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Neue drakonische Steuermaßnahmen in Griechenland

1. November 2012 / Aktualisiert: 27. September 2017 / Aufrufe: 2.436

Die Regierung schnürt ein neues drakonisches Steuerpaket, welches zu Mehrbelastungen der Steuerzahler in Höhe von insgesamt rund 3 Milliarden Euro führt.

Einen vollständigen Umsturz im System der Besteuerung der Einkommen von Arbeitnehmern, Rentnern, Selbständigen und Personenunternehmen und des Immobilienvermögens wird die Vorlage für das neue Steuergesetz herbeiführen, aus dessen Umsetzung die griechische Regierung mit zusätzlichen Netto-Einnahmen von 2,5 Mrd. Euro rechnet.

Zu letzterem ist anzumerken, dass die Gesamtbelastung der Steuerzahler durch die neuen Steuermaßnahmen um etwa eine halbe Milliarde Euro höher ausfällt, also insgesamt rund 3 Milliarden erreicht. Da die Maßnahmen in Kombination mit der nachhaltigen Rezession und der jeden Monat neue Rekorde brechenden Arbeitslosigkeit jedoch unweigerlich zu einem weiteren Rückgang der staatlichen Einnahmen auf anderen Bereichen führen werden, ergeben sich für den Fiskus unter dem Strich die veranschlagten zusätzlichen Nettoeinnahmen von „nur“ 2,5 Milliarden Euro.

Zu den „großen Verlierern“ des neuen Steuersystems zählen u. a. auf jeden Fall „kleine“ Immobilienbesitzer, Selbständige, Kleinunternehmer und Kleinbauern, deren Einkommen fortan ab dem ersten Euro und zum Teil sogar eigenständig – sprich ggf. erheblich höher als vergleichbare Gesamteinkommen aus anderen Quellen – besteuert werden, aber auch Familien mit Kindern, da die Kinderfreibeträge ebenfalls allesamt gestrichen werden.

Radikale Änderungen bei der Einkommensbesteuerung in Griechenland

Laut den letzten Informationen umfasst das Steuerpaket:

• Abschaffung des Steuerfreibetrags und Erhebung einer eigenständigen Besteuerung von 10% bis 45% für die Einkommen aus Immobilien. Dies bedeutet, dass die Steuerpflichtigen, welche Mieten einnehmen, für diese Einkommen eigenständig und ohne Steuerfreibetrag besteuert und ab dem ersten Euro wenigstens 10% Steuern zahlen werden. Konkreter werden die Mieten, welche die Immobilieneigentümer einnehmen, mit gestaffelten Steuersätzen von 10% und 30% für Beträge bis zu 100.000 Euro und 45% für Beträge über 100.000 Euro besteuert werden. Diese Maßnahme wird erwartungsgemäß zu zusätzlichen Steuerbelastungen bei den Immobilienbesitzern führen (siehe auch Immobiliensteuer in Griechenland ab dem ersten Quadratmeter und Euro).

• Anwendung einer neuen Besteuerungsstaffel für  Arbeitnehmer und Rentner, mit nur drei Steuerstufen, welche den Steuersätzen 21%, 36% und 45% entsprechen. Spezieller ist vorgesehen, dass die erste Stufe bis 25.000 Euro ausgeweitet wird und einen Steuersatz von 21% haben wird, für die zweite Stufe ist vorgesehen, dass sie ab 25.000,01 Euro beginnt, bis 47.000 Euro reicht und einen Steuersatz von 36% hat, und die dritte Stufe ist für mehr als 47.000 Euro mit einem Steuersatz von 45% vorgesehen.

• Erhebung einer eigenständigen Steuer von 26% bis 33% auf die Nettoeinkommen der Selbständigen. Die aus Personenunternehmen oder freien Berufen herrührenden Einkommen natürlicher Personen werden ab dem ersten Euro und bis zum Niveau von 50.000 Euro mit einem Satz von 26% und über dieses Niveau der 50.000 Euro hinaus mit 33% besteuert werden. Der Steuerfreibetrag wird auch für diese Steuerpflichtigen gestrichen.

