Unglaubliche Tricks mit Kfz-Preisen in Griechenland

13. Mai 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 3.371

Die Manipulation der Fahrzeug-Fabrikpreise durch einige Kfz-Importeure in Griechenland verursacht sowohl Marktverzerrungen als auch Einnahmeverluste für den Fiskus.

Das Thema der bei dem griechischen Zoll offiziell deklarierten Kfz-Fabrikpreise beschäftigt die unabhängigen Fahrzeughändler seit Jahrzehnten, hat in den letzten Jahren jedoch auch einen Reibungspunkt im Rahmen des Wettbewerbs zwischen den Importeuren dargestellt.

Der Grund fokussiert sich auf die Tatsache, dass gewisse Importeure die Möglichkeit haben, die Fabrikpreise ihrer Fahrzeuge zu manipulieren, wann immer sich die steuerlichen Gegebenheiten in Griechenland ändern, und somit einen unlauteren Wettbewerb gegenüber den übrigen Händlern schaffen, während sie parallel auch die Importe gebrauchter Fahrzeuge aus anderen EU-Mitgliedstaaten nachhaltig „blockieren“.

Fabrikpreise als Instrument zur unlauteren Manipulation des Marktes

Aufzeigend sei angeführt, dass 2009, als der damalige Finanzminister die Taxierungsgebühr um 50% senkte, gewisse Importgesellschaften sich sputeten, die Fabrikpreise ihrer Modelle zu erhöhen, damit der Import der selben Modelle als Gebrauchtwagen aus einem anderen EU-Mitgliedstaat unrentabel wird. Ab dem Augenblick dagegen, als die Luxussteuer in Kraft trat, wurden die Fabrikpreise diverser Modelle wieder drastisch gesenkt, damit bei ihrem Import nicht zusätzlich die neue Steuer entrichtet zu werden braucht!

Die zum Teil tatsächlich ungeheuren Differenzen zwischen Fabrik- und Einzelhandelspreisen wiederum lassen sich auf Basis der Fabrikpreise aller Importgesellschaften feststellen, die bei der Preisstelle des Zolls eingereicht worden sind. Ein erstes Beispiel bezieht sich auf den Fabrikpreis eines kleinen Modells, das im Einzelhandel für 9.000 Euro angeboten wird und dessen Fabrikpreis bei unter 5.000 Euro liegt. Wegen seines kleinen Motors beläuft sich die Taxierungsgebühr (12%) für den Wagen auf 1.100 Euro, während die MwSt. nicht einmal 600 Euro erreicht. Eine einfache Addition beweist, dass der Bruttogewinn der konkreten Importfirma sich bei mehr als 2.500 Euro bewegt!

Bei einem anderen Modell mit einem Fabrikpreis von ungefähr 10.000 Euro beläuft sich die Taxierungsgebühr auf 1.229 Euro und die MwSt. auf ungefähr 2.300 Euro. Der Import des konkreten Wagens schlägt folglich nebst den Abgaben mit insgesamt ungefähr 13.500 Euro zu Buche. Sein Einzelhandelspreis bewegt sich jedoch bei 19.000 Euro! Bei einem weiteren Fahrzeug mit einem Einzelhandelspreis von über 30.000 Euro präsentiert die Importfirma einen Fabrikpreis von unter 6.000 Euro! Praktisch bedeutet dies, dass das konkrete Modell nebst entrichteter Taxierungsgebühr und MwSt. 9.000 Euro nicht übersteigt! Bis zu den 30.000 Euro verbleiben ungefähr 21.000 Euro.

Noch imposantere Fakten finden sich allerdings, wenn man sich zu höheren Fahrzeugklassen begibt, wo proportional der Hubraum, jedoch nicht auch die Fabrikpreise steigen. So wird beispielsweise ein Sedan-Modell mit Dieselmotor und über 2 Liter Hubraum in Griechenland auf Basis eines Fabrikpreises von 7.500 Euro verzollt, und trotz der Tatsache, dass die Taxierungsgebühr höher ausfällt (+50%), erreicht das in Rede stehende Fahrzeug zusammen mit der MwSt. nicht einmal 13.000 Euro. Was den Einzelhandelspreis des konkreten Modells betrifft, wird dieser auf über 37.000 Euro veranschlagt! Es ergibt sich also eine Differenz von 24.000 Euro.

Exorbitante Handelsspannen bei Luxuswagen und Super-Cars

Noch eine Klasse höher gehend sieht man dann die tatsächliche „Orgie“, die von machen Importfirmen gefeiert wird, da ein superluxuriöses Modell mit einem Einzelhandelspreis von über 70.000 Euro mit einem Fabrikpreis von unter 12.000 Euro verzollt wird, was zum Ergebnis hat, dass sich sowohl die Taxierungsgebühr als auch die MwSt. auf außerordentlich niedrigen Ebenen bewegen und auch keine Luxussteuer entrichtet wird! Gemäß den Tabellen des Zolls sind für das konkrete Modell für Taxierungsgebühr und MwSt. insgesamt weniger als 8.500 Euro zu zahlen, mit dem Resultat, dass Fabrikpreis plus Abgaben und Steuern sich insgesamt bei unter 20.000 Euro bewegen! Die Differenz zu dem Einzelhandelspreis liegt folglich bei 50.000 Euro.

Man könnte sagen, dass in der Kategorie der Super-Cars und superluxuriösen Modelle jedes Maß verloren gegangen ist, da für Fahrzeuge mit einem Einzelhandelspreis von über 100.000 Euro Fabrikpreise von sogar unter 20.000 Euro ausgewiesen werden, so dass auf sie auch keine Luxussteuer erhoben wird!

