Griechenland: 3 von 10 sagen ja zur Diktatur

22. April 2013 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 1.264

Die Verzweiflung bringt Verwirrung und tötet die Demokratie – In Griechenland erklärten 3 von 10 Befragten, unter der Militärjunta seien die Dinge besser gewesen.

Bei einer Erhebung der Metron Analysis, die in der Sonntagsausgabe (21 April 2013) der „Eleftherotypia“ – am schwarzen Jahrestag des 21. April – veröffentlicht wurde, erachtete ein – wenn nichts anderes – zumindest beunruhigender Anteil von 30% der Befragten, „während der Periode der Diktatur waren die Dinge besser als heute„. Dieser Anteil verteilt sich auf das gesamte politische Spektrum, wenn auch die Anteile im Raum des Zentrums und der Linken deutlich geringer sind.

Spezieller beantworteten in dem Barometer der Metron Analysis 30% der Befragten folgende Frage positiv: „In wenigen Tagen haben wir den 21. April. Einige meinen, unter der Diktatur seien die Dinge besser gewesen als heute. Stimmen Sie persönlich dieser Ansicht zu oder nicht?“ Nicht einverstanden erklärten sich 63% und 7% gaben keine Antwort.

Sogar Wähler des Zentrums und der Linken sagen ja zur Junta

Was die Verteilung nach Parteien betrifft, stimmen 46% der Wähler der Nea Dimokratia (ND) der Ansicht zu und 50% nicht, während bei den SYRIZA-Wählern 24% zustimmen und 71% nicht. Bei den Wählern der PASOK-Partei sind die Anteile 13% „ja“ und 84% „nein“, der Unabhängigen Hellenen (ANEL) 45% „ja“ und 42% „nein“, der Chrysi Avgi 58% „ja“ und 30% „nein“. Sogar bei den Wählern der Demokratischen Linken (DIMAR) sind 12% und der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) 17% für „ja“.

Die überwältigende Mehrheit der Befragten (88%) glaubt, dass unter der Diktatur die Dinge in Themen der Meinungsfreiheit schlimmer waren, und die große Mehrheit (63%) vertritt, das internationale Image Griechenlands sei in der Periode der Diktatur schlechter gewesen.

Hinsichtlich der Themen der Lebensqualität zeigen die Befragten sich gespalten (46% meinen „besser“ und 45% „schlechter“), sind sich jedoch einig, dass unter der Diktatur die Dinge in Themen der Sicherheit besser waren (59%, gegenüber 36%, die meinen, die Dinge seien schlechter gewesen).

Die Umfrage erfolgte in dem Zeitraum 16 – 17 April 2013 telefonisch von der Metron Analysis an einem Muster von 1.001 Personen im ganzen Land.

Armut, Gleichgültigkeit und Memoranden töten die Demokratie

Wie schockierend die Befunde der Erhebung auch immer sind, müssen sie in einen verzweifelten Schrei der Gesellschaft, aber auch der selbigen Demokratie an die ihr dienenden Institutionen, die Parteien, das Parlament, die Justiz gewandelt werden. Die Erhebung bestätigt unter temporalen Umständen des Unglücks all das, was in den letzten Jahren als Empfinden existiert und vor dem wir die Augen verschließen.

Es stellt das Ende einer langen Entwicklung dar, während deren Dauer das politische System in der Korruption versank, die Verparteilichung des Staate die Institutionen schmähte, zu lasten des Leistungsprinzip der Kundenstaat vorherrschte und die Verstrickung wirtschaftlicher und politischer Interessen die Regel war. Es ist das Ergebnis der Armut, in welche die Memorandumspolitik die Gesellschaft gebracht hat, und die Enthüllung der Verzweiflung der Gesellschaft, aber auch der völligen Verwirrung, in die sie die unerhörte wirtschaftliche Krise und deren ineffiziente Handhabung durch das bestehende politische System gebracht haben.

Und es ist das Ergebnis des zeitlichen Abstands von jener schwarzen Periode, des Verblassens der Erinnerung und der Unwissenheit der jüngeren Generationen bezüglich der Junta der Obristen, welche die Demokratie und die Freiheiten aufhob, die Ungleichheit ausweitete und die Unsicherheit säte.

(Quelle: in.gr, Enet.gr)

  1. Roditisa
    22. April 2013, 16:41 | #1

    Davor wurde schon vor über einem Jahr gewarnt. Aber die Antwort aus Deutschland angesichts der Bedenken, ob die Memorandumspolitik nicht die Demokratie in Griechenland in Gefahr bringen könne, gab es ja immer nur die Antwort „Griechenland ist nicht Weimar“.

  2. GR-Block
    22. April 2013, 17:27 | #2

    Nun, was lesen wir aus der Statistik? Die Nostalgiger der 7 mageren Jahre hatten nach 1974 für viele Jahre eine Heimat in der ND gefunden. Danach haben sie sich im Wesentlichen in 2 Abspaltungen wieder formiert. Deshalb zeigt die Statistik heute, dass ND (46%), ANEL (45%) und ChA (58%) die meisten Verharmloser eines undemokratischen Regimes in ihren Reihen haben.
    Freilig muss man unterstellen, dass die meisten dieser Leute keine Junta wollen, sondern nur den heutigen Zustand als schlimmer beurteilen (oder zumindest so tun als ob, damit ihre Kritik an den Memoranden besonders deutlich wird).

    Besonders interessant erscheint mir, dass nur 58% der ChA die Junta verharmlosen. Das zeigt, dass da besonders viele enttäuschte Menschen, also Protestwähler, zu finden sind, die bei geeigneter Alternative evtl. wieder die ND wählen würde. Während ich die o.g. 58%, also ca. 6.5% rechtsradikale Wähler tatsächlich als gefährdet einstufe. Die könnten in Zukunft wirklich deren Stammwählerschaft bilden, denn ich befürchte es sind mehrheitlich junge Menschen, die nie Kontakt zur Junta hatten.

  3. Rudi
    22. April 2013, 18:16 | #3

    Die Merkels dieser Welt spielen ein gefährliches Spiel. Anstatt sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen werden unvorstellbar hohe Garantien für die Vermögen einiger Weniger abgegeben. Sobald der Export in Deutschland einbricht und dort die Zinsen für Staatsanleihen hochgehen, ist Schluss mit Lustig. Dann wacht auch der deutsche Michel auf und mancher „brave Bürger“ wird sein wahres Demokratieverständnis zeigen. Warum lässt man Banken nicht Pleite gehen, wie jedes andere marode Unternehmen auch und sorgt dafür, dass Otto Normalverbraucher sein Auskommen hat? Nein, man tritt ihn mit Billiglohn in die Tonne. Wenn das nicht böse endet …

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