• Erhebung einer eigenständigen Steuer von 13% bis 16,5% auf die Nettoeinkommen der Landwirte. Die hauptberuflichen Landwirte, Viehzüchter und Fischer werden fortan als Gewerbetreibende auf Basis von Büchern über Einnahmen und Ausgaben besteuert werden, haben also keinerlei Anspruch auf jeglichen Steuerfreibetrag. Ihre Nettoeinkommen werden sich aus dem Abzug ihrer Betriebskosten von ihren Bruttoeinnahmen ergeben und bis 50.000 Euro mit einem Satz von 13% und oberhalb der Grenze von 50.000 Euro mit 16,5% besteuert werden.

• Abschaffung der Steuerfreibeträge für die unterhaltenen Kinder. Die Steuerfreibeträge für die Kinder belaufen sich auf 2.000 Euro für jedes der beiden ersten Kinder des Steuerpflichtigen und auf 3.000 Euro für das dritte und jedes weitere Kind. Aufgrund ihrer Abschaffung wird sich eine jährliche Steuererhöhung von bis zu 200 Euro für jeden Steuerzahler mit 1 Kind, 400 für jeden Steuerzahler mit 2 Kindern, 700 für jeden mit drei Kindern und 1.240 Euro für jeden Kinderreichen mit 4 Kindern ergeben.

• Es werden die Regelungen außer Kraft gesetzt, dass von der Einkommensteuer, die sich auf Basis der Steuerstufe ergibt, 10% der Ausgaben des Steuerpflichtigen für Zinsen der Kredite für Hauptwohnungen, der Mietzahlungen für die Hauptwohnung, der Mieten in der Ausbildung befindlicher Kinder, Nachhilfeschulgebühren, erneuerbare Energiequellen abgezogen werden. Nur Aufwendungen für Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche und Untersuchungen, Schenkungen, Sponser-Zuwendungen und Unterhaltszahlungen an die ehemalige Gattin oder den ehemaligen Gatten werden weiterhin abzugsfähig bleiben.

• Kürzung der MwSt.-Erstattungen an die Landwirte.

•Kürzung der Verbrauchssteuererstattung für Landwirtschaftsdiesel.

• Neugestaltung der Besteuerung von Zigaretten.

• Einführung einer Sonderabgabe für „Raucherlizenzen“ bzw. Genehmigungen zur Einrichtung spezieller Raucherzonen in Vergnügungszentren und Massenbeköstigungsbetrieben (siehe auch Rauchersteuer anstatt Rauchverbot in Griechenland).

• Erhöhungen bei den Gebühren für Klagen und Strafverfahren.

• Zusätzliche Abgaben auf den Jahresumsatz der Spielautomaten des Trägers für Lotterien und Glückspiele (OPAP).

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Karlie
    1. November 2012, 09:01 | #1

    Genau das wird die Griechen dazu bringen noch mehr schwarz zu arbeiten. Besonders die Selbstständigen werden ihr Einkommen kaum mehr angeben wenn sie es überhaupt schon taten.
    Mir tun die Immobilienbesitzer jetzt schon leid, besonders jene die Häuser auf Kredit gekauft haben um diese dann mit den Mieteinnahmen zu tilgen. Ich kenne mehrere Leute die ihre auf Kredit finanzierten Geschäftshäuser nicht einmal mehr vermieten können. Ein gutes Beispiel dass Immobilien eben nicht das Betongold sind als welches sie von ’schlauen‘ Bankberatern verkauft werden.
    In Krisenzeiten wird der Staat auf alles zugreifen was niet und nagelfest ist. Wer seine sauer verdienten Euros vor dem Zugriff des Staates verstecken möchte kauft sich hier englische Goldmünzen und verbuddelt sie im Garten.

  2. Gast44
    1. November 2012, 11:10 | #2

    Unglaublich! Die kleinen Leute werden geschröpft bis zum Geht-nicht-mehr.
    Sind die Reeder in Griechenland eigentlich immer noch steuerfrei?
    Gibt es eine Vermögenssteuer für Milliardäre?

  3. Catalina
    1. November 2012, 14:50 | #3

    Gast44 :Unglaublich! Die kleinen Leute werden geschröpft bis zum Geht-nicht-mehr.Sind die Reeder in Griechenland eigentlich immer noch steuerfrei?Gibt es eine Vermögenssteuer für Milliardäre?

