Diskussion um Griechenlands Euro-Austritt ist eine deutsche Diskussion

14. November 2012 / Aktualisiert: 04. Juli 2013 / Aufrufe: 910

Autor: GR-Block

Thema: Griechenland: Fungiert nicht als Filipinas der Deutschen

Es ist eine Falschaussage, die griechische Bevölkerung habe sich verschuldet. Es ist der Staat, den die 300 Abgeordneten mit ihren Lobbys verschuldet haben. Dagegen waren die Privatkredite, wegen der griechischen Bauernmentalität, niemlas das Problem. Jetzt aber, wo ihre Einkommen halbiert sind, wird so mancher Privatkredit platzen noch bevor der Staat Konkurs geht. Denn der Grieche bekommt keine „Hilfs-“ Kredite.

Der Grieche gibt in seinem Leben nur halb soviel Geld aus für Autos wie wir. Wer in Griechenland nur Porsche und Mercedes sieht, sollte sich fragen, ob er nicht in den falschen Kreisen verkehrt. Auch wird man kaum einen Griechen am Potsdamer Platz erleben, der einfach mal so 1000€ für einen Auslandsurlaub hinauswirft. Stattdessen gibt er zuhause Fressgelage, von denen schon so mancher Tourist profitierte.

Auch wenn sich die Deutschen den Titel Exportnation verliehen haben, stimmt es nicht, dass GR nicht exportiert. Genau dort muss GR aber seine Hausaufgaben machen, nicht im Tourismus und Transportwesen. Das geht aber aber nur, wenn korrupte Lobbys (ND, PASOK) das Parlament und korrupte Unternehmen (SIEMENS, MERCEDES, FERROSTAAL, MAN usw.) das Land verlassen. In Brüssel müssen Rechte eingefordert werden, alte marktverzerrende Absprachen und Korruptionsgesetze müssen weg.

Es muss Wiedergutmachung bezahlt werden. Es nützt nichts, dass ein Staat MERCEDES wegen Korruption in GR verurteilt, wenn hinterher das abgeschlossene Geschäft trotzdem durchgeführt wird und die Strafe weit unter dem Schaden liegt. SIEMENS hat sich dadurch heraus gerettet, dass ein nicht gewählter Brüsseler für 6 Monate GR regierte und dabei schnell einen Deal mit SIEMENS unterschrieb, der eine weiter Verfolgung unmöglich machte. Und SIEMENS behielt alle Geschäfte. Noch mehr Firmen gehen bankrott. Wir alle wissen, dass seinerzeit Herr Papadimos die grandiose Leistung vollbracht hatte, mit Hilfe amerikanischer Finanzberater GR in den EURO zu hieven.

Es kann nicht angehen, dass wir hier deutsche Unternehmen steuerlich entlasten, wenn sie Schmiergelder im Bereich 1,3 Mrd. € (SIEMENS) auf dem Planeten verteilen und davon gewaltige 100 Mio. € in dieses eine Land GR drücken. Es ist eine Rassenhetze, wenn dann eine deutsche Organisation, die sich „International“ nennt, uns vorrechnet, die Griechen zahlen pro Jahr 1.600 € Schmiergelder, und dabei u. a. die 100 Mio. mit einrechnet.

Der griechische Unternehmer kann mit den mittel- und westeuropäischen Schmiergeldern nicht mithalten. Athener Lobbys kann er nicht auf seine Seite holen. Hier müssen Brüssel und Berlin Hausaufgaben machen. Wenn stattdessen an den Einkommen geschraubt wird, bricht die Binnennachfrage zusammen, griechische Unternehmen gehen bankrott und noch mehr Heuschrecken fallen über das Land her. Diese schaffen aber weniger Arbeitsplätze. Weil sie ja besser organisiert sind. Sie produzieren lieber in ihrer Heimat und in China, brauchen folglich die EU-Süderweiterung nur als Absatzmarkt.

