„Schwarze“ Arbeit in Griechenland bei 30 Prozent

10. Dezember 2012 / Aktualisiert: 28. September 2017 / Aufrufe: 1.187

Eine aktuelle Studie der Foundation for Economic & Industrial Research veranschlagt die „schwarze“ Arbeit in Griechenland auf 30% der Gesamtwirtschaft.

Laut einer Analyse der Stiftung für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) mit dem Titel „Die Bedeutung der nicht deklarierten Arbeit und ihre Charakteristika“ stellen die anhaltende Rezession, die hohe Arbeitslosigkeit und die große Anzahl Selbständiger und Immigranten die Basisfaktoren für die ungemeldete Arbeit in unserem Land dar.

Unter Berufung von Daten der Einheit der Arbeitsinspektoren (SEPE) führt die Studie an, dass die ungemeldete Arbeit 30% der Gesamtheit der griechischen Wirtschaft erreicht hat. Laut der selben Analyse ist die undeklarierte Arbeit an die Entwicklung der Schattenwirtschaft gekoppelt, die auf ungefähr 25% des BIP veranschlagt wird.

Weiter stellen die tiefe Rezession, in welche die griechische Wirtschaft in den drei letzten Jahren geraten ist, die hohe Arbeitslosigkeit und die Änderungen bei den Arbeitsverhältnissen ebenfalls Faktoren dar, welche die ungemeldete Arbeit begünstigen, während von den institutionellen Faktoren als primäre das niedrige Vertrauen in die Organisation des Staates und das politische System, die starken familiären Bindungen und die bestehende positive Verhaltensweise gegenüber der unversicherten Arbeit betont werden.

Niedrige Sozialleistungen und hohe Abgaben fördern Schwarzarbeit

Entsprechend werden als primäre politische Faktoren für die Erscheinung des Phänomens der unzulängliche Sozialstaat (z. B. niedrige Sozialleistungen), die Höhe der Besteuerung und Versicherungsbeiträge herausgestrichen, während den hauptsächlichen gesellschaftlichen – wirtschaftlichen Faktoren die Produktionsstruktur der Wirtschaft und die Größe der Schattenwirtschaft zugeordnet werden.

Die Analyse der IOBE verbindet die Erscheinung der undeklarierten Arbeit mit der Höhe der von Arbeitgebern und Arbeitnehmer gezahlten Lohnkosten und betont, viele Unternehmen flüchten sich zu der Nichtentrichtung von Steuern und Sozialabgaben und zielen damit (irrigerweise) auf die Beschränkung der Betriebskosten ab. Diese Taktik bringt jedoch hohe Verluste für die Versicherungskassen mit sich und stellt eine Form des unlauteren Wettbewerbs im Unternehmertum dar, mit dem Resultat, dass Unternehmen, welche die Arbeitsgesetzgebung umsetzen, Schwierigkeiten begegnen, ihre Aktivität auszuweiten oder auch nur beizubehalten.

Bei der ungemeldeten Arbeit werden laut der selben Analyse hauptsächlich illegale Immigranten vorgefunden, die nicht am offiziellen Arbeitsmarkt teilhaben können, während sich in einer misslichen Lage die Arbeitslosen und hauptsächlich die Langzeitarbeitslosen befinden, die bei der Suche nach Arbeit nicht in der Lage sind, über die Bedingungen, aber auch die Umstände zu verhandeln, unter denen sie beschäftigt werden, was zur Folge hat, dass sie grundsätzlicher Arbeitsrechte beraubt werden.

Laut dem IOVE wird in Griechenland das Phänomen der ungemeldeten Arbeit intensiver verzeichnet als im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Die „schwarze“ Arbeit umfasst viele Formen der versicherungslosen Beschäftigung, wie die „Unterversicherung“ der bereits Versicherten, also die Verheimlichung entweder von Arbeitstagen / Arbeitsstunden oder eines Teils des beitragspflichtigen Betrags.

(Quelle: Imerisia)

  1. Ariadne
    10. Dezember 2012, 15:13 | #1

    Hier muss ich mal die Griechen unterstützen. Recht haben sie! Ich finde, es ist sowieso generell – nicht nur in GR – eine Frechheit, dass Arbeit besteuert wird. Da rackert man sich ab, trägt zum BIP bei, und am Ende wird man dafür auch noch bestraft in Form von Steuern. Nicht die Arbeit, sondern der Konsum sollte in erster Linie besteuert werden, durch höhere MwSt.

