Deutschland in der Falle ... oder auf Wiedersehen Euro!

24. März 2013 / Aktualisiert: 28. September 2013 / Aufrufe: 3.554

Es ist schwer, Deutschland zu sein – das Land im Mittelpunkt, das für Europa immer übermäßig mächtig, jedoch zugleich zu schwach war, um es zu erobern.

Im Fall Zyperns haben die Deutschen Recht, wie sie es auch in den Fällen der anderen „Peripheriestaaten“ der Eurozone hatten: ohne Disziplin gibt es keine Hilfe. Wie jedoch viele Male in der Vergangenheit fanden sie sich wieder auf der falschen Seite ein. Der Grund ist nicht notwendigerweise die teutonische Ungeschicktheit auf Weise des Kaisers Wilhelm, der in Europa seit 1890 mit seiner Haltung immer herausforderte. Die Großen und Mächtigen ziehen sich immer Ärger zu, indem sie einfach nur das sind, was sie sind.

Niemand wiederum weiß, wer während des Wochenendes, an dem die zypriotische Vereinbarung gekocht wurde – die vorsah, dass die Kunden der Banken der Insel sich von 6 bis 10 Prozent ihrer Guthaben verabschieden – wem etwas angetan hat.

Scheinbar wird der Umstand vergessen, dass es die Zyprioten selbst waren, die erklärten, alle Guthaben müssen in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber auch die Tatsache, dass Christine Lagarde, Oberhaupt des Internationalen Währungsfonds, anfänglich den größten „Cut“ vorgeschlagen und eine „Beschneidung“ von 30 oder sogar auch 40 Prozent für Konten mit einem Guthaben von über 100.000 € gefordert hatte. Alle sind sich einig, dass die Deutschen Schuld haben, und zeigen mit dem Finger auf Wolfgang Schäuble, den Finanzminister Berlins.

Putin: Abgabe ist ungerecht, unprofessionell und gefährlich

Schäuble „übte ungeheuren Druck“ auf den Präsidenten Zyperns aus, führt eine anonyme Quelle an, „es war sehr hässlich„. Was sich Herr Schäuble einhandelte, war gleichermaßen hässlich. Allem voran lehnte das zyprische Parlament die Vereinbarung einstimmig ab. Danach entwickelte sich eine Wunder bewirkende Metamorphose. Zypern verwandelte sich über Nacht von einem Hort der Verschwendung und bekannten Zufluchtsort für die russischen Oligarchen in die Heimat bedauernswerter Rentner und Sparer. Drittens stürzten sich die Russen darauf, wobei Präsident Vladimir Putin die Abgabe auf das Heftigste als „ungerecht, unprofessionell und gefährlich“ kritisierte. Haben wir also ein Auge auf russische Kriegsschiffe am Bosporus.

Wie wird diese ganze Geschichte enden? Wie auch Yogi Bär sagte: „Es ist wie ein Déjà-vu, immer wieder aufs Neue.“ Das europäische Spiel verläuft folgendermaßen: Angela Merkel zeichnet Linien im Sand, gibt sie auf, verletzt gewisse Konventionen und gestattet der Europäischen Zentralbank, die Zügel zu übernehmen, während Mario Draghi, Präsident der EZB, ostentativ seine Füße hinter sich her zieht.

Deutschland ist in der Falle. Gibt es nicht nach, besteht die Gefahr, dass Nikosia den Bruch erklärt und möglicherweise aus dem Euro ausscheidet. Dies für sich allein mag nicht viel bedeuten. Zypern ist ein mikroskopischer Teil der Wirtschaft der EU. Bedenken wir jedoch die Folgen. Millionen von Panik ergriffener Sparer initiieren eine Bankenpanik, indem sie von Lissabon bis Athen ihre Gelder von den Banken abheben und eine Architektur zerstören, die unter höchsten Anstrengungen von der EZB und den diversen europäischen Rettungsfonds am Leben erhalten wird, und zetteln einen breit gefächerten Angriff durch die Märkte an. Auf Wiedersehen, Euro!

Wird Berlin die Pforten öffnen, wird dies sein, als ob es das moralische Risiko honoriert – das im Fall von Zypern beachtlich ist. Der Banksektor des Landes beträgt das Achtfache seines Bruttosozialprodukts. Indem die Banken der Insel den größten Teil ihrer Einlagen in griechische Staatsanleihen investierten, erfuhren sie – im Verhältnis zum BIP – den härtesten Schlag, als Athen den Inhabern der Anleihen einen Haircut aufzwang. Die Banken mussten um Hilfe betteln. Der griechische Trick war jedoch nicht das einzige Problem. Wie auch im Fall Spaniens hatte das billige Geld die ungeheure Immobilienblase aufgebläht.

