Abbau von Bürokratie und Kosten bei Exporten in Griechenland

12. November 2012 / Aktualisiert: 27. September 2017 / Aufrufe: 723

Griechenland schreitet zur Rationalisierung der Verfahren im Exportwesen, was jedoch zwei Jahre und Mittel in Höhe von 15 Millionen Euro benötigen wird.

Zwei Jahre und 15 Mio. Euro wird Griechenland benötigen, damit die Bürokratie bei den Exporten abzubauen. Dies geht aus den Erklärungen des Entwicklungsministers Kostis Chatzidakis hervor, der zusammen mit Staatssekretär Notis Mitarakis ein Bündel von Maßnahmen und einen „Fahrplan“ zur Erleichterung der Exporte präsentierte.

Konkreter werden 25 Aktionen mit konkreten Zeitplänen entwickelt werden, damit Ende 2014 die Zeit zur Abwicklung von Exporten von derzeit 19 Tagen auf 15 Tage im Jahr 2013 und auf 10 Tage gegen Ende 2014 gesenkt wird (der Gemeinschaftsdurchschnitt liegt bei 10 Tagen). Ein weiteres Ziel ist, bis Ende 2014 ebenfalls die Kosten pro exportierten Warencontainer um 20% zu senken. Derzeit belaufen sich die Kosten in Griechenland auf 1.115 Dollar, während sie in der EU 1.009 Euro betragen. Ende 2013 werden die Kosten um 10% reduziert worden sein und Ende 2014 auf 892 Dollar sinken.

Auf die Frage, warum keine konkreten Interventionen bezüglich der Bürokratie angekündigt wurden, antwortete der Minister, „bei der Situation bei den Exporten handelt es sich um eine komplizierte Verwicklung„. Bezüglich des Zeitrahmens und der Verfahren wiederum, die von der Regierung auf den Weg gebracht werden, berief der Minister sich auf die Genehmigung und Zustimmung der Troika, der UN, der Europäischen Kommission und der Vertreter von Holland und Finnland.

7 Aktionen zur Modernisierung und Förderung des Exportwesens

Endziel der griechischen Regierung ist, bis 2014 sogenannte „One Stop Shops“ und ein „Single Window System“ für die Exporte zu schaffen, womit ein Anstieg des Anteils der Exporte am BIP von derzeit 10,3% auf 16% angestrebt wird, mit dem Ergebnis, dass 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und das BIP um 1,7% steigen werden.

Herr Chatzidakis gab ebenfalls die Schaffung eines Aufsichtsgremiums für die Exporte bekannt, dessen Leiter laut dem Minister Staatssekretär Mitarakis sein wird. Der Entwicklungsminister erklärte ebenfalls, dass für die strukturellen Änderungen Gemeinschaftsmittel in Höhe von 15 Mio. Euro erforderlich sein werden.

Der Staatssekretär des Entwicklungsministeriums gab die 7 Einheiten der Aktionen bekannt:

  1. Zusammentragung und Kodifizierung der Gesetzgebung über die Exporte je Produkt und Bestimmungsland. Dies wird bis Ende 2014 abgeschlossen sein.
  2. Aufnahme und Analyse der operativen Verfahren, damit die bürokratischen „Ankylosen“ ausfindig gemacht werden. Dies begann pilotweise für Feta, Pfirsiche und Kiwis. Innerhalb des Jahres 2013 werden die Verfahren für weitere fünf Produkte und 2014 für noch einmal die selbe Anzahl folgen.
  3. Bewertung der Gebühren und Verfahren für Exporte, damit einige reduziert oder einige völlig abgeschafft werden. Die ersten Ergebnisse wird es Ende 2013 geben.
  4. Modernisierung der Zoll-Vorverfahren und Zollverfahren. Die Verfahren zur Ausweitung der internen Abläufe schreiten voran. Innerhalb des Jahres 2013 wird das Programm pilotweise auf den Zoll von Patras zur Anwendung kommen und 2014 werden weitere Zollämter hinzukommen. Ebenfalls werden die Verfahren zur Teilnahme von mehr einschlägig zertifizierten Unternehmen an vereinfachten Verfahren voranschreiten. Derzeit sind es gerade einmal 3 Unternehmen, 2013 werden sie auf 50 und 2014 auf 100 zunehmen.
  5. Modernisierung und Ausweitung der Werkzeuge zur Risikoeinschätzung und -analyse schreitet voran, damit die weniger risikoträchtigen Bereiche in vereinfachte Verfahren aufgenommen werden.
  6. Elektronische Einreichung von Anträgen, Bescheinigungen und Unterlagen. Dies wird bis Ende 2013 und die elektronischen Zahlung werden bis Ende 2014 abgeschlossen sein.
  7. 2015 wird das „Single Window System“ abgeschlossen sein und in Betrieb genommen werden.

(Quelle: Imerisia)

  1. GR-Block
    12. November 2012, 12:01 | #1

    Ein guter Anfang. Man darf gespannt sein, ob der Anteil griechischer Investitionen in die Binnenwirtschaft dadurch steigt. Das ist das Hauptkriterium für alle politischen Bemühungen.

