Schuldnern der Kfz-Steuer in Griechenland droht Pfändung

22. Januar 2013 / Aktualisiert: 20. November 2013 / Aufrufe: 1.740

Besitzer von Kraftfahrzeugen in Griechenland, die nicht fristgemäß die Kfz-Steuer 2013 entrichtet haben, droht die Pfändung des Fahrzeugs und anderer Vermögensteile.

Ungefähr 29.000 Fahrzeugeigentümern, die nicht die Kraftfahrzeugsteuer für das Jahr 2013 entrichtet haben, droht nun, sich mit Pfändungen von Vermögensteilen, aber auch harten Geldstrafen konfrontiert zu sehen. Die Frist für die Zahlung der Kfz-Steuer 2013 lief nach einer kurzen Nachfrist am 08 Januar 2013 aus.

Alle Fahrzeugbesitzer, die nicht fristgemäß die Kraftfahrzeugsteuern für 2013 entrichtet haben, werden mit Benachrichtigungen der Zentrale für Datenverarbeitungssysteme (GGPS) aufgefordert werden, nebst der fälligen Steuer eine Strafsteuer in Höhe von 100%, also insgesamt den doppelten ursprünglich fälligen Betrag zu entrichten! Entscheiden sie sich, dem Aufruf der GGPS nicht nachzukommen, werden dann – sobald die Schuld fällig gestellt wird, also nach 3 Monaten – die Finanzämter die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Pfändung des Fahrzeugs, Pfändung von Lohn / Rente, Immobilien usw. einleiten.

Parallel wird auch die Möglichkeit untersucht, das – ebenfalls mit dem „Taxisnet“ gekoppelte – Verfahren der Angabe der Einkommensteuererklärung zu „blockieren“, womit den Betroffenen weitere Konsequenzen angefangen von Geldstrafen und Strafsteuern bis hin zu Strafverfahren und Haftstrafen drohen würden.

Finanzministerium lockte Besitzer hubraumstarker Pkw in Steuerfalle

Das Finanzministerium stellte den Pkw-Eigentümern und speziell all denen eine doppelte Falle, die sich entschieden hatten, Fahrzeuge mit – üblicherweise vergleichsweise hubraumstarken – Dieselmotor zu kaufen um von den niedrigen Spritkosten zu profitieren. Sie mögen relativ niedrige Kraftfahrzeugsteuern gezahlt haben (da diese Fahrzeuge neuer Technologie sind), der Vorteil wird jedoch verloren gehen, wenn sie die neue „Abzocke“, sprich die neue Luxussteuer zahlen, die ab diesem Jahr von Eigentümern von Pkw mit über 1.929 cm³ erhoben wird. Bezeichnenderweise wurde die Einführung der neuen Luxussteuer jedoch erst bekannt gegeben, nachdem die Frist abgelaufen war, um das Fahrzeug rechtzeitig stilllegen und die Kennzeichen beim Finanzamt abzugeben, um für 2013 der Besteuerung zu entgehen.

Speziell für das Jahr 2013 ist das Problem damit noch größer. All jene, welche die Kraftfahrzeugsteuer zahlten, werden vielleicht kein starkes Motiv haben, die Kennzeichen bei dem Finanzamt abzugeben um der Steuer zu entgehen, da sie bereits eine hohe Belastung auf sich genommen haben. Selbst wenn sie jedoch nun die Kennzeichen der Fahrzeuge zurückgeben, werden die Eigentümer nicht nur die bereits entrichtete Kfz-Steuer verlieren, da diese nicht erstattet wird, sondern auf jeden Fall zumindest anteilig auch mit der Luxussteuer analog zu den Monaten belastet werden, in denen sie ihr Fahrzeug innerhalb des Jahres 2013 in Betrieb hielten.

Kraftfahrzeugsteuer 2013 in Griechenland

Die Beträge der Kraftfahrzeugsteuer für in Griechenland erstmalig bis Ende 2010 taxierte Fahrzeuge gestalten sich analog zum Hubraum des Motors folgendermaßen:

  • 22 Euro für Fahrzeuge ab 51 bis 300 Kubikzentimeter
  • 55 Euro für Fahrzeuge ab 301 bis 785 Kubikzentimeter
  • 120 Euro für Fahrzeuge ab 786 bis 1.070 Kubikzentimeter
  • 135 Euro für Fahrzeuge ab 1.071 bis 1.357 Kubikzentimeter
  • 240 Euro für Fahrzeuge ab 1.358 bis 1.548 Kubikzentimeter
  • 265 Euro für Fahrzeuge ab 1.549 bis 1.738 Kubikzentimeter
  • 300 Euro für Fahrzeuge ab 1.739 bis 1.928 Kubikzentimeter
  • 660 Euro für Fahrzeuge ab 1.929 bis 2.357 Kubikzentimeter
  • 880 Euro für Fahrzeuge ab 2.358 bis 3.000 Kubikzentimeter
  • 1.100 Euro für Fahrzeuge ab 3.001 bis 4.000 Kubikzentimeter
  • 1.320 Euro für Fahrzeuge von über 5.001 Kubikzentimetern.