Nachgeben gegenüber Zypern könnte Dominoeffekt auslösen

Wenn andere sehen, dass Zypern gerettet wird, werden auch die Regierungen in Spanien, Portugal und Griechenland, aber auch in Italien und Frankreich die schmerzhaften und unpopulären Reformen zur Senkung des Haushalts aussetzen. Da das „kleine“ Zypern davongekommen ist, werden sie in Anbetracht ihrer kritischen Größe erachten, auf die selbe Weise handeln zu können.

Als Resultat wird die schlimmste Sorge der Deutschen zur Realität werden: die Festigung einer funktionsunfähigen Währungszone, die von Anfang an eine Dummheit war. Hätten sie außerdem jemals den „Club des Mittelmeers“ mit dem „Club des Nordens“ in Einklang bringen können? Ersterer ist verschwenderisch und wettbewerbsunfähig, der zweite reformistisch und effizient. Wie die Euro-Krise zeigt, sind sie überhaupt nicht in Einklang gebracht worden.

Auf dem Weg zur Währungsunion glaubten die Deutschen, den Mittelmeer-Club von der volkswirtschaftlichen und mikroökonomischen Ehrbarkeit überzeugen zu können. Diese Hoffnungen erwiesen sich als falsch. Berlin – und die kleine Gruppe seiner Anhänger von Wien bis Helsinki – müssen sich jedoch durchsetzen, außer wenn selbige nachgeben und für das allgemeine Wohl „bluten“ werden. Berechtigterweise verabscheuen die Deutschen das Dilemma zwischen dem Verlust des Euro und dem Verlust ihres Reichtums, den sie sich mühevoll erarbeitet haben.

Warum sollen wir unser Geld den „Unregierbaren“ geben?

Daraus ergibt sich auch die Politik Merkel – Schäuble, die sich der Peitsche bedient und Karotten verteilt. In diesem Jahr birgt dieses bekannte Spiel eine neu Gefahr, die „allgemeine Wahlen“ heißt. Hofft also – zumindest bis Herbst, nach den deutschen Wahlen – nicht auf übermäßige Großzügigkeit.

Unter den Wählern kombiniert sich die Angst mit Wut. „Warum müssen wir unser Geld den „Unregierbaren“ zur Verfügung stellen, während jene uns als moderne Nazis verunglimpfen?„, brüllt die Stimme des Volkes und fügt an: „Halte stand, Frau Merkel.“ Sich immer an der Stimmung des Volkes ausrichtend, wird die Kanzlerin in diesem Jahr etwas bereitwilliger sein, an die Grenzen zu geraten.

Es ist schwer, Deutschland zu sein – das Land im Mittelpunkt, das für Europa immer übermäßig mächtig, jedoch zugleich zu schwach war, um es zu erobern. Dennoch herrscht in dem Kampf der Mächte des alten Kontinents nach 60 Jahren einer engeren Verbindung ein fader Frieden.

Die auf die gestrigen Dämonen verweisenden Attacken der Tabloids gegen Berlin sind folglich ins Leere gefallen. Weil das große Spiel sich geändert hat. Es bestehen gigantische Unterschiede zwischen dem Europa des Kaisers Wilhelm und dem Euro der Frau Merkel, zwischen den Panzerbrigaden und den Devisenreserven. Im Vergleich zu den letzten 500 Jahren mag der heutige Zustand als tatsächliches Glück erscheinen – wenn wir ein, zwei „Haircuts“ ausklammern.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

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KategorienMeinungen, Politik
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  1. ungebildeter Brummifahrer
    24. März 2013, 02:19 | #1

    Ich teile die Sichtweise auf das Dilemma der Situation, aber „den Deutschen“, bzw. Merkel oder Schäuble die Schuld an genau dieser Situation zu geben greift etwas zu kurz.
    Natürlich dienen beide in letzter Konsequenz den Interessen des Großkapitals und natürlich haben beide handwerkliche Fehler begangen, indem sie aus „Krisenmanagement“ „Krisenwellness“ gemacht haben (der Krise gehts doch prima unter der fürsorglichen Aufsicht dieses Dremateams), aber die Ursachen der Situation liegen weiter in der Vergangenheit.
    Allein der Hirnfick von Idee (90er Jahre), dass sich die Staaten ausschliesslich über Geschäftsbanken und nicht über die EZB finanzieren MÜSSEN(!!!) , trägt IMHO die unverkennbare Handschrift von Goldmann Sachs und zeigt deutlich, wer die langfristige Politik in europa bestimmt (in wie weit waren die eigentlich an der Konstruktion und praktischen Umsetzung des Euro beteiligt??? …na so ein Zufall aber auch ^^).

