Gegendarstellung der IKEA zu Lohnkürzungen in Griechenland

22. November 2012 / Aktualisiert: 04. Juli 2013 / Aufrufe: 907

Angesichts der Proteste gegen die Lohnkürzungen bei IKEA in Griechenland publizierte die Housemarket SA – IKEA auf Facebook eine Gegendarstellung.

Nach der großen Publizität, welche das Thema der beschlossene Lohnkürzungen bei der Housemarket SA (IKEA) in Griechenland in der Öffentlichkeit und speziell auch auf den Plattformen der Social Media erlangte, publizierte die Firma eine Bekanntmachung und Gegendarstellung, die nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Bekanntmachung der IKEA vom 20 November 2012 auf Facebook

Anlässlich der Veröffentlichung irreführender Angaben und Informationen bezüglich der IKEA, die (in Griechenland) von der HOUSEMARKET SA des Konzerns FOURLIS vertreten wird, möchten wir Folgendes bekannt geben:

Die Firmen des FOURLIS-Konzerns zeigten bis heute eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber der tiefsten Wirtschaftskrise, welcher das Land in der Nachkriegszeit zu begegnen hat. Die unkontrollierte Eskalation der Krise berührte jedoch auch unseren Konzern, wobei sich zum ersten Mal verlustbehaftete Geschäftsergebnisse zeigen.

Trotz allem schafften wir es, für die überwältigende Mehrheit unserer Beschäftigten sowohl die Arbeitsplätze als bis heute auch die Vergütungen auf dem selben Niveau zu halten.

Die Entwicklungen waren und sind weiterhin leider heftig. Möglicherweise ist nicht bekannt, dass die meisten uns betreffenden Branchen-Tarifverträge keine Geltung mehr haben. In Respektierung unserer Leute wählten wir, eine gemeinsame Lohnpolitik für alle Beschäftigten zu entwerfen, die bisher mit Branchen-Tarifverträgen entlohnt wurden. Wo Abweichungen existierten, erfolgten im Rahmen der gerechten Regelung der Vergütungen natürlich auch die notwendigen Angleichungen. Die Kürzungen betragen im Durchschnitt nicht mehr als 8,5% und liegen für keinen Arbeitnehmer höher als 11%. Es sei angemerkt, dass im Februar 2012 durchschnittliche Kürzungen von 13% bei Funktionären der Gesellschaft durchgeführt wurden, die von den neuen Regelungen ausgenommen sind.

Wir trugen Sorge, damit:

  • Wir für Neueinstellungen einen 30% über dem nationalen Manteltarifvertrag liegenden Mindestlohn zahlen.
  • Keine Differenzierungen in der Entlohnung junger Leute unter 25 Jahren erfolgen.
  • Den Niedrigverdienern für je 5 Jahre Berufserfahrung in ihrer Qualifikation eine korrigierende Erhöhung von 5% gezahlt wird.
  • Niemand von denen betroffen wird, die in den kommenden 2 Jahren in Rente gehen.
  • Niemand von denen betroffen wird, die im Februar 2012 eine Lohnkürzung hatten.
  • Das Weihnachtsgeld für das Jahr 2012 nicht gekürzt wird.
  • Alle sozialen Beihilfen (Wegegeld, Essenszulage usw.) erhalten bleiben.

Wir bedauern wirklich, dass Einige darin fortfahren, vorsätzlich Fehlinformationen zu verbreiten und die tatsächlichen wirtschaftlichen Größen der Gesellschaft ignorieren und parallel von erpresserischen Zwickmühlen und Kündigungsdrohungen sprechen. Die eine und einzige Wahrheit ist, dass wir in unserer Bemühung, die Gesetzgebung zum Vorteil der Beschäftigten umzusetzen, die beste und nicht die schlimmste Lösung adoptieren.

Die Unternehmensleitungen des Konzerns Fourlis und der HOUSEMARKET S.A. (IKEA) haben wiederholt bewiesen, dass sie mit kollektiver Sichtweise und dem Gefühl sozialer Mitverantwortlichkeit handeln. Mit Respekt für unsere Leute und mit Ziel die Zufriedenstellung des Kunden und natürlich die langfristige Überlebensfähigkeit der Gesellschaft und des Konzerns. Es ist nicht zu vergessen, dass die HOUSEMARKET S.A. (IKEA) vor allem eine Gesellschaft rein griechischer Interessen ist und über 1.600 unserer Mitmenschen beschäftigt, mehr als 3.000 zusammen mit den Partnern. Sie war und bleibt eine Investition von Griechen, in Griechenland und mit tausenden Aktionären.

Wir bei der HOUSEMARKET S.A. (IKEA) glauben, dass wir alle zusammen, in Erbringung gewisser Opfer, die in der heutigen Konjunkturlage unvermeidbar sind, nicht nur standhalten, aber auch die Vergütungen der Arbeitnehmer und natürlich die Arbeitsplätze beibehalten können werden.

