) hält sich jedoch in bescheidenen Grenzen.

  11. Prosperzgebirsch
    12. Juni 2013, 14:11 | #12

    Auch wenn die bekannten Posten- und Streikliebhaber im Gewerkschaftskostuem jammern, scheint das aus Zahler- und Zuschauersicht ein ueberfaelliger Befreiungsschlag zu sein, nur frage ich mich, nach welcher „erfolgreichen“ Rundfunkanstalt der neue „unabhaengige“ Sender gestrickt sein soll – so richtig scheint das mit der journalistischen Unabhaengigkeit von Politik und Wirtschaft selten zu funktionieren. Hauptsache, die griechischen Fraktionen blockieren sich jetzt nicht so lange, dass am Ende ein Troika-Zentralsender die „Grundversorgung uebergangsweise“ aufnimmt und durch irgendwelche Chaoten oder Wachleute das Archiv „versehentlich“ abgebrannt wird.

  12. hellasmaus
    12. Juni 2013, 16:08 | #13

    Ich finde, Samaras biedert sich mit seinen autokratischen Entscheidungen immer mehr den Faschisten an – und die heruntergekommen PASOK wird wohl auch diesmal zustimmen! Ein Sendeverbot hat es nicht einmal unter der faschistischen Junta gegeben.

  13. CYR
    12. Juni 2013, 18:12 | #14

    @Team
    Ja ihr habt natürlich recht, ich habe beim Verfassen nicht aufgepasst schlichtweg vergessen das es auch Privatsender gibt. So nebenbei es hat mich schon damals gewundert wie solche Sender sich rechnen lassen.
    Was das Angebot von den staatlichen Sendern angeht war das Programm immer noch um Klassen besser als bei den Privaten. Sie haben sehr viele Dokumentationen gebracht, die Serien wurden zügig gezeigt. Die Filme wurden nicht so brutal auseinander gestückelt wie bei den Privaten. Und die Nachrichten waren auch relativ kurz. Kurz sie waren serioser.
    Mal sehen ob es nicht später einen Revival für die ERT geben wird.

  14. Skeptiker
    12. Juni 2013, 18:14 | #15

    @Gianni
    Das glauben sie doch nicht etwa? Der neue Sender wird natürlich ein genau auf Linie getrimmter Sender sein, der den ganzen repressiven und neoliberalen Troika-Müll in schöne Sätze und bunte Bilder verpacken wird. Die griechische Opposition wird weitestgehend totgeschwiegen und ein Volk, das dann täglich nur noch hört, wie toll und wie kompetent Herr Samaras und seine Kumpane von der Abwicklerorganisation EU doch sind, wird wahrscheinlich alles glauben – sogar das die Arbeitslosenzahlen in GR wieder im stundentakt sinken und die griechische Wirtschaft durch die Decke schießt. Man sollte niemals die Kraft der Manipulation unterschätzen. Ich bin wahrlich kein Freund der Verschwendungssucht bei ERT gewesen, aber hier gleich komplett alles dichtzumachen macht mich sehr skeptisch. Man hätte auch behutsam umstrukturieren und verkleinern können. Wir sprechen hier ja auch nicht von irgendeinem Käsesender, der von früh bis abends nur Seifenopern sendet, sondern immerhin von so etwas wie einem “nationalen und kutlurellen Archiv der Griechen“.
    Wohin die Reise geht, ist doch klar. Griechenland wird von der Finanzmafia abgewickelt! Da kann man keine negativen Nachrichten gebrauchen und muß das Volk für die Dauer der Abwicklung mit Falschinformationen bei Laune halten.

