Griechenland: Der Tote wird geschminkt

18. Mai 2013 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 8.696

Trotz aller Schönfärbereien lässt sich nicht verbergen, dass Griechenland nicht etwa auf einen Aufschwung, sondern auf die Vollendung seiner Plünderung zusteuert.

Die wirtschaftliche Realität des Landes wurde einige Tage von der Reise Samaras nach China überschattet, von der kein erschütterndes Ergebnis vermutet wird. Nachhaltiger überschattet wird sie vermutlich dagegen von dem Beharren der politischen und diplomatischen Führung der USA, in ihren Plänen für unsere Region Griechenland systematisch zu ignorieren.

So sehr man jedoch auch die wirtschaftliche Situation in Griechenland schminkt, lässt diese sich nicht verstecken. In den vergangenen Tagen zeigten sich dagegen mittels der offiziellen Daten allen die Herrlichkeit, die politische Nacktheit und das Ausmaß des Zusammenbruchs. Ebenfalls wurden der Öffentlichkeit alle Tricks zum Verstecken der Realität vorgeführt.

Die Fakten widerlegen die Beschönigungen

1. Die Freudenausbrüche über die steigenden Exporte hörten nach der Feststellung der „Bremsung“ abrupt auf.

2. Das Ziel der Kommission für die Einnahmen aus Privatisierungen wurde um ungefähr 30% revidiert: von 2,6 auf 1,9 Mrd. Euro. Parallel wird der Ausverkauf elementarer Dienste und Güter an Privatleute beschleunigt – siehe DEI, Trinkwasser usw. – Basisinfrastrukturen, wie Flughäfen, Eisenbahn und Häfen, damit noch etwas Kleingeld in die Kasse kommt, aus der die Tilgungsraten bedient werden.

3. Der von der Regierung propagierte Überschuss ist in der Realität ein primäres Defizit von 300 Mio. Euro im ersten Quartal des Jahres 2013. Wenn jedoch die fälligen Verbindlichkeiten des Fiskus an den Privatsektor mit einbezogen werden, erhöht es sich dann um ungefähr das Neunfache, auf 3 Mrd. Euro, und im Vergleich zu der entsprechenden Vorjahresperiode um 70% gestiegen.

4. Sogar auch dieses mittels der kreativen Buchführung der Regierung gezeigte „magische Bild“ beruht jedoch auf der Minimalisierung der Aufwendungen für öffentliche Investitionen. Einfach gesagt jubiliert die Regierung darüber, dass sie es nicht fertigbringt, ihre Zielvorgabe zu erreichen, über den absoluten investiven Notstand, über die völlige Auflösung des Staates und über die Tatsache, sich zu einem ansehenslosen „Schnorrer“ gewandelt zu haben.

5. Um die Löcher zu stopfen kommt die neue Besteuerung der Flurstücke, zu der durchsickerte, dass sie – wie üblich – „horizontal“, also außerordentlich ungerecht für die Armen sein wird, wie es im übrigen auch mit allen übrigen horizontalen Einnahmemaßnahmen geschah, die während der drei Memorandums-Jahre ergriffen worden sind. Sogar auch die elektronische Ausgabe der Zeitung „Vima“ charakterisierte in einem Leitartikel die neue Steuer als „rückschrittlich“. Das einschlägige „Dementi“ des Finanzministeriums (YPOIK) bezüglich der Substanz war nicht einmal ein … Dementi.

6. Aus diesem Rahmen ist auch die erwartete neue Kürzung der Renten nicht hinausgefallen, die ein weitere Schritt in die Richtung der … „nationalen Rente“ von 360 Euro (und vielleicht die einzige „garantierte“ Rente in den kommenden Jahren) sein wird.

7. Bezüglich der Arbeitslosigkeit bedarf es keiner vielen Worte, da jede Bekanntmachung eine weitere kräftige Ohrfeige für das unehrliche wirtschaftliche Bild ist, welches die Regierung nur dank der „nahestehenden“ Massenmedien weiterhin „verkaufen“ kann.