(Quelle: Facebook)

Relevanter Artikel:

  1. Apostolos Koreas
    25. November 2012, 19:45 | #1

    Zur Lohnpolitik werde ich explizit erstmal keine Position beziehen. Jedoch muss ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass IKEA Griechenland ausschließlich imAusland hergestellte Güter anbietet und somit nicht einen einzigen produktiven Arbeitsplatz in Griechenland generiert. Im Gegenteil: Kleine und mittelgroße griechische Handwerksbetriebe werden in einen ruinösen Preiskampf getrieben, da sie gegen die aus China, Indien und sonstige Länder der Dritten Welt zu Hungerlöhnen produzierten Güter nicht konkurrieren können. Des Weiteren sorgt IKEA Griechenland dafür, dass das ohnehin riesige Handelsbilanzdefizit weiterhin ansteigt.

  2. tabascofan
    26. November 2012, 12:33 | #2

    Ikea ist in Griechenland ein Handelsunternehmen und kein Industrieunternehmen. Und Arbeitsplätze schafft es auch. Ich denke, dass viele Griechen froh sind, günstige Möbel kaufen zu können. Es hat nicht jeder das Geld, dafür einheimische Handwerksbetriebe zu beauftragen (wer will, der kann ja, trotz Ikea). Es freut mich für Griechenland, dass sich Ikea noch nicht aus dem Land zurückgezogen hat.
    Aber unabhängig davon und selbstverständlich muss das Unternehmer faire Löhne zahlen und in seinen weltweiten Produktionsstätten für humane Arbeitsbedingungen sorgen.

  3. Heinz
    27. November 2012, 12:25 | #3

    Nun muss man natürlich auch wissen, dass Ikea-Gründer Kamprad einer der reichsten Männer der Welt ist. Wie kommt man zu einem solchen Milliarden-Vermögen?

    Indem man sowohl die Lieferanten als auch die Kunden ausbeutet. Die Produkte, die Ikea verkauft könnten also noch sehr viel billiger sein, würden die Dumping-Löhne usw. bei den Kunden ankommen. Die jedoch rafft Kamprad ein.
    Er hatte, so scheint es, auch keine Probleme, Möbelteile in Gefängnissen des Unrechtsstaates DDR produzieren zu lassen. Die Gefangenen waren vor allem „politische“ Gefangene und wurden dazu gezwungen. Meines Wissens hat sich Kamprad dafür bis heute nicht entschuldigt, geschweige denn den Betroffenen aus seinem Riesenvermögen ein paar Millionen (Peanuts) zukommen lassen. Es wäre eine humane Geste gewesen. Das scheint jedoch ein Fremdwort für ihn.
    Ob man dann das, was Ikea in Griechenland anbietet, wirklich Arbeitsplätze nennen kann, das soll jeder für sich ausmachen.

  4. Eulenspiegel
    28. November 2012, 17:05 | #4

    @ tabascofan

    – Es hat nicht jeder das Geld, dafür einheimische Handwerksbetriebe zu beauftragen (wer will,
    – der kann ja, trotz Ikea). Es freut mich für Griechenland, dass sich Ikea noch nicht aus dem
    – Land zurückgezogen hat.

    Das alte Problem – die Konsumenten kaufen billig, und wundern sich wenn sie gefeuert werden und überhaupt nichts mehr kaufen können. Auch keinen Billigkram. Billig hat halt auch seinen Preis.

  5. tabascofan
    28. November 2012, 18:07 | #5

    @Eulenspiegel
    Billig hat seinen Preis, ganz sicher. Und Qualität kostet mehr, das ist auch richtig so. Aber auch wenn man selbst nicht sehr aufs Geld schauen muss und nie beim Discounter einkaufen würde, sollten wir doch die Tatsache nicht negieren, dass viele Menschen einfach sehr sparen müssen. Und genau für diese freut es mich, dass es Aldi, Lidl, H+M und Ikea gibt. Oder NOCH gibt in Griechenland.

  6. GR-Block
    29. November 2012, 12:22 | #6

    Das Konzept „Wegwerfmöbel“ ist ein Konzept der Luxusstaaten, deshalb ist es sehr spät nach GR gekommen. Der gr. Bauer wie auch der korrupte Rechtsanwalt hatte ein bis zweimal im Leben Möbel bestellt, dann aber richtig. Z.B. wenn die Kinder heirateten. Danach ließ man fast immer reparieren. Das geht aber mit IKEA’s ökologisch „abbaubaren“ Möbeln (ich mag das Wortspiel) nicht sehr lange. Spätestens alle 10 Jahre steht der Elch vor der Tür.
    Auch der gr. Handwerker ist inzwischen zum Lieferanten degeneriert. Austauschen ist billiger als die Reparatur. Solange IKEA über illegale Kanäle den Rohstoff Holz praktisch umsonst erhält, wird Arbeit immer unrentabel bleiben. Sowohl für den Konzern als auch für den kleinen Handwerker. Also: wir brauchen ein Kartell für Holz. So wie die OPEC für Öl, die EU für den Agrarmarkt, Wirtschaftsexperten für Dummheit und Gier…

Kommentare sind geschlossen