Grundbesitzern in Griechenland geht es an den Kragen

7. Mai 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 1.392

Äcker sollen wenigstens eine halbe Mrd. Euro Steuern einbringen

Mit der Besteuerung der Ländereien hauptberuflicher Landwirte und der Erhebung höherer Steuern von Steuerpflichtigen, die Immobilien hohen Wertes besitzen, und Unternehmen mit teuren Immobilien wird geplant, das bei der neuen Immobilien-Einheitssteuer aufgetretene „Loch“ von ungefähr 1 Mrd. Euro zu stopfen.

Als „Schlüssel“ werden in jedem Fall die Flurstücke charakterisiert, da festzustellen sein wird, ob wirklich die 500 – 600 Mio. Euro eingenommen werden können, auf welche sich die ursprüngliche Einschätzung beläuft. Der parteiübergreifende Ausschuss hat bereits von dem Ministerium für Landwirtschaft und dem Träger für Zahlung und Kontrolle Gemeinschaftlicher Zuschüsse, Orientierung und Bürgschaften (OPEKEPE) verlangt, ihm die Daten bezüglich der kultivierbaren Agrarflächen zu übergeben. Der Ausschuss wird die Daten nach Ostern in seinen Händen haben und diese voraussichtlich bei einer für Montag, 13 Mai programmierten neuen Sitzung untersuchen.

In einer ersten Phase wird der Ausschuss sich ein Bild über die landwirtschaftlichen Immobilien verschaffen und die Szenarien über die Behandlung der hauptberuflichen Landwirte verschaffen. Informationen zufolge geht aus dem Archiv des OPEKEPE hervor, dass 750.000 Landwirte und Viehzüchter 5,5 Mio. Hektar inne haben. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der Träger Eigentumseinheiten von jeweils ab 300 m² registriert.

Von Seite des Finanzministeriums wird angemerkt, dass die aufgetretene „Lücke“ aus allen drei Immobilienkategorien, also den teuren Immobilien (Wohnungen, Ladenlokale, Grundstücken innerhalb des Bebauungsplans), deren Besteuerung möglicherweise höher sein wird, den Landstücken und den Immobilien der Unternehmen gedeckt werden wird. Die diskutierten Szenarien sehen vor:

  • Die meisten Steuern werden sich für die Steuerpflichtigen ergeben, die ein Immobilienvermögen im „objektiven“ Wert von über 300.000 in ihrem Eigentum haben.
  • Für die einen „objektiven“ Wert von 250 Mrd. Euro erreichenden Immobilien der juristischen Personen werden die Steuersätze analog zu der Natur der Immobilien gestaltet werden.
  • Auf die Immobilien der juristischen Personen gewinnorientierten Charakters wird – ohne jeglichen Steuerfreibetrag – eine einheitliche Staffelung zur Anwendung kommen, die aus vier Sätzen von 0,1%, 0,2%, 0,3% und 0,6% besteht.
  • Spezielle Fürsorge wird für die selbstgenutzten Immobilien der Unternehmen (Hotelgebäude, Gelände usw.) sowie auch die Immobilien getroffen werden, welche die Kirche verwertet. Für diese Immobilien sieht der von dem Finanzministerium untersuchte Vorschlag die Anwendung der niedrigen Sätze von 0,1%, 0,2% und 0,3% vor.

Für die außerhalb eines Bebauungsplans gelegenen Immobilien ist die Differenzierung nach landwirtschaftlichen und nicht landwirtschaftlichen Flurstücken vorgesehen. Für die landwirtschaftlichen (Flurstücke) wird die Anwendung eines – allerdings sehr niedrigen – Steuerfreibetrags in der Größenordnung von 30.000 Euro und ihre Besteuerung mittels einer separaten Staffelung untersucht.

Die nicht landwirtschaftlichen Immobilien werden dagegen den übrigen Immobilien hinzugerechnet, welche der Steuerpflichtige besitzt, und auf Basis der zur Anwendung kommenden Steuersatz-Staffelung besteuert werden. Zuständige Faktoren des Finanzministeriums vertreten, dass all jene, die über ein Feld in ihrem Dorf verfügen, keiner schweren Besteuerung unterzogen werden.

