Steuerfahnder nehmen sich Pkw-Importeure in Griechenland vor

21. Mai 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 2.772

Nach einem Presse-Artikel über die Machenschaften auf dem Fahrzeugmarkt in Griechenland nehmen die Steuerfahnder die Kfz-Importeure unter die Lupe.

Laut exklusiven Informationen der „Imerisia“ erteilte Finanzminister Giannis Stournaras dem Sonderdezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) eine strenge Anweisung, alle Fahrzeug-Importgesellschaften und schwerpunktmäßig speziell jene unter die Lupe zu nehmen, die Spielchen mit den Fahrzeugpreisen in Griechenland treiben. Der Finanzminister betonte mit Nachdruck, die Geldstrafen für wie auch immer geartete festgestellte Unzulässigkeiten werden besonders hart sein, und sollten parallel Verbrechenstatbestände festgestellt werden, sei sehr wahrscheinlich, dass es auf Basis der neuen Steuerordnung bis hin zu Verhaftungen geben werde.

Reportage scheint Akteure in Unruhe versetzt zu haben

Alles begann natürlich mit dem Thema, das die „Imerisia“ am 11. Mai 2013 über die Werkpreise der Fahrzeuge publizierte und die Balance des griechischen Fahrzeugmarktes, aber auch die „Beziehungen“ erschütterten, die gewisse Importeure zu den Herstellern pflegen. Derzeit ist jedenfalls der erste Schritt mit dem Ziel die Sanierung des griechischen Fahrzeugmarktes erfolgt, und bald werden die Grundlagen gelegt werden, damit die Fahrzeuge auf eine gerechte Weise besteuert werden und es zu einem Schluss mit den Tricks kommt, zu denen manche Importeure imstande sind, indem sie lächerliche Fabrikpreise präsentieren und Steuern entgehen und somit einen unlauteren Wettbewerb gegenüber den anderen schaffen.

Ebenfalls scheint ein Krieg zwischen den griechischen Import-Gesellschaften und den Tochtergesellschaften der Hersteller ausgebrochen zu sein, wobei einige aus der ersten Gruppe Fakten über die Tochtergesellschaften „durchsickern“ lassen, während von der anderen Seite die Tochtergesellschaften ihre Offensive mit Daten vorbereiten, die mit dem Fürstentum von Liechtenstein zu tun haben! Wie auch immer das Thema sich entwickeln wird, die Autos stellen für manche eine unternehmerische Aktivität dar, die ihnen sehr hohe Gewinne einbringt, für andere dagegen ein Fass ohne Boden, das kontinuierlich Kapital benötigt um nicht zu versinken.

Außerdem werden abgesehen von den Fahrzeugen und Fabrikpreisen das Licht der Öffentlichkeit demnächst auch Rechnungen über den Einkauf von Ersatzteilen durch manche Importgesellschaften sehen, auf deren Basis ein Ersatzteil für 8 Euro eingekauft wird, der Importeur es dann an den autorisierten Händler für 167 Euro verkauft, während der Endabnehmer, der kein anderer als der griechische Konsument ist, es für 270 Euro erwirbt!

Alles andere als ein Zufall ist parallel die Tatsache, dass vor 3 Jahren die 30.000-Kilometer-Inspektion für eine konkrete Automarke 600 Euro kostete und heute die selbe Inspektion bei dem konkreten Fahrzeug gerade einmal 150 Euro kostet!

In den Büros der Minister gehen Anzeigen „verloren“!

Es ist bekannt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass ein namentlich von jemandem bei dem griechischen Staat eingereichtes Schriftstück verloren geht. Wenn es sich jedoch um Beschwerden von Unternehmern handelt, die Steuerhinterziehungen in Höhe vieler Mrd. Euro belegen und sogar an Ministerbüros, das SDOE und den Wettbewerbsausschuss erfolgen, mag einem leicht der Verdacht kommen, dass etwas anderes im Busch ist … . Die „Imerisia“ verschaffte sich Schreiben und Anzeigen von Unternehmern, die auf magische Weise irgendwo in den Büros der Ministerien und Kontrollmechanismen „verloren“ gingen.