    Einen weiteren Brandbeschleuniger lieferte Ende der 90er Jahre ein gewisser Bill Clinton (Praktikantinnenversteher A.D.), in dem er kurz vor Ende seiner Amtszeit kurzerhand den rund 60 Jahre alten Schutzmechanismus „Glass Steagall Act“, der die strikte Trennung von Investment- und Geschäftsbanken vorsah und damit die Banken am Eigengeschäft hinderte, über Bord warf. Da durfte Europa nicht hinterherhinken. Deshalb durfte ja Rot-Grün dann letztendlich das vergleichbare hierzulande machen und andere europäische Regierungen ebenfalls.
    Da Geld nunmal quasi als Schuld aus dem Nichts per Buchungssatz entsteht wurden die Bankenbilanzen selbstverständlich infolge dessen grotesk aufgebläht. Die Zeit des „billigen“ Geldes gepaart mit der geisteskranken Wahnvorstellung eines „ewigen“ Wachstums und der allgemeinen politischen Kurzsichtigkeit trugen ebenfalls zur gegenwärtigen Situation bei. Dass das Ganze irgenwann knallt ist eine mathematische Gewissheit und war schon damals kein Geheimnis. Nur wahr haben wollte das niemand. Es passte nicht zum Zeitgeist.

    Merkels und auch Schäubles Schuld liegen an anderer Stelle. Die beiden hatten damals in der Verhandlung über Schröders Agenda 2010 (im Vermittlungsausschuß?) dafür gesorgt, dass eben jene Agenda so aussieht, wie sie heute aussieht, wobei viele Härten in der Auprägung des Gesetzeswerkes direkt auf die Union zurückzuführen ist. Wäre das nicht der Fall hätte Merkel die letzten 8 Jahre Zeit gehabt, das zu korrigieren. Hat sie aber nicht. Sie weiss warum!

    Das Motiv „Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland“ lasse ich im Zusammenhang mit der Agenda 2010 nur bedingt gelten, da eigentlich jedem Volkswirt (es soll da den ein oder anderen dieser Gattung gerüchteweise in der Regierungsberatung geben) hätte auffallen müssen, dass wenn wir ins europäische Ausland unsere Waren vor dem Hintergrund der Gemeinschaftswährung und des BINNENMARKTES verkaufen, eben NICHT exportieren, sondern innerhalb der „Familie“ verkaufen. Wenn ein Handelsgut bspw. von Bayern nach Niedersachsen verkauft wird, dann ist das auch kein Export, sondern Binnenhandel. Und genauso verhält es sich mit dem Warenverkehr innerhalb der €urozone.
    Vor diesem Hintergrund kann es einem als deutsche Regierung eben nicht egal sein, wie die anderen Familienmitglieder mit ihrem „Leistungsdefizit“ (was für ein Witz, wenn man den Benchmark beim stärksten anlegt, dann können die anderen nur „Defizite“ bringen) dastehen. Aber die Medien verkaufen uns das ja heute noch als „Export in die EU-Länder“. Sachlich betrachtet völlig haltloser Blödsinn und in meinen Augen vorsätzliche Täuschung. Aber ich schweife ab….

    Natürlich versucht jede Regierung einen Vorteil für ihren Verantwortungsbereich zu erlangen, das steht völlig ausser Frage, und in gewissen Teilen sehe ich schon eine gewisse Anpassungsnotwendigkeit aus dem Blickwinkel der Schröderregierung und der damaligen Sichtweise in Hinblick auf den Euro und den Schengenraum mit allen Konsequenzen für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Sozialsysteme, aber das Ding ging mal knallhart nach hinten los.

