Griechenland: Der Tote wird geschminkt

18. Mai 2013 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 8.784

Mit dem Segen aller

Diese ganze Schönfärberei, die schrittweise enthüllt wird, hat ein Ziel – das jedoch bei weitem den Versuch der Regierung übersteigt, politische Zeit zu gewinnen. Außerdem ist es kein Zufall, dass auch die internationalen Player der griechischen Krise diesen Versuch unterstützen, allen voran die Troika.

Nun gesellen sich auch die Rating-Agenturen hinzu, die mit ihren letzten Beurteilung einerseits die Kreditwürdigkeit des Landes „aufwerten“ und es andererseits auf dem Niveau „Junk“ (Müll) beibehalten, während eine Reihe von Hedge Funds (der … klarste Ausdruck der internationalen Spekulation) erneut ihr Interesse an den Trümmern des immer noch andauernden Zusammenbruchs der griechischen Wirtschaft bekunden.

Gleichzeitig kommt auch der Fall der Kreditzinsen, der zwar in der Substanz imaginär ist, da Griechenland sich kein Geld auf den Märkten leiht, jedoch wird auch diese als Argument genutzt, um ein nicht existentes … Wachstum zu dokumentieren.

Was deklariert all das Vorstehende? Dass alle wollen, dass Griechenland, aber auch Portugal endlich wieder auf die Märkte gehen, und diesen von ihnen gehegten Wunsch sogar mit dem völlig unwahren Versprechen ausstatten, dies bedeute die Befreiung dieser Länder von den Memoranden.

Warum die Memorandums-Länder an die Märkte sollen

Wer sind jedoch diese … „alle“, welche die Memorandums-Länder auf die Märkte schubsen möchten, und warum?

1. Grundsätzlich die Troika – allen voran Deutschland -, da der IWF inzwischen unwillig ist, Kredite zu geben, damit Deutschland die problematischen Wirtschaften der Eurozone kontrolliert. Charakteristisch ist außerdem das Beharren des IWF auf einem Schuldenschnitt zu Schaden der offiziellen Gläubiger (also der Eurozone), außer natürlich ihm selbst.

Zusätzlich wählt Deutschland den Weg der internen Schnitte und weigert sich beharrlich, Garant für die Verschuldung der Eurozone zu sein. Vor dem Albtraum, dass Länder wie Spanien und Italien – oder vielleicht auch Frankreich – unter Memoranden geraten, ist klar, dass es sich um die „Rückkehr“ der Gesamtheit der Eurozone an die Märkte handelt. Folglich ist die Troika – wie außerdem allseitig eingestanden – keine tragfähige Formation mehr.

2. Die internationalen Gläubigern mit unplatziertem Kapital, die nicht daran denken, die Gans mit dem goldenen Ei zu verlieren, welches Eurozone heißt. Sie mögen nicht fertiggebracht haben, dass ein zuverlässiger Euro-Verschuldungsbürgschaftsmechanismus geschaffen wird (z. B. Euro-Bonds), aber das reicht nicht aus, sich in den Trauerschleier zu werfen.

3. Die aasfressenden Spekulanten (Hedge Funds), die in der Auflösung des Staates und der sozialen Dienste, in der Veräußerung staatlichen Vermögens und Verwertung eines erweiterten Volumens nicht bedienter Kredite, aber auch den übrigen „schlechten“ Passiva des Banksystems, die nicht nur in Finanzderivaten ausgedrückt werden können, aber auch Zugriff zu ungeheuren Volumina privaten Vermögens bieten, „Speck“ sehen. Außerdem geht es wie gesagt um „Investitionsgeier“, die sich von Wirtschaftsleichen ernähren.

Wer hat also Einwände gegen die Priorität der griechischen Regierung, das Land schnellstens auf die … „Märkte“ zu bringen? Auf diese Weise werden ihre Geschäfte zulegen, so werden Gewinne herausspringen, so werden die Deutschen die Sicherheit ihrer Überschüsse bewahren und der IWF die Forderung seiner Großaktionäre befriedigen, kein Geld in den europäischen Brunnen zu werfen, da „die Europäer reich sind und ihre Probleme allein regeln können„.

