Die Hälfte der Griechen glaubt, die andere Hälfte betrüge das Finanzamt

24. Februar 2013 / Aufrufe: 1.434

50 Prozent der Bürger in Griechenland glauben, die anderen 50 Prozent bestehlen das Finanzamt, und 70 Prozent meinen, kleine Unternehmer hinterziehen Steuern aus Not.

In Erwartung des neuen Steuergesetzes, an dem die griechische Regierung fieberhaft arbeitet, werden die Befunde einer von dem ESEE präsentierten Erhebung als außerordentlich interessant beurteilt, wonach 70% der Bürger zwar indirekt, jedoch klar die Steuerhinterziehung der kleinen und mittleren Unternehmen „rechtfertigen“ und glauben, sie erfolge aus Gründen der Überlebensfähigkeit und nicht um Gewinn zu erzielen.

Schockierend ist, dass mehr als die Hälfte der Bürger glaubt, die andere Hälfte bestehle das Finanzamt. 53% der Befragten erachten, mehr als die Hälfte ihrer Mitbürger hinterziehe systematisch steuern. Nur einmal gerade 16,4% gestehen jedoch ein, Einkommen verheimlicht und Steuern hinterzogen zu haben. Es handelt sich hauptsächlich um Männer (24,7%) und Personen mit Einkommen von über 2.000 Euro im Monat (23,1%).

Mutiger und ehrlicher erklären 46,3%, darin mitgewirkt zu haben, dass jemand Steuern hinterzieht (indem sie beispielsweise keine Quittung verlangen). Es ist auch anzumerken, dass 74,2% der Bürger gegenüber dem neuen Steuergesetz eine negative Position beziehen, wobei 64,4% glauben, es werde der Steuerhinterziehung nicht essentiell begegnen.

Was die Steuerhinterziehung unter dem Kriterium der Größe des Unternehmens betrifft, glauben sechs von zehn Bürgern (58,4%), die kleinen und mittleren Unternehmen betrieben weniger Steuerhinterziehung als die großen Firmen.

Allen ist das Problem der Steuerhinterziehung bewusst, wenige geben sie zu

Das Vorstehende wird in den Schlussfolgerungen einer Erhebung des Nationalen Griechischen Handelsverbands (ESEE) angeführt, die im Januar 2013 mit Gegenstand die kleinen und mittleren Unternehmen in Griechenland durchgeführt wurde.

Detaillierter glauben 86,8% der Bürger, die relativ hohe Anzahl der in Griechenland betriebenen kleinen und mittleren Unternehmen sei zum Vorteil der nationalen Wirtschaft, während 89,1% erachten, die Existenz vieler kleiner und mittlerer Handelsgeschäfte sei zum Vorteil des Konsumenten.

Die öffentliche Meinung (95,7%) betrachtet das Phänomen der Steuerhinterziehung als ein außerordentlich ernsthaftes Problem, da 53% der Befragten erachten, dass mehr als die Hälfte ihrer Mitbürger systematisch Steuern hinterziehen, jedoch gestehen gerade einmal 16,4% ein, selbst Steuern hinterzogen zu haben indem sie Einkommen verbergen. Es handelt sich hauptsächlich um Männer (24,7%) und Personen mit Einkommen von über 2.000 Euro im Monat (23,1%). Jedoch erklären 46,3%, dabei mitgewirkt zu haben, dass jemand anderes Steuern hinterzieht (indem sie beispielsweise keine Quittung verlangen).

Was die Steuerhinterziehung in den kleinen und mittleren Unternehmen betrifft, glaubt die öffentliche Meinung zu einem Anteil von 39,5%, sie sei mäßig, und 22,1% erachten sie als gering, während nur 34,9% vertreten, die Steuerhinterziehung in den kleinen und mittleren Unternehmen sei groß.

Hinsichtlich der Berufsgruppen, die als „Champions“ der Steuerhinterziehung gelten, tun sich laut den Bürgern in der Steuerhinterziehung hervor: Arztpraxen (88,6%), Handwerker (85,4%), Anwaltskanzleien / Notariate (75,2%) und gastronomische Betriebe / Gaststätten (57,9%), Sehr viel geringer wird der Anteil der Steuerhinterziehung bei den kleinen Handelsgeschäften (37,6%), Tankstellen (44,1%) und Supermärkten (17,7%) verzeichnet.

In Bezug auf das Steuersystem glauben die Bürger, dass die Bekämpfung der Steuerhinterziehung effizienter durch die Senkung der Besteuerung der Unternehmen erreicht werden könne, was zusätzlich signifikant bei der Erhaltung und der Schaffung neuer Arbeitsplätze helfen wird.

Es sei angemerkt, dass 74,2% der Bürger gegenüber dem neuen Steuergesetz eine negative Stellung beziehen, von dem sie – zu einem Anteil von 64,4% – glauben, es werde der Steuerhinterziehung nicht essentiell begegnen. Parallel äußern sich die Bürger zu einem Anteil von 67% negativ zu der Möglichkeit der Öffnung der Handelsgeschäfte an den Sonntagen.