Die Diskussion GR-raus-aus-dem-EURO oder wehe-ihr-wollt-raus-aus-dem-EURO ist eine deutsche Diskussion. Die Griechen hatten unter nur zaghaft die Möglichkeit erwogen, ob die damalige Entscheidung, im EURO zu sein, falsch war. Bis auf die KKE (5%) hat keine Partei die Drachme auf dem Programm gehabt. Warum die EU auf Anraten Deutschland sich auf eine junge Partei eingeschossen hatte, war für die Griechen unbegreiflich. Wir wissen den Grund. Kein Parlament darf im Handstreich die alteingesessenen Lobbys ausbooten und neu anfangen. Milliardenschwere Investitionen und Schmiergelder würden dadurch verbrannt werden. Zum Teufel mit der Demokratie.

Ja, jetzt läuft es wieder wie am Schnürchen. Die gewaltigen Staatseinkäufe bei diesen Firmen bleiben auf hohem Niveau. Stattdessen bieten die relativ geringen Gehälter nur unzureichendes Einsparungspotenzial. Das hat mehrere Vorteile für unsere Industrien. Durch die fehlende Binnennachfrage brechen lästige lokale Konkurrenten zusammen. Danach „überredet“ man die Politik mit viel Kreditaufwand, das Land zu „retten“. Die immer noch regierenden Lobbys kaufen weiterhin bei den gleichen korrupten Firmen ein und zahlen überhöhte Kreditzinsen an unsere Banken anstatt auf dem Weltmarkt dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben. Früher nannten wir das „übelsten Staatskapitalismus“, heute heißt es „nachhaltiges Wirtschaften“.

  1. GR-Block
    15. November 2012, 00:36 | #1

    Nachtrag: Hier ist ein Antrag zu den deutschen Korruptionsgesetzten im deutschen Bundestag von Februar 1995 u. a. des Abgeordneten Joschka Fischer.

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/006/1300617.pdf

  2. GR-Block
    15. November 2012, 01:17 | #2

    Es ist schon eine kuriose Variante der Demokratie, die gegenwärtige in Athen. Die Legislative hat vollständig versagt und sich gegen das eigene Volk entschieden. Das Volk hat leidenschaftlich dagegen gekämpft und ist dabei müde geworden. Die Exekutive hatte deutlich ihre Kritik angebracht, hat sich dann aber wieder um ihre vornehmste Pflicht, dem Schutz der Bürger zugewandt.

    Als wir schon glaubten, jetzt ist alles vorbei, jetzt wird die erwartete Friedhofsruhe einkehren, die Demonstranten werden nach Hause gehen, regte sich die Dritte der Staatsgewalten.

    Die sonst weitab vom politischen Tagesgeschehen, über ihre Gesetzesbücher gebeugte Judikative, vernimmt den Lärm des Ausnahmezustands auf der Sträße und formiert sich. Nein, die heiße Phase ist noch nicht vorbei… Aber was haben sie vor? Holen sie etwa zum Schlag gegen die Versager aus, gegen Athen… vielleicht sogar gegen Brüssel? Wir sind gespannt.
    https://www.griechenland-blog.gr/2012/streik-der-rechtsanwaelte-in-griechenland-12-16-november-2012/10243/

