Gold in Griechenland: vom Eldorado zum El Paso

15. April 2013 / Aufrufe: 1.354

Der heftige Widerstand gegen die Goldminen-Projekte in Griechenland hat die Halbinsel Chalkidiki anstatt zu einem neuen Eldorad zu einem neuen El Paso gemacht.

Als Paul Wright, geschäftsführender Vorstand der kanadischen Eldorado Gold, im Dezember 2011 in Athen die Vereinbarung über den Aufkauf der European Goldfields präsentierte, welche die Bergwerke bei Kassandra auf Chalkidiki inne hatte, war er (von Euro2day.gr) gefragt worden, wie er der unangenehmen Vorgeschichte der Sache zu begegnen denke.

Einer substantiellen Antwort wich er aus, möglicherweise, weil er von seinen lokalen Partnern Zusicherungen erhalten hatte, dass sie die Sache „klären“ würden und die Investition bezüglich der Förderung des Goldvorkommens ohne Komplikationen fortschreiten werde.

Jetzt stellen die Kanadier fest, dass Chalkidiki sich in ein Schlachtfeld verwandelt hat, und ihre Strategie bewegt sich zwischen den Drohungen, sich aus dem Land zurückziehen zu werden (was sie innerhalb weniger Tage widerriefen), und den Versprechungen, gemäß denen sie vereinbart haben, eine auf Gegenseitigkeit basierende Sonderabgabe an die Gemeinden des Gebietes zu zahlen.

Gesellschaftliche Akzeptanz wird nur schwer zu erzielen sein

Die Unternehmensleitung der Eldorado Gold stellt nun fest, dass die Situation nicht so unter Kontrolle ist, wie es ihre Partner zu der Zeit behaupteten, als sie ihren feierlichen Einzug nach Griechenland bekannt gab (sie hatte bereits die Minen von Lofos bei Perama in Evros erworben). Die „Berufsökologen“, welche der kanadische Konzern heute zurecht der ausgedehnten Zwischenfälle und der Überfallaktion auf ihre Betriebsanlagen beschuldigt, unterstützen die Proteste der lokalen Gesellschaft.

Die Bevölkerung sah, wie sich unglaubliche Dinge rund um die Minen abspielten, ohne dass irgend jemand zur Verantwortung gezogen worden ist. Gleich wie viele Beschuldigungen die Eldorado Gold auch denjenigen anlastet, die gegen den Betrieb der Minen protestieren, gleich wie viele Polizeiaktionen auf Chalkidiki auch erfolgen, wird es schwer eine gesellschaftliche Akzeptanz der Investition geben.

Eine gesellschaftliche Akzeptanz wird es hauptsächlich deswegen nicht geben, weil die Haltung des Staates fast zehn Jahre lang heuchlerisch war: Während er sieben Jahre lang die Genehmigung der Studie über die Umweltauswirkungen hinauszögerte, gestattete er den vorherigen Besitzern der Minen, hunderte Millionen aus Spekulationsgewinnen einzustreichen, ohne auch nur ein einziges Korn Gold gefördert zu haben.

Viele versuchen zu verstehen, welche Berater den Kanadiern es als gute Idee vorgeschlagen haben, dass als Vorkämpfer für die Investition der ehemalige Wirtschaftsminister Christos Pachtas auftritt (heute Bürgermeister von Aristoteli auf Chalkidiki), jener Mensch, der eine führende Rolle im Verkauf der Bergwerke für gerade einmal 11 Mio. Euro spielte!

Bevölkerung wurd vom Staat belogen und betrogen

Die Eldorado Gold hat Recht, wenn sie behauptet, ungefähr 1,8 Mrd. Euro (in Aktien) entrichtet zu haben um die European Goldfields zu erwerben, deren Hauptvermögen die Bergwerke bei Kassandra waren. Den Einwohnern von Chalkidiki und den übrigen Griechen ist jedoch eine andere Geschichte bekannt.

Sie erinnern sich an Herrn Pachtas, gegen Ende 2003 im Parlament vertreten zu haben, es würde eine Beteiligung der lokalen Selbstverwaltung, etlicher griechischer technischer Firmen, ausländischer Spitzeninvestoren usw. geben. Als wenige Tage später die Vereinbarung der 11 Mio. Euro unterzeichnet wurde (die an die ebenfalls kanadische TVX gingen, die sich aus der Investition zurückzog), stellten sie fest, dass nicht von all dem erfolgte, was Christos Pachtas versprochen hatte. Die Bergwerke gingen auf die European Goldfields (die damals von dem umstrittenen rumänisch-australischen Unternehmer Frank Timis kontrolliert wurde, der irgendwann von den Londoner Börsenbehörden gejagt wurde), die AKTOR und deren Präsidenten Herrn Dimitris Koutras über!