Der Besitzer eines Privatwagens mit 1.600 ccm³, der nicht rechtzeitig die Kraftfahrzeugsteuer entrichtete, hat also nunmehr 530 Euro anstatt 265 Euro zu zahlen, während der Besitzer eines privaten Fahrzeugs mit 2.000 ccm³, der die Kfz-Steuer nicht fristgemäß zahlte, nunmehr sogar mit 1.320 Euro anstatt 660 Euro zur Kasse gebeten wird!

(Quelle: Vradyni, S. 8)

Relevante Beiträge:

  1. Luggi
    22. Januar 2013, 09:38 | #1

    Es geht immer nur um den Staat. Den interessiert scheinbar wenig, wie viele Fahrzeuge
    unversichert, ohne Tüv und mit extremen Mängeln herumfahren. Wenn Ihnen so ein
    Vehikel einen Schaden zufügt, wird kein Dritter dafür haften, müssen Sie sich ausschließlich
    an den Fahrzheughalter halten, der u.U. kein Geld und kein pfändbares Vermögen hat…
    Im Übrigen sieht die Polizei nichts, wenn ein schrottreifes Auto ohne Kennzeichen oder
    mit völlig unlesbarem Nummernschild am Verkehr teilnbimmt.

  2. Helmut Josef Weber
    22. Januar 2013, 13:34 | #2

    In Deutschland wird das Nummernschild des Steuersünders kostenpflichtig entstempelt, und wird dann, wenn es noch auf öffentlichem Grund steht, auch noch kostenpflichtig abgeschleppt und kostenpflichtig eingelagert.
    Dann hat das Finanzamt ein ganzes Klavier an Möglichkeiten die Steuerschuld (ebenfalls kostenpflichtig) einzutreiben.
    Angefangen von der Verwertung des Fahrzeugs, über Lohnpfändung, Kontopfändung usw.
    Anschließend muss der Steuersünder dann auch noch das Fahrzeug wieder kostenpflichtig bestempeln lassen.
    Der Grieche fährt dann immer noch.
    Vielleicht macht sich jemand mal die Mühe, wer dann (im Ländervergleich) höhere Kosten und Zeitaufwand zu tragen hat.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Maria
    22. Januar 2013, 15:26 | #3

    Ich wundere mich jedes mal,wenn ich in Griechenland bin,was und wie viele Rostlauben noch unterwegs sind,und bei uns macht das Strassenverkehrsamt,wegen jeder Bagatelle,auch für solche die die Verkehrssicherheit auf keinen fall beinträchtigen ein grosses Büro auf

  4. Maria
    22. Januar 2013, 15:36 | #4

    und wer die KFZ Steuer und die Versicheung nicht bezahlt,bekommt ein Erinnerungschreiben,und wenn man dann bis zur angegebenen Frist nicht bezahlt hat,bekommt man einen Hausbesuch von der Polizei und die schrauben dann die Nummernschilder weg

  5. leti
    22. Januar 2013, 19:21 | #5

    Ich wundere mich jedes mal,wenn ich in Griechenland bin,das überwiegend nur große Autos unterwegs sind,manche Famielien haben gleich 2-3 Autos,wo ich dann denke wo nemmen sie das ganze Geld her,

  6. Wildkatze
    23. Januar 2013, 11:02 | #6

    @leti
    Das geht mir auch so, leti. Vor allem am Flughafen in Athen. Wenn ich dort jeweils eine Stunde auf den Bus warte und mich umschaue frage ich mich regelmässig, ob das die berühmt-berüchtigte griechische Krise sein soll. Cayennes soweit das Auge reicht…! Wenn ich dann allerdings auf „meiner“ Insel eintreffe stelle ich auch fest, dass schon wieder ein paar Läden mehr leer stehen.

