Griechenland: Warum der Anti-Germanismus auflodert

9. April 2013 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 7.704

Die anti-deutsche Stimmung in Griechenland und anderen südeuropäischen Staaten entspringt dem Gefühl der Bürger, ihrer demokratischen Rechte beraubt zu werden.

Die Mächtigen Europas drohen wegen des in Griechenland, aber auch dem übrigen Südeuropa galoppierenden Antigermanismus mit dem Finger. Wie sie sagen, hadert der „Patient“ mit dem „Arzt“ weil die von ihm verschriebene Medizin bitter ist … . Es wäre schön, wenn die Dinge so einfach wären und der sich (nicht nur) in ganz Griechenland ausbreitende „Anti-Germanismus“ auf der Reaktion eines verzogenen Kindes beruhen würde, weil ihm der Dauerlutscher weggenommen wurde.

Leider – für Griechenland und das übrige Europa – entspringt der Anti-Germanismus, genau so wie es früher auch mit dem Anti-Amerikanismus und all den „Anti-“ des selben Stammes geschah, nicht aus einer Unsicherheit. Er beruht dagegen auf der realistischen Abbildung der Realität. Auch früher hatten wir in Griechenland und im übrigen Europa Anti-Germanismus: als das nazistische Berlin beschlossen hatte, den gesamten Kontinent zu unterwerfen. Damals wie auch heute erleben jetzt die Bürger der Länder, die sich „ergeben“ haben, den deutschen Angriff – nun nicht mehr mit Tanks und Bombenflugzeugen, sondern mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln – am eigenen Körper.

Berlins Hegemonie führt die nationalen Regierungen vor

Die Gesellschaften des Südens der Memoranden befinden sich in der ersten Reihe an der Front des innereuropäischen „Kriegs“, jedoch hat sich bisher keine Front gebildet, um der neuen deutschen Invasion zu begegnen. Somit ergibt der „Anti-Germanismus“ sich daraus, dass die Bürger erpresserisch aufgefordert werden, die schwersten Kosten ihrer wirtschaftlichen und politischen „Kolonialisierung“ zu tragen.

Wer glaubt, die Griechen, Portugiesen, Zyprioten, Spanier usw. weinen nur ihrem verlorenen Geld nach, erliegt einem bedauernswerten Irrtum. Die große Mehrheit der Bürger versteht, dass zuallererst ihre demokratischen Rechte auf dem Spiel stehen, und zwar allem voran, zu entscheiden von wem und wie sie regiert werden. Die Weise wiederum, auf welche Berlin seine Hegemonie aufzuzwingen versucht, ist dermaßen grob, dass die nationalen Regierungen in das trockene Eingeständnis ihrer „Schwäche“ geführt werden, wegen „höherer Gewalt“ programmatische Verbindlichkeiten nicht erfüllen zu können.

In den Augen der Gesellschaft bestätigt sich, dass die politische Führung zu einem „unbedeutenden Bediensteten“ der Gläubiger heruntergekommen ist, und der Zorn der Bürger richtet sich unausweichlich in die Richtung, aus der die Macht tatsächlich entspringt: Berlin.

(Quelle: To Pontiki)

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  1. GR-Block
    10. April 2013, 19:27 | #1

    @Heinz
    Hallo Heinz,
    nehmen Sie bitte meine bitteren Worte nicht persönlich. Natürlich kann die Politik falschen Pressemeldungen entgegenwirken. Ich meine nicht polizeistaatliche Maßnahmen. Dazu bin ich zu sehr Grieche. Nein, eine deutliche Richtigstellung wäre ein politischen Zeichen gewesen. Stattdessen herrschte plötzlich eine schreiende Stille in D, als das Thema auf dem Tisch kam. Genauso wie bei der Forderung von unternehmerischer und sogar politischer Seite nach Abtretung von Inseln an D.

    Auch empfand man es in GR als äußerst peilnlich, als der Ministerpräsident bei seinem Staatsbesuch die Kanzlerin erst auffordern musste, die deutschen Spekulanten, die gegen GR wetteten zurückzupfeiffen, zu einer Zeit als Papandreou sich noch einbildete, ohne „Hilfskredite“ auszukommen. Frau Merkel wusch ihre Hände in Unschuld, und nur zwei Monate nach seinem Besuch musste Papandreou klein beigeben und GR in das EU-Kreditkarussel stürzen. Er wußte ja nicht, dass es EU-Wunsch war, dass der amerikanische Staatsbürger und griechische Ministerpräsident sich lächerlich machen sollte, um einen US-fernen Nachfolger zu küren.

    Aber ich gebe Ihnen gerne zu, dass auch ich ab und zu die hitzigen Argumente aus der veröffentlichten Meinung persönlich nehme und vergesse, dass viele Normalbürger doch besser geehrdet sind als karrieregeile Journalisten. Sie dürfen mir aber glauben, dass in GR viel weniger über die Deutschen geschimpft wird, als in D über die Griechen. Durch meine vielen Reisen nach GR kenne ich ein wenig die Stimmung auf beiden Seiten und sehe eine Diskrepanz. Die Deutschen fragen mich immer wieder: „Warum hassen uns die Griechen (oder die Europäer) so sehr?“. Dagegen ist die stereotype Frage der Griechen: „Na, was denken die Deutschen über uns“.
    Man merkt, dass die Deutschen in dem was sie glauben unerschütterlich sind. Ihr Reichtum gibt ihnen doch recht, oder? Sie gehen viel mehr mit der veröffentlichten Meinung konform. Der Grieche dagegen geht eher auf Distanz und möchte wirklich wissen, wie die Leute auf deutschen Straßen denken. Sie fühlen sich im Unrecht und beschuldigten von Anfang an ihre eigenen Politiker noch bevor D sich einmischte. Übrigens wollen sie auch immer wissen, was die Deutschen von Merkel halten und ihrer Politik. Diese vielleicht unwesentliche Differenzierung höre ich in D aber selten.

    Die 4. Gewalt hat versagt und muss wie jede andere von den übrigen drei in den Arsch getreten bekommen. Es kann nicht sein, dass Völker aufeinander gehetzt werden, nur um Auflagen zu steigern.