  3. Adriana
    15. November 2012, 01:24 | #3

    Kann dem Beitrag in den meisten Punkten nur zustimmen, auch wenn einzelne Passagen durch die Wortwahl „übertrieben“ klingen.
    Tatsache ist, das wir Deutsche zum Euro-Austritt gefordert haben. Heute frage ich mich mit welchem Recht? Deutschland ist nicht Europa. Aber wir Deutschen -oder besser gesagt, einige meiner Landsleute“ – nehmen sich das Ihnen nicht zustehende Recht heraus im Namen Europas zu sprechen. Welch peinliche Anmassung von einigen wenigen dummen Menschen! Wir Deutsche brauchen uns in der Tat nicht wundern, wenn wir irgendwann die ganze Welt den „deutschen“ Euro liebt, aber den deutschen Menschen hast. Die EU und der EURO Raum wurden ursprünglich nicht als einfacher Finanzverbund konzipiert, sondern als Solidargemeinschaft mit gemeinsamen Werten. Die Geschehnisse des 2. Weltkriegs sollten sich nicht mehr wiederholen können und Europa zu einer Einheit zusammenwachsen. Das scheint wieder einmal nichts Wert zu sein. Wir deutschen haben aus der Vergangenheit nichts gelernt,ganz im gegenteil… wir haben vergessen das wir vor dem nichts standen und uns geholfen wurde (und sei es auch nur durch Lebensmittelpakette als wir nichts zu essen hatte) Und heute? Wir beteiligen uns mit Hilfszahlungen an Griechenland, Portugal, Spanien und andere Länder, indem wir 1 Euro geben und 2 Euro zurückverlangen. Das ist keine Hilfe, das ist Ausbeutung und Unterdrückung und für dies Schäme ich mich Teil dieses Apparates zu sein. Was Griechenland betrifft… die Griechen haben in ihrer Geschichte ganz andere Probleme gelöst und ganz andere „Berge“ erklimmt und Ich bin überzeugt das auch für diese jetzige Zeit recht bald das Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein wird. Griechenland raus aus der Euro-Zone? Warum? Wenn Deutschland etwas nicht passt, dann soll Deutschland den Euro-Raum verlassen… Endweder ein gemeinsamer Euro-Raum mit allen Europäischen Staaten und das spowohl in guten wie in schlechten Zeiten, oder gar nichts.
    Ich weis, durch mein Kommentarhab ich sicherlich einige meiner Landsleute auf dem Schlips getreten, aber ich habe hier meine Meinung geäussert und zu der steh ich. Gegen Kritik hab ich keine Einwände, nur verschont mich bitte mit irgendwelchen unqualifizierten und klugscheiserischen Angriffen… die prahlen eh an mir ab.

  4. Daniela
    15. November 2012, 10:58 | #4

    Bravo zu diesem tollen Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele.

  5. GR-Block
    15. November 2012, 14:24 | #5

    @ Adriana
    Die Sache ist noch verzwickter. Die deutsche Presse hatte da etwas losgetreten, das in GR-raus-aus-dem-EURO mündete. Noch zuvor hatten aber betroffene deutsche Unternehmen die Drohung wehe-ihr-wollt-raus-aus-dem-EURO ausgestoßen. Deshalb kam die Regierung Merkel mit den Argumenten ins Schleudern. Ihr anschließender Eiertanz hat die „angreifenden Märkte“ erst richtig scharf gemacht.

    Da hieß es plötzlich 120% Schulden sind nicht tragfähig (Japan 200%). Danach musste „geholfen“ werden, so dass in nur 4 Jahren 180% daraus wurden. Jetzt soll bis 2022 gespart werden, bis eine tragfähige Schuldenlast von… 120% (!!!) erreicht wird. Wie flexibel ist eigentlicht der Begriff „tragfähig“? Hätte GR wie bis dahin weitergemacht und günstige Kredite zu Weltmarktpreisen erhalten, dann wäre man 2013 bei 118%. Leider haben aber interne Märkte (der EU und der USA) „angegriffen“ und daraus 182% gemacht. siehe

    Alle haben es kommen sehen und abgewartet. Der spätere Apell des damaligen Ministerpräsidenten die „Angreifer“ an die Leine zu nehmen, verhallte ungehört. Man wollte das einzigartige ökonomische Experiment nicht stören. Als es verheerend ausging, taten die EU-„Partner“ so, als ob die angreifenden Märkte nicht die eigenen seien. Das ist Feigheit.
    Die EWG ist seit Maastricht, Schengen und EURO gar keine EU geworden; sie ist eine EM. In einer EM aber, gehen am Ende fast alle leer aus. Kulenkampf hatte es richtig vermutet: … nur „Einer Wird Gewinnen“.

  6. Vestago
    15. November 2012, 15:15 | #6

    Ich lese hier immer wieder sehr viel Polemik und die meist sehr poetisch und bildhaft beschriebene Lage des griechischen Volkes in der Opferrolle.

    Was neu wäre und mich auch interessieren würde, wären realistische Lösungsvorschläge, Erwartungen an Deutschland und unsere politische Führung.

    Auch würde ich mich über Stimmen freuen, die Einsicht zeigen, eventuell auch mal ein Zeichen gegen die ständigen Nazi-Vergleiche und den Angriff auf einen deutschen Konsul setzen.

  7. armer Grieche
    15. November 2012, 18:24 | #7

    @ Adriana

    wer sind denn eigentlich „die Deutschen“ oder „wir Deutsche“?
    Welcher Bürger in Deutschland wurde den um seine Meinung zur Einführung des Euros gefragt? Ich glaube nicht, dass es je eine Mehrheit für den Euro gegeben hat in Deutschland
    und für eine Regierung in Brüssel schon gar nicht.

