Letzter inhaftierter Junta-Offizier in Griechenland verstorben

30. Januar 2013 / Aktualisiert: 10. August 2020 / Aufrufe: 682

Der seit 38 Jahren in Griechenland inhaftierte Junta-Offizier Nikolaos Dertilis ist verstorben, ohne jemals auch nur einen einzigen Tag Freigang gehabt zu haben.

Der letzte der zu lebenslänglicher Haft verurteilten Offiziere der Militärjunta in Griechenland, Nikolaos Dertilis, verstarb nach 38 Jahren ununterbrochener Haft am 28 Januar 2013 in dem Athener Krankenhaus „Erythros Stavros“.

Nikolaos Dertilis zählte zu den reuelosesten Offizieren der siebenjährigen Diktatur und war wegen der Ermordung des 20-jährigen Michalis Myrogiannis vor der Technischen Hochschule in Athen am Mittag des 18 November 1973 zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Während der letzten 38 Jahre war er im 6. Flügel der Justizvollzugsanstalt Korydallos inhaftiert und weigerte sich – wie er selbst erklärte aus „Gründen des Prinzips“ – den ihm von Gesetzes wegen zustehenden Entlassungsantrag zu unterschreiben.

Nagelt den Entlassungsbescheid auf meinen Sarg

Im vergangenen Dezember (2012) war Nikolaos Dertilis wegen eines akuten ischämischen Schocks und eines leichten Schlaganfalls in das Krankenhaus „Erythros Stavros“ (Rotes Kreuz) eingeliefert worden. Einige Tage vorher hatte er ausgeschlagen, der Beisetzung seines Sohnes Vasilis Dertilis (der beim griechischen Militär Karriere gemacht hatte) beizuwohnen, da er sich weigerte, die einschlägigen Unterlagen für den Hafturlaub zu unterzeichnen und somit die Zuständigkeit der Gerichte für seine Verurteilung anzuerkennen.

Im April 2012 führte der ehemalige General in einem Schreiben an, das Gefängnis verlassen zu werden, sofern „der griechische Staat mich offiziell um Entschuldigung für das gegen mich verübte Verbrechen bittet, welches die größte moralische, juristische und politische Schande aller Zeiten darstellte“ und endet: „Anderenfalls werde ich im Gefängnis sterben, in Erfüllung meiner Mission nicht nur als Soldat, aber auch als praktizierender Revolutionär.“

Ilias Kasidiaris, Abgeordneter der rechtsradikalem Chrysi Avgi, hatte mittels einer parlamentarischen Anfrage zu erfahren verlangt, ob die politische Führung beabsichtige, „zu einer praktizierten Geste der Humanität zu schreiten und den inhaftierten hochdekorierten Offizier aus der Haft zu entlassen„. Justizminister Antonis Roupakiotis antwortete, Nikolaos Dertilis habe „auf kategorische Weise seine Entlassung aus dem Gefängnis unter privilegierenden Akten des Staates abgelehnt„, und führte an: „Am 18.07. 2010 schickte er an das Landgericht Piräus – Abteilung für Beschlüsse seine schriftliche Erklärung, dass er sich weigere, unter wie auch immer gearteten Umständen außer seiner absoluten Rechtfertigung und Rehabilitierung aus der Haft entlassen zu werden.

„Er ging ungebeugt, mit erhobenem Kopf von uns„, lautet es unter anderem in einer Bekanntmachung der Chrysi Avgi, die von „einem herausragenden Griechen, einem Soldaten“ spricht und anfügt: „Er verließ diese Welt, ohne seinen Wärtern eine Reueerklärung zu unterschreiben und hielt ohne Abstriche sein Wort ein, seinen Entlassungsbescheid können sie auf seinen Sarg nageln.

(Quellen: in.gr, Imerisia)

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