Schluss mit Immunität der Prominenten in Griechenland

31. Dezember 2012 / Aufrufe: 2.273

In einem Bericht zur Lage Griechenlands beschied Premierminister Antonis Samaras, die Immunität der Prominenten und das System der Straffreiheit der Mächtigen gehe zu Ende.

In einem Artikel in der Zeitung „Typos tis Kyriakis“ publizierten Artikel merkt der griechische Premierminister Antonis Samaras anlässlich des Berichts über das ausklingende Jahr an „wir widerlegten 2012 die schlimmsten Erwartungen für Griechenland, und 2013 werden wir die besten Erwartungen übertreffen. Für uns Griechen ist dieses Neujahr anders: Wir legen nicht mehr einfach nur „Rechenschaft“ für die Vergangenheit ab. Wir sprengen die Fesseln mit allem, was uns zurückhielt! Wir machen nicht nur Pläne für die Zukunft. Wir bereiten Sprünge in die Zukunft vor!

Der Premierminister teilt ebenfalls mit, die ersten drei Monate des Jahres seien kritisch und es dürfe auch nicht eine einzige Stunde Arbeit verloren gehen, und betont, die Immunität der Prominenten gehe ihrem Ende entgegen. Parallel bringt er die Überzeugung zum Ausdruck, dass diese Maßnahmen die letzten seien werden, und erklärt sich zuversichtlich, dass Griechenland abheben könne.

Der gesamte Wortlaut wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben.

Vom Rand der Katastrophe zur Anagenese des Vaterlandes

In dem verstrichenen Jahr widerlegten wir die schlimmsten Erwartungen für Griechenland. In dem beginnenden Jahr, 2013, werden wir die besten Erwartungen für Griechenland und die Griechen übertreffen.

Jeder Jahreswechsel ist eine Gelegenheit, Bericht über die Vergangenheit abzulegen und Pläne für die Zukunft zu machen. Für uns Griechen ist dieses Neujahr jedoch anders: Wir legen nicht mehr einfach nur „Rechenschaft“ für die Vergangenheit ab. Wir sprengen die Fesseln mit allem, was uns zurückhielt! Wir machen nicht nur Pläne für die Zukunft. Wir bereiten Zukunftssprünge vor!

In dem verstrichenen Jahr, 2012, widerlegten wir die schlimmsten Prognosen für Griechenland. Sie hatten uns „abgeschrieben“! Immer mehr nahmen vorweg, Griechenland werde versinken, isoliert werden, aus der Eurozone ausscheiden, als die „Iphigenie“ Europas geopfert werden, in ein abschreckenden Beispiel für alle umgewandelt werden. Die internationalen Märkte und sogar die Wettbüros setzten auf die Katastrophe Griechenlands! Innerhalb von wenigen Monaten haben wir sie jedoch dazu gebracht, die Wette zu verlieren! Wir widerlegten die „Kassandren“. Und heute wetten immer mehr darauf, dass wir es schaffen werden.

Wir haben davon überzeugt, aus der Schuldenkrise herauskommen zu können Wir stellten in der Geschichte einzigartige Kreditbedingungen sicher. Wir zeigten, dass wir Reformen und Zäsuren machen können, welche dem Land gestatten werden, wieder auf seinen Beine zu kommen, und den Griechen, ihr Schicksal in ihre Hände zu nehmen.

Innerhalb von fünf Monaten wagten wir, worüber all die vergangenen Jahre niemand nachdachte. In dem verstrichenen Jahr widerlegten wir die schlimmsten Erwartungen für Griechenland. In dem beginnenden Jahr, 2013, werden wir die besten Erwartungen für Griechenland und die Griechen übertreffen.

  • Wir zahlen bereits alles, was der Staat seit drei Jahren den Bürgern schuldet.
  • Wir stellen bereits den reibungslosen Betrieb der Banken wieder her, damit es auf dem Markt Liquidität gibt.
  • Wir stellen bereits sicher, dass die Gelder, welche in den kommenden 12 Monaten in die griechische Wirtschaft fließen, mehr sein werden als jene, die ihr wegen der Austerität entzogen werden. Und dies wird zum ersten Mal seit drei Jahren geschehen …
  • Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes macht bereits bei allen internationalen Klassifizierungs-Indizes Sprünge nach oben …
  • Die Sicherheit des Bürgers festigt sich bereits, während die ersten „Kapuzen“ zu fallen begannen.
  • Es wurden bereits die ersten Maßnahmen zur Kontrolle der illegalen Immigration ergriffen, wir begannen bereits, unsere Städte „zurückzuerobern“, und die Resultate beginnen sich zu zeigen …
  • Die Immunität der „Prominenten“ endet bereits, und zusammen das System der Straffreiheit der Mächtigen …

Es hat noch viel zu geschehen. Die wichtigsten Punkte:

  • Der Neustart der Wirtschaft, mit Investitionen und Arbeitsplätzen. Damit begonnen wird, die Arbeitslosigkeit zu absorbieren.
  • Die Verwertung der Reichtum produzierenden Quellen des Landes. Damit Griechenland seinen Reichtum und seine geopolitische Position nutzt und ihm nicht mehr als „Gewicht“, aber als einem wertvollen Partner für seine Freunde begegnet wird.
  • Die Behebung der Ungerechtigkeiten, mit Priorität bei den Schwächsten und mit Schwerpunkt auf der Gesundheit, der Bildung und der unkomplizierteren, gerechten und wachstumsorientierten Besteuerung. Und wir sehen nunmehr das Phänomen, dass heute all jene auf den Erfolg des Griechen setzen, die bis gestern die Katastrophe Griechenlands vorwegnahmen!
  • Wir haben bereits ihre schlimmsten Befürchtungen widerlegt. Jetzt werden wir ihre besten Erwartungen übertreffen.
  • Alles, was wir geschafft haben, haben wir geschafft, weil wir an Griechenland und seine Zukunft glauben. Und weil wir uns auf die Einheit der griechischen Gesellschaft stützten.
  • Wir werden alles schaffen, was wir planen, sofern alle Griechen an ihre Kräfte glauben und wir in den Schwierigkeiten vereint bleiben.

2012 war für Griechenland ein „Jahr der Wende“. Wir stoppten den Kurs in die Katastrophe und legten die Basen für den Aufschwung des Landes. 2013 wird ein „Sprungjahr“ in die Zukunft sein. Für die Anagenese unseres Vaterlandes. Vereinigt entgingen wir dem Schlimmsten. Noch verbundener, werden wir das Beste schaffen …

(Quelle: in.gr)

  1. Lucy Sky
    31. Dezember 2012, 10:14 | #1

    Bei so viel Propaganda kann einem nur schlecht werden. 2013 wird es erst richtig losgehen.
    VERKEHRSpolizisten sollen jetzt Jagd auf Steuerschuldner machen und diese sofort dem Staatsanwalt uebergeben, bzw. an Wochenenden bis zum naechsten Werktag inhaftieren.
    Bargeld wird stufenweise abgeschafft werden. Da wird sich mancher sagen: „Toll, das Ende der Steuerhinterziehung, der „Fakelakia“ und der Schwarzarbeit.“ Theoretisch alles ganz gut, was ist aber mit den vielen, vielen Menschen, welche von der Hand in den Mund, also vom sogenannten „Merokamato“ leben? Was ist mit den Illegalen, die gar kein Konto haben koennen? Da wird eine neue Welle der Gewalt auf uns zukommen. Diebstaehle, Raubueberfaelle, Mord fuer einen Mund voll Essen.
    Dann wird immer von „Investoren“ gesprochen. Hoert sich gut an, oder? In unserem konkreten Fall bedeutet das z.B., in einer Gegend, in der die Menschen vom Tourismus und Fischfang leben, grosse Fischfarmen regelrecht einzuladen. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber nach dem Besuch der Verantwortlichen in Bruessel, haben die Verantwortlichen komischerweise ganz schnell ihre Einstellung zum Thema zugunsten der (nur zwei) Grossunternehmer geandert. Z.B. in dem Bereich zwischen Kephalonia und Ithaki sollen 50 Hektar Fischfarmen entstehen!!! Kann sich jetzt jeder etwas unter den Investitionen vorstellen? Nicht nur, dass die Fischerei und derTourismus darunter leidet; was des fuer die Umwelt bedeutet, kann jeder selbst googeln!

  2. Götterbote2012
    31. Dezember 2012, 16:32 | #2

    @Lucy Sky
    Es wäre schön, wenn Sie Berichte (Internet-Zeitungsberichte) dazu liefern könnten. So könnte auf solche Projekte mehr Aufmerksamkeit gelenkt werden und die Öffentlichkeit (auch im Ausland) dafür sensibilisiert werden.

  3. Heinz
    31. Dezember 2012, 16:34 | #3

    @Lucy Sky

    Fischfarmen gibt es auf der ganzen Welt, z.B. in Norwegen mit dem Lachs, in Vietnam, in Thailand.
    Wieso soll das in Griechenland nicht funktionieren? Und die Umwelt wird mit Sicherheit, was das Wasser angeht, mehr belastet durch ungeklärte Abwässer als durch Fischfarmen. Natürlich kommt es darauf an, was gefüttert wird. Darauf sollten die Menschen achten.

    Oder soll es nach dem Motto der Schweizer gehen: Es muss alles anders (Besser) werden, nur ändern darf sich nichts?