  15. V99 %
    12. Juni 2013, 20:54 | #16

    Diese Entscheidung hat diktatorischen Charakter! Ob man das Programm nun gut oder schlecht fand ist in diesem Fall erst mal Nebensache. Eine Saeule der Demokratie ist sofort demontiert worden. Laut anderen Pressemeldungen soll seit laengerem bekannt sein, dass dieser Sender zu den „Vettern-Wirtschafts-Unternehmen“ gehoert und sich gegen eine Umstrukturierung gewehrt hat. Die Entscheidung der griechischen Regierung zeugt von Unfaehigkeit, sich mit derartigen Problemen auseinander setzen zu koennen, aber wie auch, wenn sie nach dem gleichen Prinzip arbeitet.
    Ach ja, die Europaeische Kommision (εin Teil der Troika, der uebrigens auch griechische und zypriotische Kommisare hat …) distanziert sich von der Einflussnahme zu dieser Entscheidung.

  16. KClemens
    12. Juni 2013, 23:09 | #17

    Wartet, wartet noch ein Weilchen, dann sendet die INSM auch in Griechenland. Vielleicht haben die Frontgesichter, Christiansen, Henkel, Hundt, Riester, und wie sie alle heißen, noch Vakanzen. In Deutschland werden Sie nicht mehr gebraucht, hier sind schon alle auf Linie …

  17. wolfswurt
    13. Juni 2013, 01:02 | #18

    Mal abgesehen vom volkswirtschaftlichen Nutzen, das öffentlich – rechtliche Fernsehen abzuschalten, stellt sich die Frage: Wie viel Leid benötigt ein Volk, bis es seine Peiniger an den Laternen aufhängt?
    Gilt nicht nur für das griechische Volk!

  18. Mark
    13. Juni 2013, 01:27 | #19

    Die Abwicklung der ERT ist zu begrüßen. Es sollte die erste unter vielen Schließungen staatlicher Unternehmungen sein, die vollkommen aus dem Ruder gelaufen sind. Die Kosten der ERT waren nicht das Problem. So teuer war die ERT nicht. Was jedoch nicht akzeptabel war, ist, dass die ERT absolut untransparent gewirtschaftet hat. Außerdem war der Zuschaueranteil unterirdisch. Die ERT hat nur für sich selbst gesendet hat. Der Zuschauer war wohl nicht relevant.

    Die Art und Weise der Schließung ist nicht besonders nett. Wenn man jedoch bedenkt, dass die ERT sich jeglicher Kontrolle und Reform verweigert hat, muss man wohl solche radikalen Schritte einleiten. Hoffentlich werden noch weitere solcher “Vettern-Wirtschafts-Unternehmen” geschloßen!

  19. Moppel
    13. Juni 2013, 02:29 | #20

    Im Wettbewerb mit dem griechischen Äquivalent der in Deutschland alle Quoten schlagenden „Hartz-IV-Medienkultur“ konnte, sollte und durfte die ERT nicht zuletzt angesichts ihres kulturellen Auftrags selbstverständlich nicht mithalten. Die im Vergleich zu kommerziellen Kanälen bescheiden anmutenden, jedoch insgesamt gesehen auf jeden Fall nennenswerten Zuschauer- und Zuhörer-Quoten der ERT reflektieren allerdings weniger das – zugegebenermaßen verbesserungsfähige – Programmangebot der ERT, sondern vielmehr den rapiden intellektuellen Absturz des Publikums!
    Die von der griechischen Premier-Marionette praktisch im Alleingang „von jetzt auf gleich“ verfügte Einstellung des Sendedebtriebs der ERT wiederum stellt einen unverhohlenen Akt des politischen Terrors dar, der natürlich nicht nur in Griecheland zunehmend das Tagesgeschehen charakterisiert … .

  20. Heinz
    13. Juni 2013, 03:17 | #21

    ERT während der Sendung abschalten? Griechenland total verrückt geworden?

  21. CYR
    13. Juni 2013, 11:04 | #22

    Dazu ein schönes Zitat was ich gefunden habe
    „Man kommt langsam nicht mehr umhin Griechenland, wie 1973 Chile, als Experimentierfeld der neoliberalen Politik anzusehen, in welchem ausprobiert wird wie weit man gehen kann. Offenbar sehr weit wie die Schließung des öffentlichen Rundfunks in Griechenland zeigt.“

  22. agapi
    13. Juni 2013, 11:39 | #23

    Ich glaube das ist erst der Anfang.

