Der Weg der DB-Schmiergelder nach Griechenland

21. Juni 2013 / Aufrufe: 1.508

Die Aktivitäten der Lahmeyer in Griechenland

Die Gesellschaft Lahmeyer International, die laut Funktionären des griechischen Ministeriums für Infrastrukturen auch den Repräsentanten der Deutsche Bahn International (DBI), also der gleichnamigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn in Griechenland darstellte, hatte Studien für die ERGOSE, DEI, Autobahnen und die U-Bahn auf Attika übernommen.

Lahmeyer und DBI werden von der deutschen Justiz wegen der Leistung illegaler Zahlungen an Amtsträger verschiedener Länder – darunter auch Griechenlands – kontrolliert. Wie vorstehend erwähnt existierten sogar bereits auch Verurteilungen, während die DB nach der gerichtlichen Untersuchung der Staatsanwaltschaft Frankfurt zu Lasten der Gesellschaft wegen Korruption bekannt gab, die Übernahme von technischen und Consulting-Projekten in Griechenland, aber auch Algerien, Libyen, Ruanda und Thailand einzustellen.

Die Lahmeyer war während der beiden vergangenen Jahrzehnte an einer Menge großer Projekte und Studien beteiligt. Wie die Zeitung To Vima berichtet, war sie speziell (zusammen mit DE CONSULT und TRADEMCO) an dem Konsortium der Büros beteiligt, das die Ausschreibungsmappen der ERGOSE für die Beschaffung des Funküberwachungssystems GSM R ausarbeiteten. Den Zuschlag erhielt damals Siemens und die Sache befindet sich in den Händen der Justiz.

Interesse an Griechenland führte zur Gründung der Li-Hellas

Früher erhielt die Lahmeyer 2002 nach einer internationalen Ausschreibung den Zuschlag als technischer Berater der ERGOSE um bei der Realisierung der großen Eisenbahnprojekte der damaligen Epoche Hilfestellung zu leisten. Es handelte sich um einen Vertrag in Höhe von über 4 Mio. Euro. Parallel gab es jedoch in der Periode 2001 – 2003 wenigstens sechs andere Verträge in einer Höhe von insgesamt 1,5 Mio. Euro, die von der ERGOSE per Zuschlag an die Deutschen vergeben wurden. Später gab es 2009 zwei weitere Verträge in einer Höhe von insgesamt 200.000 Euro über die Erstellung des Business-Plans für die Thriasios-Ebene. Das Interesse der Deutschen an Griechenland hatte vor Jahren sogar auch zur Schaffung der Tochtergesellschaft der Lahmeyer namens Li-Hellas in Griechenland geführt.

Die Lahmeyer nahm 2002 auch an den Ausschreibungen der U-Bahn von Attika bezüglich der Auswahl des technischen Beraters für die Erweiterung der U-Bahnstrecken 2 und 3 und der Trassierung der Strecke 4 teil, in einem Konsortium mit den Büros DE Consult – THALES Engineering & Consulting – DROMOS AEM. Quellen der U-Bahn Attika waren nicht in der Lage, die Verwicklung der Lahmeyer in die Angelegenheiten des öffentlichen Unternehmens zu erklären, laut den deutschen Publikationen existierte sie jedoch und es wurden sogar Schmiergelder mittels einer Offshore-Gesellschaft gezahlt.

Ebenfalls war die Lahmeyer als Berater der OSE bei den Studien bezüglich der neuen Bahnstrecke Kalampaka – Ioannina – Igoumenitsa tätig, zusammen mit den Büros ADK Consultants Ingenieure, A. Karanikolas und MBB. Die letzte Zahlungsanweisung der OSE an das Konsortium erfolgte am 04 August 2011. Gegen Ende des Jahrzehnts 1990 hatte die Lahmeyer die Schätzung der Kosten der Einheit der DEI in Florina übernommen, die damals als unhaltbar beurteilt worden war und intensive Reaktionen bei der Regierung Simitis hervorgerufen hatte. Vorher hatte die Gesellschaft unter der Regierung Mitsotakis wiederum die Beratung für die Einheit der DEI in Lavrio übernommen.

Weiter war die Lahmeyer an der deutschen Gruppe des Konsortiums „Olympic Metro“ beteiligt, die von der U-Bahn Attika gebaut wurde. Parallel hatte sie 1996 für Rechnung des ehemaligen Ministeriums für Umwelt, Flächennutzung und öffentliche Projekte (YPECHODE) zusammen mit OMEC und Sogelerg das Projekt-Management für die Südachse der Autobahnstrecke Patras – Thessaloniki (PATHE) übernommen. Die selbe Formation übte während der ersten Phase des Baus der Autobahn Egnatia Odos auf dem Abschnitt Igoumenitsa – Panagia das Konstruktions-Management aus, gegen eine Vergütung von 1,65 Mrd. Euro.

Die in Rede stehende Formation bemühte sich 1996 sogar um die Rolle des Beraters in der damals geplanten Untertunnelung des Malia-Golfs (Maliakos), die jedoch niemals realisiert wurde. Ebenfalls hatte sie ein Angebot für die Übernahme der Rolle des technischen Beraters für die Olympischen Spiele 2004 eingereicht.

(Quelle: in.gr, Süddeutsche Zeitung, in.gr)

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