    Der jahrzehntelange private Kapitalabfluss in die EU rächt sich jetzt. Die gemeinschaftlichen EU-„Hilfsmittel“ konnten das nicht kompensieren. Stattdessen müssen traditionelle Unternehmerfamilien zurückkehren. Schnäppchenjäger müssen zurückgedrängt werden. Importware muss wieder teuerer und eigene, erstklassige Produktion gesteigert werden.

    Nicht auf Billigprodukte setzen, nicht auf Nischenmärkte. Das mag für den Einzelunternehmer kurzfristig lukrativ sein, geht aber für Volkswirtschaften regelmäßig schief. Es gibt eine ganze Reihe Märkte, wo griechische Unternehmen den schon vorhandenen Markt für sich wieder erschließen und Konkurrenz verdrängen können. Wie in den erfolgreichen EURO-Ländern, muss der Staat dafür die notwendige Unterstützung geben. Erst wenn mittelständischen Unternehmen auf einem starken Binnenmarkt etabliert sind, haben sie die Chance zum global Player aufzusteigen. Zulieferbetriebe für international Konzerne werden das kaum erreichen, denn sie sind erpressbar.

  2. Heinz
    12. November 2012, 14:32 | #2

    @ GR-Block

    Ein gutes Beispiel für falsch laufendes Geschäft: Sehr viel griechisches Olivenöl wird mit Tankwagen per Fähre nach Italien exportiert, sicher für keinen Höchstpreis. Und von dort wird es dann teuer in Flaschen verkauft, mit der Herkunftsbezeichnung „Aus dem Mittelmeerraum“. Also immer ein Hinweis, dass das Öl eben nicht aus Italien stammt.

    Weshalb machen das die griechischen Erzeuger so? Und weshalb vermarkten sie nicht selbst? Das würde mehr Einnahmen bedeuten und in Griechenland Arbeitsplätze schaffen.
    Oder ist es auf diese Art so richtig leicht verdientes Geld? Betrogen werden doch damit die Olivenbauern um ihren gerechten Anteil, oder?

    In diesem Forum wurde schon verwundert die Frage gestellt, weshalb es in Griechenland so wenig Genossenschaften gibt. Hier wären sie angebracht.

  3. GR-Block
    12. November 2012, 18:24 | #3

    @ Heinz
    Wirklich ein gutes Beispiel. Der Kunde schaut nicht, ob da drauf steht „Made in Greece“ sondern kauft „Minerva“. Weil’s die Werbung seit altersher so vorkaut.
    Italien kauft en gros griech. Ölivenöl verpackt es und verkauft es zurück. Das nennt man Recycling.

  4. Götterbote2012
    12. November 2012, 18:43 | #4

    @Heinz
    Grundsätzlich hast Du mit Deinem Beispiel natürlich recht und nennst auch gleich dazu das Problem: die Vermarktung.

    Die Italiener haben weltweit (!) den (oftmals ungerechtfertigten) Ruf von spitzenmäßigen Lebensmitteln, zurück zu führen auf deren „gute“ Küche. Ein Grund, warum weltweit italienische Nudeln, Olivenöle, Käse, Weine usw. bevorzugt gekauft werden. Oftmals reicht ja schon eine auf italienisch gemachte Verpackung aus, um die Leute damit zu ködern.

    Und wie sieht das traurige Gegenbeispiel dazu aus? Griechisch! Die wenigsten Deutschen (und weltweit) wissen, dass Griechenland ausgezeichnete Lebensmittel produziert, die international mit allen Spitzenprodukten mithalten können. Und das noch nicht einmal beim Olivenöl.

    Die Italiener (und andere auch, wie z.B. die Franzosen) haben sich über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte diesen Ruf erarbeitet. Die Griechen haben das, wie so vieles andere auch, verpennt. Was nicht heißen soll, das schleunigst zu ändern.

  5. tabascofan
    13. November 2012, 11:18 | #5

    @Götterbote
    Stimmt genau. Dazu kommt: Griechenland hat ein Imageproblem. Es gibt viele Deutsche, die inzwischen so genervt sind (z.B. wenn sie Frau Merkel als Hitler abgebildet sehen bei griechischen Demonstrationen oder wenn die deutschen Hilfen als „Übernahme“ interpretiert werden), dass sie alles Griechische meiden: vom griechischen Lokal bis zum griechischen Produkt, vom Urlaub ganz zu schweigen.

  6. Heinz
    13. November 2012, 13:30 | #6

    @ tabascofan

    Ich bin auch genervt, aber sicher nicht, dass Frau Merkel als Nazi dargestellt wird. Diese Dummheit spricht für sich. Aber ich bin genervt, wenn die Probleme immer Anderen zugeschoben werden. Und wenn Rest-Europa schuld sei an der Total-Verschuldung Griechenlands.
    Es hilft Griechenland keinesfalls, wenn hier Verschwörungstheoretiker und Demokratiefeinde ihr scheinbar mitfühlendes Herz entdeckt haben und Mitforisten, die ab und zu auch mal daran erinnern, wer das eigentliche Problem darstellt, als Unwissende abgestempelt werden.