Die Immobilieneigentümer, die über außerhalb des Bebauungsplans gelegene Grund- und Landstücke in touristischen Gebieten oder in urbanen Zentren verfügen, die noch nicht in den Bebauungsplan aufgenommen worden sind, werden dagegen im Vergleich zu den in landwirtschaftlichen Gebieten liegenden Flurstücken sehr viel mehr belastet werden.

(Quelle: Imerisia.gr

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  1. wolfswurt
    7. Mai 2013, 08:07 | #1

    Diese Art von Substanzsteuer gibt es in Deutschland als Grundsteuer.

    Jetzt wird verständlich wieso Merkel/Schäuble äußerten Griechenland habe das Tal durchschritten und befinde sich auf dem Weg der Besserung.
    Da Deutschland das perfideste Steuersystem der Welt konstruiert hat, was einer blutsaugenden Zecke gleicht, steht nach dem Lob von Mekel/Schäuble der griechischen Bevölkerung wohl die gleiche Art des Ausgesaugt werdens bevor.

    Vielleicht war das die Absicht durch eine Wirtschaftskrise die deutsche Steuergesetzgebung Griechenland überzustülpen.

  2. Götterbote
    7. Mai 2013, 11:38 | #2

    Wie sieht es hier eigentlich verfassungsmäßig aus? In Deutschland ist ja weiterhin die Frage offen, ob die Grundsteuer nicht verfassungswidrig ist. Gibt es ähnliche Zweifeln auch in Griechenland?

  3. Roditisa
    7. Mai 2013, 12:36 | #3

    Das wird lustig mit all den brachliegenden Immobilien, die 40 oder 50 Leuten gemeinsam gehören oder deren Besitzer aufgrund mangelnder Katastdaten gar nicht so recht bekannt sind.

  4. Heinz
    7. Mai 2013, 16:21 | #4

    @Roditisa

    Das mit den Katasterdaten wird tatsächlich noch ein großes Problem werden. Auch für die Griechen untereinander. Wie groß ist das Grundstück? Wo sind die Grenzen? Welche Nachweise gibt es über den Besitz bzw. das Eigentum? Das wird heiß!

  5. Griechenlandfanin
    7. Mai 2013, 17:10 | #5

    Das wird ja immer bunter. Welche Fachleute muessen denn dieses Mal mit herangezogen und bezahlt werden? Erst ist die Legalisierung der Grundstueck verfassungswidrig und sofort kommt etwas Neues. Bestimmt wird dagegen auch geklagt und es kommt heraus, dass es auch mit den Gesetzen dieses Landes nicht konfirm geht.
    Vermutlich muessen erst einmal neue Gefaengnisse gebaut werden um all die Menschen unterzubringen, die schon ausgelaugt und ausgesaugt sind und nichts mehr bezahlen koennen. Strom haben ja auch schon sehr Viele nicht mehr. Vielleicht wird die Steuer dann uebers Wasser eingezogen und wenn nicht bezahlt werden kann folgt das Abdrehen des Wasserhahns? Irgendetwas wird den Oberen schon einfallen.

  6. Waltom
    8. Mai 2013, 21:31 | #6

    Das wird richtig teuer, ich habe ein Grundstück von 750qm, 1/16 gehört wegen anhängiger Verfahren noch immer dem Vorbesitzer. Viel Spass bei der versteuerung. Da kostet die Überweisung mehr als die Steuer, so stützt man Banken

  7. giaoýrti giaoyrtáki
    9. Mai 2013, 18:09 | #7

    @Roditisa
    Titos Partisanen hatten als eine der ersten Aktionen in den im Widerstand befreiten Gebieten die Kataster vernichtet.

  8. hans
    16. Juni 2013, 09:54 | #8

    Ich kann nur jeden empfehlen, die Steuer unter „vorbehalt“ zu zahlen. Ich frag mich nur, wo ist das Geld, das die Regierung in Athen z.Zt. einkassiert (Steuern; Gelder von der EU)? Denn bei der Wirtschaft kommt nichts an.

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