  2. GR-Gast
    10. April 2013, 19:52 | #2

    Meiner Meinung gibt es nur eine Lösung, die ganze Struktur muß geändert werden, die Regierungen, Banken, die ganze Wirtschaft ist aus dem Gleichgewicht. Recht bekommt, wer den besseren Rechtsanwalt bezahlen kann. Die klein- und mittelständischen Betriebe werden und wurden immer mehr wegrationalisiert. Die Banken – sie arbeiten auch mit dem Geld ihrer Kunden und sollten deshalb wie vorher Sparzinsen an Kunden weitergeben, das wurde „wegrationalisiert“. Die Krankenkassen sowie viele staatliche Institutionen die bezahlt werden müssen, fingen mit „Reformen“ an, es wurde mehr und mehr an Leistungen gestrichen, in der ach so modernen und fortschrittlichen Zeit, wir machten alle Rückschritte. Im Gegensatz wurden riesige Verwaltungsbauten hingestellt, eine Anzahl an Vorständen, usw…
    Es müßte ein „Block“ entstehen, der die Interessen der Bevölkerungen der Euro Staaten vertritt, nur so kann ein Gleichgewicht gegenüber den Regierungen entstehen, ansonsten sind wir ohne jede Mitbestimmung den Gesetzen, Reformen, Verordnugen, usw. ausgeliefert ohne dagegen stimmen zu können. Denn, obwohl wir anscheinend demokratische Regierungen haben, hat die Bevölkerung, der Bürger, kein Mitbestimmungsrecht.
    Je größer ein „Verwaltungsapparat“ ist – umso undurchsichtiger und anonymer ist er, jeder versteckt sich mit Verantwortung unter dem Deckmantel der Anonymität und die Bürger haben keine Möglichkeit etwas dagegen zu tun. Das Schlechteste was wir machen sollten, ist uns gegenseitig aufhetzten zu lassen – denn so werden wir mehr und mehr geschwächt.

  3. HJM
    10. April 2013, 22:53 | #3

    @GR-Block
    Immer wieder ähnlich: einiges richtig, einiges grob daneben verbunden mit kühnen Behauptungen. Welche Produktion wird in GR seit Jahren abgebaut und zB in D aufgebaut? Ist da etwa Hoch/Tief gemeint? Rentenzahlungen wieder hoch: die Begründung hat durchaus etwas für sich … nur bitteschön: wovon? Vergabe von Staatsaufträgen: ich weiß nur, daß vergebene Staatsaufträge (an griechische Firmen) seit Jahren mit extremer Verzögerung bezahlt werden. Es ist nicht lustig für einen bösen griechischen (Klein-)Kapitalisten, jahrelang auf einer Forderung an den griechischen Staat von -sagen wir- 0,5 mio € zu sitzen. „Wettbewerbsfähige Umstrukturierung von Staatsbetrieben“: ja kruziimuckerl, wer zum Teufel macht dies denn? Herr Syriza? Es ist doch sinnlos, Heilsbotschaften zu verkünden, die nicht umsetzbar sind. Richtig ist natürlich, daß „Deutschdenken“ sehr hinderlich sein kann, will man in der griechischen Realität überleben. Nur: was ist die Ursache dieser Realität? Ist diese Realität tatsächlich gewünscht? Wenn ja, dann möge sie bitte auch (eigen-) finanziert werden. Um das Wort „peinlich“ aufzugreifen: das sind die zwei letzten Absätze in der Tat. „Freies Unternehmertum“ ausschließlich als Ausdruck von Eigeninitiave. O jemineh! Könnte das nicht auch aus der Not geboren sein? „Grenzen schließen“. Keiner kommt mehr rein und keiner kommt mehr raus? Tja dann …

  4. GR-Block
    11. April 2013, 01:29 | #4

    @HJM
    „Immer wieder ähnlich: einiges richtig, einiges grob daneben verbunden mit kühnen Behauptungen. “ :-)) Ich wußte, dass Sie mich mögen.

    „Welche Produktion wird in GR seit Jahren abgebaut und zB in D aufgebaut? Ist da etwa Hoch/Tief gemeint?“ Ja die Bauwirtschaft könnte wieder etwas nationaler werden. Autobahnen für deutsche/französische Verkehrsaufkommen sind in GR fehl am Platz. Es dürfen kleinere Straßen sein. Der Schiffsbau hätte enorme Binnennachfrage. Deutsche Werften haben mit staatlichen Milliarden den EU-Markt kaputtgeschlagen, bevor sie selber in Bedrängnis kamen. Das Schreinerhandwerk (Möbel, Fenster…) verarbeitet nur noch halbfertigware (Pressspan und Alu), weil sie spottbillig importiert oder mit Lizenzen gefertigt werden (Geiz ist geil). Solarenergie: es gibt keinen Grund das Kollektoren im Ausland gefertigt werden. GR ist seit fast 40 Jahren ein gewaltiger Markt für diese Branche. Jetzt gehört sie zu einem ansehnlichen Teil ausländischen Großproduzenten, warum? Auch Nahrungsmittelimport von EU-subventionierten Billigstanbietern sind politische Fehlentscheidungen. Alles das nur aus einem ideologischen Grund, dem Binnenmarkt. Da dürfen nur Großkapitalisten Protektionismus betreiben.
    „Vergabe von Staatsaufträgen: ich weiß nur, daß vergebene Staatsaufträge (an griechische Firmen) seit Jahren mit extremer Verzögerung bezahlt werden. Es ist nicht lustig für einen bösen griechischen (Klein-)Kapitalisten, jahrelang auf einer Forderung an den griechischen Staat von -sagen wir- 0,5 mio € zu sitzen.“
    Richtig, das bekämpft man indem der eigenen Privatwirtschaft Aufträge verschafft werden, anstatt dem Ausland. Dann gibt es Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und eine bessere Handelsbilanz, allerdings weniger hochdotierte Schmiergelder. Denn der Familienbetrieb bezahlt seine Lobby nicht so gut. EU-Konzerne, die in GR verkaufen, solchen dort einen größeren Anteil produzieren. Auslastungen in D sind nicht GRs Interesse sondern sein Ruin.

    “’Wettbewerbsfähige Umstrukturierung von Staatsbetrieben‘: ja kruziimuckerl, wer zum Teufel macht dies denn? Herr Syriza? Es ist doch sinnlos, Heilsbotschaften zu verkünden, die nicht umsetzbar sind.“ Es käme darauf an. Schlimmere Katastrophen als die EU kann Herr Syriza definitiv nicht hervorrufen. Geben Sie Neulingen eine Chance zu lernen.

    „“Richtig ist natürlich, daß “Deutschdenken” sehr hinderlich sein kann, will man in der griechischen Realität überleben. Nur: was ist die Ursache dieser Realität?“ Der BINNENMARKT (der EURO ist nur ein Indikator des Problems).

    „Ist diese Realität tatsächlich gewünscht?“ Nein!!!

