Griechenland zockt Landarbeiter ab

17. März 2013 / Aktualisiert: 17. März 2013 / Aufrufe: 1.039

Griechenland erschwert die Versicherung von Landarbeitern, womit viele der Betroffenen zwar Beiträge abführen müssen, jedoch keinen Versicherungsschutz haben werden.

Mit einem Runderlass des Leiters des Organismus für landwirtschaftliche Versicherungen (OGA, Dimitris Kontos, werden Anweisungen bezüglich der Aufnahme der Landarbeiter in die Register der Versicherten des Trägers, der Ausstellung von Krankenversicherungsheften für das Jahr 2013 und der Bescheinigungen für die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigen erteilt.

Gemäß einem jüngst gefassten Beschluss des Arbeitsministers Giannis Vroutsis unterliegen ab dem 01 Januar 2013 alle Landarbeiter der Regelung des OGA auf Basis der Bestimmungen über Lohncoupons. Das Versicherungsgesetz (N. 3863/2010) bestimmt, dass die als Landarbeiter beschäftigten Arbeitskräfte innerhalb der vorherigen zwölf Monate ab dem Tag, an dem die Ausstellung des Krankenheftes beantragt wird, wenigstens 150 Arbeitstage realisiert haben müssen, um einen Anspruch auf ein Krankenversicherungsheft zu haben.

Landarbeiter mit weniger als 150 Arbeitstagen verlieren Beiträge

Der Ministerialbeschluss sieht vor, dass im Rahmen einer Ausnahmeregelung, die nur für das Jahr 2012 gilt, auch solche Landarbeiter einen Anspruch auf ein Krankenversicherungsheft für 2013 haben, die innerhalb des Jahres 2012 nicht die erforderliche Anzahl der (mit Lohncoupons dokumentierten) 150 Arbeitstage zusammengebracht haben, sofern sie die fehlenden Versicherungsbeiträge entrichten. Landarbeiter, die innerhalb des Jahres 2012 keinen einzigen Beschäftigungstag mit Lohncoupon hatten, werden dagegen in diesem Jahr nicht beim OGA versichert. Ab 2013 und nachfolgend wird die Versicherungszeit aller Landarbeiter nur noch ausschließlich und obligatorisch allein auf Basis der eingetauschten Lohncoupons ermittelt werden.

In dem Runderlass wird betont, dass zur Ausstellung bzw. Verlängerung des Krankenversicherungshefts die Versicherten keine anhängigen Versicherungsbeiträge bis zum Jahr 2011 schulden dürfen. Die Interessenten müssen sich deswegen für die Verlängerung des Krankenversicherungshefts an den zuständigen Korrespondenten des OGA wenden, um sich das Formular der ATE (KMP 639) zur Bezahlung der fehlenden Versicherungsbeiträge des Jahres 2012 und der eventuell anhängigen Beiträge bis zum Jahr 2011 zu besorgen. Für Staatsangehörige von Drittländern gilt außerdem, dass sie sich legal im Land aufhalten müssen und die Geltungsdauer des Krankenversicherungshefts in keinem Fall über das Geltungsdatum der Aufenthaltsgenehmigung hinausgehen kann.

Gemäß dem selben Runderlass werden für die Versicherung beim OGA keine Lohncoupons berücksichtigt, die von der selben Person ausgegeben und eingetauscht wurden, und es werden auch solche Fälle ausgeschlossen, in denen innerhalb eines Tages Lohncoupons über einen 150 Arbeitstagen entsprechenden Betrag ausgegeben – eingetauscht werden. Ebenfalls ausgeschlossen werden Fälle von Personen, die per Lohncoupon bezahlt werden, ohne als Landarbeiter beschäftigt zu sein. In diesen Fällen werden weder die Arbeitstage für die Begründung des Versicherungsanspruchs berücksichtigt noch die per Lohncoupon einbehaltenen Versicherungsbeiträge erstattet.

Schließlich werden mit dem Runderlass die Korrespondenten des OGA angewiesen, die Korrektheit der Steuernummern und Sozialversicherungsnummern zu überprüfen, sowie ebenfalls, zur Aufnahme dieser Angaben zu schreiten, falls sie feststellen, dass sie (noch) nicht eingetragen worden sind.

Der Vollständigkeit sei angemerkt, dass die Bezahlung (im übrigen nicht nur …) der Landarbeiter mit Lohncoupons grundsätzlich obligatorisch ist, auch wenn sie beispielsweise nur für einen einzigen Tag oder einige wenige Tage beschäftigt werden. Dies bedeutet allerdings, dass die abgeführten Versicherungsbeiträge praktisch verloren gehen, wenn die Mindestvoraussetzungen für die Begründung eines Anspruchs auf Versicherungsschutz nicht erfüllt werden.

