Griechenland: Jeder Fünfte würde auswandern, wenn er Geld hätte

3. Juni 2013 / Aufrufe: 808

Laut einer demoskopischen Erhebung in Griechenland würde jeder Fünfte auswandern wollen, wenn die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung ständen.

Einer von fünf Bürgern möchte auswandern, gibt jedoch an, nicht über die wirtschaftliche Möglichkeit zu verfügen (die Anteile liegen über dem Durchschnitt und beziehen sich auf junge Leute und Personen mit höheren Qualifikationen). „Wir erleben das umgekehrte Bild des Jahrzehnt von 1960, als die Griechen zu großen Anteilen emigrierten„, erklärte am Mittwoch (29 Mai 2013) Zacharias Soutis von Seite der Demoskopie-Gesellschaft OpinionPoll bei der Präsentation einer panhellenischen Erhebung durch die Universität Athen im Rahmen von Aktionen, die sie zur Unterstützung ihrer Studenten, aber auch von Bürgern in der Periode der wirtschaftlichen Krise aufnimmt.

Das Wort ergreifend sprach Theodosis Pelegrinis, Rektor der Universität Athen, über die von seiner Seite erfolgende Bemühung zur Schaffung eines Universitäten-Networks der Länder des Südens, mit Ziel die Unterstützung „bei den Überlebens- und Lebensproblemen unserer jungen Leute„. Wie er berichtete, wenden sich viele verzweifelte junge Leute an das Institut und bitten um Hilfe, um Arbeit zu finden.

Obwohl das Bild in unserer Gesellschaft über das universitäre Niveau zu einem großen Teil negativ ist, respektieren die Bürger gleichzeitig die Institution der Universität und suchen ihre Hilfe, und wir werden uns bemühen, diesem zu entsprechen„, meinte Herr Pelegrinis. Es herrscht ein „Horror in der griechischen Gesellschaft und zwei von drei Bürgern fürchten, dass es möglich sei, morgen ihre Arbeit zu verlieren„, merkte parallel Herr Soutis an.

Die EU inspiriert nicht …

Die in Rede stehende demoskopische Erhebung erfolgte im Zeitraum 22 – 24 Mai an einem Muster von 1.011 Personen aller Altersgruppen, wobei ein großer Anteil (70,76%) die Frage, ob sie annehmen, dass die EU ihre Probleme bewältigen werde, mit „nein“ beantwortete.

In Zusammenhang mit der Zukunft der Europäischen Union zeigen die Griechen sich pessimistisch. Die Frage „Wie beurteilen Sie in dieser Periode die Gesamtpolitik der Europäischen Gemeinschaft?“ beantworten 66,45% der Befragten negativ. Insgesamt beurteilt ein Anteil von 85,39% die Politiken der EU-Länder negativ, mit den jungen Leuten gnädiger und den Frauen des Musters skeptischer.

Die Frage „Glauben Sie, dass die Europäische Union in den nächsten ein oder zwei Jahren die Probleme überwinden wird, denen sie heute begegnet?“ beantwortet ein Anteil von 70,76% mit „nein“ und ein Anteil von 19,93% mit „ja“.

Hoffnung auf die Universität

Inmitten all dessen erscheint für die Bürger die Universität als Hoffnung, da ein Anteil von 83,99% erachtet, die Intellektuellen müssen in die Handhabung der Krise eingreifen.

Sich auf die Themen der Unterstützung der Universität durch den Staat beziehend war der Rektor der Universität Athen hart und sagte, „der Staat begegnet der Universität wie einem Mülleimer und lädt hier alles ab was er nicht haben will„.

Auch führte er die Themen der Immigranten an. Als Immigranten den Raum der Propyläen der Universität Athen verließen, kamen – wie er sagte – die Drogenhändler. „Nach einem neulich erfolgten Besuch des Interesse für die Probleme zeigenden Ministers für öffentliche Ordnung in dem Institut hat sich die Lage jedoch verbessert„, fügte er an.

Auf eine Frage bezüglich des Problems der Obdachlosen im Zentrum von Athen entgegnete er, es existieren verlassene Gebäude, die verwertet werden könnten.

Die Daten der Untersuchung

Die Erhebung wurde für die Universität Athen von der Gesellschaft OpinionPoll im Zeitraum 22 – 24 Mai 2013 an einem panhellenische Muster von 1.011 Personen durchgeführt.