    Das Problem ist doch, dass diese Leute (Reeder&Co.) ihren Sitz nicht in Griechenland haben. Sie wohnen und arbeiten angeblich in London, Bahamas oder sonstwo. Du kannst ihrer also steuerrechtlich gesehen nicht habhaft werden.
    Staatspräsident Papoulias hat Recht, wenn er diese „Griechen“ als Schmarotzer bezeichnet. Sie betiteln sich selbst als Griechen und rühren keinen Finger um dem Land und seinen Bürgern zu helfen. Sie haben das Land zu ihren Gunsten ausgesaugt und sitzen nun in ihren „Goldvillen“ in London oder der Schweiz und halten „kluge“ Reden über den griechischen Staat. 🙁 Man sollte ihnen allen die Staatsbürgerschaft entziehen, falls sie denn noch neben ihrem britischen, amerikanischen oder schweizerischen Pass auch noch einen griechischen besitzen.

  4. Juls
    1. November 2012, 14:53 | #4

    Gast44 :Unglaublich! Die kleinen Leute werden geschröpft bis zum Geht-nicht-mehr.Sind die Reeder in Griechenland eigentlich immer noch steuerfrei?Gibt es eine Vermögenssteuer für Milliardäre?

    Ja, genauso wird es sein……..uns „Kleinen“ zieht man aber auch das letzte Hemd aus, mit welchen Endbehrungen hat man sein Haus gebaut und jetzt das 🙁 …..tja und die anderen lachen sich ins Faeustchen……die meisten Reeder sitzen doch schon im Ausland und die wenigen die noch hier sind, leben immer noch steuerfrei……Vermoegenssteuer fuer Milliardaere…weiss nicht, ob die mal eingefuehrt wird ? Aber auch die halten sich doch laengst schon woanders auf!

  5. Juls
    1. November 2012, 14:56 | #5

    Trotz allem……

    Kalo Mina

  6. Heinz
    1. November 2012, 15:25 | #6

    @Gast44

    Mir stellt sich die Frage, ob jemand, der über 100.000 € verdient, tatsächlich noch zu den kleinen Leuten gehört.

    Ungerecht sind die Steuern doch deshalb, weil ab dem ersten Euro versteuert werden soll und das mit 21%. Das ist der eigentliche Skandal. Wer z.B. 300 € Rente im Monat bezieht muss 63 € an den Staat abgeben. Der Landwirt zahlt für den gleichen Betrag 16%. Mit welchem Recht bzw. mit welcher Begründung?
    Der Rentner muss seine Nahrungsmittel alle kaufen, also Geld dafür ausgeben. Mit diesem Geld zahlt er gleichzeitig Mehrwertsteuer zusätzlich. Der Landwirt entnimmt diese Lebensmittel seinem landwirtschaftlichen Ertrag (Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch) und muss dafür nichts ausgeben und zahlt damit auch keine Mehrwertsteuer.

    Ergo: Der Rentner und Kleinverdiener wird also mehrfach besch….en. Das ist ganz große Politik.

  7. Juls
    1. November 2012, 16:04 | #7

    @ Heinz

    aber um landwirtschaftlichen Ertrag erzielen zu koennen, muss der Landwirt aber auch etliches an Kosten aufwenden, denn von nichts kommt nichts … und auch ein Landwirt hat ja nicht alles zur Verfuegung. Der muss auch auf den Gemuesemarkt oder Fisch oder auch Fleisch einkaufen …

    auch hier gibt grosse Unterschiede …

  8. Michael
    1. November 2012, 19:13 | #8

    Trotzdem war, ist und bleibt Griechenland pleite und wird den Euro verlassen müssen. Zusammen mit Zypern, Spanien und Portugal bitte. Italien kann sich dann ja anschließen.

  9. Heinz
    2. November 2012, 12:30 | #9

    @Juls

    Mir ging es vor allem um die „Ungleichbehandlung“!

  10. Roditisa
    2. November 2012, 13:16 | #10

    @Michael
    Ein sehr konstruktiver Beitrag. Danke, für diese Erkenntnis. Warum tritt eigentlich Deutschland nicht einfach aus dem Euro aus? Schon mal darüber nachgedacht?

  11. tabascofan
    2. November 2012, 14:36 | #11

    Wenn Deutschland aus dem Euro austreten würde und wieder die D-Mark einführen – wogegen nach Umfragen die Mehrheit nichts hätte, im Gegenteil – würde es dann Griechenland besser gehen?
    Es fehlt Griechenland an Wettbewerbsfähigkeit (und natürlich einer funktionierenden Verwaltung). Auch wenn es niemand gern hört, Griechenland hat mit dem Euro die falsche Währung.