  8. Moppel
    15. November 2012, 18:46 | #8

    Vestago :
    Auch würde ich mich über Stimmen freuen, die Einsicht zeigen, eventuell auch mal ein Zeichen gegen … den Angriff auf einen deutschen Konsul setzen.

    Gewisse Leute – speziell in hochrrangigen Positionen – sollten sich vorher dreimal überlegen, was sie leichtfertig äußern, anstatt dann im Nachinein zu erklären zu versuchen, was sie (nicht) meinten.

  9. GR-Block
    15. November 2012, 21:54 | #9

    @ Vestago
    Hallo Vestago,
    ich halte den Begriff „Opfer“ auch für deplaziert. Die Griechen sind die „Geschädigten“. In einer Demokratie müssen sie aber den Schaden verantworten und sich wegen Unterlassung selbst anklagen. Die „Schuld“ am Schaden der europäischen Wirtschaften tragen allerdings Großkonzerne und Regierungen (vor allem die Athener). Weil nämlich sie die Profis auf dem Gebiet sind, nicht das Volk. Sie entscheiden und agieren. Und beide werden von den Völkern dafür hochbezahlt.

    Was kann man tun?
    Realistisch sind alle Maßnahmen, die die Arbeitsplätze wieder zurückbringen, in die „Peripherie“ der EU. Das heißt, der erdrückende EU-interne Wettbewerb muss zurückgefahren werden. Griechenland muss wieder produzieren, auch wenn die Produktion an einem dt. Fließband billiger ist. Das Modell, nur der Beste arbeitet, macht die EU nicht wettbewerbsfähiger gegen China. Stattdessen bricht der Nationalismus durch, wie in Jugoslawien. Nur ein gleichmäßig starkes Netzwerk ist belastbar. Herr Knapp (Geschäftsführer, dt. IHK Athen) sagte schon vor 3 Jahren: Produktionsanlagen aus D müssen sofort nach GR, sonst geht jede Hilfe schief. Die Fachleute sahen es, die Interessen waren aber anders. Hier können die Deutschen helfen. Sie müssen weniger Arbeiten und mehr Freizeit geniesen, natürlich mit weniger Geld. Wenn Sie glauben, das das weniger Wohlstand bedeudet, dann lassen Sie sich von den Griechen beraten. Die wissen noch, wie man mit nur halbsoviel Geld Spass hat.

    Wenn Sie sich auf diese Alternative theoretisch einlassen wollen, dann können wir in diesem Forum mögliche wirtschaftspolitische Maßnahmen für EL, ES, PT… diskutieren, das fände ich auch interessant. Die Reichen müssen aber Arbeitsplätze abgeben wollen. Ich halte eine Diskussion, wie können wir neue Nischen-Märkte entdecken, für ein Ablenkungsmanöver. Findet man neue Märkte, dann um so besser, aber darauf können wir nicht spekulieren. Der Einsatz ist dafür zu hoch.

    Zur Hakenkreuzfrage.
    Frau Merkel und Herr Schäuble stehen sicherlich nicht in dem Verdacht, der NS Ideologie nahezustehen. Das ist auch nur eine akademische Frage und interessiert den Griechen nicht. Für ihn heißt Faschismus, dass ein fremdes Volk einmarschiert und zunächst die Regierung übernimmt. Danach kommt dessen Großindustrie (Wikipedia: Degriges) und räumt alles ratzeputz leer. Die Folge ist, dass innerhalb nur eines Winters 100000 Menschen an Unterernährung sterben und weite Teile der Bevölkerung an TB erkranken. Die Besatzer beobachten und notieren alles wie in einem gut geführten Industriebetrieb. Der wirtschaftliche Kollaps und die politischen Wirren danach sind den heutigen Ereignissen so ähnlich, dass sich die alten zurückerinnert haben. Ein paar wenige Jungen haben dann daraus Plakate gemacht. Ich denke aber, Frau Merkel ist ein großes Mädchen und wird es verkraften. Eigentlich hat es sie auch nur stellvertretend für das deutsche Volk getroffen. Wie kann man auch so dumm sein und wirtschaftspolitische Probleme auf einer rassistischen Ebene diskutieren. Die Hellenen sind nicht korrupter, fauler, betrügerischger als Germanen. Und fordern Sie jetzt keine Beweise, sonst sind alle meine Bemühungen umsonst. Sie müssen selbst davon überzeugt sein. Und neben bei gesagt, schimpfen Sie auf den geharzten Wein, auf den Anisschnaps oder die schlechten Pommes, von mir aus auch auf die griechische Unbekümmertheit. Aber niemals auf die Göttin der weiblichen Erotik. Da kennt DER Grieche keinen Spaß 😉