  7. GR-Block
    23. Januar 2013, 15:30 | #7

    @leti
    Der Fahrzeugbestand in GR liegt exakt im europäischen Durchschnitt. Das ist natürlich viel höher als in den „guten alten Zeiten“ vor dem Binnenmarkt 1993. Damals begann der Kfz-Bestand steil anzuwachsen. Sobald die Einfuhrzölle abgeschafft wurden (1999?), machte es zusätzlich einen abrupten Sprung. Deshalb haben viele Griechen den Eindruck, sie hätten zu viele Autos. Nun fehlt aber den meisten der Vergleich. Die Stastitik sagt, dass 2009 in D ca. 25-30% mehr Kfz pro Einwohner angemeldet waren als in GR. Auch sind die jährlichen Neuanmeldungen in GR weit geringer. Insgesamt is bekannt, dass in einem (langen) Griechenleben wenig Autos verschlissen werden.
    Beobachtungen, dass es einen luxuriösen Fahrzeugbestand in GR gäbe, deuten eher auf den Blickwinkel des Beobachters hin. Athen und die reichen Touristikorte sind nicht der richtige Maßstab. Auch sind die 30% Selbständige und Unternehmer nicht der Durchschnitt. Arbeiter und Bauern 😉 sind nunmal für ausländische Luxustouristen oder Dauerbesucher nicht die begehrten Kontaktpartner. Lieber flirtet man mit einem Restaurant- oder Barbesitzer, einem Hotel-, Kasino- oder Puffbetreiber.
    Ja, GR hat sich zu einem vorrevolutionärem Kuba für reiche EU-Europäer und Russen entwickelt. Hmmm… mal sehen wie’s weitergeht… mit den Parallelen zu Kuba. Es besteht noch Hoffnung.

  8. einer der sich wundert
    24. Januar 2013, 14:46 | #8

    Das höre ich in sooooo vielen Kommentaren das in Griechenland nur große und dicke Autos rumfahren!
    Das stimmt einfach nicht, es gibt sie keine Frage, aber halt nicht in der großen masse wie immer behauptet wird. Klar in Athen sieht es anders aus, aber z.B. hier in München gibt es viel mehr Luxusschlitten, ist ja auch legitim, hier wie dort soll es noch Leute geben die a) viel Geld haben und b) Ihre Steuern Zahlen, was soll also das ganze?
    An Flughäfen ist das auch keine Referenz, da nun mal in jedem Land viele Geschäftsleute an Flughäfen sind, deshalb sollte man sich auch nicht wundern.
    Vielleicht auch mal auf die Nummernschildern achten, letztes Jahr bin ich auf Volos gelandet und hab mich sehr gewundert das dort sooooo viele Dicke Geländewagen mit deutscher Nummer und deutschen Fahrern, deutsche Gäste / Freunde zum Flughafen gebracht haben? Das ist natürlich absolut OK, warum auch nicht, meinte nur wegen dicke große Autos und so, Stichwort Nummernschilder 😉
    Vielleicht könnte mich aber jemand zu diesem Thema mal aufklären, Frage mich halt einfach was das für einen Sinn macht?
    Zu guter letzt, nicht nur das schlechte im Menschen suchen, sondern auch (oder lieber nur) das gute im Menschen!

    Das war mein Wort zum Sonntag am Donnerstag ;).

  9. Christos
    25. Januar 2013, 00:18 | #9

    @Maria
    Und was willst Du uns damit mitteilen?

  10. Christos
    25. Januar 2013, 01:00 | #10

    @einer der sich wundert
    Hallo, wundere Dich nicht: Für Griechen, genauso wie für Deutsche, gilt, dass Du ein Fahrzeug, das in D angemeldet ist, sechs Monate in GR fahren darfst. Dann muss es wieder zurück, oder es muss verzollt werden. Im Winter ist sowieso kaum ein Grieche, der in D wohnt, in GR. Also, ganz einfach: Im Sommer fahren viele Griechen, die in D wohnen, mit Ihren Autos nach GR. Und nicht mit einem alten Panda, sondern mit dem Auto, das Sie sich in D leisten können. Steuern und Versicherungen sind in D bezahlt – also alles ok.
    Das mit den dicken Autos in GR macht Sinn, wenn man die Finanzämter in GR einbezieht:
    Die machen nämlich anhand der Hubraumgrösse Deines PKW klar, wieviel Du verdienst und wieviel Steuern Du bezahlen musst – NEE! – nicht für das Auto, sondern für das anhand des Hubraums geschätzten (!) Einkommens, das Du hast. Und wenn Du eben ein Auto mit 1,6 Litern Hubraum hast, bezahlst Du Steuer auf Dein FIKTIVES Einkommen. Egal, wie hoch das ist. Dann lieber 2 x jährlich über die Grenzen, Auto ummelden oder ein anderes mitnehmen – und schon ist das Thema (fiktive) Besteuerung des Einkommens in GR erledigt.
    Noch was dazu: Die griechischen Behörden haben schon vor ein paar Jahren gemerkt, dass viele „Ausländer“ ihre Autos über Jahre in GR gefahren haben, ohne den Zoll gezahlt zu haben. Denen ist dann eben ein Verstoss gegen die Einfuhrbestimmungen für PKW nachgewiesen worden – ist doch ok. So sind die Gesetze hier und dort. Auch in München kannst Du nicht ein in GR zugelassenes Auto dauerhaft fahren; Du musst es, wenn es hier dauerhaft verbleibt, auch hier anmelden (inkl. Steuer, Versicherung, Zoll etc).

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