Nur dass Griechenland so nicht auf den … Aufschwung, sondern die Vollendung seiner Plünderung zusteuert. Mit dem Segen und den Wünschen der Koalitionsregierung und der inländischen Finanzelite, die sich so viel unter den Nagel reißt wie sie kann, aber auch mit dem Schweigen der Opposition … .

(Quelle: To Pontiki)

Relevanter Beitrag:

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. Sensi
    18. Mai 2013, 10:36 | #1

    So macht dann auch sinn, warum wir unbedingt die Griechen „retten“ mussten. Denn retten ist nichts anderes, als versklaven. Das Geld weilt keine Sekunde bei den Griechen, fließt direkt wieder an die Banken ab. Gerettet wären die Griechen nur, indem sie einfach Staatsbankrott erklären, und den Banken den Mittelfinger zeigen.

  2. GR-Gast
    18. Mai 2013, 12:30 | #2

    Meiner Meinung nach müßte Alles von Grund auf neu gestaltet werden,
    mit den Bedürfnissen der Bevölkerungsschichten die direkt betroffen sind und den mittelständischen- und Kleinfirmen,
    alle Großfirmen und sogenannten Investoren zielen nur auf Rendite ab –
    was hat bei der „mächtigen Geldmaschine“ ein Menschenleben noch Wert?
    Meiner Meinung nach läuft vieles komplett schief.
    Großfirmen verdienen Vermögen – je kränker Menschen werden,
    Kleinbauern werden ausgesogen und kaputt gemacht – die Großbetriebe die Tiere zusammen sperren bis sie sich gegenseitig verstümmeln und mit Pharmaka hochgezüchtet werden – egal ob davon die Menschen krank gemacht werden, diejenigen verdienen sich die goldene Nase.
    Bei der Börse – werden Betriebe mit Negativbewertungen kaputt gemacht und daraus entsteht ein Riesengeschäft mit Negativaktien, ein unendlicher Geldfluß, wo diejenigen Menschen unendlich Geld verdienen – die darin involviert sind.

    Wo sind die Ideen und Gedanken als die Banken und Geschäfte aller Art gegründet wurden? Ich glaube – das ist „unmodern“ und „modern“ ist –
    egal wie schmutzig die Geschäfte sind – Hauptsache der Rubel rollt…

    Menschlichkeit, Charakter – sind sie zu Fremdwörtern geworden –
    viele erwarten sie von den Anderen wie „Im Namen des Gesetzes“ wo die Bevölkerung zu Raison gezogen wird –
    und diejenigen die sie verkörpern, l e i d e r wird es grade dort nicht so ganz genau genommen.
    Mit der „Hände Arbeit“ Geld verdienen war tausende von Jahren ehrenwert –
    heutzutage ist es schon „unehrenwert“ dreckige Hände von der Hände Arbeit zu bekommen.

  3. Kostantinos
    18. Mai 2013, 13:11 | #3

    Das ist der Grund, warum ich Euro und EU Gegner bin. Alles war absehbar und ist seinen logischen Weg gegangen. Die EU ist eine Wirtschaftsunion, das Ziel ist Gewinn zu machen. Sozialpolitik zu betreiben, die lediglich aus Schönfärberei besteht. Es geht nur um das Geld, Länder werden in den Ruin getrieben, mit angeblichen Krediten gerettet, total ausgeplündert und am Ende wird alles was möglich ist, zum Dumpingpreis abgegeben. Wer noch meint die EU, IWF, Troika oder sonstwer, hätte Interesse am Wohl eines Landes, der liegt wirklich falsch. Es geht sich um Marktverschiebungen, wird ein Land ruiniert, übernimmt ein anders Land die „Geschäfte“, Produktion etc. Griechenland war ein leichtes Ziel, eine unfähigere und korruptere Regierung war wohl kaum leichter zu finden.
    Rückkehr zur Drachme, Abwertung und Aufwertung der Währung und Investitionen in die Wirtschaft, sind für mich die einzige Lösung. Genau das Gegenteil passiert, schrumpfen der Wirtschaft, Unmöglichkeit Währung ab oder auf zu werten. Ich kann nur hoffen das die zukünftige Regierung in Griechenland einen besseren Weg gehen wird.

