Transportwesen in Griechenland bleibt trotz Liberalisierung geschlossen

2. November 2012 / Aktualisiert: 27. September 2017 / Aufrufe: 683

Trotz der theoretisch erfolgten Liberalisierung stellt das Speditionswesen in Griechenland in der Praxis weiterhin einen geschlossenen Berufsbereich dar.

Starke Nerven, aber auch „tiefe“ … Taschen erfordert in Griechenland das Verfahren zum Erwerb einer internationalen Speditionslizenz auf Basis der Bestimmungen des Gesetzes über die Liberalisierung das Lastwagen-Marktes, die – wie alles zeigt – nur auf dem Papier verbleibt.

Die Ausstellung einer neuen Lizenz erfordert abgesehen von den unerschwinglichen Kosten eine wahre Engelsgeduld, um die dutzende bürokratischen „Hürden“ zu nehmen – was zum Ergebnis hat, dass die Antragsteller sich letztendlich dem Sekundärmarkt zuwenden und wieder „Schwarzgeld“ bewegen, wie es auch in den letzten Jahren geschah.

Die „Imerisia“ bringt den „Leidensweg“ auf die Bühne, den ein bekannter Unternehmer erlebte, der beschloss, sich zwecks Gründung einer großen Firma auf den Speditionsmarkt zu begeben. Als natürliche Person benötigte er für die Erteilung einer Straßentransportlizenz anfänglich eine Bankgarantie in Höhe von 18.000 Euro. Wie er moniert, war dies jedoch nur der Anfang, da ihm umgehend mitgeteilt wird, dass der angeschaffte Lastwagen wenigstens der europäischen Verordnung Euro5 entsprechen muss!

Diesbezüglich ist anzumerken, dass die bereits in der Branche tätigen Gewerbetreibenden für die Erteilung einer neuen Lizenz nur einen einfachen Beleg einer Bank benötigen, auf dessen Basis nachgewiesen wird, dass sie über flüssige Mittel in Höhe von 9.000 Euro verfügen, während sie auch ein Fahrzeug anschaffen können, welches nur die Emissionswerte gemäß Euro4 erfüllt.

Vorschriften gestalten Erwerb neuer Transportlizenzen unrentabel

Laut Faktoren des Marktes wird die Beantragung einer neuen Straßentransport-Lizenz wirtschaftlich unrentabel, da sie die Anschaffung eines Fahrzeugs der Klasse Euro5 erfordert, das sehr viel teurer als entsprechende Fahrzeuge der Klasse Euro4.

Wie der griechische Unternehmer gegenüber der „IsT“ bezeichnend anführt, muss jemand, um in den Beruf des Lastwagenbetreibers einzusteigen:

  • Eine Bankgarantie über 18.000 Euro bereitstellen.
  • Einen (Firmen-) Sitz gründen.
  • Einen neuen Lastwagen kaufen und dafür wenigstens 80.000 Euro entrichten.
  • Zur Beantragung einer Reihe von Unterlagen (Führungszeugnis usw.) schreiten.
  • Einen Abstellplatz für den Lastwagen schaffen.

Resultat? Das Kapital, welches er bereitzustellen hat, übersteigt 120.000 Euro.

Somit ist es kein Zufall, dass ein Lastwageneigentümer charakteristisch betont, „… andererseits sind die Lastwagenhändler zum Aufkauf einer unglaublichen Menge von Lizenzen geschritten, welche mit alten Lastwagen ‚vermählt‘ sind, die sie für Preise ab 15.000 Euro erstehen und dann zum dreifachen Preis weiterverkaufen … . Von der in Rede stehenden Strategie würde ich sagen, dass sie keine Liberalisierung der Straßentransporte, sondern eine vollumfängliche Liberalisierung der Schattenwirtschaft ist!

Auf der anderen Seite bleibt das System der An- und Verkäufe von Lizenzen und Fahrzeugen erhalten, die sich zwischen 8.000 und 10.000 Euro nur für die Lizenz bewegen, die obligatorisch von dem analog zu seinem Alter in Rechnung gestellten Lastwagen begleitet ist, womit zusätzliche Defizite für den Staatshaushalt geschaffen werden.

Liberalisierung mittels der Händler!

Mit der Liberalisierung bei den Straßentransporten wurde nicht nur nicht der „illegale“ An- und Verkauf von Lizenzen und Lastwagen durch „Händler“ gestoppt, sonder dagegen sogar verstärkt. Der Zusammenbruch des Transportsektors hat sogar auch die Preise in den Keller geschickt, da nicht wenige Eigentümer von Lastwagen nach einem Austritt aus dem Beruf mittels Verkaufs ihrer Lizenz, aber auch ihres Fahrzeugs in einem Handel suchen.

Andererseits hat die hohe Arbeitslosigkeit sehr viele und speziell ehemalige Berufsfahrer von Firmen dazu geführt, in der Hoffnung, als Selbständige zu überleben zu schaffen, nach „Gebrauchtlizenzen“ zu suchen, da sie für die Beantragung einer neuen Lizenz wenigstens 120.000 Euro benötigen würden! Außerdem reicht – wie Marktfaktoren gegenüber der „IsT“ betonen – die Abfindung der ehemaligen Fahrer gerade einmal aus, um irgendein 15 Jahre altes Fahrzeug zusammen mit seiner Lizenz zu erwerben … .

