Finanzierungsloch bedroht erneut Renten in Griechenland

21. April 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 761

Steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Einnahmen bedrohen in Griechenland erneut die Renten, für die sich 2013 eine Finanzierungslücke von 2,5 Milliarden Euro abzeichnet.

Der Panhellenische Verband der Beschäftigten der Organismen für Sozialpolitik (POPOKP) schlägt Alarm und enthüllt, dass trotz der in den letzten drei Jahren erfolgten bis zu 50% erreichenden Senkungen und Kürzungen der Ausgaben die Versicherungskassen wegen des Anstiegs der Arbeitslosigkeit und der „Explosion“ nicht entrichteter Beiträge in diesem Jahr (2013) ein Defizit von 2,5 Mrd. Euro haben werden.

Gemäß den Daten, welche der Vorsitzende des Verbands, Thanasis Kapotas, auf der Tagung der Beschäftigten der Versicherungskassen präsentierte, beziehen zwei Drittel aller Rentner in Griechenland Hauptrenten von maximal 700 Euro im Monat, während die geschuldeten Beitragszahlungen an die drei größten Versicherungsträger des Landes sich insgesamt auf fast 16 Mrd. Euro summieren.

IKA entgehen 6 Mrd. Euro aus nicht versicherter Arbeit

In den beiden ersten Monaten des Jahres 2013 sind die Einnahmen der Kassen aus Beiträgen um 696 Mio. Euro zurückgegangen und lassen in Kombination mit den gesunkenen Beitragszahlungen und angestiegenen Verrentungen eine Finanzierungslücke von 2,5 Mrd. Euro für die Rentenzahlungen und zusätzlich 1,5 Mrd. Euro beim EOPYY für die Gesundheitsleistungen offen.

Der Rückstand bei den Einnahmen aus Beiträgen liegt bei der IKA in einer Größenordnung von 14% (anstatt wie vorveranschlagt 7%) und bei dem OAEE über 30%, womit das Ende 2012 ermittelte Defizit auf rund 830 Mio. Euro anstieg. Allein aus dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Kürzungen der Löhne wird die IKA innerhalb des Jahres 2013 einen Verlust von 1,5 Mrd. Euro haben und die Zusatzkasse verliert 163 Mio. Euro, während die Beitragshinterziehung weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt (6,5 Mrd. Euro verliert die IKA aus der nicht versicherten Beschäftigung).

Die Verbindlichkeiten aus nicht entrichteten Beiträgen erhöhten sich wegen der Krise und tangieren bei den drei größten Versicherungsträgern insgesamt 15,9 Mrd. Euro:

  • 8 Mrd. Euro bei der IKA, wovon 4,5 Mrd. Euro von inaktiven Unternehmen geschuldet werden,
  • 7,4 Mrd. Euro bei dem OAEE, gegenüber 3,5 Mrd. Euro im Jahr 2009 (von insgesamt 774.000 Selbständigen und Freiberuflern zahlen inzwischen 380.000 keine Beiträge mehr),
  • 508 Mio. Euro beim OGA (288.587 Versicherte schulden im Durchschnitt 2.500 Euro).

PSI, Börsencrash und Immobilienkrise eliminierten Vermögen der Kassen

Nach den Verlusten in Höhe von 11,9 Mrd. Euro nebst dem Wegfall der Zinseinnahmen durch den PSI, der Krise auf dem Immobilienmarkt und dem „Wegsacken“ der Börse bringt das mobile und immobile Vermögen der Kassen nichts mehr ein, und sogar die Beteiligung der über rund 114 Millionen Aktien verfügenden Kassen an den Kapitalerhöhungen der Banken oder anderer großer Unternehmen wird zweifelhaft.

Letzteres wird wiederum zur Folge haben, dass die Versicherungsträger praktisch auch den – gemessen an den gezahlten Einstandspreisen meistens so wie so nur noch lächerlich geringen – verbliebenen Restwert ihres in Aktien angelegten Vermögens weitgehend verlieren werden. An eine halbwegs akzeptable Veräußerung von Immobilien ist angesichts der Situation auf dem Immobilienmarkt ebenfalls nicht zu denken.