Laut den offiziellen Schriftstücken, die der „Imerisia“ vorliegen, gehen die Anzeigen von Unternehmern der Branche gegen Importeure trotz der Tatsache „verloren“, dass in den letzten Jahren unter verschiedenen Regierungen der Generalsekretär des SDOE, der DEK-Direktor, aber auch der Finanzminister informiert worden sind! Wenn die Anzeigenerstatter es wagten, sogar auch heute von dem jetzigen Sekretär der SDOE die vor Jahren zugeteilten Protokollnummern zu verlangen, lautete die Antwort einfach „wir geben Ihnen nichts“.

Es kann nicht angehen, dass in einer Periode, in der die griechischen Bürger kontinuierlich aufgefordert sind, von dem ihnen verbliebenen minimalen Geld ihr Scherflein beitragen, einige andere darin fortfahren, Millionen Euro zu verdienen und sogar auch den „Schutz“ von Regierungsfunktionären zu genießen. Berechnungen zufolge sind sogar über 2 Mrd. Euro an Steuerpflichtiger Materie an der Besteuerung „vorbeigemogelt“ worden!

Geldstrafe von 3 Mio. Euro wegen Trickserei mit Kfz-Garantie

Gegen Ende 2012 verhängte das Finanzamt für Großunternehmen gegen eine griechische Fahrzeug-Importgesellschaft eine Geldstrafe in Höhe von 3 Mio. Euro, da mittels der erfolgten Überprüfung festgestellt wurde, dass der Hersteller einen Teil der Garantie deckt, die der Importeur dem Käufer eines gewissen Modells für einen bestimmten Zeitraum auf Ersatzteile und Arbeit gewährt, jedoch führte die Importgesellschaft in Griechenland diesen Betrag nicht auf! Wir sprechen also von Verheimlichung von Steuerbüchern.

Die griechische Importgesellschaft hat Einspruch eingelegt, dessen Verhandlung jedoch immer wieder vertragt wird …

Fabrikpreise, Garantien und andere Tricks

Einer der gebräuchlichsten Wege der „Begleichung“ der finanziellen Differenz, die sich aus den niedrigen Fabrikpreisen zwischen Importeuren und Herstellern ergeben, bezieht sich auf die Garantien der Fahrzeuge. Wenn speziell ein Fahrzeug zu einem Fabrikpreis von gerade einmal 10.000 Euro nach Griechenland importiert wird, während sein tatsächlicher Fabrikpreis 30.000 Euro beträgt, ergibt sich eine Differenz von 20.000 Euro, welche die griechische Importgesellschaft dem Hersteller auf irgendeine Weise zahlen muss.

Die Modus ist in den Kreisen des Fahrzeugmarktes bekannt und wird mittels der Garantien „beglichen“, da gewisse Importeure mit dem Hersteller privatschriftliche Verträge abgeschlossen haben, auf deren Basis sie die Kosten der Ersatzteile und der Arbeit für alle Garantien der Neufahrzeuge decken. Auf diese Weise „erstatten“ sie die aus der niedrigen Einkaufsrechnung entstandene Differenz und weisen in Griechenland natürlich auch Verluste aus den Garantien aus.

Einige andere haben auch andere Wege entdeckt, der Besteuerung in Griechenland mittels Tochtergesellschaften in anderen Ländern oder umgekehrt zu entgehen: die griechische Gesellschaft ist also Tochter einer anderen Gesellschaft mit Sitz in einem anderen Land, während in letzter Zeit auch das Phänomen beobachtet worden ist, dass ein Neuwagen vor der Übergabe an den Endverbraucher bereits von der Importgesellschaft auf eine Tochtergesellschaft und dann auf den Endkunden übertragen worden ist …

Lösung: Besteuerung auf Basis des Einzelhandelspreises

Das Thema der richtigen Besteuerung der Fahrzeuge kann nur auf eine Weise gelöst werden, damit die teuren Fahrzeug hohe Steuern an den griechischen Fiskus entrichten. Es muss sich umgehend das veraltete System der Besteuerung der Fahrzeuge ändern, das auf den Fabrikpreisen und dem Hubraum des Motors basiert, und ein gerechteres System adoptiert werden, das die Einzelhandelspreise umfasst.

