Millionenbetrug mit imaginären Agrarprodukten in Griechenland

20. März 2013 / Aufrufe: 1.265

In Griechenland wurde ein neuer Fall aufgedeckt, in dem der Fiskus durch Scheingeschäfte mit imaginären Agrarprodukten um zig Millionen Euro geschädigt wurde.

Dem Sonderdezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) ging ein 55-jähriger Landwirt aus Theben in die Netze, der eine „Maschinerie“ aufgebaut hatte, um mit dem Trick der Mehrwertsteuer-Erstattung hunderttausende Euro abzukassieren. Die Gelder, die sich der Landwirt in die Tasche steckte, erreichten den astronomischen Betrag von 184.075.770 Euro.

Wie aus der Kontrolle der Dienststellen des Finanzministeriums hervorgeht, gab der Landwirt vor, im Gebiet von Theben eine Fläche von 5.000 Hektar inne zu haben. Wie sich erwies, hatte der … Gutsbesitzer nicht ein einziges Dekar und die von ihm … kultivierte Fläche gab es nur auf dem Papier. Als die Beamten des SDOE von ihm verlangten, die Pachtverträge über die Fläche vorzulegen, konnte der Landwirt keinerlei Schriftstück vorlegen.

Scheingeschäfte mit imaginären Kartoffeln und Zwiebeln

Die Daten der zuständigen Behörden wiesen aus, dass der Landwirt Zwiebeln und Kartoffeln anbaute und seine gesamte Produktion an mehr als 30 Firmen verkaufte. Die Kontrolle des SDOE vor Ort bewies jedoch, dass der Landwirt ein Agrarunternehmen geschaffen hatte, welches es gar nicht gab. Als von ihm verlangt wurde, die entsprechenden Belege beizubringen, gab er an, nichts vorlegen zu können.

Laut dem SDOE waren alle Geschäftsvorgänge des 55-Jährigen gefälscht, er hatte nicht eine einzige Zwiebel oder Kartoffel produziert. Die angeblich mit dem Gutsbesitzer kooperierenden Unternehmen haben wegen Fälschung ihrer Namen anzeige gegen ihn erstattet. Jedenfalls hatte der „Unternehmer“ sich alles verschafft, was ein Mensch sich wünscht. Auf Basis der Daten des Finanzministeriums verfügte er über eine luxuriöse Villa, besaß teure Autos und lebte auf großem Fuß, da er erwerben konnte was er wünschte, indem er den Fiskus bestahl.

Die Amtsträger des SDOE haben die Öffnung der Konten auch der anderen Involvierten verlangt, die an dem Betrug beteiligt waren. Die Beamten des Finanzministeriums sprechen von einer „Omerta“ zwischen den Landwirten, die in den Betrug mit den fiktiven Rechnungen eingeweiht waren.

(Quelle: NewsBeast.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. V99 %
    20. März 2013, 15:17 | #1

    Wow, da kann selbst Abt Ephraim noch was lernen 😀
    Wie sagte ein Super-Kommentator hier schon:
    „In Griechenland ist es aufgrund der Strukturen, fehlenden Kontrollen und der anderen Mentalität – und damit ist nicht gemeint, dass die Griechen zu einer “kriminellen” Ader neigen, sondern diese Dinge allgemein etwas lockerer sehen und auch Verständnis zeigen – nur einfacher Steuern zu hinterziehen.“ 😀

  2. Moppel
    20. März 2013, 17:59 | #2

    MwSt.-Betrügereien sind also nun wirklich keine griechische Erfindung, einfach mal nach Begriffen wie mehrwertsteuerbetrug, scheinrechnungs-karussell, umsatzsteuer-karussell usw. googeln. Auf EU-Niveau „versickern“ dabei jedes Jahr dreistellige Milliardenbeträge, dagegen sind die paar mickerigen Milliönchen (die sich entgegen dem Artikel unmöglich eine einzige Person eingesteckt haben kann, dafür ist schon ein organisierter „Ring“ nötig …) doch eher ein Pups.

  3. Keram
    20. März 2013, 18:13 | #3

    Woanders würde man sich nur leicht gestört vorkommen, wenn man angäbe rund 1 Milliarde mit Kartoffeln und Möhren verdient zu haben um sich dann 184 Millionen MwSt. zurückerstatten zu lassen.

  4. Tom
    20. März 2013, 22:15 | #4

    V99 %
    In München steht ein Hofbräuhaus, und die Alianzarena -wildmoser …
    Wir haben die Hypobank ganz aktuel …
    Aber besser ein Grieche wieder einmal, wobei der Artikel viele Fragen offenlässt.
    Und einer nach dem anderen wird entdeckt, ist doch super …
    Daß da viele Verbrecher rumlaufen, war und ist doch jedem klar,
    Wo sonst sollte denn die ganze Kohle geblieben sein?

  5. Ausgenz
    21. März 2013, 10:05 | #5

    Es liegt wohl in der Konstruktion der Steuerart „Mehrwertsteuer“ ,dass diese Steuerart in allen Staaten, die diese Steuer erheben, zum Betrug einlädt. Für mich ist nur unverständlich, dass im Computer- und Internetzeitalter auch in Staaten, die ein modernes Steuerüberwachungssystem haben, solche Betrügereien mehr oder weniger leicht möglich sind. Bei allem Mist, der in Griechenland verbraten wurde, sollte man sich hüten, mit ausgestrecktem Finger kopfschüttelnd auf die Griechen zu zeigen.

  6. LiFe
    21. März 2013, 11:10 | #6

    Eine Meldung wie diese liest sich wie eine „schallende Ohrefeige“ für diejenigen Menschen, die an Projekte mit Zukunft tüfteln, aber mangels Masse nicht umsetzen können. Ehrlich gesagt, ich habe gelacht, denn festgefahren und zur Stagnation verdammt bewies es mir, wie manche mit Tricks und Geschick enorme Sprünge gelingen. Unglaublich!

  7. gr-klaus
    21. März 2013, 14:26 | #7

    Betrug bei Mehrwertsteuer-Rückerstattung gibt es in der Tat EU-weit (wie Moppel schreibt), besonders im EU-subventionierten Agrar-Sektor. Sind aber Einzelfälle, für das kleine Griechenland jedenfalls in dieser Höhe. Nur durch fehlende Kontrolle über viele Jahre können diese Betrügereien so hoch auflaufen.

    Das „eigentliche“ Problem ist das gesamte korrupte politische System der bisherigen Block-Parteien. Aber auch da tut sich ja was. Wie der gr.blog berichtete/übersetzte, sind derzeit 4 Ex-Minister angeklagt (Steuerhinterziehung, Bestechlichkeit, Geldwäsche usw.), schön säuberlich halbe-halbe ND + Pasok. Ein hoffnungsvoller Anfang für eine generelle Säuberungswelle bei allen Parlamentariern und Regierungsmitgliedern zurück bis 1074 nach der Junta!!

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