Wie Funktionäre des Mineralmarktes vertreten, hatte keiner der beiden Investoren, an welche die Bergwerke verkauft wurden, Erfahrung im Betrieb von Minen. Somit profitierten sie von der jahrelangen Gold-Rallye, um signifikante Beträge aus Wertzuwächsen zu gewinnen. Schließlich verkauften sie die Bergwerke Kassandras an jemanden, der sie zu betreiben wusste, also die Eldorado Gold.

Bürger misstrauen nicht der Eldorado Gold, sondern dem Staat

Bevor die Kanadier in Erscheinung traten, hatten die European Goldfields eine Vereinbarung mit Katar unterzeichnet, damit letzteres die Errichtung der Minen auf Chalkidiki finanziert. Die Vereinbarung, die sogar im Regierungspalast Megaro Maximou im Beisein des damaligen Premierministers G. Papandreou und des Emirs von, Katar Hamad Al Thani, unterzeichnet worden war, wurde von den starken ausländischen Funds gekippt, die Aktien der European Goldfields inne hatten.

In den Jahren, in denen die Aktienwechsel, die Verkäufe an Institutionelle und die Fiestas erfolgten, gab es keinerlei Diskussion über die Gegenleistungen, welche die lokale Gesellschaft haben würde. Das Argument bezüglich der Arbeitsplätze war nicht ausreichend. Ebenfalls glaubt niemand, dass die Umweltauswirkungen dermaßen beschränkt sein werden, wie es die Kanadier behaupten. Nicht, weil sie der Eldorado Gold nicht vertrauen, sondern weil sie dem Staat nicht vertrauen, der die Aufsicht führen wird.

Die Leitung des kanadischen Konzerns vertritt nun, der lokalen Gemeinde eine auf Gegenseitigkeit basierende Abgabe bieten zu werden. Wer vertraut jedoch heute dem lokalen Bürgermeister Christos Pachtas. Selbiger hatte ihnen als Wirtschaftsminister versprochen, die lokalen Gemeinden werden Teilhaber in der Investition und anderes Klangvolles versprochen! Sogar auch einer der ehemaligen Großaktionäre der European Goldfields, nämlich Dimitris Koutras, hatte bei der letzten ordentlichen Hauptversammlung der Ellaktor vertreten, es würden Jahre erfordern, damit die Firmen das Vertrauen der Bürger gewinnen. Laut ihm tragen auch die Unternehmen Verantwortung für das heutige Klima des Misstrauens, ungeachtet extremer Reaktionen von „Pseudoökologen“ und Kleininteressen.

Die einzige Lösung scheint der substantielle Dialog mit der lokalen Gesellschaft zu sein, damit die extremen Elemente isoliert, aber auch die Einwohner des Gebietes davon überzeugt werden, dass die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich sein werden. Die Regierung, die „das Gesetz durchsetzen will“, versteht heute, dass Betriebsstätten und Minen unter militärischem Schutz nur in Ländern Afrikas funktionieren. Also muss eine andere Formel gefunden werden, mit weniger Polizei …

Aus den offiziellen Daten der Eldorado Gold geht hervor, dass die griechischen Minen – sofern die Zeitpläne eingehalten werden (was unter den derzeitigen Protesten schwer erscheint) – rund 25% des Goldes beitragen werden, welches die Firma 2016 produzieren wird, wogegen unser Land heute nicht mit mehr als 2% – 4% zur Jahresproduktion der Eldorado beiträgt. Folglich existiert Spielraum für ernsthafte gegenseitigkeitsbasierte Vorteile für die lokale Gesellschaft. Je schneller der Dialog voranschreitet, um so geringer sind die Wahrscheinlichkeiten eines neun Scheiterns, da die gerichtlichen Widerspruchsverfahren noch im Gange sind, während die Proteste der Anwohner sich nicht legen wollen.

(Quelle: euro2day.gr)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Gast
    15. April 2013, 21:34 | #1

    Mir schnürt es beinahe die Kehle zu, wenn ich lese, wie immer mehr Paradiese der Gier der Investoren und geldgierigen Machtmenschen zum Opfer fallen, da kann ich die Bürger und Bauern so gut verstehen wenn sie sich wehren, es ist ihre Heimat, ihr Land, ihr Stückchen wunderschöne Erde – was – wie doch allgemein bekannt ist – nach dem „Goldrausch“ für Jahre hin verseucht ist, ist es das wirklich wert … Verantwortung, Menschlichkeit, – ach ja, das ist ja „altmodisch“ und unmodern.

  2. Reinhilde
    16. April 2013, 12:55 | #2

    Und die nächste Zerstörung der Umwelt und Menschen scheint in Südkreta zu drohen.
    Dort ist (wieder) einmal die Absicht vorhanden eine riesigen Containerhafen zu bauen.
    Geld, Geld, Geld … Was anderes scheint in dieser verrückten Zeit keine Rolle mehr zu spielen. Bis es knallt … Aber dann ist es zu spät …!

Kommentare sind geschlossen