  10. Vestago
    16. November 2012, 03:20 | #10

    @ GR-Block

    Vielen Dank für diese ausführliche Antwort!

    Mein Wissen über Betriebs- und Volkswirtschaft hält sich sehr in Grenzen, deshalb kann alles was ich über diese Themen denke zu wissen völlig fehlerbehaftet sein, dessen bin ich mir bewusst 😉
    Dennoch möchte ich versuchen diese Diskussion fortzuführen.

    Ich glaube nicht das wir nur EU-Intern einen Wettbewerb führen, sondern uns gegen alle Industrienationen durchsetzen müssen. Auch China wird irgendwann kein Billiglohnland mehr sein und einiges an Produktion an Länder verlieren die noch günstiger produzieren können. Um diesen Verlust auszugleichen, werden sie qualitativ hochwertigere und viel komplexere Waren für den Weltmarkt herstellen müssen. Diesen „Kreislauf“ gibt es seit Beginn der Industrialisierung.

    Die Lohnkosten sind auch nur ein Faktor von vielen. Ausserdem glaube ich nicht daran, dass die Produktion an einem dt. Fließband günstiger ist als an einem Griechischem.

    Infrastruktur, Verfügbarkeit von motivierten und qualifizierten Fachkräften, rechtliche Rahmenbedingungen, Korruption, sozialer Frieden, usw. sind alles Faktoren die genauso berücksichtigt werden müssen.

    Wie sollen die Deutschen dabei den Griechen helfen? Soll die Politik per Gesetz mehr Urlaubstage einführen, die maximale Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden festschreiben? Warum sollten die Firmen dann nach Griechenland, wenn es in Rumänien und Bulgarien noch günstiger geht? Wer kann denn hier in Deutschland auf seinen Job oder Geld verzichten? Wir sind doch nur der Einäugige unter den Blinden. So reich und in Rosen gebettet sind wir wirklich nicht, als das wir freimütig alles verschenken können.

    Mein Eindruck ist, das in Griechenland viel zu sehr der Staat als natürlicher Arbeitgeber angesehen wurde. Ein Lebensstandart vorhanden gepflegt wurde, der gleich oder gar höherwertiger war als in Deutschland. Wofür wurden die vielen Schulden gemacht, was davon war nachhaltig? Leider viel zu wenig. Ich kenne keine Lösung um das alles wieder kurzfristig in Ordnung zu bringen, ohne das viele Menschen ihren gewohnten Lebensstandart verlieren und sogar in absolute Existenznöte geraten.

    Ich wünschte es würde so gehen wie sie sagen. Mehr Freizeit, mehr Spass für alle, bei dem gleichen Lebensstandart. Aber das halte ich leider für Utopie. Ich wünschte es gebe eine große Umverteilung von den 2% „da oben“ zu den restlichen 98%. Hier muss was geschehen die nächsten Jahre. Nicht nur in Griechenland, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Das Leistungsprinzip muss dabei natürlich bestehen bleiben.

  11. GR-Block
    16. November 2012, 19:23 | #11

    @ Vestago
    „Mein Wissen über Betriebs- und Volkswirtschaft hält sich sehr in Grenzen, “
    Wir alle im Forum sind Laien. Viel schlimmer ist, dass die involvierten Betriebs- und Volkswirtschaftler nicht viel besser sind.

    „Ich glaube nicht, dass wir nur EU-Intern einen Wettbewerb führen,“
    Das sehe ich auch so. Die kleinen in der EU spüren aber fast ausschließlich die interne Konkurrenz.

