Steuerhinterziehung im Liechtenstein Griechenlands

19. Oktober 2012 / Aktualisiert: 26. September 2017 / Aufrufe: 1.830

Die Steuerbehörden erklären sich außer Stande, die 184 dubiosen Offshore Gesellschaften in dem Gebiet Kranidi auf der Peloponnes in Griechenland zu kontrollieren.

Zwölf Monate nachdem in Griechenland die Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ die Angelegenheit mit den offensichtlich allein zur Steuervermeidung gegründeten dubiosen Offshore Gesellschaften in der Region Kranidi (Peloponnes) enthüllte, die aus diesem Grund von vielen auch das „griechische Liechtenstein“ genannt wurde, ist keine der Firmen überprüft worden.

Im Finanzministerium … heben sie die Hände hoch und argumentieren, dem Finanzamt (D.O.Y.) von Nafplio seien nur zwei Beamten verblieben, die dem ungeheuren Arbeitsvolumen nicht zu entsprechen vermögen.

Die Fälle mit den 184 Offshore Gesellschaften in Kranidi und weitere 200.000 offene bzw. ungeprüfte Steuersachen verjähren am 31 Dezember 2012. Um mit der Prüfung dieser Angelegenheiten nachzukommen, erwägt deshalb das griechische Finanzministerium, die Verjährungszeit der Geschäftsjahre 2000 – 2006 bis zum 31 Dezember 2013 zu verlängern.

184 Offshore Gesellschaften mit Immobilien im Wert von zig Millionen Euro

Detaillierter erscheinen auf der Liste, die von der SDOE erstellt wurde, 184 Offshore Gesellschaften, die Immobilien im Wert von Millionen Euro in ihrem Besitz zu haben scheinen, ohne die jährliche Immobiliensteuer entrichtet zu haben. Bezeichnend ist, dass eine dieser Gesellschaften mit einem Gesellschaftskapital von 50.000 Euro Immobilien in ihrem Besitz hat, deren Wert 8 Mio. Euro tangiert.

Die Offshore Gesellschaften werden hauptsächlich von einheimischen Rechtsanwälten, Notaren, Kleinunternehmern oder sogar auch beschäftigungslosen Personen vertreten. Charakteristisch ist, dass unter diesen eine Person gefunden wurde, die 6 Gesellschaften repräsentierte, und ein Landwirt vertrat insgesamt 14 Firmen.

Die SDOE übermittelte die Akte an die zuständige Finanzbehörde (D.O.Y.) Nafplio, welche die Steuerprüfungen hätte durchführen müssen. Die D.O.Y. Nafplio erklärte jedoch im vergangenen Juni in einem Schreiben an das Finanzministerium, nicht in der Lage zu sein, die 184 Gesellschaften zu kontrollieren, während die konkreten Fälle Ende des Jahres 2012 verjähren.

Um die DOY Nafplio zu „entlasten“, teilte der Staatssekretär im Finanzministerium, Georgios Mavraganis, dem Parlament mit, dass sich ein Ministerialbeschluss im Stadium der Veröffentlichung befindet, der die Durchführung der regulären Steuerprüfungen und übrigen Besteuerungen aller ungeprüften Geschäftsjahre von 161 Offshore Gesellschaften dem peripheren Kontrollzentrum Athen anträgt.

Von insgesamt 13 Mrd. € wurden bisher nur 19 Mio. € eingetrieben

Eindruck verursacht ebenfalls die Tatsache, dass fast zehn Monate nach der Erstellung der Liste mit den Großschuldnern des Fiskus, deren Schulden jeweils 5 Mio. Euro übersteigen, das Finanzministerium geschafft hat, von den insgesamt 13 Mrd. Euro gerade einmal 19 Mio. Euro einzutreiben.

Die bei den Finanzämtern und dem Kontrollmechanismus herrschenden Zustände, enthüllt der Staatssekretär des Finanzministeriums, Georgios Mavraganis, mit seinen Antworten, die er im Parlament gab:

  • Die Akte mit den Großschuldnern wurde 21 Inspektoren des operativen Einnahmestabs des Finanzministeriums angetragen. Seit dem 01 Mai 2012 bis zum 31 August 2012 schafften die 21 Prüfer, 459 Akten mit fälligen Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 19,06 Mio. Euro anzulegen. Für diese Fälle sind bisher 134 Pfändungen zu Händen Dritter verhängt worden, 143 Fälle befinden sich in Insolvenz und 14 unter Sonderliquidation.
  • Im selben Zeitraum wurden von den Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 13 Mrd. Euro gerade einmal 19.062.985 Euro eingetrieben.

(Quelle: Imerisia)

  1. Heinz
    19. Oktober 2012, 11:36 | #1

    Das alles ist einfach nur furchtbar beschämend.

    Die Behörden haben die Tragweite ihres Handelns und der entsprechenden Auswirkungen auf das Vertrauen, das dadurch im Ausland beschädigt wird, überhaupt noch nicht erkannt. Wer mit solchen Ministern, Regierungsbeamten usw. arbeiten muss, der ist nun wirklich nicht zu beneiden.
    Ich könnte schreien, wenn ich lese, dass „sich ein Ministerialbeschluss im Stadium der Veröffentlichung befinde“.
    Ja um Himmels willen, exisitiert die Krise erst seit gestern?

    Nein, ich habe das Gefühl es soll tatsächlich wieder alles in weite Ferne verschoben werden.

  2. Juls
    19. Oktober 2012, 15:17 | #2

    Ja Heinz, da hast Du dich ja noch hoeflich ausgedrueckt.
    Ich kenne ja nun das Finanzamt hier in Nafplio, da sieht es wirklich beschaemend aus. Ich will mich dazu auch garnicht weiter aeussern … sonst wird mir nur schlecht. Mein Mann hat dort seine Steuerschulden von nicht mal 40 Euro … 1 Woche spaeter bezahlt und bekam gleich 6 Euro Zinsen aufgebrummt und dieser ganze Sumpf da in Kranidi/Porto Heli (denn da sitzen die Hoheiten mit ihren Villen) verjaehrt schon am 31.12 2012, da bekommt man Magenkraempfe. Die wollen/sollen doch garnichts aufdecken … die kriegen doch Druck von den „Hoheiten“ …

  3. Juls
    19. Oktober 2012, 15:25 | #3

    ein kleiner Nachsatz sei mir noch gewaehrt …

    und das passiert alles, wo heute doch per Computer alles vernetzt und verbunden ist. Vor ein paar Tagen erzaehlte ein frueher Finanzamtschef im Fernsehkanal Ant1, dass man heute bei der Vernetzung nur noch kurze Zeiten benoetigt, um Aufklaerung ueber das Netz der hohen Steuerhinterziehungen betreiben zu koennen.

  4. marcos
    20. Oktober 2012, 02:49 | #4

    Kein Wunder-sind die Reichen doch die Freunde der Politiker und Spender…

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