    Die Erkenntnis, dass es nicht klappt, grundverschiedene Volkswirtschaften unter eine Währung prügeln zu wollen, ist mittlerweile Stand des Wissens. Und dass Deutschland als stärkste Wirtschaftsnation in Europa NATÜRLICH schwächere Volkswirtschaften mit seiner pervertiert hohen Produktivität über die Klinge springen lassen wird, ist keine Böswilligkeit, sondern dem Mechanismus an für sich geschuldet. Es wurde aber vielleicht billigend in Kauf genommen? Frei nach dem Motto: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen und die anderen sollen mal schauen, dass sie aus dem Quark kommen. Genausogut hätte man sagen können: mein 40-Tonner kann mehr transportieren als dein Golf, jetzt schau mal zu, dass du schneller fährst, damit du mehr transportieren kannst.

    Da die meisten Gläubigerbanken mit den höchsten Forderungen in Deutschland sitzen dürften, ist der derzeitige harte Kurs des Duo Infernale Merkel-Schäuble aus Sicht einer deutschen Regierung zwar legitim, wird aber zu keiner Lösung führen. Die Idee des „geeinten“ Europas hängt NICHT am Euro oder einer anders benannten Gemeinschaftswährung. Der Euro ist ein politisches Prestigeprojekt, dessen scheitern (politisch wie handwerklich) keiner eingestehen möchte. Aber in seiner jetzigen Form ist er sehr wohl gescheitert. Wenn der Euro scheitert, dann scheitert nicht Europa, dann scheitert lediglich die Merkel… und ich finde DAMIT kann Europa leben …

    Die Ironie der Geschichte wird wohl sein, dass ausgerechnet das Meisterstück neoliberaler Ausbeutung (die Agenda 2010), die geschaffen wurde um innerhalb der Gemeinschaftswährung einen (unlauteren) Vorteil zu ergattern, wie es aussieht zum Untergang der Kopfgeburt Euro am stärksten beitragen wird. Der verratenen und verkauften Kernklientel der SPD wird es heimlich Genugtuung verschaffen, aber keine Freude … denn bezahlen müssen wir am Ende alle!

    Aber vielleicht gehört das ja auch alles zu Schäubles Masterplan um die politsche Union zu erzwingen, aber ich denke selbst ein intellektueller Darth Vader wie er tut sich am Ende schwer, eine Rechnung mit 19 Unbekannten treffsicher zu lösen. Zypern ist nicht nur ein Testlauf sondern gleichzeitig auch ein Warnschuss an Italien als Land mit den höchsten durschnittlichen pro Kopf Guthaben. Die Frage ist, ob Italien das Zypernszenario im eigenen Land mitspielt.

    Ich denke die Antwort darauf werden wir erst nach unserer Bundestagswahl bekommen.

  2. Christina
    24. März 2013, 03:15 | #2

    Wow, ein Riesenkompliment für den ungebildeten Brummifahrer. Die klügste und treffsicherste Analyse, die ich hier seit Monaten gelesen habe.
    Ich glaube nur nicht, dass Darth Vader die politische Union erzwingen kann, sofern er es denn überhaupt beabsichtigt. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass diese nur in gegenseitigem Respekt zu erreichen ist. Darth Vader tut das Gegenteil. Die Renationalisierung der Perspektiven, nicht zuletzt auch in Deutschland, lässt wenig Spielraum für Hoffnungen.
    Danke für den tollen Beitrag!

  3. Muck
    24. März 2013, 09:35 | #3

    Immer sind die Deutschen schuld! Dabei haben nicht die Deutschen die Finanzkrise in Zypern verursacht, sondern die Zyprioten selbst. Und wer hat Zypern gezwungen, der EU und dem Euro beizutreten? Deutschland auf jeden Fall nicht! Es kann nicht sein, daß – vor allem die südeuropäischen Staaten – undisziplinierte Mißwirtschaften betreiben und anschließend Hilfe von denjenigen verlangen, die sich an die Regeln halten, korrekt haushalten und die Korruption bekämpfen. Wenn man schon Deutschland in die bei weitem größte Zahlungspflicht nimmt, dann muß man auch in Kauf nehmen, daß die Deutschen wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht. Will Zypern das nicht, dann können sie die Finanzhilfen für ihre maroden Banken jederzeit ablehnen.