    „Wenn ja, dann möge sie bitte auch (eigen-) finanziert werden.“ Da stehen Sie diametral gegen die Interessen deutscher Unternehmen und Banken. Task Force und Troika haben vom ersten Tag an erbittert dagegen gekämpft. Das alte Konzept, „Entwicklungshilfe“ auszuschütten, um die lokale Wirtschaft zu ruinieren und anschließend großzügig zu investieren, hatte schon in Afrika der 60er die Nahrungsmittelproduktion in europäischen Hände gebracht.

    „Um das Wort “peinlich” aufzugreifen: das sind die zwei letzten Absätze in der Tat.“ Ah, Sie kennen mich doch inzwischen gut genug, mir ist nichts zu peinlich 😉

    „‚Freies Unternehmertum‘ ausschließlich als Ausdruck von Eigeninitiave. O jemineh! Könnte das nicht auch aus der Not geboren sein?“ Wie käme ich dazu? Nur die Not macht den Griechen unternehmerisch aktiv, seit 500 Jahren. Mein Seitenhieb war, dass Lohnabhängige aus solch auswegloser Lage heraus, bereitwillig einen Weltkrieg organisieren helfen. Denken Sie mal darüber nach.

    “’Grenzen schließen‘. Keiner kommt mehr rein und keiner kommt mehr raus? Tja dann …“ Blödsinn, ich meine natürlich den Binnenmarkt. (Sind Sie etwa DDR-geschädigt?) Es wäre ein leichtes, GR für kurze Zeit herauszunehmen, um Handelsbilanz und Binnenwirtschaft wieder auf Trab zu bringen. Daran könnten aber Konzerne nicht verdienen, nicht am griechischen Import und nicht an der Überschuldung. Das würde aber der deutschen Auslegung der EU-Ideologie widersprechen.

  5. GR-Gast
    11. April 2013, 13:14 | #5

    @HJM
    Sie sagen: Grenzen schließen – keiner kommt mehr rein und raus!

    Meine Meinung ist, so wie die südlichen Länder von der Euro – Elite „verwaltet“ werden, wäre das gar nicht so verkehrt… um uns selbst zu schützen!
    Seit es den Euro gibt sind dadurch doch erst die Nöte entstanden, oder nicht? Die Griechen, Spanier, Italiener, Franzosen, usw. hatten diese Probleme nicht (übrigens DE ebenso, wo Leute, die in Rente sind, nach dem halben Monat kein Geld mehr haben und ständig neue „Reformen“ geschaffen werden), wo so viele an Containern ihr Essen rausholen, wo zahlreiche Bürger nach immensen Steuererhöhungen ihr Hab und Gut verlieren, egal ob sie ohne Strom, Telefon, Heizung dastehen und im schlimmsten Fall verhungern, denken sie da mal an die Alten (die den Wohlstand mit ihrer Hände Arbeit zusammengespart haben) und Kinder.
    Durch die Globalisierung sind die Menschen schon fast dazu gezwungen sich von den „industriellen Lebensmitteln“ zu versorgen, die kleinen Betriebe wurden erschlagen mit Steuererhöhungen und Auflagen in ihren Betrieben und am Ende mußten sie Konkurs anmelden. Die Lebensmittel müssen wegen den Knebelverträgen um die halbe Welt gekarrt werden (ist das umweltfreundlich oder ökonomisch vertretbar?), das wird auch noch subventioniert von den Bürgern – die eh den Euro 2x rumdrehen müssen. Dann gäbe es auch keine Lebensmittelskandale, wo aus Pferdefleisch Rindfleisch wird, wo aus Legebetriebeeiern Bioeier werden, wo aus Gammelfleisch köstlich abgepacktes Hackfleisch wird und die Inhaltsstoffe, die alles andere als gesund sind – die kriegen wir noch mitgeliefert.

  6. Ottfried Storz
    11. April 2013, 13:31 | #6

    @GR-Block:
    Versuchen Sie doch mal die Realität zur Kenntnis zu nehmen und schauen sich Statistiken und Erhebungen an, statt permanenter Wiederholungen von Unwahrheiten und Feindbildern.
    Das Griechenlands Wirtschaft angeblich wegen „hochdotierter Schmiergelder“ und „Entwicklungshilfe“ aus dem Ausland kaputt ist, ist nicht belegbar und inhaltlich Quatsch.
    In Deutschland sind „nützliche Aufwendungen/Bestechungsgelder“ im Ausland bereits seit 15 Jahren (1999) nicht mehr absetzbar, seit 2002 zudem strafbar. Freier Warenverkehr, EU-Binnenmarkt und Globalisierung ist ebenfalls unumkehrbare Realität. Also ob griechische Reeder irgendwann einmal aus „Nationalitätsgefühl“ neue Tanker in Griechenland bauen lassen würden.
    Griechische Regierungen haben ihre Unternehmer seit Ewigkeiten schlecht behandelt, die Verwaltung (Steuer, Genehmigungen etc) und Rechtspraxis sind laut Umfragen unverändert katastrophal. Das muss schnellstmöglich geändert werden – und nicht „mehr Staatsaufträge – und diese an griechische Unternehmen, egal wie teuer & qualitativ schlecht diese sind“.

  7. GR-Block
    11. April 2013, 18:36 | #7

    @Ottfried Storz
    „Versuchen Sie doch mal die Realität zur Kenntnis zu nehmen und schauen sich Statistiken und Erhebungen an, statt permanenter Wiederholungen von Unwahrheiten und Feindbildern.“
    Ich bemühe mich ja, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Sie gefällt mir nur nicht. Ich möchte sie ändern.

    „Das Griechenlands Wirtschaft angeblich wegen “hochdotierter Schmiergelder” und “Entwicklungshilfe” aus dem Ausland kaputt ist, ist nicht belegbar und inhaltlich Quatsch.“ Das ist geschmackssache. Politikerförderung a la Flick ist nunmal nur D nützlich. Für die EU ist es der Ruin.

    „In Deutschland sind “nützliche Aufwendungen / Bestechungsgelder” im Ausland bereits seit 15 Jahren (1999) nicht mehr absetzbar, seit 2002 zudem strafbar.“ Schlechte Argumente. Mindestens bis zur Olympiade 2004 haben sich deutsche Konzerne einen Dreck um ihr Gesetz geschert. Auch konnten Staatsanwälte erst viel später Akteneinsicht bekommen, um die Strafverfolgung einzuleiten (Steuergeheimnis). Und wollen Sie etwa behaupten, „nur“ EIN Jahrzehnt frühkapitalistischer Wirtschaftsexpansion durch Schmiergelder müßte die Süderweiterung schon aushalten können. Nein, ich sehe das anders. Und die häßliche Realität auch.