(Quelle: Newsbeast.gr)

  1. Lockez
    17. März 2013, 06:56 | #1

    Griechenland, Zypern, Portugal und Spanien ist das Experimentierfeld von der Finanz-Elite !
    Da werden die Menschen abgezockt und beklaut auf Teufel komm raus und solange diese Völker kein Aufstand machen, solange werden diese Minusmenschen weiter das Geld aus deren Rippen quetchen !
    Dieses System wird dann auch auf gesamt Europa ausgeweitet wenn die Menschen sich nicht wehren !!!
    Leider neigen Menschen dazu sich extremen Parteien anzuschließen, was natürlich auch fatal ist, egal ob Links oder Rechts, das kennt man ja aus der Geschichte.

  2. Ingrid
    17. März 2013, 14:11 | #2

    „Eine wirklich super Regelung“
    Dann werden noch mehr auslaendische Landarbeiter, hier heisst es allerdings Tageloehner, illegal beschaeftigt, als es bisher der Fall war. Zu noch schlechteren Bedingungen.

  3. Team
    17. März 2013, 18:34 | #3

    @Ingrid
    Im konkreten Kontext geht es ausschließlich um „Landarbeiter“ (originaler Wortlaut: „εργάτες γης“) als spezielle Teilgruppe der „Tagelöhner“. Handelt es sich nicht explizit um Landarbeiter, gehen die mittels der Lohncoupons einbehalten Versicherungsbeiträge an die IKA und sind derzeit doppelt so hoch.

  4. Ingrid
    17. März 2013, 18:49 | #4

    Stimmt, aber es wurde bisher nicht so gehandhabt. Hier in Nordgriechenland arbeiten hunderte nicht als Landarbeiter, zahlen aber Beitraege zur OGA, weil sie irgendwann mal von einem Bauern als Landarbeiter angemeldet wurden.
    Die Landarbeiter selbst bekommen keine Lohncoupons, sie werden bar ausbezahlt und muessen ihre Beitraege zur OGA selbst bezahlen – die, die irgendwann mal angemeldet wurden.
    Die anderen werden ohne Anmeldung (schwarz) beschaeftigt.

  5. Team
    17. März 2013, 19:47 | #5

    Ingrid :

    Hier in Nordgriechenland arbeiten hunderte nicht als Landarbeiter, zahlen aber Beiträge zur OGA …

    … was ggf. – und natürlich nicht nur in Nordgriechenland – völlig legitim ist, einfach mal die Statuten lesen anstatt an den Fingern zu saugen.

    … weil sie irgendwann mal von einem Bauern als Landarbeiter angemeldet wurden …

    … s. o., im übrigen ist den lokalen Korrespondenten sehr wohl bekannt, was Sache ist, alles weitere mag der Phantasie überlassen bleiben.

    … bekommen keine Lohncoupons, sie werden bar ausbezahlt … die anderen werden ohne Anmeldung (schwarz) beschaeftigt.

    Korrekt wäre „wollen keine Lohncoupons bekommen“. Speziell in Nordgriechenland fallen während der entsprechenden Jahreszeiten jedes Jahr tausende „Touristen“ aus den Nachbarstaaten ein, um ein paar Wochen auf den Feldern zu arbeiten. Diese – in jeder Hinsicht illegalen – Saisonarbeiter könnten mit Coupons absolut nichts anfangen (also auch nicht einmal einlösen, s. Beitrag) und wollen ausschließlich „Bares auf die Kralle“.

    Last but not least sind – wie in dem gelöschten Pamphlet – direkte oder indirekte Suggestionen („… aber in der Steuererklärung nur Minus ausweisen …“) nicht mehr einfach nur als Schwachsinn abzutun, sondern vielmehr als böswillige Hetze und Verleumdung einzustufen.
    Kleinbauern werden steuerlich auf Basis sogenannter „objektiver“ Kriterien (fiktiv) veranlagt und können somit gar keine „negativen“ Einkommen deklarieren, während in den zu einer regulären Buchführung verpflichteten größeren Betrieben nicht mehr oder weniger als auch in der übrigen Wirtschaft „geschummelt“ wird bzw. werden kann.

  6. Ingrid
    18. März 2013, 10:51 | #6

    Wenn man 22 Jahre in einem Land lebt, hat man diverse Einblicke.
    Schwachsinn, boeswillige Hetze und Verleumdung lasse ich mir von Ihnen nicht unterstellen.
    Gesetze und Bestimmungen gibt es sehr wohl und ich kenne sie auch. Allerdings ergibt sich im taeglichen Leben, dass diese umgangen werden, weil man Jemanden kennt, weil Kontrollen angekuendigt werden, weil Anzeigen verschwinden …
    Ich kenne genug Landarbeiter aus Bulgarien, die gezwungen sind ohne Lohncoupons zu arbeiten. „Entweden du arbeitest zu meinen Bedingungen, oder du kannst gehen.“
    Diese Tatsachen, von denen keiner spricht, die aber allgegenwaertig sind, zu verschweigen waere Suggestion.

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