  12. Eve
    2. November 2012, 14:59 | #12

    @Roditisa
    Richtig das fragen sich bestimmt viele. Wäre mal eine bessere Option für alle, dass Deutschland den Euroraum verlässt!

  13. tabascofan
    2. November 2012, 17:48 | #13

    @Michael
    Auch wenn Griechenland pleite ist und im Euroraum als faktisches Entwicklungsland keine Chance hat, glaube ich nicht mehr an einen Austritt. China engagiert sich sehr in Griechenland – man kann auch sagen, es kauft sich großflächig ein – und hat schon viel Geld verloren. Aber sicher wird es in ein paar Jahren zwei verschiedene Euros geben: den harten Nord-Euro und den weicheren Club-Med-Euro.

  14. Roditisa
    3. November 2012, 18:20 | #14

    @tabascofan
    Nein, es würde die Probleme des Landes nicht lösen. Ich finde es ja nur interessant, dass Menschen aus Deutschland in solchen Foren so gerne andere Länder aus dem Euro raus haben wollen, was ja nicht so einfach zu realisieren ist gegen deren Willen. Man könnte aber selbst in Deutschland aktiv werden, damit das eigene Land den Euro verläßt und man sich national einigeln könnte, weg von den angeblich so schmarotzerischen Pleiteländern. Aber auf die Idee scheinen diese Menschen nicht zu kommen und das finde ich interessant. Eben die gleiche Mentalität überall: die anderen sollen was ändern, damit man selbst weiter machen kann wie bisher.

  15. tabascofan
    3. November 2012, 19:43 | #15

    @Roditisa
    Wenn Deutschland den Euro abschaffen und die D-Mark wieder einführen würde, gäbe das Begeisterungsstürme im ganzen Land. Aber wir können mit ihm leben. Ebenso mit dem viel zu schnell und unüberlegt ausgedehnten Euroland. „Einigeln“ will sich niemand, das wäre in Zeiten der Globalisierung auch reichlich dumm. Gerade Deutschland als Exportnation ist davon ja nun wirklich weit entfernt. Jeder der Eurostaaten ist geschätzt und willkommen, aber es muss sich auch jeder an Vereinbarungen halten. Obwohl Griechenland mit dem Euro die falsche, weil viel zu starke Währung hat, soll es gern im Euroraum bleiben, vorausgesetzt, es ist reformfähig und reformwillig . (Gilt auch für die anderen sogenannten Krisenstaaten).

  16. nad
    24. Januar 2013, 17:43 | #16

    Vielen Dank für die hilfreiche Information. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich
    den Satz mit den Steuersätzen richtig verstanden habe:

    „Anwendung einer neuen Besteuerungsstaffel für Arbeitnehmer und Rentner, mit nur drei Steuerstufen, welche den Steuersätzen 21%, 36% und 45% entsprechen. Spezieller ist vorgesehen, dass die erste Stufe bis 25.000 Euro ausgeweitet wird und einen Steuersatz von 21% haben wird, für die zweite Stufe ist vorgesehen, dass sie ab 25.000,01 Euro beginnt, bis 47.000 Euro reicht und einen Steuersatz von 36% hat, und die dritte Stufe ist für mehr als 47.000 Euro mit einem Steuersatz von 45% vorgesehen.“

    So wie ich das verstehe bedeutet das, dass jemand der 25.000 Euro im Jahr verdient 0,21*25.000= 5250 Euro Einkommensteuer zahlen müsste, aber jemand der 25.001 Euro verdient 0,36*25.000= 9000,36 Euros zahlen müsste. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich so beschlossen wurde. Ist hier eventuell mit Steuersatz ein Linearfaktor gemeint? Gibt es hierzu Links zu den dementsprechenden Gesetzestexten?

    Ich habe gerade die Einkommensteuer in Deutschland untersucht und bin an einem Vergleich interessiert und würde mich daher sehr freuen mehr Informationen zu bekommen.

  17. admin
    24. Januar 2013, 18:32 | #17

    @nad
    Die Interpretation solcher Information bedarf schon wenigstens eines elementaren Grundverständnisses. Im übrigen geht sowohl aus Veröffentlichungsdatum als auch Wortlaut des Beitrags hervor, dass es sich unmöglich um endgültige Fakten handeln kann, zumal die einschlägige Gesetzesvorlage erst Anfang 2013 ratifiziert wurde:

    Eskalation des Steuerwahns in Griechenland

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