    „Freier Warenverkehr, EU-Binnenmarkt und Globalisierung ist ebenfalls unumkehrbare Realität.“ Sie sind fernab jeder Realität. Wenn es dem Kapital nützt, dann ändern die deutschen Politiker übernacht selbst das Grundgesetz, um sich Vorteile gegenüber europäischen, amerikanischen oder asiatischen Konkurrenten zu verschaffen. Oder wie viele Tage hat es gedauert, bis die sog. „Rettung“ GRs durch den in Maastricht verbotenen Bail-out durchgeführt wurde.

    „Also ob griechische Reeder irgendwann einmal aus “Nationalitätsgefühl” neue Tanker in Griechenland bauen lassen würden.“ Die griechischen Reeder werden gar nicht gefragt. man wird ihnen die kommunistischen Werkzeuge zeigen, dann werden sie spuren. Sie werden allerdings auch fordern, dass zweistellige Milliarden-Subventionen für deutsche Werften zurückgegeben werden. Dann erst ist die Steuergerechtigkeit erreicht. Denn es ist der deutsche Kommunismus, der in GR den brutalen Liberalismus stützt. Ohne deutschen Staat sind deutsche Unternehmen kaum überlebensfähig da draußen.

    „Griechische Regierungen haben ihre Unternehmer seit Ewigkeiten schlecht behandelt, die Verwaltung (Steuer, Genehmigungen etc) und Rechtspraxis sind laut Umfragen unverändert katastrophal. Das muss schnellstmöglich geändert werden –“
    Griechische Regierungen haben durch den Verwaltungsdschungel geschafft, aus den 45% Selbständigen zu Beginn des Binnenmarktes auf Wunsch der EG/EU immerhin die Selbständigkeit auf heute 35% zu drücken. Aber Unkraut vergeht nicht. Der Grieche will keinen Vorgesetzten, auch wenn die Geschäfte wegen des Binnenmarktes immer dünner werden. Was aber im Guten nicht klappte (vgl. Tante-Emma-Läden-Sterben in D) wird jetzt in der EU mit Gewalt durchgezogen. Die Konzerne setzen sich durch und die Banken flankieren.

    „…und nicht ‚mehr Staatsaufträge – und diese an griechische Unternehmen, egal wie teuer & qualitativ schlecht diese sind‘.“
    Falscher Ansatz. Die Aufträge MÜSSEN nach GR und der dortige Wettbewerb muss behutsam angefacht werden, damit griechische Produkte wieder weiterentwickelt werden aber ihren Charakter erhalten, egal wie teuer. Es ist eine Katastrophe teure Subventionen für den Kauf von PV-Parks zu bezahlen, die in D teuer eingekauft werden und gleichzeitig Agrarland in GR brach gelegt werden muss (EU). Diese geförderte Brachkultur ist eine Marktverzerrung zu Gunsten von Agrarbilligproduzenten aus F und D. Das kann sich die EU auf Dauer nicht leisten. Die PV-Subventionen werden übrigens, seitdem die Deutschen gegen China aus dem Rennen sind (Mai 2012), wieder abgebaut. Das ist deutsche Willkür in der EU.

  8. Heinz
    11. April 2013, 18:39 | #8

    @GR-Block

    Vielleicht sollten Sie sich auch mal fragen, was in GR nicht gewünscht ist. Wenn der Moderator so freundlich wäre, folgenden Link durch zu lassen, dann könnten Sie in etwa ahnen, wo die Probleme der Griechen am Größten sind: Nämlich in der gegenseitigen Ausbeutung im Lande. Wieso sind im Lande die Lebensmittel aus GR teurer als Importware? Wegen der Zwischenhändler. Dazu ein interessanter Artikel über O topos mou:

    Revolte gegen das Nichtstun

  9. GR-Block
    11. April 2013, 20:10 | #9

    @Heinz
    Das Problem Zwischenhändler ist ein altes in GR diskutiertes Probelm und entspringt der bäuerlichen Lebenseinstellung. Zwischenhändler, wie sie die Städter und die Industriegesellschafft kennt, sind unerwünscht. Deshalb gibt es diese Ansätze eigentlich schon sehr lange. Viele Bauern verkaufen ihre Produkte gleich neben dem Acker auf der Strasse. Ich kenne in Nordgriechenland Onkel-Jannis-Geschäfte, die von kretischen Olivenölproduzenten direkt beliefert werden, ohne Zwischenhändler. Oder diese vermarkten selbst. Das ist nicht ungewöhnlich.
    In Krisenzeiten und bei Demonstrationen wurden schon immer landwirtschaftliche Produkte verschenkt oder zu Dumpingpreisen abgegen, um auf die Situation der Bauern hinzuweisen. Das geschieht dabei nicht in Läden, sondern auf LKWs.

    Die Bewegung aus Katerini ist in ganz GR wohlbekannt und wird wegen der Härte der Krise noch stärker angenommen als frühere Initiativen. Das Internet hat die Organisation dabei sehr erleichtert. Diese Aktionen versorgten z.B. auch Studenten in den Universitätet. Auch hier wie schon so oft gelang die Verbrüderung des Bauertrottels mit dem arroganten Akademiker ganz zwanglos. Schließlich sind es ja ihre Verwandten. Meine Verwandten aus der Landwirtschaft kennen die neue Initiative vom ersten Tag ihres Erscheinens in den griechischen Medien.

    Um auf ihre Frage zurück zu kommen. EU-Agrarprodukte sind billig, weil sie hochgradig subventioniert sind (z.B. Milch). Sie werden mit doppeltem Düngemittelaufwand in gewaltigen Industriebetrieben aus dem Boden gezogen. Und deren Transport wird indirekt subventioniert, weil diese Waren laut EU-Ideologie überall gleichteuer sein sollen. Lange Transportwege, nicht Qualität werden subventioniert, denn die ist bekanntlich Geschmackssache. Würde die EU den gesetztlich erlaubten Düngemitteleinsatz halbieren, wären alle Großproduzenten nördlich der Alpen sofort aus dem Rennen und „unser“ europäischer τόπος könnte chemisch wieder regenerieren.

    Das Anliegen griechischer Bauern, EU-Großhändler (übrigens auch Touristik-Konzerne) aus der Wertschöpfungskette heraus zu nehmen, stößt seit Jahrzehnten auf den erbitterten Widerstand der Großhändler in F, NL und D mit ihren Dumpingpreisen. Denn auch deren Slogan ist: Η ΕΕ είναι ο τόπος μου. Und das hat ihnen die EU verbrieft, noch vor der Süderweiterung.