Verbote wegen ABS

Ab dem 01 Januar 2014 sind Betrieb, Taxierung und Transfer gebrauchter Fahrzeuge (Busse, Lastwagen usw.) untersagt, die nach dem 11 September 2003 aus Ländern der Europäischen Union nach Griechenland importiert worden sind, sofern sie nicht über ein Brems-Antiblockiersystem (ABS) verfügen (siehe auch Griechenland verbietet Busse und Lastwagen ohne ABS).

Dem Thema des ABS begegnen die Eigentümer alter Lastwagen jedenfalls mit Humor, da – wie sie gegenüber der „IsT“ anführen – nach der Anbringung des Systems und der Bescheinigung des TÜV jedes noch so alte Fahrzeug übertragen werden kann, und dabei anklingen ließen, dass gegen Entrichtung eines entsprechenden Betrags sowohl das ABS-System als auch die Bescheinigungen in der Zulassung eines jeden beliebigen Lastwagens „erscheinen“ … .

Rund 50% der lizenzierten Lastwagen stehen still

Die Lastwagenbesitzer sprechen von einer „imaginären“ Liberalisierung und betonen, dass die heutige Situation ungefähr 50% der Lastwagen in Ermangelung von Möglichkeiten zum Transporteinsatz „stillgelegt“ hat. Seitens des Entwicklungsministeriums wird betont, dass innerhalb eines kurzen Zeitraums ungefähr 15 neue Lizenzen für Lastwagen erteilt worden sind, diese Anzahl jedoch nicht stellvertretend seien kann, da der dazwischen liegende Zeitraum nicht eindeutig die Tendenzen des Marktes wiederzugeben vermag.

Es wird sogar angeführt, dass die Preise auf dem Sekundärmarkt signifikant gesunken sind, was ein Resultat des Gesetzes über die Liberalisierung darstellte. Es ist jedoch kein Zufall, dass der Präsident des Verbands der Besitzer privater Lastwagen, P. Skoulikidis, betont, dass der Rückgang der Preise nicht ein Ergebnis der Liberalisierung der Branche, sondern des intensiven Wettbewerbs zwischen den Lastwagenbesitzern war, um am Markt zu verbleiben.

Auch die Taxi sind „geschlossen“

Ein weiterer geschlossener Beruf, nämlich der des Eigentümers / Fahrers für die öffentliche Nutzung lizenzierter Personenkraftwagen (Taxi), scheint sich ebenfalls nicht zu „öffnen“, da trotz der Tatsache, dass die Gesetzgebung fertig ist, welche die Ausgabe neuer Lizenzen vorsieht, das Interesse besonders niedrig ist.

Nach dem Fehlschlagen der Öffnung des Sektors der lizenzierten Lastwagen und Tankwagen, auf dem keine einzige neue Lizenz ausgegeben wurde und ungefähr 50% der Lastwagen wegen des Rückgangs Arbeitsaufkommens stillstehen, scheint auch die Taxi-Branche nicht viele Anträge anzuziehen und sich das ehemals ungeheure Interesse der Bürger umzukehren, die vormals bis zu 250.000 Euro zahlten, um eine Taxi-Lizenz zu „kaufen“.

Die bis zu 5.000 Euro erreichenden Kosten der Bankgarantie, aber auch der laut dem Verband der Taxifahrer verzeichnete Rückgang des Arbeitsaufkommens um 40% bis zu 50% bewirkten ein gesunkenes Interesse an neuen Lizenzen auf Attika. Insgesamt wurden in Umsetzung des Gesetzes über die Liberalisierung der Branche bei den Verkehrsämtern des Verwaltungsbezirks Attika gerade einmal 131 Lizenzen für Personenkraftwagen öffentlicher Nutzung beantragt.

Die von den Interessenten eingereichten Anträge beziehen sich auf den Erwerb neuer Taxi-Lizenzen oder die Umwandlung vorhandener Taxi-Lizenzen in Lizenzen für Sondermietfahrzeuge, also Lizenzen für sechs- und neunsitzige Personenfahrzeuge, die mit dem neuen Gesetz in Verkehr gebracht werden können.

Wie die Bezirksverwaltung detaillierter bekannt gab, wurden beantragt:

  • Neununddreißig neue Lizenzen für Pkw öffentlicher Nutzung.
  • Siebenundsechzig neue Lizenzen für Sondermietfahrzeuge.
  • Zwölf neue Lizenzen für Behinderten-Sondermietfahrzeuge.
  • Neun Umwandlungen vorhandener Taxi-Lizenzen in Lizenzen für Sondermietfahrzeuge.
  • Vier Umwandlungen vorhandener Taxi-Lizenzen in Lizenzen für Behinderten-Sondermietfahrzeuge.

In den Bereich des Verwaltungsbezirks Attika fallen der einheitliche Bezirkssitz von Attika und die Inselbezirke, welche die Kommunalbezirke Kythira, Ägina, Troizinia, Salamina, Angistro, Poros und Spetses umfassen.

(Quelle: Imerisia)

  1. Matthias Braunmar
    14. April 2013, 18:59 | #1

    Gratulation zu diesem Artikel,

    ich habe von 2002 bis 2012 in Griechenland gelebt (Drama) und kann die Angaben nur bestättigen. Was mich besonders ärgert ist, dass die Sachen nicht jetzt langsam mal in Bewegung kommen.

    Matthias Braunmar

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