Unglaubliche Tricks mit Kfz-Preisen in Griechenland

13. Mai 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 3.408

„Blockade“ gegen Importe von Fahrzeugen aus 2. Hand

Abgesehen von dem unlauteren Wettbewerb, den einige Importeure gegenüber den anderen verursachen, gibt es auch die unabhängigen Fahrzeughändler, die diverse Gebrauchtwagen aus einem anderen Mitgliedstaat nicht mehr zu importieren vermögen, da ihr Import unerschwinglich ist. Der Grund ist kein anderer als die Tatsache, dass die Fabrikpreise der neuen PKW, die von manchen Importeuren bei der Preisstelle deklariert und auch für den Import gebrauchter PKW berücksichtigt werden, so niedrig sind, dass als Ergebnis in keinem anderen Mitgliedstaat auch nur ein einziger Gebrauchtwagen zu einem dermaßen niedrigen Preis gibt.

Wenn spezieller ein Händler einen luxuriösen PKW zu importieren versucht, der als Neuwagen einen Fabrikpreis von unter 20.000 Euro und einen Einzelhandelspreis von 115.000 Euro hat, ist es unmöglich, dass der Händler ihn in irgend einem anderen EU-Mitgliedstaat selbst nach 4 Jahren zu dem Preis erwirbt, den der Importeur für den Neuwagen deklariert. Dies hat zum Ergebnis, dass der Händler entweder eine Rechnung mit einem höheren Wert (sprich über 20.000 Euro) als jenem des Neuwagens beibringt und im Verhältnis zu dem Neuwagen überdimensionale Abgaben und Steuern entrichtet oder das Fahrzeug – bevor es nach Griechenland importiert wird – wenigstens zweimal den Besitzer wechselt, damit die endgültige Kaufrechnung in der Nähe des – analog zu den Betriebsjahren reduzierten – Fabrikpreises liegt.

Bei dem aus einem anderen Mitgliedstaat erfolgenden Import eines Gebrauchtwagens, der vor seiner Ausfuhr nach Griechenland mehr als zwei Besitzer gewechselt hat, verliert parallel der Staat die Mehrwertsteuer, da diese in einem anderen Mitgliedstaat mit einem geringeren Satz als den 23% in Griechenland entrichtet worden ist und somit zusätzliche Defizite bei den volkswirtschaftlichen Einnahmen geschaffen werden. Außerdem hatten sich neulich alle Medien mit den Rechnungen beschäftigt, die in anderen Ländern vor der Ausfuhr der Fahrzeuge nach Griechenland ausgestellt werden, damit der Wert gesenkt wird, auf dessen Basis die Händler besteuert werden.

Die Lösung: Besteuerung auf Basis der Einzelhandelspreise

Die inzwischen auch offiziell ernsthaft in Betracht gezogene Besteuerung auf Basis des Einzelhandelspreises ist folglich für die griechische Regierung die einzige Lösung, wenn sie tatsächlich wünscht, Steuern von den Vermögenden zu erheben und den wirtschaftlichen „Blutverlust“ wegen der hunderttausende zählenden Fahrzeug-Abmeldungen zu stoppen.

Wird das Einzelhandelspreis-System sowohl bei den sogenannten „Einkommensindizien“ als auch bei der Besteuerung der luxuriösen Lebensführung adoptiert wird, werden sich parallel die volkswirtschaftlichen Einnahmen erhöhen, da voraussichtlich zigtausende Fahrzeuge, die von ihren Eigentümern allein aus steuerlichen Gründen abgemeldet wurden, wieder in Betrieb genommen werden würden.

Gegenüberstellung von Fabrik- und Einzelhandelspreisen (in €) anhand einiger Beispiele:

Deklarierter Fabrikpreis Taxierungsgebühr + MwSt. Gesamtkosten nach Verzollung Einzelhandelspreis
4.800 1.500 6.300 9.000
5.500 2.900 8.400 30.000
7.500 5.000 12.500 38.000
10.000 3.500 13.500 19.500
11.550 8.000 19.550 70.000
19.500 14.000 33.500 115.000
39.000 * 28.000 + 15.600 Luxussteuer (40%) 67.000 235.000
120.000 ** 87.600 + 48.000 Luxussteuer (40%) 173.000 400.000

 (Quelle: Imerisia)

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  1. GR-Block
    13. Mai 2013, 12:16 | #1

    Wie kann ein Händler den „Fabrikpreis“ manipulieren? Doch nur wenn er selbst der Hersteller ist.
    Dass der Staat den Fabrikpreis und nicht den Endpreis versteuert/verzollt ist natürlich Resultat von Lobbyarbeit. Die Importeure und Händler (ob Griechen oder Ausländer) haben das Interesse, dass ihre Gewinne nicht zusätzlich versteuert werden. Dadurch würden ihre Gewinne reduziert oder der Endpreis in die Höhe und die Verkaufszahlen in die Tiefe schiessen. Genau dass aber wäre im Sinne der Volkswirtschaft GRs.