  10. germanos
    13. April 2013, 20:22 | #10

    Da hat der GR-Block ja fast die gesamten Kommentare gestellt. Ich möchte zum Anti-Germanismus auch einen los werden. Warum gibt es diesen nur in Südeuropa – insbesondere in GR und Zypern mit Nazikarrikaturen – und nicht auch im Norden Europas, z.B. Irland ?! Was soll D eigentlich noch machen ? Zu Beginn der Krise wurde D vorgeworfen, dass es durch Lohnzurückhaltung gegenüber den anderen EU-Staaten zu wettbewerbsstark wurde. Daher die Forderung nach kräftigen Lohnerhöhungen in D, um die anderen EU-Staaten wettbewerbsfähiger werden zu lassen. Nun las ich die Forderung eines ausländischen Politikers zur Lohnzurückhaltung in D ??! Ja was denn nun, damit würde D ja noch wettbewerbsfähiger werden. Ich glaube wenn da nicht die Targetsalden wären, wäre D durchaus geneigt Soros zu folgen und den Euroraum verlassen. Dann gäbe es in Südeuropa auch keinen Anti-Germanismus mehr. Mercedes, Audi, BMW und Porsche würden weiterhin Autos in diese Länder liefern, so wie früher auch. Denn es gäbe weiterhin Leute, die auf diese Autos stehen. Eigentlich wäre damit allen geholfen.

  11. ceterumcenseo
    16. April 2013, 13:35 | #11

    Der Anti-Germanismus ist zum Teil verständlich. Hat die EU doch auf Druck der Deutschen den absolut falschen Weg aus der Krise durch Kaputtsparen eingeschlagen, statt Unterstützung zu folgenden Bereichen zu gewähren:
    Aufbau der Wirtschaft, Ausrottung der Korruption, Strukturierung und Entbürokratisierung der Verwaltung, Unterstützung gegen den Ausverkauf Griechenlands, Anreize zu Investitionen, Abschaffung von Privilegien-fördernder Gesetze, Beseitigung von utopischen, unrealistischen Steuergesetzen, effiziente Einbringung von Abgaben, u.v.a.m.

    Sicher ist nicht nur Deutschland mit seinem Spar-(=Steuer-) Wahn schuld, auch die langsame Umsetzung von Reformen gehört dazu. Die griechische Politik scheint zwar in Teilbereichen kleine Erfolge zu haben, jedoch werden viele Privilegien nach wie vor nicht angetastet. Im Speziellen sind hier alle protektionistischen Genehmigungsverfahren angesprochen, die nur die Korruption schüren und letztendlich Marktmechanismen ausschalten und Innovationen und Investitionen hintanhalten.

    Außerdem muss hier die lang gehegte Praxis der Staatsorgane (und auch privater griechischer Konzerne) angeprangert werde, den Ausverkauf griechischer Ressourcen an ausländische Investoren zu fördern, statt geeignete Beteiligungsmodelle zu entwickeln. Ich möchte hier nicht der Verstaatlichten den Vorzug geben, jedoch sollte für gewinnträchtige, in der Bevölkerung sensible Bereiche (z.B. bei Gold, Öl, Solarenergie, Häfen, Tourismus etc.) auf Modelle gesetzt werden, die es den Konzernen nicht ermöglichen, die Gewinne (und somit Steuern) ins Ausland zu transferieren – Behalten von Beteiligung (Sperrminoritäten, Beschäftigungsgarantien u.ä.) statt Ausverkauf wäre gefragt.

    Und last but not least, wäre die EU gut beraten, andere Strategien zur Schulden- und Krisenbekämpfung einzusetzen, als den Bürgern die letzten paar Cent aus der Tasche zu ziehen und die von den Zockerbanken geschädigte Wirtschaft weiter zu ruinieren.

    Was ist aus der dringend notwendigen Finanztransaktionssteuer geworden? Ein lächerlicher Rest (0,001% auf Derivate, statt der geplanten 0,05%)! Gerade über diese Steuer wäre eine Entschuldung des Euroraumes in kurzer Zeit möglich (bei einem Steuersatz von 0,1% auf diese Geschäfte wäre GR in einem (!) Jahr entschuldet).

    Hier wäre Brüssel gefragt, aber Lobbyismus in der EU ist gleichzusetzen mit der Korruption in GR, nur in viel größerem Stil. Von der EU kann in dieser Richtung GR noch lernen!

  12. GR-Block
    16. April 2013, 15:34 | #12

    @ceterumcenseo
    Vielen Dank für ihren leidenschaftlichen Beitrag. Interessant finde ich ihren Vorwurf:

    „Außerdem muss hier die lang gehegte Praxis der Staatsorgane (und auch privater griechischer Konzerne) angeprangert werde, den Ausverkauf griechischer Ressourcen an ausländische Investoren zu fördern, statt geeignete Beteiligungsmodelle zu entwickeln.“

    Hier wir gerade in D immer wieder (aus Eigeninteresse) behauptet, jegliche ausländische Investition sei zu fördern. Wahr ist, dass die ausländischen Investitionen durch griechische Investoren kontrolliert werden müssen. Sonst passiert das, was mit dem OTE passierte. Seine Erfolge brachten die Telekom auf den Plan, sodass sie heute den Konzern kontrolliert. Damit sind alle erfolgreichen Auslandsinvestitionen des OTE auf dem Balkan und in Armenien faktisch nicht mehr allein zum Nutzen des griechischen Staates, der inzwischen nur noch 10% der OTE-Aktien hält. Quasi als Rückversicherung, falls die Geschäfte schlecht gehen und Subventionen notwendig werden.

  13. GR-Block
    16. April 2013, 15:59 | #13

    germanos :
    Warum gibt es diesen nur in Südeuropa – insbesondere in GR und Zypern mit Nazikarrikaturen – und nicht auch im Norden Europas, z.B. Irland ?!

    Die Antwort ist einfach: GR gehört zu den Länder die im WW II die größten Lasten der Besetzung tragen mussten. Die Zyprer fühlen sich hier als Griechen und sind deshalb solidarisch. Im Gegensatz dazu haben die Iren nie eine Naziuniform oder einen deutschen Panzer gesehen. Und ihre Solidarität zu den Londonern ist nur begrenzt.