    „Auch China wird irgendwann kein Billiglohnland mehr sein..“
    China ist das geworden, was es ist, weil europäische Unternehmen dort seit Ende der ’90er im großen Stil Joint Ventures gründen. Obwohl sie also mit China teilen müssen, verdienen sie dort mehr, deshalb bauen sie in Ländern wie F, UK, D… Arbeitsplätze ab. Ich schätze, so aus dem Bauch heraus, dass deutsche Konzerne, jeden Tag 1000 Arbeitsplätze in D schließen und genausoviele in China eröffnen. Ihre Lobbyisten in den EU-Parlamenten erklären uns, dass das der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe diene.

    Wenn dann dieselben Konzerne den brutalen Wettbewerb von da draußen auch in die EU importieren, dann schließen ihre Konkurrenz-Betriebe in den kleineren EU-Ländern. Deren Produktion wird von den Weltkonzernen übernommen. Die gutbezahlten Arbeitsplätze am Mittelmeer gehen verloren. Es bleiben die Billigen. Zum erhalt des sozialen Friedens im Norden kompensiert damit ein stetiger Strom von Jobs von Süd nach Nord den Transfer von Nord nach China. Das geht solange, bis zum Beispiel in GR nur noch jeder dritte arbeitet (in D jeder zweite). Wenn dann die Löhne runter auf 30% (im Vergleich zu D) gedrückt werden, dann brökelt das soziale Gefüge.
    Ich wage die Behauptung, dass die besten Arbeitsplätze zuerst von GR nach D und dann erst nach CH gelangten. Der direkte Kanal von GR nach CH fällt dagegen wenig ins Gewicht und betrifft eher Billigprodukte.

    Keine Firma würde zulassen, dass eine Abteilung eine andere „besiegt“, so dass diese in der Folge schließen muss und deren Produktion von einer Konkurrenzfirma übernommen wird. Dem Betriebsrat würde sich sofort der Verdacht aufdrängen, dass die Chefetage dieses im vorhinein geplant hatte.

    Meine These ist: Man gründet eine Union, um den brutalen Wettbewerb draußen zu lassen. Wenn alle Partner in der EU mitarbeiten, dann ist das Netz stabiler, als wenn der interne Wettbewerb um die Arbeit/Produktion einen Sieger kürt. Dann sind die meisten Länder nur Absatzmarkt und nach kurzer zeit bankrott. Nach der Süderweiterung kommt die Osterweiterung und dann… Nein, unter solchen Vorzeichen wäre niemand in die EWG/EG/EU eingetreten.

  12. GR-Block
    16. November 2012, 19:53 | #12

    @ Vestago
    „… das in Griechenland viel zu sehr der Staat als natürlicher Arbeitgeber angesehen wurde.“
    Die Menge der öffentlichen Angestellten liegt im EU-Durchschnitt. Das Problem ist das EU-Privatindustrie keine hundertausende Arbeitsplätze dort schaffen. Deshalb ist jeder dritte Arbeitende in GR ein Selbständiger oder Unternehmer, mit geringem Einkommen. Ganz anders in D, wo fast alle Beschäftigten lohnabhängig, aber gut bezahlt, arbeiten.
    Der finanzielle Lebensstandart ist in GR weit unter 50% desen in D. Sie würden dort nicht leben wollen.

    „Wofür wurden die vielen Schulden gemacht, …“
    Gute Frage. Mitten in der tiefsten Krise empfiehlt die Troika die Einkommen und damit die Binnennachfrage zu halbieren. Jedoch, wieviel hat der Staat an Aufträgen an EU-Konzerne eingespart? Wieviele Staatsaufträge sind an lokale Firmen gegangen, um Arbeitsplätze und Steuereinkommen zu schaffen? Wieso erlaubt die Troika, dass weitere Waffen aus D, F, USA bestellt werden? Wieso soll GR nicht seine PV-Industrie weiter ausbauen und stattdessen teuer in D einkaufen (Rösler)?
    Wie soll man den Griechen glaubhaft machen, diese Massnahmen seien geeignet, um den Wettbewerb gegen D oder China aufzunehmen. Das glaubt uns dort keiner mehr. Die Troika ist für die Griechen nur noch ein Troikanisches Pferd im Dienste mitteleuropäischer Konzerne und die alten Athener Politiker ihre geschmierten Helfer.

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