Untersuchungsrichter bestätigt polizeiliche Folterung in Griechenland

31. Oktober 2012 / Aktualisiert: 01. November 2012 / Aufrufe: 987

Gerichtsmediziner dementieren Dendias – Chrysi Avgi

Bevor überhaupt die Befunde der Gerichtsmediziner in die Hände der Rechtsanwälte der Verteidigung gelangten, trat Nikos Dendias am 16 Oktober im Parlament auf, als ob er über die Unterlagen des – im übrigen „geheimen“ – Vorverfahrens unterrichtet sei. Wissen, welches er auch mit der Chrysi Avgi zu teilen schien.

Herr Dendias sputete sich, dem Bericht zuvorzukommen, indem äußerte, „es wird kein Anzeichen für Elektroschock noch eine Verbrennung existieren. Es wird nur die Blutergüsse und Verletzungen geben, die aus der Tatsache resultieren, dass es vorher einen Zusammenstoß mit anderen und davon abgesehen vorher auch Widerstand gegen die Polizei gab„. Er beschuldigte sogar die britische Zeitung „Guardian“, welche die Meldungen veröffentlichte, einer „untergeschobenen Publikation“ und drohte mit Strafanzeigen. Hinter der Veröffentlichung vermutete er sogar auch die SYRIZA-Partei!

Merkwürdigerweise hatte die selbe Information auch die Chrysi Avgi, die in Blatt 795 ihrer gleichnamigen Zeitung am 17.10.2012 auf der ersten Seite unter dem Titel verbreitete „Die Massenmedien decken die Blamagen der SYRIZA – Angebliche Folterungen sind Betrug„. Auf den inneren Seiten der Zeitung wurde angeführt, „die … Folterungen, welche angeblich die Schützlinge (Anmerkung: der SYRIZA) erlitten, waren ein schlecht konstruierter Betrug“ und den Lesern versichert: „Alles erwies sich also als ein schlecht inszenierter Betrug! Laut exklusiven Informationen des Portals parapolitika.gr stellt die nach den ‚Anzeigen‘ der 15 Anarcho-Kommunisten von dem Untersuchungsrichter angeordnete gerichtsärztliche Untersuchung fest, dass sie niemals Elektroschocks und Folterungen mit Feuerzeugen unterzogen wurden, da sie keinerlei Verbrennung aufweisen.

Einträchtiger Gleichklang zwischen Dendias und Chrysi Avgi

„Zufälligerweise“ bedienen sich allerdings Nikos Dendias und Chrysi Avgi außer der gemeinsamen Information über den Inhalt der gerichtsärztlichen Befunde auch der selben Phraseologie, wie den komischen Befund über das … Feuerzeug!

Was jedoch der politische Vorgesetzte der DELTA-Einsatzgruppe nicht „sah“, nahmen mit völliger Klarheit nicht ein, sondern acht Gerichtsmediziner auf.

In dem gerichtsärztlichen Befund Nr. 1150 mit Protokoll-Nr. 1696/02.10.2012 wird verzeichnet:

  • Prellwunde an den Weichteilen der Kopfbehaarung im rechten Scheitelbeinbereich, bedeckt von einem Blutgerinnsel mit einer Länge von 1,7 cm.
  • Prellungsergüsse im rechten Schläfen- und Jochbeinbereich.
  • Abschürfungen am linken Ellbogengelenk.
  • Ausgedehnte Prellungsergüsse im rechten Nierenbereich (Blutergüsse).
  • Ausgedehnter Bluterguss an Außen- und Rückseite des rechten Oberschenkels.

In dem gerichtsärztlichen Befund wird ebenfalls bezüglich des Festgenommenen (der nebenbei bemerkt den ganzen Abend mit gebrochener Hand und blutendem Kopf in der GADA verblieb, ohne dass ihn ein Arzt sah) angeführt, „er trägt einen Gipsverband und eine Dreipunktaufhängung der oberen Extremitätt“. Die erfolgte Röntgenaufnahme zeigte einen Bruch des 3. Mittelhandknochens der rechten Handextremität. Es wurde eine neurochirurgische Begutachtung empfohlen, die – wie (Anmerkung: von dem Opfer) angeführt – nicht erfolgte. Er trägt einen elastischen Verband am linken Schienbein und weist an dessen Vorderseite zwei Prellwunden mit einer Länge von ungefähr 1,5 und 0,8 cm auf.

Im Endergebnis des Befundes ergeht die Rede von „schwerer Körperverletzung durch ein pressendes – stumpfes Mittel der Verursachung„.