8. Die griechische Statistikbehörde (ELSTAT) gab eine Bekanntmachung über den Rückgang der Inflation im April 2013 auf 0,8% aus. Wovon würde die Regierung wünschen, dass es nicht … gesehen wird? Dass die Preise, die weiterhin ansteigen, sich auf die kritischen „Gruppen“ der Waren und Dienstleistungen beziehen, die sich auf die Grundaufwufwendungen der Haushalte beziehen:

  • „Ernährung und alkoholfreie Getränke“, wegen des Anstiegs der Preise hauptsächlich bei Frischobst, Frischgemüse, frischen Kartoffeln, frischen Fischen, Fleisch allgemein.
  • „Spirituosen und Tabak“ (5,0%), wegen der Erhöhung der Zigarettenpreise.
  • „Kleidung und Schuhwerk“ (2,2%).
  • „Wohnen“ (6,9%), wegen Erhöhung hauptsächlich des Heizöls und der Elektrizität. (Ein Teil des Anstiegs wurde aus dem Rückgang der Preise bei den Wohnungsmieten, Dienstleistungen für Reparatur und Wartung von Wohnungen und dem Erdgas ausgeglichen.)

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  1. Sensi
    18. Mai 2013, 10:36 | #1

    So macht dann auch sinn, warum wir unbedingt die Griechen „retten“ mussten. Denn retten ist nichts anderes, als versklaven. Das Geld weilt keine Sekunde bei den Griechen, fließt direkt wieder an die Banken ab. Gerettet wären die Griechen nur, indem sie einfach Staatsbankrott erklären, und den Banken den Mittelfinger zeigen.

  2. GR-Gast
    18. Mai 2013, 12:30 | #2

    Meiner Meinung nach müßte Alles von Grund auf neu gestaltet werden,
    mit den Bedürfnissen der Bevölkerungsschichten die direkt betroffen sind und den mittelständischen- und Kleinfirmen,
    alle Großfirmen und sogenannten Investoren zielen nur auf Rendite ab –
    was hat bei der „mächtigen Geldmaschine“ ein Menschenleben noch Wert?
    Meiner Meinung nach läuft vieles komplett schief.
    Großfirmen verdienen Vermögen – je kränker Menschen werden,
    Kleinbauern werden ausgesogen und kaputt gemacht – die Großbetriebe die Tiere zusammen sperren bis sie sich gegenseitig verstümmeln und mit Pharmaka hochgezüchtet werden – egal ob davon die Menschen krank gemacht werden, diejenigen verdienen sich die goldene Nase.
    Bei der Börse – werden Betriebe mit Negativbewertungen kaputt gemacht und daraus entsteht ein Riesengeschäft mit Negativaktien, ein unendlicher Geldfluß, wo diejenigen Menschen unendlich Geld verdienen – die darin involviert sind.

    Wo sind die Ideen und Gedanken als die Banken und Geschäfte aller Art gegründet wurden? Ich glaube – das ist „unmodern“ und „modern“ ist –
    egal wie schmutzig die Geschäfte sind – Hauptsache der Rubel rollt…

    Menschlichkeit, Charakter – sind sie zu Fremdwörtern geworden –
    viele erwarten sie von den Anderen wie „Im Namen des Gesetzes“ wo die Bevölkerung zu Raison gezogen wird –
    und diejenigen die sie verkörpern, l e i d e r wird es grade dort nicht so ganz genau genommen.
    Mit der „Hände Arbeit“ Geld verdienen war tausende von Jahren ehrenwert –
    heutzutage ist es schon „unehrenwert“ dreckige Hände von der Hände Arbeit zu bekommen.

  3. Kostantinos
    18. Mai 2013, 13:11 | #3

    Das ist der Grund, warum ich Euro und EU Gegner bin. Alles war absehbar und ist seinen logischen Weg gegangen. Die EU ist eine Wirtschaftsunion, das Ziel ist Gewinn zu machen. Sozialpolitik zu betreiben, die lediglich aus Schönfärberei besteht. Es geht nur um das Geld, Länder werden in den Ruin getrieben, mit angeblichen Krediten gerettet, total ausgeplündert und am Ende wird alles was möglich ist, zum Dumpingpreis abgegeben. Wer noch meint die EU, IWF, Troika oder sonstwer, hätte Interesse am Wohl eines Landes, der liegt wirklich falsch. Es geht sich um Marktverschiebungen, wird ein Land ruiniert, übernimmt ein anders Land die „Geschäfte“, Produktion etc. Griechenland war ein leichtes Ziel, eine unfähigere und korruptere Regierung war wohl kaum leichter zu finden.
    Rückkehr zur Drachme, Abwertung und Aufwertung der Währung und Investitionen in die Wirtschaft, sind für mich die einzige Lösung. Genau das Gegenteil passiert, schrumpfen der Wirtschaft, Unmöglichkeit Währung ab oder auf zu werten. Ich kann nur hoffen das die zukünftige Regierung in Griechenland einen besseren Weg gehen wird.

