Mysterium um einen „Falciani“ in Griechenland

24. November 2012 / Aktualisiert: 04. Juli 2013 / Aufrufe: 426

Der 35-jährige, der in Griechenland unter der Beschuldigung des Besitzes sensibler Personen- und Steuerdaten festgenommen wurde, verweist auf eine andere Person, die er als den griechischen Falciani bezeichnet.

Laut exklusiven Informationen des Portals zougla.gr hat der Verhaftete den Behörden bereits die Person benannt, die ihm – wie er zumindest behauptet – das strittige Archiv gab, damit er es bearbeitet und in ein anderes Format konvertiert. Der 35-Jährige gibt die Bearbeitung des Archivs zu, bestreitet jedoch kategorisch, dabei den Inhalt gesehen zu haben. Aus polizeilichen Kreisen verlautet eine zusätzliche Information, dass die Person, die das Archiv in ihrem Besitz hatte und es ihm (dem 35-Jährigen) übergab, ein Bediensteter des Finanzministeriums sei, und zwar sogar in einer höheren Position.

Dieses Archiv wurde dem Festgenommenen 2009 zur Bearbeitung übergeben und enthält zwei konkrete digitale Datensätze der Systeme Taxis und Elenxis. Auf dem „Markt“ kostet jede Personenliste je Fall und Kategorie von 60.000 bis 100.000 Euro.

Er traf sich mit mir und übergab mir das digitale Archiv und verlangte von mir, es zu bearbeiten, da ich mich mit Rechnern beschäftige und in solchen Dingen Bescheid weiß. Tatsächlich bearbeitete ich es, ohne jedoch seinen Inhalt zu sehen„, soll er nach seiner Verhaftung behauptet haben. Um seinen Behauptungen Nachdruck zu verleihen, verlangte er sogar, das Bankgeheimnis für seine Bankkonten aufzuheben, damit festgestellt wird, dass es keinerlei Bewegung gegeben hat.

Parallel führt er als Argument die Tatsache an, dass einerseits das strittige Archiv seinen Namen trug (und er nichts unternahm, diesen zu ändern) und er andererseits – obwohl ihm laut seiner Aussage bekannt war, dass die Behörden wegen der konkreten Sache eine Ermittlung durchführen – in der Annahme, zu keiner strafbaren Handlung geschritten zu sein, das Archiv nicht von seinem Rechner löschte.

Suche nach der Quelle bzw. undichten Stelle

Die Männer des Dezernats für Cyber-Kriminalität haben sich inzwischen global einer Jagd nach der Quelle gewidmet, da die Hauptsorge der Dienststelle die Auffindung der Stelle darstellt, von welcher die Informationen „durchgesickert“ sind. Die Beamten des Dezernats führen eine Ermittlung durch um den Mann zu finden, den der 35-Jährige benannte, da dieser die „Brücke“ zwischen den Daten und der „Quelle“ darzustellen scheint, aus der sie durchsickerten.

Das Knäuel der Sache begann sich nach der Anzeige eines Bürgers bei der Datenschutzbehörde abzuwickeln, dass eine unbekannte Person illegal in digitaler Form über eine große Anzahl von Datenarchiven persönlichen Charakters verfüge. Auf einschlägige Bestellung der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Athen führten speziell qualifizierte Offiziere der Unterdirektion für Cyber-Kriminalität eine polizeiliche Internetermittlung durch und brachten es fertig, die elektronischen Spuren der in die Sache verwickelten Person ausfindig zu machen, die – wie sich später erwies – der 35-jährige Festgenommene war.

Auf Basis dieser Fakten führte in dessen Wohnung am selben Tag ein Polizeistab des Dezernats für Cyber-Kriminalität in Anwesenheit eines Justizbeamten eine Durchsuchung durch, bei der eine externe Festplatte mit einer Kapazität von 320 GB und drei weitere interne Festplatten verschiedener Kapazitäten beschlagnahmt wurden.

Parallel führt spezielles wissenschaftliches Personal der Datenschutzbehörde im Rahmen der Ermittlungen in der Sache wegen des Besitzes geheimer Daten durch eine Privatperson eine Überprüfung bei Firmen durch, die in den Handel mit – sensiblen und nicht – Daten persönlichen Charakters verwickelt sein sollen.

Laut der Behörde hat die Überprüfung bereits eine Menge an Fakten ergeben, die derzeit zur Erstellung des Schlussbericht ausgewertet werden. Auf Basis des Ergebnisses wird das Verfahren zur Verhängung von Verwaltungsstrafen gegen die Verwickelten, aber auch der Zuweisung strafrechtlicher Verantwortungen in Gang gesetzt werden.

Mit einem Schreiben der Behörde wurde, nachdem Angaben über die Überprüfung an das Dezernat für Cyber-Kriminalität bekannt gegeben wurden, letzteres um seine Mitwirkung zur Fortsetzung der Überprüfung ersucht, indem es eine Untersuchung in den elektronischen Archiven einer Person durchführt, für die sich starke Indizien bezüglich ihrer Verwicklung in die Sache ergaben.

Untersuchungshaft und Haftbefehl

Der in Rede stehende 35-Jährige wurde nach seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter in Untersuchungshaft genommen. Wie schon bei seiner polizeilichen Vernehmung soll er auch vor dem Untersuchungsrichter bestritten haben, die in seinem Besitz gefundenen Daten zu verkaufen beabsichtigt zu haben.

Den Fakten der Prozessakte zu Folge wurden die strittigen Datensätze nicht von Hackern „erbeutet“, sondern per Hand übergeben. Gegen die namentlich benannte Person, die dem 35-Jährigen die Daten laut seiner Aussage zur Bearbeitung und Konvertierung übergeben hatte, erließ die Staatsanwaltschaft inzwischen einen Haftbefehl. Entgegen der anfänglichen Information, es handele sich um einen höheren Beamten des Finanzministeriums, erklärte der Verteidiger des inhaftierten 35-Jährigen, die gesuchte Person sei auf dem privaten Sektor tätig.

(Quelle: zougla.gr, in.gr)

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