390.227 Rentenanwärter in der Warteschlange

Die Rentenkassen „schulden“ – in Ermangelung von Personal und hauptsächlich … Einnahmen – 390.227 neuen Rentnern Rentenbeträge in Höhe von 150 Mio. Euro (hauptsächlich auch Zusatzrenten) und 1,4 Mrd. Euro für Abfindungen (die TPDY wird in diesem Jahr auf Basis einer Sonderklausel des Memorandums mit 1,1 Mrd. Euro bezuschusst).

Kasse Anhängige Hauptrenten / Zusatzrenten / Abfindungszahlungen Erforderlicher Zeitraum
nur vom Träger Mehrfachversicherung
IKA 152.000 75.000 H.-Renten
78.000 Z.-Renten
12 Monate 12 – 18 Monate
OAEE 15.000 12 Monate
OGA 60.000 12 Monate
TPDY 36,330 24 Monate, unter der Voraussetzung der Fortsetzung der Bezuschussung
ÖFFTL. SEKTOR 30.000 12 Monate
ETAE
TEADY 38.000 2 Jahre 3 Jahre
TEAYEK 19.000 3 Jahre
CHEMIKER 572 12 Monate
ETEAM abh. von IKA 12 Monate
ETAA
TSMEDE 3.550 14 – 16 Monate
JURISTEN 2.275 14 – 16 Monate
TSAY 1.500 16 Monate

Das Hauptvolumen der Verzögerungen (und des Personalmangels) betrifft die IKA (152.000 Rentenanwärter befinden sich seit bis zu 24 Monaten in der … Warteschlange), und es folgen der öffentliche Sektor und die TEADY (30.000 und 38.000 Anhängigkeiten, wobei entsprechend die Verzögerung für alle mit Mehrfachversicherung drei Jahre für die Zusatzrente erreicht), die Vorsorgekasse der öffentlichen Bediensteten (38.000) und der landwirtschaftliche Versicherungsträger OGA (60.000).

Die Höhe der Renten in Griechenland nach den Kürzungen

Angesichts der sich abzeichnenden Gefahr einer neuen „Beschneidung“ der Renten zur Deckung der Defizite enthüllte der Vorsitzende des Verbands der Beschäftigten, dass nach den wiederholten Kürzungen 67% der Rentner (1.926.645 von insgesamt 2.908.633) eine Hauptrente von bis zu 700 Euro pro Monat, 11% (306.475 Rentner) zwischen 701 – 1.000 Euro, 12% (272.178 Rentner) zwischen 1.001 – 1.500 Euro, 4% (105.073 Rentner) zwischen 1.5001 – 1.700 Euro und nur 6% (217.223 Rentner) von über 1.700 Euro erhalten.

Verteilung der Renten Anteil der Kategorie an der Gesamtheit aller Renten
Betrag (€) Anzahl der Renten
Bis 500 1.327.316 46%
500,01 – 600 391.711 14%
600,01 – 700 207.608 7%
700,01 – 800 123.006 5%
800,01 – 900 94.271 3%
900,01 – 1.000 89.198 3%
1.000,01 – 1.100 81.049 3%
1.100,01 – 1.200 71.588 2%
1.200,01 – 1.300 73.878 3%
1.300,01 – 1.400 65.281 2%
1.400,01 – 1.500 61.431 2%
1.500,01 – 1.600 62.018 2%
1.600,01 – 1.700 43.055 2%
1.700,01 und mehr 217.223 6%
2.908.633

Als ungewiss zeichnet sich die zukünftige Ergänzung des Einkommen durch die Zusatzrenten (182 – 641 Euro, je nach Kasse) ab, da auf Basis des neuen Gesetzes auch diese bei den Kürzungen für Renten ab 1.000 Euro (Haupt- und Zusatzrente) mitgerechnet werden, und außerdem werden sie außerdem analog zu der finanziellen Lage der jeweiligen Kassen „erneut bemessen“ werden.

Erneute Senkungen in einer Größenordnung von 20% werden auch bei den neuen Abfindungen ab 2014 erwartet, trotz der in diesem Jahr erfolgten „Beschneidung“ von 1,94% bis 83%. Thanos Kapotas unterstreicht, dass die Interventionen bei den Grenzen des Renteneintrittsalters, der Höhe der Leistungen und Beiträge ausgeschöpft worden sind, und verlangte die Stützung der Kassen und die Verstärkung der Kontrollmechanismen, damit Einnahmen aus der 36% erreichenden nicht versicherten Arbeit geschöpft werden.

(Quelle: Imerisia.gr)

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