    Zum EURO
    Die Teilnahme am EURO ist zwar ein Problem für viele Staaten. Er ist aber nicht die Ursache. Die Krisenstaaten würden sofort genesen, wenn D ( und F und UK) aus dem Binnenmarkt aussteigen würde. Dann bräuchten die anderen Staaten keine unverzollten Waren aus D einführen. Die deutsche Bevölkerung könnte (noch) weniger Arbeiten und müßte die Exporte in diese Länder nicht auch noch Co-finanzieren.
    Der Import nach GR würde wieder auf ein gesundes Maß zurückgehen und der Staat bekäme gewaltige Zolleinnahmen. Aber wer erklärt das deutschen Konzernen und den ausgeMerkelten Wählern.

  14. Ottfried Storz
    16. April 2013, 18:41 | #14

    Lieber GR-Blog:
    Volkswirtschaftlich ergeben deine Behauptungen keinen Sinn, vertragspolitisch (EU-Konvergenzkriterien) und politisch sind sie Wahnsinn. D, F und UK sollen nach deiner Meinung aus der EU austreten – und die verbliebene Klein-EU führt dann angeblich zur Wirtsschaftssanierung hohe Importsteuern ein – ohne Importsteuern von D, F und UK ?
    EU-Austritt und Wiedereinführung einseitiger Importsteuern als Lösung des griechischen Wirtschaftsproblems ?!?
    Zudem: Schau dir mal den „EXPORTBERICHT GRIECHENLAND“ an: Griechenland bekommt mittlerweile mehr Importe aus Russland, Italien,China und den Niederlanden, als aus D,F und UK.
    Übrigens gehen weniger als zwei Prozent der deutschen Exporte nach Griechenland, Irland, Portugal und Zypern. Für die „deutschen Konzerne“ also ein Fliegenschiß.
    Um Potenzen wichtiger ist, dass diese Kleinländer alles unternehmen, um die vereinbarten EU-Konvergenzkriterien einzuhalten. Alternativ zur Einhaltung bestehen für die Länder bei Nichteinhaltung die Möglichkeit, aus EU und EURO auszutreten.

  15. GR-Block
    16. April 2013, 22:25 | #15

    @Ottfried Storz
    „Volkswirtschaftlich ergeben deine Behauptungen keinen Sinn…“ Schade.

    „… vertragspolitisch (EU-Konvergenzkriterien) und politisch sind sie Wahnsinn. D, F und UK sollen nach deiner Meinung aus der EU austreten.“ — Nein nur aus dem Binnenmarkt. Dann darf GR seinen Bürgern Zoll abverlangen. Wer es sich leisten möchte (z.B. D), braucht das ja nicht zu tun. Jedensfalls ist die jetzige EU-gewünschte Abzocke gegen griechische Unternehmen gerichtet, die derzeit zusammenbrechen, weil sie ja angeblich nicht wettbewerbsfähig sind.

    „EU-Austritt und Wiedereinführung einseitiger Importsteuern als Lösung des griechischen Wirtschaftsproblems ?!?“ — Fast. Damit muss der Grieche zwar immer noch die Schulden selber zahlen (über die Zölle), hätte aber nicht den Hass seiner EU-Mitbürger am Hals.

    „Zudem: Schau dir mal den “EXPORTBERICHT GRIECHENLAND” an: Griechenland bekommt mittlerweile mehr Importe aus Russland, Italien,China und den Niederlanden, als aus D,F und UK.“ — Klar, weil die billiger sind und keine Knebelverträge machen. Das hätte vor 20 Jahren schon so sein sollen.

    „Übrigens gehen weniger als zwei Prozent der deutschen Exporte nach Griechenland, Irland, Portugal und Zypern. Für die “deutschen Konzerne” also ein Fliegenschiß.“ — Na dann ist es ja kein Problem für den deutschen Wohlstand, oder doch?

    „Um Potenzen wichtiger ist, dass diese Kleinländer alles unternehmen, um die vereinbarten EU-Konvergenzkriterien einzuhalten.“ — Genau das wäre eine wirkungsvolle Maßnahme.

    „Alternativ zur Einhaltung bestehen für die Länder bei Nichteinhaltung die Möglichkeit, aus EU und EURO auszutreten.“ — Das ist der komplementäre Weg. Er ist nur länger. Aber klar, so geht’s auch.

  16. Catalina
    17. April 2013, 00:47 | #16

    @germanos:
    Warum gibt es diesen nur in Südeuropa – insbesondere in GR und Zypern mit Nazikarrikaturen – und nicht auch im Norden Europas?

    Woher weißt du das? Ich habe bis vor kurzem in Schweden gelebt und ich kann dir versichern, dass da die Ressentiments gegen die Deutschen (und deren Art, alles besser zu wissen und bestimmen zu wollen), sehr verbreitet sind. Natürlich wirst du vermutlich keine primitiven „Nazikarrikaturen“ in der Öffentlichkeit finden, aber wenn du einmal verstehst, was sie über die Deutschen privat und in der Arbeit reden, dann wirst Du dir dreimal überlegen, ob du dort noch Urlaub machen willst oder nicht.

  17. Ottfried Storz
    17. April 2013, 09:24 | #17

    @GR-Block:
    Was du als Sanierungskonzept vorschlägst, ist volkswirtschaftlich falsch und realpolitisch gelinde gesagt surreal:
    D, F und UK (= 200 Mio Einwohner) sollen aus dem Binnenmarkt (= Europäische Union / EU) ausscheiden, damit Griechenland (10 Mio Einwohner) in einer von ihr beherrrschten neuen EU dann Importsteuern verlangen kann. Zahlen sollen D, F und UK aber nach deinem Denken selbstverständlich weiter in die EU, damit Griechenland weiter jährlich Milliarden an EU-Mittel erhält ……

    Zudem solltest du mal überlegen, ob du nicht von extremen Feindbildern eingenommen bist: Angeblich würden D, F und UK (oder nur D ?) „Knebelverträge“ mit „Griechenland“ abgeschlossen haben, während China, Russland, Italien dies nicht hätten. Schau ich mir die Importstatistik in Griechenland an, so dominieren ganz überwiegend private Importe (Maschinen, Fahrzeuge, Vorerzeugnisse, Chemische Produkte, Lebensmittel etc) bei Importen aus Deutschland. Wie kommst du da zu der Behauptung von angeblichen „Knebelverträgen“ ?!?

