Was sehen Chinesen in Griechenland?

20. Mai 2013 / Aktualisiert: 18. Juli 2014 / Aufrufe: 1.511

Angesichts des chinesischen Interesses an dem Athener Flughafen Eleftherios Venizelos in Griechenland stellt sich die Frage, was sie mit dem Airport anfangen werden.

Die „Anlage“ der Cosco im Hafen von Piräus erwies sich als eine ausgezeichnete Investition, mit besonders hohen Renditen für die Gesellschaft, aber auch für die chinesische Wirtschaft. Kann der internationale Flughafen von Athen (ATH) eine entsprechend gewinnbringende Investition sein?

Die griechische Regierung vertritt, in den letzten 10 Jahren des Betriebs des ATH seien der staatlichen Beteiligung entsprechende Dividenden in Höhe von 1,15 Mrd. Euro ausgeschüttet worden, und behauptet, wer ihren Anteil übernimmt, werde eine goldene Eier legende Gans erwerben. Zusätzlich zu dieser Argumentation wird unterstrichen, der neue Vertrag über die Überlassung des Flughafens sei zur Stärkung des Gewinnverlaufs geplant worden, da im Lauf der Zeit bis zum Auslaufen des Vertrags 2021 drastisch die Beträge sinken werden, die in die Tilgung des Kredits der Europäischen Investitionsbank fließen (105 – 110 Mio. Euro).

Sinkende Passagierzahlen machen Eleftherios Venizelos weniger attraktiv

Der potenzielle Wertzuwachs des „Eleftherios Venizelos“ aus der möglichen Verlängerung des Überlassungsvertrags um 20 Jahre wurde auch von der (damaligen) deutschen Seite bei den ersten Verhandlungen mit den Chinesen der HNA und den Franzosen der Vinci über den Verkauf des Portefeuilles der Hochtief Airport als Argument bemüht. Das geschah jedoch 2012, vor einer Zeit, die für die Gegebenheiten der Flugindustrie eine Ewigkeit gestaltet.

Wenn die Dinge so einfach wären, würden alle rennen um den Flughafen „Eleftherios Venizelos“ zu kaufen. Die Wahrheit ist jedoch, dass in den beiden letzten Jahren der Rückgang des Passagieraufkommens und die Verluste der Fluggesellschaften, die dem ATH wie einem peripheren Flughafen begegnen, die wirtschaftlichen Gegebenheiten rasch verändert haben. Wie sehr wohl noch, wenn die peripheren Flughäfen weiterhin an den Anteilen des Passagieraufkommens des ATH nagen?

Die Frage lautet also: was ist für die Chinesen vorteilhafter, Athen oder die Peripherie?

Staat verklagt sich selbst, um Airport zu „Schnäppchen“ zu machen

Lägen die Dinge anders, hätte der Fiskus sich bei dem Freispruch des ATH durch den Internationalen Gerichtshofs von London, der urteilte, der Flughafen sei von den 163 Mio. Euro MwSt. frei zu sprechen, die ihm von dem Fiskus angelastet worden war, nicht dumm gestellt. Zu einer Stunde also, wo der Fiskus auch den letzten Schuldner mit Gefängnisstrafen jagt, verschließt er vor den Schulden des (ihm gehörenden) Flughafens die Augen, damit er für die Ausländer als „Schnäppchen“ charakterisiert werden kann.

So verkündete das Schiedsgericht in der Verhandlung der Sache (Anmerkung: nach griechischem Recht) sein Urteil, mit dem es beschloss, der Internationale Flughafen Athen schulde dem griechischen Fiskus nicht die Beträge der angelasteten MwSt. nebst den Beträgen der verhängten Strafsteuern und erklärte auch die einschlägigen Feststellungsbeschlüsse als rechtswidrig ergangen. Für die Historie sei angemerkt, dass zwischen den beiden Seiten ein Rechtsstreit bezüglich eines angelasteten MwSt.-Betrags von 44 Mio. Euro für die Periode 1998 – 2009 anhängig war, der wegen der Zuschläge den Gesamtbetrag von 163 Mio. Euro erreichte.

Und etwa so geschah das tatsächlich Irreale, dass eine Gesellschaft staatlicher Interessen und Mehrheit, wie es der ATH noch ist (mit der staatlichen Beteiligung von 55%), sich gegen den Hauptaktionär (und im weiteren Sinn gegen den griechischen Steuerzahler) wendet und zu dessen Lasten gewinnt – einzig davon geleitet, … nicht zu zahlen!

Solche Trick waren wahrscheinlich notwendig, damit der Vorschlag, den die Chinesen für den Kauf des staatlichen Beteiligungsanteils am „Venizelos“ unterbreitet haben sollen, ein „sehr großes Paket“ umfasst, das auch für Athen verlockende Bedingungen bereithält. Dieses Paket umfasst den Erwerb des Anteils der Hochtief (26,7%), den die kanadischen Rentner aufkauften (worüber wir uns in der vergangenen Woche fragten, ob es sich um Zwischenkäufer handelt oder nicht), in Kombination mit:

  • der Verwertung des Handelsparks des Flughafens (vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Koutsolioutsos der KAE) (Anmerkung: gemeint sind die Duty Free Shops),
  • der Schaffung neuer Logistik-Zentren,
  • der Anbindung des Flughafens (mittels Attika-Straße und Vorstadtbahn) mit Ausgang nach Elevsina, aber auch der neuen Strecke der TRAINOSE ab Piräus (Betriebsstätten der Cosco),
  • aber auch der Wiederherstellung einer ständigen Luftverbindung Athen – Peking auf Vorschlag der Ais China.

Bilder des „Aufschwungs“

Im Folgezeitraum werden in den Überlebenskampf für die Flughäfen und die Gesellschaften fast alle eintreten. Wie die Low Cost Gesellschaft Ryanair, die kurz vor der Privatisierung erschien und ein „Rettungsprogramm“ für den griechischen Tourismus vorschlug, mit ihr selbst im Mittelpunkt: dass also sie selbst 10 Mio. Touristen ohne Flughafensteuern zum „Eleftherios Venizelou“ befördert und damit ihre Gewinne und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber jeder andern Gesellschaft maximiert.

Dieser Vorschlag, der sowohl das Feuer der heutigen Leitung des ATH als auch der größten griechischen Fluggesellschaft – der Aegean – auf sich zog, wäre vielleicht unbemerkt geblieben, wenn er nicht als Arbeitsszenarium in der Plänen der Hochtief selbst enthalten gewesen wäre. Der Vizepräsident der Gesellschaft, Holger Linkweiler, gab in einem eigenen Artikel darüber, wie ein Flughafen „im Fall des Zusammenbruchs des von ihm bedienten größten Luftfrachtunternehmens reagieren kann“ (Anmerkung: über den Flughafen von Budapest sprechend, wo der Verkehr nach dem Zusammenbruch der staatlichen MALEV um 35% zurückging), auch die Lösung: er schloss ein Terminal, entließ einige hundert Beschäftigte und erhöhte den Anteil der Low Cost Gesellschaften (wie Ryanair) von 26% im Jahr 2011 auf 50% im Jahr 2012 und machte somit bis Ende des Jahres 85% des verlorenen Passagierverkehrs wett.

Bilder aus dem Griechenland des kommenden Wachstums. Interessant, oder?

(Quelle: To Pontiki)

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