    Nehmen wir doch mal den Lösungsvorschlag der Rückkehr zur Drachme. Ist das wirklich machbar? Was ist für Griechenland dabei gewonnen? Wie will Griechenland dann seine Importe bezahlen? Mit Spielgeld? Wer in Griechenland soll die Steuern, die für einen aufgeblähten Apparat aufgebracht werden müssen, bezahlen? Womit ist dieser Apparat bisher bezahlt worden? Wie will Griechenland eine dringend benötigte Industrie aufbauen, wenn wegen der unsicheren Kantonisten niemand mehr Vertrauen in dieses Land hat, das am liebsten seine Schulden nicht zurück bezahlen möchte, wenn man gewissen Vorschlägen der einzelnen Parteien befolgt? Wer wären die Leidtragenden, wenn wir davon ausgehen dürfen, dass keine der jetzigen Parteien wirklich an den Wurzeln der Probleme, nämlich bei Korruption und Selbstbedienung, Hand anlegen würde. Das ist ja in den letzten beiden Jahren der Krise auch nicht getan worden. Wann würde man damit anfangen wollen?

    Das ist das, was mich nervt, nicht das Geschimpfe auf Merkel und das Verfluchen von uns blöden Deutschen. Damit kann ich leben, weil ich weiß, dass die Mehrheit der Deutschen sehr wohl zu Griechenland steht, sehr wohl jedoch Taten sehen will. Und diese Taten fehlten bisher gänzlich. Und wer sagt denn, dass das, was jetzt im Parlament beschlossen wurde, auch eins zu eins umgesetzt wird? Da haben wir doch alle, wegen unguter Erfahrungen in der nahen Vergangenheit, unsere Bedenken, oder?
    Und wann beginnt tatsächlich das Rückholen des abgeflossenen Kapitals bzw. der damit entzogenen Steuern in zweistelliger Milliardenhöhe?

    Jeder, der in Athen oder sonstwo in Griechenland ein Plakat mit Sprüchen gegen die „Verbrecher“ der Finanzwelt oder der EU usw. hoch hält, hat damit zugegeben, dass er die Probleme des Landes nicht wirklich kennt oder ganz einfach nicht kennen will.
    Hier möchte ich meinen Beitrag beenden, es gäbe jedoch noch sehr viel zu sagen.

    Eines weiß ich jedoch: Hinsetzen und Nachdenken hat schon immer mehr geholfen als hilfloser Aktionismus. Nachdenken natürlich auch über sich selbst und darüber, was man selbst in der Vergangenheit getan hat, die Dinge positiv zu verändern.

  7. tabascofan
    13. November 2012, 14:42 | #7

    @Heinz
    Vieles Ihrer Ausführungen unterschreibe ich voll. Aber zur Währung: Der Euro ist für Griechenland eine zu starke Währung, das macht das Leben teuer. Als Lösung ist die externe Abwertung beim Euro nicht mehr möglich, die interne Abwertung (Senkung der Ausgaben, der Löhne, der Renten etc.) schwer durchsetzbar, wie wir sehen.
    Ich denke nicht, dass Griechenland mit dem starken Euro eine Chance auf Wettbewerbsfähigkeit hat. Eine andere/flexiblere Währung wäre erstmal auch eine Tortur, aber es gäbe wenigstens eine Zukunft. Aber das ist eine Entscheidung, die von der griechischen Bevölkerung getroffen und dann auch getragen werden muss. Da sollte sich das Ausland raushalten.

  8. GR-Block
    13. November 2012, 16:17 | #8

    @ tabascofan
    Die Sorge um das Image von GR ist unbegründet. Die von der EU empfohlene Nische Tourismus läuft ganz prächtig. Zwar hatte die Agenda 2010 die Zahlen der deutschen Urlauber einst eduziert, gleichzeitig sprangen aber die Nachbarländer ein. Die jetzige Wirschaftskrise, hat die deutschen Touristenzahlen nur im ersten Jahr der Pressehetze ein wenig einsinken lassen. Auch hier haben längst Russen, Araber und Juden kompensiert.

    Sorgen machen die anderen Wirtschaftsbereiche im Inland. Der Verdrängungsprozess inländischer Firmen vom Markt ist intesiv. Ausländische Firmen bringen ungerne Arbeitsplätze. Sie wollen ihre Kapazitäten zuhause auslasten. Diese Sorgen teilt die EU allerdings nicht. Griechenland exportiert seit vielen Jahren erfolgreich Arbeitsplätze. Inzwischen tun es nicht nur ausländische Unternehmen, sondern auch gr. Unternehmer selbst. Sie erhalten EU-Subventionen, wenn sie in den Nachbarländern Arbeitsplätze schaffen. Ihr Argument: Wettbewerbsfähigkeit.

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