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  1. GR-Block
    24. Februar 2013, 02:09 | #1

    „Die Hälfte der Griechen glaubt, die andere Hälfte betrüge …“
    Wenn die ermittelten Zahlen aus der Befragung richtig sind, dass nämlich die 16,4 % tatsächliche Steuerhinterzieher gefühlte 50% sind, dann haben wir es mit einer Massenpsychose zu tun. Jeglicher Versuch an der fiskalischen Situation des Landes etwas zu Ändern ist zum Scheitern verurteilt, solange das anhält.

  2. Ingrid
    24. Februar 2013, 18:34 | #2

    Und der „Witz“ bei der gesamten Misere ist: Wenn man versucht ehrlich seine Arbeit zu machen, ehrlich beim Finanzamt alles anzumelden, wird man doppelt bestraft, weil es einem keiner glaubt! Auch war es bisher schwierig, da fast alle, mit denen man geschaeftlich, privat oder behoerdlich zu tun hatte, in dieses undurchsichtige System verwickelt waren. Anzeigen war sinnlos, denn die Anzeigen verschwanden oder wurden bei den Behoerden gar nicht zur Kenntnis genommen, wenn man vorsprach. Vertrauen konnte und kann man NIEMAND.
    Das scheint sich zwar langsam zu aendern, aber……

  3. V99 %
    24. Februar 2013, 23:35 | #3

    Eine Studie, die auf Vermutungen beruht, was will man damit aussagen? Die Krise sei eine „Vermutung“, im urspruenglichem Sinn des Wortes „die Meinung“‚ „Beurteilung“ und „Entscheidung“ ??
    Dieser Satz ist mein Favorit: „Die meisten Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen erachten, die Steuerhinterziehung in den kleinen und mittleren Unternehmen sei gering und mäßig, sowie ebenfalls, dass die kleinen und mittleren Unternehmen weniger Steuerhinterziehung betreiben als die größeren Unternehmen.
    Solange der Ueberbesteuerung nicht Einhalt geboten wird, wird es mit der Steuerhinterziehung immer weiter gehen. Diese Regierung tut alles um die Wirtschaft abzuwuergen und trifft damit auch die Schuld fuer die extreme Verschaerfung der Misere.

  4. Willi F. Gerbode
    25. Februar 2013, 13:17 | #4

    „Die öffentliche Meinung (95,7%) betrachtet das Phänomen der Steuerhinterziehung als ein außerordentlich ernsthaftes Problem, da 53% der Befragten erachten, dass mehr als die Hälfte ihrer Mitbürger systematisch Steuern hinterziehen, jedoch gestehen gerade einmal 16,4% ein, selbst Steuern hinterzogen zu haben indem sie Einkommen verbergen.“

    Die Befragten sehen offensichtlich ihren eigenen Steuerbetrug als harmlos. Die „anderen“ sehen sie als Problem. Das wird gestützt durch die Einschätzung nur eines Drittels der Befragten, kleine und mittlere Unternehmen betrügen in größerem Umfang.

    Wenn diese Einschätzung nicht erst ein Produkt der durch die Krise herbeigeführten Rezession ist, ist das Problem ein soziokulturelles. Ingrids Erfahrung deutet darauf hin. Sollte die weit verbreitete Steuerhinterziehung in GR primär ein soziokulturelles Phänomen sein, ist nicht zu erwarten, dass ein Regierungswechsel zu SYRIZA (der unweigerlich früher oder später kommen wird) nicht zu einer veränderten Einstellung führen – jedenfalls nicht kurzfristig. Es stellt sich für mich dann die Frage, wie Tsípras dann zu Einnahmen kommen will, die ein effektives, bürgerfreundliches Staatshandeln voraussetzen: durch Geldschöpfung (die ominöse Geldpresse) nach Einführung der Drachme vielleicht; durch Einsparung, sprich: Abbau von Arbeitsplätzen in der Verwaltung? Es sieht zudem bisher nicht so aus, dass SYRIZA das Misstrauen des Großteils der Bevölkerung gegenüber dem Fiskus, das diese Umfrage eindrucksvoll belegt, beseitigen kann. Bisher spricht sich nicht einmal ein Drittel der Bevölkerung für diese Bewegung aus. Das Legitimitätspotential ist also nicht höher als das von PASOK und ND zusammen. M.E. eine Patt-Situation, wie sie sich auch (meine Prognose zum Wahlschluss) in Italien abzeichnet.

    GR-BLOCK spricht von einer „Massenpsychose“. Eine Psychose ist eine Krankheit. Die Griechen sind aber nicht krank, sondern wissen eben, wie der Hase in ihrem Land läuft, und sie handeln danach. Ingrid hat es mit ihrem Kommentar auf den Punkt gebracht: Der Ehrliche ist der Dumme.

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