  18. Götterbote
    17. April 2013, 14:55 | #18

    @Heinz

    Sie machen leider den gleichen Fehler, wie 90% aller anderen Deutschen: Sie glauben, Deutschland ist das Zentrum des Universums und man müsse immer die Standards mit denen Deutschlands vergleichen. Dem ist aber ganz sicher nicht so. Gerade in dem von Ihnen beschriebenen Fall, sollten Sie mal Supermärkte anderer Länder besuchen. Dann stellen Sie fest, dass die Preise in Deutschland zum größten Teil sehr viel niedriger sind, als die Preise für Lebensmittel im europäischen Ausland.
    Da ich Ihre Kommentare hier ganz gut kenne, glaube ich auch zu wissen, dass Sie sich die Antwort auf die Frage selbst beantworten können. In Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten gerade im Lebensmittelbereich eine derartige „Geiz ist geil“-Mentalität gebildet, die nicht nur dazu führte, dass sich die Discounter und Supermärkte im großen Konkurrenzdruck immer weiter gegenseitig unterboten, sondern auch imensen Druck auf die Lieferanten ausübten. Diese widerrum konnten entweder selbst nur noch überleben, indem sie ihre Gewinnmargen auf ein Minimum reduzierten oder immer billiger produzierten. Die Ergebnisse spiegeln sich nicht nur in den ständigen Lebensmittelskandalen wieder, sondern unabhängig davon, in der Qualität der Waren.
    Wenn Sie qualitativ und geschmacklich bessere Produkte kaufen möchten, müssen Sie auch in Deutschland wesentlich höhere Preise bezahlen, als die des „Standardsortiments“. Das heißt nicht, dass die normalen, billigen Produkte schlecht sind, aber im Vergleich eben nicht mithalten können. Gerade aktuell habe ich es wieder an einem Produkt feststellen können oder besser gesagt müssen: kaufen Sie günstigen 08/15 Honig, gemischt aus Honig mehrerer Länder und vergleichen Sie ihn mal mit griechischem Honig gleicher Art. Von dem griechischen reicht eine hauchdünne Schicht auf einem Brot, um das volle Aroma des Honigs genießen zu können. Die gemischte Suppe aber bringt selbst bei sehr großzügigem Auftrag nicht annähernd das gleiche Ergebnis. Qualität hat ihren Preis, vor allem, wenn man denn den Herstellern oder Lieferanten auch einen entsprechend fairen Preis zahlen möchte.
    Ich selbst stand aus beruflichen Gründen vor einigen Jahren mal mit mehreren Lebenmittelherstellern aus Griechenland in Kontakt. Da gab es keine Zwischenhändler dazwischen und trotzdem waren die Preise für die Produkte sehr hoch im Einkauf. Wenn man sich dann aber mal die Mühe machte, die Produkte mit denen anderer Hersteller anderer Länder zu vergleichen, stellte man recht schnell fest, woran das lag. Die teuren Zutaten (beispielhaft hatte ich Erdnussriegel getestet, wobei die Erdnüsse eine teure Zutat ist) der Produkte, waren im griechischen Produkt wesentlich umfangreicher enthalten, als in den deutschen Produkten (dort wurde der Riegel durch billigen Zucker „aufgefüllt“). Dem deutschen Konsumenten mag der Unterschied auf den ersten Blick nicht klar sein und daher greift er natürlich zum günstigeren Produkt. Für jemanden, der darauf achtet, sieht die Sache aber ganz anders aus.

  19. Götterbote
    17. April 2013, 15:11 | #19

    @Ottfried Storz

    Wenn ein deutscher Konzern nur 2% weniger Umsatz oder Gewinn in seinem Jahresabschluss aufweist, ist der Aufschrei der Aktionäre, an den Börsen und in der Politik aber ganz schön gewaltig dafür, dass es sich nur um einen „Fliegenschiss“ handelt. Natürlich würden die nicht untergehen, wenn ihnen dieser Markt komplett wegfallen würde. Dennoch wollen sie den Markt auch niemand anderen überlassen und Sie würden sehen, wie groß der Aufschrei wäre, wenn Griechenland auf einmal wirklich entgegen allen Vereinbarungen Zölle auf die Produkte verlangen würde.

  20. Götterbote
    17. April 2013, 15:16 | #20

    germanos :
    Warum gibt es diesen nur in Südeuropa – insbesondere in GR und Zypern mit Nazikarrikaturen – und nicht auch im Norden Europas, z.B. Irland ?!

    Es gibt glaube ich keine Demo in Spanien, Portugal oder Italien, in denen Sie nicht ähnliche Nazianspielungen finden, wie bei den Demos in GR oder CYP. Und wenn Sie einmal das Internet bemühen möchten, werden Sie feststellen, dass es ebenso in fast jedem europäischen Land auf Demonstrationen immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen ähnliche Aktionen gibt.

  21. GR-Block
    17. April 2013, 17:31 | #21

    ceterumcenseo :
    … Lobbyismus in der EU ist gleichzusetzen mit der Korruption in GR, nur in viel größerem Stil.

    Der Lobbyismus in der EU kommt aus der Zeit der EWG9. Konzerne hatten zu allen Zeiten mehr Einfluss auf die Politik als die 4-jährigen-Wahlen. Im Europäischen Parlament jedoch waren sie vollkommen frei von jeder Kontrolle und bauten ihre Lobbys aus. Damals kümmerte sich kaum jemand um die EWG und die Europawahlen. Die 9 Länder hatten sich darauf eingerichtet und jeder Staat hatte zur Regulierung der Auswüchse der Korruption für sich Gesetze entwickelt. Leider haben sie sich auf betreiben der Deutschen, nie zu gemeinsamer Kontrolle einigen wollen. (siehe entsprechende OECD Initiativen gegen die weltweite Korruption durch Konzerne)

    Mit der Erweiterung der EWG in den 80ern, kamen drei Länder dazu, die auf diesem Gebiet juristisch vollkommen jungfräulig waren. Die normale, vom Staat beherrschbare, Klientelwirtschaft (ob korrupt oder nicht) wurde von einer Schmiergeldwelle aus dem nun „befreundeten“ Ausland vollkommen niedergewalzt.
    Politische Karrieren wurden jetzt besser mit Unterstützung europäischer Konzerne gemacht, in Brüssel, Lissabon, Madrid und Athen. Die höchsten Gewinne erzielte man nicht mehr durch Produktion sondern durch Verkauf ausländischer Waren. Griechische Produzenten verloren den Korruptionswettbewerb an nationale Amtsträger gegen ausländische Schmiergelder.

    Niemals wurden angemessene Antikorruptionsgesetze entwickelt, weil man niemals zuvor Korruption im Flick’schen Maßstab kannte. Mit dem Öffnen der Grenzen 1993 brach auf dem Binnenmarkt eine einseitige Exportwelle Richtung Süden los, sodass die EU-Finanzhaie in einen regelrechten Blutrausch gerieten. Während dort die Absatzmärkte der einheimischen Industrie zusammenbrachen, schossen Löhne und Renten nördlich der Alpen in die Höhe. Von 1992-2002 um 20%. In der selben Zeit schlossen ca. 20% der griechischen Betriebe.