    Werden eigentlich die Printmedien in GR vom Staat subventioniert?

  23. Götterbote
    13. Juni 2013, 15:43 | #24

    Ich bin zugegebenermaßen kein Experte, was das griechische Fernsehen angeht und kann nur von meinen Beobachtungen und Erfahrungen berichten.

    Was ich schon mal überhaupt nicht verstehen kann, sind die Argumente der Quote (wäre mal interessant zu wissen, wie diese in Griechenland gemessen wird und wie repräsentativ es wirklich ist). Zum einen konnte ich immer in der Verwandtschaft / Bekanntschaft beobachten, dass die Sender der ERT recht häufig eingeschaltet wurden, zum anderen sollte die Quote für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen eben kein Kriterium sein. Wenn Politiker aber gerade damit argumentieren, dann muss man wohl glauben, dass es der Politik nur darum geht, dass deren „Werkzeug“ der Meinungsmache nicht effektiv genug ist. Ansonsten könnte denen die Quote nämlich egal sein, schließlich sollte diese Form des Fernsehens in erster Linie Bildung, Nachrichten und Kultur auf einer höheren landesweiten Ebene leisten, die von den privaten Sendern aus Quotengründen eben nicht bedient wird.
    Das Programm, dass ich dort beobachten konnte, fand ich selbst recht ansprechend (viele Informationen, Dokumentationen usw.), ähnlich dem der deutschen öffentlich-rechtlichen. Und im Vergleich (Spiegel Online hat einen entsprechenden Vergleich gezogen und die Zahlen mit den deutschen Anstalten verglichen) sind die Sender wohl nicht so teuer wie dargestellt. Qualität hat ihren Preis.

  24. Efeu
    13. Juni 2013, 17:31 | #25

    Es geht doch nicht darum, was beim ERT nicht gut lief. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass in einem sog. demokratischen Land mal eben von der Regierung Gesetze ausgehebelt werden, um einen laufenden Sender abzustellen! Wo sind wir denn? Vielleicht kann Samaras dem Druck der Troika nicht standhalten und beging deshalb diesen Staatsstreich? Die kommenden Tage werden zeigen, ob es zu Neuwahlen kommen muss.
    Traurig die meisten Kommentare im Netz: sollte man in D auch machen! Hä? Irgendwas verstanden?
    Auch die meistgelesenen Medien (Spiegel, Sueddeutsche, Zeit etc.) halten sich seit gestern zurück. Will heißen, melden gar nichts mehr. Den Griechen ist ein Maulkorb verpasst worden, den Deutschen auch? In der gerade gelaufenen HEUTE-Sendung gab es einen entsetzlichen Beitrag zu GR: Schönheits-OPs der Griechinnen, obwohl im Land mal wieder alles streikt! UNGLAUBLICH!

    @Mark
    Unterirdische Zuschaueranteil? Wo haben sie denn diese skurrile Info her? Schon mal was von den Kultursendern gehört? Es gibt bzw. gab nur diesen in Gr. Schon mal was vom berühmtesten Orchester Gr gehört?

  25. Elmar
    14. Juni 2013, 01:33 | #26

    @Efeu
    Völlig korrekt. Sicherlich 50% der Leute in Deutschland halten die Abschaltung für eine angemessene Sparmaßnahme. So viel Blödheit ist wirklich schockierend. Kaum jemand fragt nach den Hintergründen und nach der Art und Weise des Abschaltens, was den eigentlich Skandal dieser Sache ausmacht. So etwas kennt man nur aus den übelsten Diktaturen und Bananenrepubliken, aber wenn es in Europa – also vor der eigenen Haustür – passiert, dann sind die Leute blind.

  26. Heinz
    14. Juni 2013, 16:53 | #27

    @Elmar
    Egal, mit wem ich mich in den letzten Tagen über Griechenland unterhalten habe, es war nicht ein Einziger dabei, der diese Maßnahme auch nur annähernd gut fand.

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