    „Exorbitante Handelsspannen bei Luxuswagen und Super-Cars“
    hier sollte sich der Staat schleunigst an der Orgie beteiligen und die Handelsspannen mit in die Taxierung nehmen.

  2. Moppel
    14. Mai 2013, 01:28 | #2

    Selbstverständlich vermag ein autorisierter Importeur / Vertragshändler (und nur um diese geht es im konkreten Zusammenhang) nicht willkürlich die ausgewiesenen Fabrikpreise zu manipulieren. Solche – im übrigen auch in anderen „Hochsteuerländern“ übliche – Spielchen mit den Werkspreisen werden vielmehr von den Herstellern dirigiert, die parallel auch über geeignete Instrumentarien verfügen, sich im Rahmen der internen Geschäftsbeziehungen ggf. auf andere Weise hinreichend schadlos zu halten.

    Hinter der in Griechenland erhobenen „Taxierungsgebühr“ verbirgt sich praktisch nichts anderes als ein versteckter Einfuhrzoll. Mittelfristig würde es sich für den griechischen Fiskus bestens rechnen, solche archaischen Einnahmemodelle lieber gestern als morgen über Bord zu werfen. Wie ein Junkie auf „Turkey“ agiert jedoch auch ein insolventer Fiskus völlig irrational.

    Was die „exorbitanten Handelsspannen“ betrifft, schlägt hier der griechische Fiskus unabhängig von allen übrigen Belastungen auf jeden Fall noch einmal mit 23% zu. Der blinde Futterneid allgegenwärtiger „Flachdenker“ mag nachvollziehbar sein („Mami hat mich auch nie lieb gehabt …“), andererseits sollte man sich jedoch vor Augen führen, dass in Griechenland der Käufer eines 100.000-Euro-Autos bei Vertragsabschluss satte 23.000 Euro (zur Veranschaulichung: die monatlichen Grundbezüge rund 60 deutscher Hartz-IV-Empfänger) – an die Staatskasse entrichtet, von den einschlägigen Folgebelastungen (fiktive Veranlagung, Besteuerung luxuriöser Lebensführung usw.) ganz zu schweigen … .

  3. Gerd
    14. Mai 2013, 02:49 | #3

    Ich versteh es nicht ganz!
    Warum zählt der Autor des Artikels immer den Fabrikpreis und die Taxierungsgebühr und die Mwst zusammen? Anschließend setzt er die Summe in Verhältnis zum Einzelhandelspreis. Die Importeure werden sicher mehr als den sogenannten Fabrikpreis an den Hersteller bezahlen müssen.
    Der Fabrikpreis dürfte meiner Meinung nach nur fiktiv (!) sein um eben wenn dieser gering angegeben wird sowohl Mwst als auch Taxierungsgebühr zu sparen, da diese ja in Prozent vom sogenannten Fabrikpreis errechnet wird.
    Ist doch so wie bei unseren schlauen Bauern, da wird ein Stück Wald auf dem Papier auch für 15.000 verkauft obwohl es 30.000 kostet (wert ist) um Notargebühren usw. zu sparen, der andere Teil läuft dann eben Bar auf die Hand.

  4. Götterbote
    14. Mai 2013, 11:35 | #4

    @Moppel
    Ich kann mich noch sehr gut an eine Meldung erinnern, in der von deutscher Seite aus darauf gedrängt wurde, auf mehr Produkte Luxussteuer zu erheben, um die Einkünfte zu erhöhen. Natürlich ist es letztendlich die Entscheidung der griechischen Regierung dies zu tun oder zu unterlassen, aber es wird wohl auch ein gewissen Druck von Aussen stattgefunden haben. Auf was man diese Steuer nun erhebt und wann und inwieweit sie sinnvoll ist, mag man diskutieren können. Aber grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass jemand, der sich ein 100000 Euro Auto leisten kann, einen entsprechend hohen Anteil an Steuern abzuführen hat.

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