Außerdem wird mit dem konkreten System kein Importeur die Fahrzeugpreise „Aufzug fahren“ lassen können, und auf der anderen Seite werden die Konsumenten mehr bezahlen, die tatsächlich teure Fahrzeuge haben, und nicht jene mit einem 2-Liter-Wagen ohne jeglichen Wert, die jedoch die „Einkommensindizien“ und die Besteuerung der luxuriösen Lebensführung zur Stilllegung ihrer Fahrzeuge geführt hat.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Maria P.
    21. Mai 2013, 10:11 | #1

    Vielleicht sollte der Minister auch jetzt die „Besteuerung überprüfen“ von den Autos die man schon seit Jahre besitzt, z.B. in Deutschland und als „Rückkehrer“ in Griechenland anmelden möchte. Dafür werden horrende Steuersätze kassiert, fast wie für ein neues Auto! Das ist laut, EU verboten aber der gr. Staat ignoriert es! Wann nimmt das auch ein Ende?

  2. V99 %
    21. Mai 2013, 15:44 | #2

    Ich kann immer wieder nur staunen, wie tief und fest der Staat hier schlaeft, oder wahrscheinlicher, auch an den seit langem bekannten Auto-Mafia-Methoden beteiligt ist und deshalb wenig Interesse hat, sich da unbeliebt zu machen. Das bezieht sich insbesondere auch auf die „Besteuerung“ von nach GR importierten Gebrauchtwagen. Was da, entgegen jeder EU Vereinbarung praktiziert wird, ist Ausbeutung auf Kosten der einfachen Verbraucher. Es sieht eindeutig nach einem „System“ aus, an dem ein „Industriezweig“ sich seit Jahrzehnten bereichert! Wenn man selber, zwecks Information ueber die Hoehe der so genannten „Taxierungsabgabe“ beim „Zoll“ (staatl. geduldete Mafia) vorstellig wurde, gab es eine allgemein gueltige „Angabe“, auf die man sich nicht im geringsten verlassen konnte. Schickte man aber einen der geduldeten Mafiosis dorthin, war es sofort billiger und zuverlaessiger. Ich finde es sehr gut, dass die Gebrauchtwagen Preise, fuer griechische Verhaeltnisse zusammen gebrochen sind, sich fuer europaeische Verhaeltnisse aber deutlich angepasst haben!

  3. germanos
    21. Mai 2013, 18:56 | #3

    Ganz verstehen kann ich diesen und den vorhergehenden Artikel nicht. Geht es hier um Neu- oder nur um Gebrauchtwagen. Bei Gebrauchtwagen ist mir dies klar, da GR nicht die tatsächlichen Kaufpreise zur Zulassungssteuer (nicht Zoll, wie fälschlicherweise in GR immer noch gebräuchlich), sondern aus Listenpreis und Alter berechnete Preise herangezogen werden. GR ist wegen dieses Verfahrens als eine Handelsbeschränkung vom EuGH schon mehrmals verurteilt worden, aber die Urteile interessieren GR nicht. Sollte es sich um Neuwagen der Importeuere handeln, kann ich dies nicht nachvollziehen. Schläft hier der Staat und liest keine EU-Reporte ? Die EU ermittelt immer wieder in gewissen Zeitabständen die Kfz-Preise in den EU-Ländern und veröffentlicht sie; letzter Bericht vom 26. Juli 2011. Die Nettopreise sollen dem Kunden ein Bild geben, und können dazu genutzt werden, sein Kfz in einem anderen EU-Land zu kaufen (sogenannte EU-Importe). Da die Umsatzsteuer im Land der Zulassung zu zahlen ist, werden die Nettopreise angegeben.

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