„Feuerzeug“ des Herrn Dendias war ein Taser

In einem anderen gerichtsärztlichen Befund (Bericht Nr. 1148, Protokoll-Nr. 2044/01.10.2012) über den Festgenommenen, der anzeigt, mit einem Polizei-Taser „behandelt“ worden zu sein, ergeht in den Befunden die Rede von einer Verletzung, die zu jener passt, die von der elektronischen Pistole verursacht wird.

Konkreter wird eine „von einem Bluterguss begleitete Hautabschürfung mit einem Durchmesser von 0,9 cm und einem darunter befindlichen zyklischen Rötungsherd im unteren Teil des Brustkorbbereichs der Wirbelsäule durch ein spitzes Organ“ angeführt!

Ebenfalls ergeht in der Gesamtheit der gerichtsärztlichen Befunde die Rede von körperlichen Verletzungen „mittels eines pressenden stumpfen Organs„, Ödemen und ausgedehnten Schlagergüssen und wird verlangt, dass die Patienten für zwei Tage bis zu einem Monat „ihrer Beschäftigung fernbleiben“.

Die Stunde der Strafanzeigen

Eins der Argumente des Nikos Dendias bei seiner phantasierenden Rede im Parlament war „warum erstatten sie also keine Strafanzeigen?„. Der Minister für öffentliche Ordnung und (um es nicht zu vergessen) Inspirator des berüchtigten Vermummungsgesetzes war wieder übereilig und vergaß sogar auch sein juristisches Studium.

Die Rechtsanwälte der Festgenommenen erklärten vom ersten Augenblick an, umgehend zu Strafanzeigen schreiten zu werden, sobald die Prozessakte mit den gerichtsmedizinischen Berichten vervollständigt wird, die erst zu Beginn der vergangenen Woche in ihre Hände gelangten. Zusätzlich kann gemäß dem ihnen von dem Gesetzt gewährten Recht die Strafanzeige innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten ab dem Tag erstattet werden, an dem die anfängliche Anzeige erfolgte.

Die Strafanzeigen werden unter Berufung auf Artikel 137 a des Strafgesetzbuchs über die Folterungen erfolgen, der bestimmt: „Folterungen stellen jede methodisierte Verursachung intensiven körperlichen Schmerzens oder körperlicher Erschöpfung, welche die Gesundheit gefährden, oder seelischen Leidens, das geeignet ist, einen ernsthaften psychischen Schaden herbeizuführen, sowie auch jede rechtswidrige Verwendung chemischer, narkotisierender oder anderer natürlicher oder künstlicher Mittel zu dem Zweck dar, den Willen des Opfers zu beugen. Die von den Personen ausgeübte körperliche Misshandlung, Schädigung der Gesundheit, Ausübung illegaler körperlicher oder psychologischer Gewalt und jede andere ernsthafte Beeinträchtigung der menschlichen Würde wird mit einer Haftstrafe von wenigstens 3 Jahren geahndet, wenn sie nicht durch eine andere Bestimmung härter bestraft wird“ …

(Quelle: Avgi)

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  1. V99 %
    31. Oktober 2012, 11:06 | #1

    Das ist ein unfassbarer Skandal, der auf erschreckendste Weise die Involvierung zwischen der griechischen Polizei/Regierung und den Faschisten/Nazis zeigt!!
    Angemerkt sei auch, dass es sich bei dem erwaehnten „Taser“ um einen ELEKTROSCHOCKER handelt!
    Da hier ja einige Kommentatoren die Moeglichkeit einer Staerkung oder gar „Machtergreifung“ der faschistischen Chrysi Avgi von vorneherein ausschliessen, birgt gerade das eine grosse Gefahr. Es gab Geruechte, dass dieses Land im November 2011 kurz vor einem Militaerputsch stand. Aufgrund der Hochruestung, die in den letzten Jahren betrieben wurde und der allgemein miserablen Wirtschaftslage, die auch durch die Troika und die Banken herbeigefuehrt wurde, sehe ich diese Gefahr groesser werden. Die Gehaltskuerzungen der Militaers werden sicher auch dazu beitragen, dass auch dort die „braune Saat“ aufgeht.
    Der Abschlusskommentar aus dem Guardian, eines Mitte 30 jaehrigen Opfers der Polizeifolter, lautete: „Hey ihr Reporter, veroeffentlicht diese Geschehnisse. Ihr muesst ihnen sagen, was hier in diesem Land passiert, das so viel unter dem Faschismus gelitten hat. Niemanad wird uns seine Aufmerksamkeit schenken, wenn ihr nicht ausserhalb davon berichtet!“
    Wilkommen im europaeischem Abu Ghraib/Guantanamo !!
    http://www.guardian.co.uk/world/2012/oct/09/greek-antifascist-protesters-torture-police?INTCMP=SRCH

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