  4. Inbrevi
    18. Mai 2013, 14:52 | #4

    @Konstantinos
    Mit Ihren Sätzen haben Sie sehr gut Sinn und Zweck von EU-/EURO und der s.g. EURO-Rettung, und somit Taktik und Zielsetzung des- vornehmlich US-amerikanischen- Finanzkapitals, beschrieben. Mit Hilfe von IWF, Weltbank und EZB werden ehemals souveräne Staaten in die Abhängigkeit getrieben um dann mit gepumpten windigen US-Dollar deren Wirtschaft (Patente, etc.) und Infrastruktur zu übernehmen und auszuschlachten. Satrapen und charakterlose Pseudo-Politiker aus den betroffenen Staaten arbeiten den – vornehmlich – US-amerikanischen globalen Räubern willig in die Hände. Wann begreifen die Menschen endlich, daß lediglich ein souveräner Staat sein eigenes Schicksal allein bestimmen sollte und kann?

  5. Mark
    18. Mai 2013, 15:53 | #5

    Es gibt nunmal keinen einfachen Weg wenn eine Finanzblase platzt. Für kein Land auf der Welt. Der Aufzug fährt nunmal dann nach unten und der Lebensstandard geht den Bach runter. Und wenn man wie im Falle Griechenlands, aber auch rein garnichts tut um die Wirtschaftsstruktur zu ändern, na dann fährt der Aufzug noch etwas weiter runter. Shit happens, aber keine Sorge, irgendwann mal gehts auch wieder rauf. Nur nicht direkt morgen, oder übermorgen.
    Ach ja, mit Finanzblase meine ich natürlich eine Überschuldung, egal ob Privat (wie in Spanien/Irland/Lettland) oder Staatlich (wie in Griechenland/Argentinien).

  6. nikos
    18. Mai 2013, 19:24 | #6

    so ein unsinn,griechenland ist auf dem richtigen weg! wer glaubt den schon an diese blöde propaganda?

  7. Petroulla
    18. Mai 2013, 20:13 | #7

    Es ist unbestritten, daß die Finanzoligarchien auf der ganzen Welt die Hauptverantwortung tragen für die wirtschaftlichen Miseren und Krisen. Großunternehmen, Investmentbanker, Hedgefondsmanager etc. kochen ihr Süppchen und fahren Milliardengewinne ein, und sind dabei doch eigentlich zu nichts nütze. Zumindest nicht in dem Maße, wie es heutzutage läuft. Während auf der anderen Seite ehrliche Arbeit ja schon fast eine Schande ist. Es geht nicht darum, wie immer behauptet wird, daß „kein Geld da ist“. Das Ganze ist einfach nur ein Verteilungsproblem. Trotzdem: Griechenland jetzt als das unschuldige Opfer darzustellen, kommt auch nicht ganz hin. Auch da haben einige ihr Scherflein beigetragen. Griechenland wurde nicht gezwungen (denn auch das behaupten mittlerweile einige Kaffeehaus-Hobbypolitiker), in EU und Euro einzutreten. Und dass dies mit gefälschten Bilanzen passiert ist, wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf das ganze Thema. Da haben wohl auch einige selbstsüchtige und korrupte Politiker und Wirtschaftsgewaltige das schnelle Geld gerochen. Da wurde auf Teufel komm raus ein Millionenkredit nach dem anderen aufgenommen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, daß diese auch irgendwann mal zurückgezahlt werden müssen. Kredite sind nun mal Kredite, und keine Geschenke. Aber wahrscheinlich dachte man, das soll dann mal schön die nächste Regierung regeln. Zumal auch ein großer Teil der aufgenommenen Gelder gar nicht in die griechische Infrastruktur investiert wurde, sondern gleich wieder auf privaten Konten im Ausland verschwand. Ich glaube auch, das Ganze ist nicht so sehr ein Thema zwischen Deutschen oder Amerikanern und Griechen, sondern mehr zwischen reich und arm, zwischen oben und unten. Wobei niemals alles immer nur schwarz-weiß ist.

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