  2. GR-Block
    10. Dezember 2012, 17:01 | #2

    Dass eine einbrechende Volkswirtschaft automatisch zu Korruption und Scharzarbeit führt, ist wahrlich keine Neuigkeit. Dazu musste nicht erst das 3-jährige griechische Experiment durchgeführt werden. Katastrophen, wie die Weltkriege aber auch die Vorbereitung und Durchführung des EURO hatten diese Binsenweisheit augenscheinlich schon bestätigt. Wo ist also der Nährwert dieser Beschreibung der momentanen Verhältnisse. Gibt es dazu irgend einen Kommentar von politischer Seite?

  3. V99 %
    11. Dezember 2012, 14:52 | #3

    Diese Problematik ist ein Mitverursacher der griechischen Krise. Die Studie nimmt leider nur auf die letzten drei Jahre bezug. In den Jahren davor liegen die Schaetzungen teilweise in astronomischen Hoehen (bis zu 65 Milliarden €!). Es wird aber allgemein von mindestens 20 Milliarden € jaehrlich ausgegangen, oder von 24% des BIP! Die Situation ist zu einem Teufelskreis geworden, und zwar nicht nur durch die Schuld von Immigranten, wie es ein wenig fadenschinig im obigen Artikel verlautet. Der griechische Staat hat den Zustand schon sehr lange geduldet und jetzt raecht sich das Ganze durch die Austeritaetspolitik. Anstatt Firmen und Selbststaendige durch Steuersenkungen zu foerdern, wird genau das Gegenteil betrieben. Dies macht dann , wie oben beschrieben, die Arbeitssuchenden (egal ob In- oder Auslaender), durch die meist greichischen, Arbeitgeber erpressbar. Zumindest etwas „gutes“ hat die „Schwarzarbeit“. Professor Friedrich Schneider, von der Universität Linz, sagt dazu, dass „die Schattenwirtschaft die Folgen der Krise deutlich abfedert“.
    Schwarzarbeit ist „besser“ als gar keine Arbeit, fuer Menschen wie fuer den Staat. Die heimlich verdienten Euros stuetzen direkt die Konjunktur, und damit auch die Staatskassen. Laut Schaetzungen geben die Menschen rund 80 Prozent ihrer Verdienste in ganz legalen Geschaeften aus. Das Schwarzgeld fließt also in den offiziellen Wirtschaftskreislauf zurueck. Beim Einkaufen zahlen die Menschen zudem Mehrwertsteuer. So holt sich der Staat also einen Teil der entgangenen Einnahmen wieder. Natuerlich waere dem Fiskus noch mehr geholfen, wenn alle Geschaefte ordnungsgemaess abgewickelt werden wuerden. Wie es aussieht wird das wohl nie erreicht werden in Griechenland..
    Und fuer die Meckerer (Griechen bashing etc.) und reflexartigen Deutschland-Vergleicher sei noch der Zusatz gemacht, dass die Schwarzarbeit in D auf 13% des BIP geschaetzt wird.

  4. Moppel
    11. Dezember 2012, 16:11 | #4

    @V99 %
    In dem Artikel erfolgt keinesfalls eine „fadenscheinige Schuldzuweisung“, sondern allein die korrekte Feststellung, dass illegale Immigranten den stärksten Anteil der „schwarz“ Beschäftigten darstellen – was bei wenigstens einer Million illegaler Immigranten, die – wie ebenfalls betont wird – per Definition von dem offiziellen Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, mehr als selbstverständlich ist. Was soll also diese immer wieder eingebrachte subtile Hetze?

  5. V99 %
    11. Dezember 2012, 19:25 | #5

    @ Moppel
    Hetze = „(abwertend) Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender Äußerungen und Handlungen, die Hassgefühle, feindselige Stimmungen und Emotionen gegen jemanden, etwas erzeugen“
    Gegen wen „Hetze“ ich denn, ihrer persoenlichen „Meinung“ (Unterstellung) nach, indem ich das Wort „fadenscheinig“ ( Duden= billig, dünn, durchschaubar, durchsichtig, faul, fragwürdig,
    kläglich, mager, matt, schwach, spärlich, unglaubhaft, unglaubwürdig, vordergründig, wackelig; (abwertend) dürftig, plump) benutze ?
    Sagen sie mir doch mal, warum sie den Ausschluss von Immigranten aus dem offizielen Arbeitsmarkt als „selbstverstaendlich“ betrachten? Haben sie den Artikel oben verfasst, dass sie sich so angegriffen fuehlen?

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