Anfänglich haben wir ein Modell mit einem Fabrikpreis von unter 20.000 Euro, bei dem sich die Taxierungsgebühr bei ungefähr 9.500 Euro und die MwSt. bei 4.500 Euro bewegt. Zusammen mit seiner Verzollung erreicht der Wagen weniger als 34.000 Euro. Der Einzelhandelspreis des konkreten Fahrzeugs beläuft sich auf mehr als 115.000 Euro! Ein anderes Modell mit einem PS-starken Motor erscheint mit einem Fabrikpreis von unter 40.000 Euro, mit dem Ergebnis, dass es mit Entrichtung der Taxierungsgebühr, MwSt. und Luxussteuer nicht über 83.000 Euro liegt. Um das konkrete „Traum-Modell“ jedoch zu erwerben, hat man mehr als 230.000 Euro zu zahlen!

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  1. GR-Block
    13. Mai 2013, 12:16 | #1

    Wie kann ein Händler den „Fabrikpreis“ manipulieren? Doch nur wenn er selbst der Hersteller ist.
    Dass der Staat den Fabrikpreis und nicht den Endpreis versteuert/verzollt ist natürlich Resultat von Lobbyarbeit. Die Importeure und Händler (ob Griechen oder Ausländer) haben das Interesse, dass ihre Gewinne nicht zusätzlich versteuert werden. Dadurch würden ihre Gewinne reduziert oder der Endpreis in die Höhe und die Verkaufszahlen in die Tiefe schiessen. Genau dass aber wäre im Sinne der Volkswirtschaft GRs.

    „Exorbitante Handelsspannen bei Luxuswagen und Super-Cars“
    hier sollte sich der Staat schleunigst an der Orgie beteiligen und die Handelsspannen mit in die Taxierung nehmen.

  2. Moppel
    14. Mai 2013, 01:28 | #2

    Selbstverständlich vermag ein autorisierter Importeur / Vertragshändler (und nur um diese geht es im konkreten Zusammenhang) nicht willkürlich die ausgewiesenen Fabrikpreise zu manipulieren. Solche – im übrigen auch in anderen „Hochsteuerländern“ übliche – Spielchen mit den Werkspreisen werden vielmehr von den Herstellern dirigiert, die parallel auch über geeignete Instrumentarien verfügen, sich im Rahmen der internen Geschäftsbeziehungen ggf. auf andere Weise hinreichend schadlos zu halten.

    Hinter der in Griechenland erhobenen „Taxierungsgebühr“ verbirgt sich praktisch nichts anderes als ein versteckter Einfuhrzoll. Mittelfristig würde es sich für den griechischen Fiskus bestens rechnen, solche archaischen Einnahmemodelle lieber gestern als morgen über Bord zu werfen. Wie ein Junkie auf „Turkey“ agiert jedoch auch ein insolventer Fiskus völlig irrational.

    Was die „exorbitanten Handelsspannen“ betrifft, schlägt hier der griechische Fiskus unabhängig von allen übrigen Belastungen auf jeden Fall noch einmal mit 23% zu. Der blinde Futterneid allgegenwärtiger „Flachdenker“ mag nachvollziehbar sein („Mami hat mich auch nie lieb gehabt …“), andererseits sollte man sich jedoch vor Augen führen, dass in Griechenland der Käufer eines 100.000-Euro-Autos bei Vertragsabschluss satte 23.000 Euro (zur Veranschaulichung: die monatlichen Grundbezüge rund 60 deutscher Hartz-IV-Empfänger) – an die Staatskasse entrichtet, von den einschlägigen Folgebelastungen (fiktive Veranlagung, Besteuerung luxuriöser Lebensführung usw.) ganz zu schweigen … .

  3. Gerd
    14. Mai 2013, 02:49 | #3

    Ich versteh es nicht ganz!
    Warum zählt der Autor des Artikels immer den Fabrikpreis und die Taxierungsgebühr und die Mwst zusammen? Anschließend setzt er die Summe in Verhältnis zum Einzelhandelspreis. Die Importeure werden sicher mehr als den sogenannten Fabrikpreis an den Hersteller bezahlen müssen.
    Der Fabrikpreis dürfte meiner Meinung nach nur fiktiv (!) sein um eben wenn dieser gering angegeben wird sowohl Mwst als auch Taxierungsgebühr zu sparen, da diese ja in Prozent vom sogenannten Fabrikpreis errechnet wird.
    Ist doch so wie bei unseren schlauen Bauern, da wird ein Stück Wald auf dem Papier auch für 15.000 verkauft obwohl es 30.000 kostet (wert ist) um Notargebühren usw. zu sparen, der andere Teil läuft dann eben Bar auf die Hand.

  4. Götterbote
    14. Mai 2013, 11:35 | #4

    @Moppel
    Ich kann mich noch sehr gut an eine Meldung erinnern, in der von deutscher Seite aus darauf gedrängt wurde, auf mehr Produkte Luxussteuer zu erheben, um die Einkünfte zu erhöhen. Natürlich ist es letztendlich die Entscheidung der griechischen Regierung dies zu tun oder zu unterlassen, aber es wird wohl auch ein gewissen Druck von Aussen stattgefunden haben. Auf was man diese Steuer nun erhebt und wann und inwieweit sie sinnvoll ist, mag man diskutieren können. Aber grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass jemand, der sich ein 100000 Euro Auto leisten kann, einen entsprechend hohen Anteil an Steuern abzuführen hat.

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