  4. Inbrevi
    18. Mai 2013, 14:52 | #4

    @Konstantinos
    Mit Ihren Sätzen haben Sie sehr gut Sinn und Zweck von EU-/EURO und der s.g. EURO-Rettung, und somit Taktik und Zielsetzung des- vornehmlich US-amerikanischen- Finanzkapitals, beschrieben. Mit Hilfe von IWF, Weltbank und EZB werden ehemals souveräne Staaten in die Abhängigkeit getrieben um dann mit gepumpten windigen US-Dollar deren Wirtschaft (Patente, etc.) und Infrastruktur zu übernehmen und auszuschlachten. Satrapen und charakterlose Pseudo-Politiker aus den betroffenen Staaten arbeiten den – vornehmlich – US-amerikanischen globalen Räubern willig in die Hände. Wann begreifen die Menschen endlich, daß lediglich ein souveräner Staat sein eigenes Schicksal allein bestimmen sollte und kann?

  5. Mark
    18. Mai 2013, 15:53 | #5

    Es gibt nunmal keinen einfachen Weg wenn eine Finanzblase platzt. Für kein Land auf der Welt. Der Aufzug fährt nunmal dann nach unten und der Lebensstandard geht den Bach runter. Und wenn man wie im Falle Griechenlands, aber auch rein garnichts tut um die Wirtschaftsstruktur zu ändern, na dann fährt der Aufzug noch etwas weiter runter. Shit happens, aber keine Sorge, irgendwann mal gehts auch wieder rauf. Nur nicht direkt morgen, oder übermorgen.
    Ach ja, mit Finanzblase meine ich natürlich eine Überschuldung, egal ob Privat (wie in Spanien/Irland/Lettland) oder Staatlich (wie in Griechenland/Argentinien).

  6. nikos
    18. Mai 2013, 19:24 | #6

    so ein unsinn,griechenland ist auf dem richtigen weg! wer glaubt den schon an diese blöde propaganda?

  7. Petroulla
    18. Mai 2013, 20:13 | #7

    Es ist unbestritten, daß die Finanzoligarchien auf der ganzen Welt die Hauptverantwortung tragen für die wirtschaftlichen Miseren und Krisen. Großunternehmen, Investmentbanker, Hedgefondsmanager etc. kochen ihr Süppchen und fahren Milliardengewinne ein, und sind dabei doch eigentlich zu nichts nütze. Zumindest nicht in dem Maße, wie es heutzutage läuft. Während auf der anderen Seite ehrliche Arbeit ja schon fast eine Schande ist. Es geht nicht darum, wie immer behauptet wird, daß „kein Geld da ist“. Das Ganze ist einfach nur ein Verteilungsproblem. Trotzdem: Griechenland jetzt als das unschuldige Opfer darzustellen, kommt auch nicht ganz hin. Auch da haben einige ihr Scherflein beigetragen. Griechenland wurde nicht gezwungen (denn auch das behaupten mittlerweile einige Kaffeehaus-Hobbypolitiker), in EU und Euro einzutreten. Und dass dies mit gefälschten Bilanzen passiert ist, wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf das ganze Thema. Da haben wohl auch einige selbstsüchtige und korrupte Politiker und Wirtschaftsgewaltige das schnelle Geld gerochen. Da wurde auf Teufel komm raus ein Millionenkredit nach dem anderen aufgenommen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, daß diese auch irgendwann mal zurückgezahlt werden müssen. Kredite sind nun mal Kredite, und keine Geschenke. Aber wahrscheinlich dachte man, das soll dann mal schön die nächste Regierung regeln. Zumal auch ein großer Teil der aufgenommenen Gelder gar nicht in die griechische Infrastruktur investiert wurde, sondern gleich wieder auf privaten Konten im Ausland verschwand. Ich glaube auch, das Ganze ist nicht so sehr ein Thema zwischen Deutschen oder Amerikanern und Griechen, sondern mehr zwischen reich und arm, zwischen oben und unten. Wobei niemals alles immer nur schwarz-weiß ist.

Kommentare sind geschlossen