Die „verlorenen“ Steuerspuren von Google in Griechenland

14. Juni 2013 / Aktualisiert: 27. August 2018 / Aufrufe: 555

Schätzungen zufolge verliert Griechenland signifikante Steuereinnahmen in Millionenhöhe aus der von Google weltweit befolgten Praxis der Steuervermeidung.

Es ist bezeichnend, dass ab 2009, als in Griechenland die Nutzung begann (Anmerkung: gemeint sind die Werbedienstleistungen), bis Ende 2012 die Google Hellas Steuern in Höhe von insgesamt 491.270 Euro zahlte, also knapp 123.000 Euro jährlich. In dem selben Zeitraum präsentierte sie Umsätze in Höhe von insgesamt 12,7 Mio. Euro und Reingewinne in der Größenordnung von 1,25 Mio. Euro.

Wie Kenner des elektronischen Unternehmertums berichten, liegt der tatsächliche von Google in Griechenland realisierte Umsatz jedoch deutlich höher, da die Bezahlungen für auf Googles Seiten eingeblendete Werbungen von griechischen Kunden direkt auf Bankkonten in Irland entrichtet werden.

Abrechnung erfolgt über die Google Ireland Ltd

Wenn also ein Grieche (Unternehmen oder Privatperson) bei Google Werbung kauft, erfolgt die Rechnungsstellung von der Google Ireland Ltd in Irland, wo der Steuersatz sich auf gerade einmal 12,5% beläuft (entsprechende Gesellschaften sind auch auf den Bermudas, auf den Bahamas und in Holland gegründet wurden). Es ist anzuführen wert, dass der einzige Aktionär der Google Hellas die Google LLC ist, die wiederum ihren Sitz in dem US-amerikanischen Steuerparadies Delaware hat.

Information zufolge erreicht der tatsächliche Umsatz 40 Mio. Euro jährlich, was bedeutet, die Gewinne sowie auch die abgeführten Steuern um ein Vielfaches höher wären, wenn sie in der Bilanz der griechischen Gesellschaft verbucht werden würden. Ein Repräsentant der Google Hellas erklärte jedenfalls, „wir richten halten uns vollumfänglich an die steuerlichen Regelungen in jedem Land, in dem wir tätig sind, einschließlich auch Griechenlands„.

Das Thema der Besteuerung von Google soll bei der vor drei Monaten erfolgten letzten Begegnung des französischen Präsidenten Hollande mit dem griechischen Premierminister Antonis Samaras auf den Tisch gebracht worden sein. Spezieller wurde das Modell (zur Entschädigung der französischen Verleger durch die Suchmaschinen) erwähnt, welches Frankreich adoptierte und sich auf die von Google zugesagte Schaffung eines Fonds in Höhe von 60 Mio. Euro zur Erleichterung des Übergangs der Presse in die digitale Welt bezog.

Der amerikanische Koloss hat sich in den letzten Jahren mit den meisten europäischen Politikern und Verlegern konfrontiert gesehen, da erstere nach höheren Steuereinnahmen für ihre Länder suchen, während letztere von Google fordern, für die Rechte zu zahlen, die von ihnen repräsentierten Artikel auf den Google-Nachrichtenseiten zu publizieren. Beispielsweise haben italienische, deutsche und französische Verleger eine gerechtere Verteilung der Einnahmen Googles und parallel die Erhebung einer sogenannten „Google-Abgabe“ gefordert.

Eric Schmidt: entweder Steuern oder Innovation und Wachstum

In einem neulich publizierten Artikel des Google-Chefs Eric Schmidt im Guardian betonte der mächtige Mann des amerikanischen Kolosses unter anderem, die Firmensteuern müssen auf Basis der Gewinne des Unternehmens und nicht der Einnahmen entrichtet werden.

Für die multinationalen Gesellschaften wie Google ist das Thema komplexer. Damit die korrekte Steuer abgeführt wird, ist zu bestimmen, wo genau die Gewinne erzeugt werden. Aus diesem Grund haben die meisten entwickelten Länder kooperiert, um ein „Set“ steuerlicher Praktiken zu schaffen. Diese basieren hauptsächlich auf dem Prinzip, dass die Steuern in dem Land zu zahlen sind, wo die Gesellschaft ihre grundlegenden Aktivitäten hat und das unternehmerische Risiko aufnimmt, und nicht dort, wo ihre Produkte konsumiert werden.

Weiter merkte Eric Schmidt an: „Die meisten Techniker von Google haben ihre Basis in den USA, wo der grundsätzliche teil der Geschäfte der Gesellschaft realisiert wird. In den USA entrichtete Google im vergangen Jahr Steuern in Höhe von ungefähr 2 Mrd. Euro. Das selbe geschieht entsprechend in Großbritannien mit den britischen Technologie- und Pharma-Firmen, die ihre Basis dort haben. Diese befolgte Praxis gewährleistet, dass die selben Gewinnen nicht in verschiedenen Ländern zweimal oder mehrmals besteuert werden, da etwas solches die Möglichkeit der Firma mindern würde, in die Schaffung neuer zukünftiger Arbeitsplätze zu investieren.

Eine Änderung bei der steuerlichen Behandlung der Gesellschaften wie Google könnte kurzfristig eine signifikante Erhöhung der steuerlichen Einnahmen in jedem Land herbeiführen, wo wir aktiv sind, würde jedoch gleichzeitig weniger Innovation, weniger Wachstum, weniger Arbeitsplätze bedeuten.

(Quelle: Ethnos)

Kommentare sind geschlossen