  4. Willi F. Gerbode
    24. März 2013, 09:55 | #4

    Der „ungebildete Brummifahrer“ referiert im Kern die Position Thilo Sarrazins, die dieser in seinem Buch „Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat“, garniert dies mit berechtigter Kritik an den neo-liberalen Highlights der letzten 10 Jahre. In einem Punkt hat der Brummifahrer allerdings unrecht: Man kann nicht den Warenaustausch zwischen zwei Bundesländern mit dem zwischen den Ländern der Euro-Zone gleichsetzen, weil nur ein Teil der Rahmenbedingungen für den Handel zwischen den Ländern eurozentral beeinflusst ist. Gerade die divergierende Finanzpolitik, die unterschiedlichen Steuersysteme und das Fehlen einer koordinierenden Zentralinstanz (z.B. eine europäische Wirtschaftsregierung, die durch das Europparlament wirksam kontrolliert wird) führt zu Ungleichgewichten. Da braucht man nicht in den „Krieg der Sterne“ auszuweichen und Akteure mit märchenhaften Etiketten belegen, um die europäische Crux zu erklären.

    Ich vermute, die Naivität, mit der Helmut Kohl seinerzeit Europa in die Währungsunion gedrängt hat, entspricht politischem Wunschdenken genauso wie seine Aussage vor der deutschen Einigung, bald werde man in Ostdeutschland „blühende Landschaften“ erleben können. Die Visionen, welche die Generation der Menschen mit der „Gnade der späten Geburt“ (Kohl) damals hinsichtlich Europas hatte, hätte sie besser zum Arzt treiben sollen, wie es Altkanzler helmut Schmidt für Menschen mit Visionen generell gefordert hat. Angela Merkel hat diese Visionen sicherlich nicht. Und diese Kühle, mit der sie dt. Interessen vertritt (nichts anderes hat sie in Ihrem Amtseid geschworen), steht in diametralem Gegensatz zur Politik ihres Ziehvaters Kohl. Dass diese Kühle in den Südländern als neoimperialistische Attitüde gesehen wird und ihre Politik in die Nähe der Nazis rückt, sei´s drum. Die Wut der Menschen in Südeuropa sucht sich ein Ziel. Merkel ist – und das wird die meisten Griechen wohl wundern – eine tragische Figur: Was sie auch machen wird, das Ergebnis ihrer Reparaturpolitik wird sie so oder so in die Katastrophe führen. In eine wirtschaftliche, wenn sie den Kurswechsel in Richtung des lockeren Geldes betreibt: die Inflation; in eine politische, wenn sie die dem Neoliberalismus geschuldete Sparpolitik (zusammen mit den Ländern der Euro-Zone) fortsetzt. Die Vision Helmut Kohls ist zu einer schwerwiegenden Schizophrenie geworden.

  5. Roland
    24. März 2013, 12:01 | #5

    Das zypriotische Bankensystem, bisher ein kleiner Player im europäischen Konzert, gibt es so nicht mehr. Es wurde im Blitzkrieg der letzten Tage ausgelöscht. Die zypriotische Regierung wird die Kapitulation unterschreiben müssen.
    Aber: Auch Blitz-Sieger Schäuble wird noch sein Stalingrad erleben.

  6. ungebildeter Brummifahrer
    24. März 2013, 12:12 | #6

    @Christina

    Vielen Dank für das Kompliment.

    An Schäubles Absicht zweifle ich nicht:


    (9:13 – 9:48 sowie 10:30 – 11:20)

    …das mit dem gegenseitigen Respekt ist eine schöne und romantische Vorstellung. Würde ich mir auch wünschen. Aber ich denke, dass weder Darth Schäuble, noch das diktatorische EU-Kommisariat oder gar die Interessen des Großkapitals viel für Romantik übrig haben werden. Nicht die Politik bestimmt das System, andersherum wird ein Schuh draus. Desillusionierend, was? Jup, willkommen in meiner Welt ^^

    ABER … die Geschichte lehrt uns, dass je größer die Ungerechtigkeit (auf der technisch-systemischen Ebene) für die Majorität einer Gesellschaft innerhalb eines Systems ist, desto schneller erledigt sich dieses System wieder (ok, dieser Satz enthält ebenfalls eine gute Portion Romantik ^^). … will sagen, je schneller die Ihre Schei**e umsetzen, desto eher fliegt denen der ganze Mist um die Ohren.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Konzept der in allen Bereichen zentralisierten Vorstellung einer EU-Politik vor dem tatsächlich heterogenen Hintergrund der europäischen Staaten, so wie ich das verstanden habe nicht funktionieren wird. Im Gegenteil, ich glaube dass diese angedachte und zum Teil schon umgesetzte Zentralisierungspolitik den politischen Zerfall Europas mittelfristig beschleunigen wird.