    Jetzt konnte der EURO kommen und D gönnte seinen Arbeitgebern eine Lohnpause, um die neue Situation für sich zu nutzen. Mit der Einführung des EURO verdiente der Grieche in der Privatwirtschaft weit weniger als 50% seines deutschen Kollegen. Nach allen Lohnanpassungen bis 2008 waren es immer noch fast 40% weniger, bei inzwischen ähnlichen Lebenshaltungskosten. Hier musste GR nachziehen, um nicht zu verelenden.

    Prinzipiell finde ich es erschreckend, wie leichtfertig unsere deutschen Mitbürger sich mit „ihren“ Bonzen solidarisch erklären, wenn es um die Eroberung von Märkten und damit von Arbeitsplätzen ihrer Mitbürger im Süden geht. Gleichzeitig aber wollen sie verhindern, dass logischerweise Finanztransfer stattfindet, um die sozialen Unterschiede in der EU zu reduzieren.
    Genau das war aber das Angebot bei der Anwerbung von Mitgliedern in die damalige EWG9. Angleichung der Lebensqualität. Alles andere wäre Wortbruch. D profitiert weitgehend als Bruttoabsahner von der EWG/EG/EU. Seit der Weltfinanzkrise (Lehman Bros.) ist der Tanz wieder losgegangen. Hier fallen, dort steigen die Einkommen. Das MUSS bekämpft werden, weil die ehemals „deutschen“ Konzerne inzwischen die Rechte „europäischer“ Konzerne geniesen.

    Wenn die Arbeitsplätze nicht in den Süden zurückkehren, wird der Binnenmarkt implodieren und früher oder später die deutsche Mentalität explodieren. Deshalb haben die Europäer zunehmend Angst vor juristisch unkontrollierten „deutschen“ Konzernen. Hier ist der deutsche Wähler gefragt. Denn auch den 2. Weltkrieg hatten genau solche Konzerne und nicht etwa der Österreicher verursacht.

  22. pyramis
    18. April 2013, 12:15 | #22

    warum der Anti-Germanismus auflodert? Die Deutschen haben ein Image-Problem; wie das so zu beobachten ist hat fast jeder mit Image-Komplex das Bedürfnis sich durch Angeberei und Grössenwahn zu profilieren. Auch der Deutsche sucht einen Sündenbock damit „er“ den Frust loswerden kann, und da ist Griechenland ein Idealfall (ist kein „lateinischer“ Staat). Was ich so alles in den div. Webs für Kommentare zu Griechenland-Themen lese ist Haarsträubend – z.T. sehr feindlich gestimmt diese Leute …

  23. Lloretta
    18. April 2013, 16:22 | #23

    @Götterbote
    Sie machen leider den gleichen Fehler, wie 90% aller Nicht-Deutschen: Sie glauben, die Deutschen glauben, Deutschland ist das Zentrum des Universums und man müsse immer die Standards mit denen Deutschlands vergleichen.

  24. Heinz
    18. April 2013, 17:38 | #24

    @pyramis
    Genauso wenig, wie ich als Deutscher von ein paar „Verirrten“ in irgendwelchen Foren und auch diesem Blog auf die restlichen Millionen Griechen schließen sollte, gibt es natürlich auch keinen Anlass für Griechen oder Cyprer usw. , von ein paar Deppen auf die restlichen etwa 80 Millionen Deutschen zu schließen.

    Wir alle, ob Griechen, Cyprer, Spanier, Deutsche usw. haben doch alle die Regierungen, die demokratisch durch die jeweiligen Bürger gewählt wurden. Dann können wir doch nicht her gehen, alle Anderen dafür schuldig zu sprechen. Kämpfen wir doch besser um Aufklärung. Nur dadurch ist Europa heute das, was es geworden ist. Hätte es die große Zeit der Aufklärung nicht gegeben, lebten wir heute noch wie vor ein paar hundert Jahren. Wir haben heute zwar die allerbesten Möglichkeiten, uns zu informieren, über (fast) alles. Tun wir es auch, oder ist es doch zu einfach, einfach nur dummes Zeug hinaus zu posaunen.

  25. Götterbote
    18. April 2013, 17:51 | #25

    @Lloretta
    Anders als Ihre Behauptung, lässt sich meine Behauptung leicht durch das Lesen von Kommentaren in den Foren unterschiedlichster Art (siehe Spiegel online, tagesschau.de oder sonst einem Forum), die Berichterstattung in den Medien, als auch die Unterhaltung mit Mitmenschen aus dem Bekanntenkreis ganz leicht belegen. Wenn Sie zu den übrigen 10% zählen, müssen Sie sich nicht angesprochen fühlen.

  26. Götterbote
    19. April 2013, 12:15 | #26

    @Heinz
    Ich glaube nicht, dass man Sie grundsätzlich mit den anderen in einen Topf schmeißt (dafür sind Ihre Kommentare meiner Meinung nach in der Regel zu objektiv und neutral gehalten), aber wenn Sie ehrlich sind, müssen Sie eingestehen, dass die sehr große Mehrheit der Deutschen eben doch so denkt, wie ihnen oft vorgeworfen wird. Ich betone ja extra immer wieder, dass es „90%“ oder „die große Mehrheit“ ist und rede eben nicht pauschal von „den Deutschen“, weil ich weiß, dass es auch andersdenkende gibt. Aber die Anzahl ist leider gering.

    Es kann niemand wirklich behaupten wollen, dass sich in den Foren nur die „bösen voreingenommenen“ die Mühe machen und Ihre Meinung kund tun. Dafür reicht ein Blick in andere Themengebiete, um zu sehen, dass sich dort die verschiedensten Meinungen wieder finden. Beim Thema Griechenland ist es leider so, dass die Stimmen, die sich objektiv (und dabei geht es nicht darum, pro Griechenland zu sein, sondern einfach mal die tatsächlichen Ursachen und Hintergründe zu nennen) dazu äußern, extrem selten sind. Sicher haben die Medien eine große Mitschuld, da sie sehr einseitig Bericht erstatten, aber jeder mündige Bürger (gerade diejenigen, die sich im Internet tummeln und dort ihre Kommentare hinterlassen) hat heutzutage die Möglichkeit, sich auch durch andere Quellen zu informieren. Dies nicht zu tun und dann Hassparolen durch die Welt zu schicken, ist groß fahrlässig und zeugt von keinem guten Charakter.

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