  4. Lucy Sky
    31. Dezember 2012, 19:27 | #4

    @Heinz
    Ich weiss nicht, ob Sie die Gegend um die Ionischen Inseln kennen. Wenn ja, sollten Sie verstehen, was ich meine. Der „Durchgang“ zwischen Ithaki und Kephalonia ist ein nahezu unberuehrtes Stueckchen Natur. Die ganze Gegend, in der ich lebe, besteht aus kleinen Inseln mit vielen ruhigen Buchten. Es ist das absolute Seglerparadies. Die Touristen kommen genau deswegen. Es geht hier nicht um irgendwelche kleinen „Kaefige“. Allein die 50 Hektar in dem oben genannten Bereich ist eine unvorstellbar grosse Flaeche. Ausserdem weiss ich nicht, was die ungeklaerten Abwaesser mit den Fischfarmen zu tun haben. Das ist hier naemlich noch ein anderes heisses Thema.
    “ Natürlich kommt es darauf an, was gefüttert wird. Darauf sollten die Menschen achten.“
    Genau, wir sprechen hier aber nicht von irgendwelchen Leuten, die evtl. die Natur besonders lieben, sondern von – wie schon gesagt nur zwei – grossen Firmen, die selbstverstaendlich auf Gewinn aus sind. Gefuettert wird in Fischefarmen Futter, das aus kleinen Fischen aus dem offenen Meer gemacht wird. Fuer 1 Kg Fisch braucht man 3 Kg Futter. Dass die Fischfarmen vor Ueberfischung schuetzen sollen, ist somit ein Maerchen. Dem Futter werden in der Regel Antibiotika beigemischt, die wir dann natuerlich auch essen. Die Fischer verlieren ihre „Jagdgruende“, die Segler koennen nicht mehr wie gewohnt ueberall segeln, der Tourismus leidet, damit grosse Firmen Profit machen koennen. Glauben Sie, dass man da noch von Aufschwung sprechen kann?
    Es muss sich uebrigens eine ganze Menge aendern, leider verhindert unter anderem die Korruption in Griechenland, dass diese veraenderung in die richtige Richtung geht.

  5. Lucy Sky
    31. Dezember 2012, 19:34 | #5

    @Götterbote2012
    Koennen Sie mit griechischen Medien etwas anfangen? Einer der besten Blogs der Gegend ist „meganisinews.gr“. Da werden alle Geschehnisse der Umgebung und auch vom Rest Griechenlands – was uns erwartet in Sachen Steuerpolitik, usw. – berichtet und kritisch hinterfragt.
    Leider bin ich nicht gut im Uebersetzen. Verstehen ist eine Sache, Uebersetzen eine andere.

  6. Welke Schmidt
    1. Januar 2013, 13:21 | #6

    Wir fahren seit 1990 regelmäßig einmal im Jahr nach Griechenland in den Urlaub. Bei den jährlichen Besuchen konnte man die „Expansion“ durch billiges Geld live miterleben. Die Griechen haben es durch die tägliche Erfahrung vielleicht gar nicht so wirklich realisiert…

    Was aber seit 1990 fakt war und auch 2012 noch Realität war, ist dass man beim tanken, essen gehen und in vielen kleinen Läden steuerfrei einkauft, d.h. ein riesiges Schwarzgeldsystem füttert, in dem gerade bei den Tankstellen alles bis zum Raffinerie mitmachen muss, damit es überhaupt funktioniert.

    Hat aber die breite Masse den eigenen Staat als Feind auserkoren, muss man sich über einen Zusammenbruch des selbigen nicht wirklich wundern.

    Man tut als wäre man der Erfinder der Demokratie und tritt eben dieses System der Eigenverantwortung und gleichzeitigen Solidarität und Mitwirkung wo es nur geht mit Füßen.

    Einfach lachhaft, nun in Selbstmitleid zu verfallen.

    Gleiches gilt auch für Spanien, Portugal, Italien. KEINE Bank hat irgendwen gezwungen ein Haus oder eine Wohnung zu absurden Preisen zu kaufen. Gier frisst immer noch Hirn! Sich nachher als Opfer zu gerieren ist dann einfach nur schäbig und billig.

  7. Welke Schmidt
    1. Januar 2013, 13:27 | #7

    Vergessen? Auch deutsche Gierhälse, die im Osten Steuern sparen wollen und dachten, die Bäume wachsen in den Himmel, mussten nach 1995 riesige Summen abschreiben. Die Banken haben auch da nur mitgemacht und die dumme Gier befriedigt.

    Gleiches kann man aktuell wieder in Hamburg und München sehen. Dort werden nun wie in Spanien auch 100 % fremdfinanzierte Immobilien „gekauft“ und gehofft und gebetet, dass der Markt = die Bäume weiter gen Himmel wächst. Das Ganze unter der Randbedingung einer Bevölkerung die bis 2050 im Positivszenario um 15 % sinkt.

    Aber eine Blase sehen auch hier die Auguren nicht, da ja solange getanzt werden muss, wie die Kapelle spielt. Immer wieder der gleiche Trick. Die Welt ist ein Narrenschiff voller Gierhälse und die bösen Banken sind dabei nur Erfüllungsgehilfen. Ebenso die bösen Kapitalisten, die den Griechen die D&G-Sonnenbrillen verkaufen.

  8. Götterbote2012
    2. Januar 2013, 15:15 | #8

    @Lucy Sky

    Danke, werde ich mir anschauen.

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