    Das Wunschbild der „Vereinigten Staaten von Europa“ ist eine Farce. Alleine schon aus Gründen der Sprachverschiedenheit in Europa. Eher wäre ein Konstrukt in Anlehnung an die Sowjetunion realistischer. Und das hat auch nur mit Zwang und damit nicht auf Dauer funktioniert.

    Eine weitere Ironie der Geschichte: Der prinzipielle technische Unterschied zwischen Ost- und Westblock zu Zeiten des kalten Krieges war deren strukturelle Aufstellung. Während der Ostblock auf Zentralisierung setze, war das Erfolgskonzept des Westens ganz klar eine dezentrale Struktur (die eine europäische Zusammenarbeit nicht behinderte). Kaum war die Sowjetunion abgewickelt, hatte der Westen nichts besseres zu tun, als mit Beginn der 90er Jahre (bis heute) seine Strukturen ebenfalls zu zentralisieren. Da soll noch einer sagen, dass die in der Politik kein ernsthaftes Drogenproblem haben … 🙂

  7. HeHo
    24. März 2013, 15:11 | #7

    Wenn ich den Beitrag und die Kommentare lese stehen mir die Haare zu Berg. Hier wird um des Kaisersbart geschrieben. Ich hätte auf Grund des verhalten den Zyprioten keinen einzigen Euro mehr gegeben. Ich hätte dann abgewartet was geschehen wird. Dies hätte auch dann für alle anderen Südstaaten der EU eine Warnung sein können.
    Der Euro wäre nicht untergegangen, weil er eine Stabile Währung ist aber die Amerikanischen Rating Agenturen versuchen ihn zu unterdrücken in ihren Beurteilungen. Die Rating Agenturen sollen selbst vor ihrer eigenen Haustüre kehren

  8. Stipsi Fan
    24. März 2013, 23:13 | #8

    Brummifahrer, dem ist absolut nichts hinzuzufügen! Es wird auch hier ankommen! Ich habe Angst um meinen Sohn.

  9. Rudi
    25. März 2013, 09:16 | #9

    Vielem was gesagt wurde stimme ich zu aber Brummifahrers Aussage: „Das Wunschbild der “Vereinigten Staaten von Europa” ist eine Farce. Alleine schon aus Gründen der Sprachverschiedenheit in Europa. Eher wäre ein Konstrukt in Anlehnung an die Sowjetunion realistischer. Und das hat auch nur mit Zwang und damit nicht auf Dauer funktioniert.“ trifft m. E. nicht zu.

    Man muss sehr unterscheiden zwischen Euro und Europäischer Union. Angefangen bei der Schweiz, über Indien, China und viele andere Staaten – alle haben Volksgruppen mit den unterschiedlichsten Sprachen und existieren seit Jahrhunderten. Die Europäische Union ist die f r e i w i l l i g e Umsetzung einer genialen Idee, die vor allen Dingen Frieden bringt. Anstatt undifferenziert die EU zu kritisieren, sollten sich manche Mitglieder überlegen, ob es rein finanzielle Interessen waren, der EU beizutreten. Besonders bei Zypern habe ich diesen Verdacht sehr stark. Deren Banken- und Steuersystem diente einzig und allein der eigenen Bereicherung und hätte ohne den Euro so nie funktioniert. Dass sie trotzdem in die Pleite marschiert sind zeugt von dem gewaltigem Unvermögen mit Geld umzugehen.

    Ich bin gespannt, wann man sich an Luxemburg, Londoner City und die anderen Kasinos traut.

  10. Götterbote2012
    25. März 2013, 18:31 | #10

    @Rudi

    Zypern war schon vor dem Euro ein „Bankenparadies“, das hat nichts mit dem Euro zu tun. Der Beitritt Zyperns zur EU beruht in erster Linie auf Sicherheitsaspekten. Man glaubt(e), dass die Türkei es niemals wagen würde, ein Land der EU anzugreifen. Das diese Gefahr existent ist, weiß jeder, der sich mit dem Thema auseinandersetzt.

  11. LiFe
    25. März 2013, 18:33 | #11

    @ Rudi Dass sie trotzdem in die Pleite marschiert sind zeugt von dem gewaltigem Unvermögen mit Geld umzugehen.

    ich neige an der „Pleite“ zu zweifeln … erinnern wir uns an den Slogan „Geiz ist geil“

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