• Auf die Frage „Wie beurteilen Sie in dieser Periode die Gesamtpolitik der Europäischen Union?“ antworteten 66,45% der Befragten (77,27% sind Frauen und 60,34% Männer) „negativ“ und nur 5,65% antworten „positiv“ (davon 9,48% Männer und 3,24% Frauen). Diejenigen, welche die Politik der Europäischen Union negativ beurteilen, sind in ihrer überwältigenden Mehrheit 35 – 54 Jahre alt, während diejenigen, welche die Politik positiv beurteilen, in der Mehrzahl 65 Jahre und älter sind, ein Anteil von 5,44% jedoch auch 18 – 24 Jahre alt ist. 18,94% des Musters antworten „eher negativ“ und 8,9% „eher positiv“.

• Die Frage „Glauben Sie, dass die Europäische Union in den nächsten ein oder zwei Jahren die Probleme überwinden wird, denen sie heute begegnet?“ beantwortet ein Anteil von 70,76% der Befragten mit „nein“ und ein Anteil von 19,93% mit „ja“. Bei denen, die mit „nein“ antworten, sind 74,05% Frauen und 65,02% Männer. Bei denen, die mit „ja“ antworten, sind 26,72% Männer und 15,68% Frauen.

• Auf die Frage „Welche ist Ihre heutige berufliche Situation?“ geben 36,54% keine Antwort. 29,90% antworten, in einer „festen Anstellung“ zu arbeiten, 18,94% antworten „ich suche nach Arbeit“, 6,98% antworten „ich arbeite gelegentlich, wenn es sich ergibt“, 4,32% antworten „ich bin noch Schüler – Student“ und 3,32% „ich bin vorläufig beschäftigt, mit Vertrag und festen Arbeitszeiten“.

• Die Frage „Fürchten Sie, in nächster Zeit ihre Arbeit verlieren zu können?“ beantworten 60,33% mit „ja“, 33,06% mit „nein“ und 6,61% mit „ich weiß nicht / antworte nicht“. Die positiven Antworten beziehen sich auf fast alles Altersgruppen der Befragten, Männer und Frauen. Sorgen machen sich hauptsächlich zu einem Anteil von 75,51% diejenigen mit einem „mittleren Bildungsabschluss“, 50% mit einem „höheren Bildungsabschluss“ und 42,86% mit der „elementaren Ausbildung“.

• Auf die Frage „Denken Sie darüber nach, in einem anderen Land nach Arbeit zu suchen?“ antworten 72,09% „nein“, 21,93% „ja, ich würde es wollen, habe jedoch nicht die wirtschaftliche Möglichkeit“ und 5,98% „eher nicht“. Unter denen, die antworten, sie würden unser Land verlassen wollen, jedoch nicht über die wirtschaftliche Möglichkeit verfügen, sind 52,63% junge Leute im Alter von 18 – 24 Jahren.

Immigranten

• Die Frage „Erachten Sie, dass die Präsenz der Immigranten Probleme für die Beschäftigung der jungen Leute schafft?“ beantworten 49,84% des Musters mit „ja“ (davon 54,31% Männer und 47,03% Frauen), 41,22% mit „nein“ (davon 41,38% Männer und 41,08% Frauen) und 8,97% mit „ich weiß nicht / antworte nicht“. Von denen, die mit „ja“ antworten, ist die überwältigende Mehrheit älter als 50 Jahre, jedoch antwortet mit „ja“ auch ein Anteil von 21,05% der jungen Leute im Alter von 18 – 20 Jahren. Von denen, die mit „nein“ antworten, sind der größte Teil junge Leute im Alter von bis zu 35 Jahren.

Universitäten

• Auf die Frage „Wie bewerten Sie die heutige Situation der Hochschulausbildung in unserem Land?“ antwortet ein Anteil von 41,53% „mittelmäßig“, ein Anteil von 26,58% „schlecht“, ein Anteil von 14,95% „gut“, ein Anteil von 10,96% „ich weiß nicht / antworte nicht“ und ein Anteil von 5,98% „sehr gut“.

• Die Frage „Glauben Sie, dass die Universität zur Bewältigung der heutigen Krise aktiver eingreifen müsste?“ beantworten 58,14% der befragten mit „ja“, 25,25% mit „eher ja“, 10,96% mit „eher nicht“ und 5,65% mit „sicher nicht“.

(Quelle: in.gr)

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