Millionen-Party für ERGOSE – AKTOR in Griechenland

30. Oktober 2012 / Aufrufe: 812

Im Rahmen der Modernisierung der historischen Bahnstrecke Lianokladi – Domokos in Griechenland soll der Staat um 1,5 Millionen Euro geschädigt worden sein.

Halbfertige Tunnel, Überbescheinigungen von Arbeiten und Millionen Euro, die auf eine denkbar vertragswidrige Weise ausgezahlt wurden, „verwünschen“ das Projekt der „goldenen“ Tunnel im Gebiet „Lianokladi – Domokos“, zu deren Erstellung die ERGOSE (Tochtergesellschaft der OSE) sich vertraglich mit der Konstruktionsgesellschaft AKTOR SA des bekannten Unternehmers Herrn Georgios Bobolas einließ.

Der niederschmetternde Bericht eines Stabs von Inspektoren, die auf Anweisung des Generalinspektors der öffentlichen Verwaltung, Herrn Leandros Rakitzis, Kontrollen bei dem kostspieligen Projekt durchführten, verzeichnet eine unglaubliche finanzielle Party, die zwischen Funktionären der ERGOSE (Tochtergesellschaft des Konzerns der Griechischen Bahn OSE), aber auch der Unternehmergesellschaft AKTOR ausgerichtet wurde.

Aus der Prüfung der Inspektoren geht ein besonders hoher Schaden hervor, da belegt wurde, dass Tunnel gebaut wurden, die halbfertig und „unbrauchbar gemacht“ bleiben, Überbescheinigungen und Auszahlungen von Millionen Euro von der ERGOSE an die AKTOR für Arbeiten gemacht wurden, die bis zu jenem Zeitpunkt nicht erfolgt waren, aber auch Vergütungen gezahlt wurde, welche die Unternehmergesellschaft trotz der Tatsache erhielt, dass sie kein Recht darauf hatte.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Veruntreuung

Es ist anzumerken wert, dass der vernichtende Bericht inzwischen den staatsanwaltschaftlichen Behörden im Rahmen einer strafrechtlichen Voruntersuchung übergeben worden ist, welche Herr Aristidis Koreas durchführt, der die Involvierten bereits vorgeladen hat, in der Eigenschaft des Verdächtigen auszusagen. Der Bericht ist ebenfalls auch an den Entwicklungsminister Herrn Kostis Chatzidakis geschickt worden. Laut Informationen werden die Straftaten der Veruntreuung und der unwahren Bescheinigung untersucht.

Die Inspektoren lasten ihrerseits in der Schlussfolgerung ihres Berichts besonders schwere Verantwortungen der leitenden Dienststelle (Direktion für Erstellung von Projekten II), der vorstehenden Behörde (Vorstandsrat der ERGOSE S.A.), aber auch der Forstverwaltung von Lamia an. Parallel fordern sie die Baugesellschaft auf, die Millionen Euro zurückzuzahlen, die sie unberechtigt einnahm!

Die Sache wurde von Zougla-TV in der Sendung „Cosa Nostra Live“ aufgedeckt.

Wie der Herr Unternehmer wünschen

Die aufmerksame Lektüre des Berichts überzeugt auch den in Bauarbeiten völlig Unbewanderten davon, dass die Funktionäre der ERGOSE der Unternehmergesellschaft nicht nur einfach jeden „Gefallen“ getan, aber auch hohe Summen ausgezahlt haben, die den Unternehmern des Projektes als „kleine Präsente“ gegeben wurden. Die Zusammenfassung der verzeichneten finanziellen Misswirtschaft ist laut dem Bericht der Hilfstunnel von Moschokaria, der angeblich der Beschleunigung der Arbeiten dienen sollte. Der konkrete Tunnel verbleibt bis heute halbfertig, wird als „Hilfsmonument der Misswirtschaft“ charakterisiert und schädigte wiederum den Staat um 1,5 Mio. Euro.

Die Untersuchung enthüllte parallel auch eine Menge von Überbescheinigungen, da die Tochtergesellschaft der OSE der AKTOR Millionen Euro für Arbeiten zahlte, welche – bis zu jenem Zeitpunkt – nicht erfolgt waren und auf eine „magische“ Weise bestätigt und mitgezählt worden waren! Das bezeichnendste Beispiel stellt das dar, was mit der 22. Rechnung über einen Gesamtbetrag von 79.332.652 Euro geschah. Wie in dem Bericht angeführt wird, wurden sowohl Arbeiten, die nicht über eine vertragliche Legitimierung verfügten um bescheinigt zu werden, aber auch völlig unausgeführte Arbeiten bescheinigt, wobei die Unternehmergesellschaft 31,5 Mio. Euro für Arbeiten erhält, die bis zu jenem Augenblick nicht realisiert worden waren. Die Arbeiten wurden schließlich und nach den erfolgten Meldungen ausgeführt, jedoch erhielt der Unternehmer jedoch wieder 1,5 Mio. Euro zuviel!

Parallel scheint die ERGOSE für die sichere Erbauung von Tunnels in sensiblen Gebieten 2,2, Mio. Euro an die AKTOR gezahlt zu haben Das Paradoxe an der Sache? Der konkrete Betrag hätte nicht gezahlt werden dürfen, da aus dem Vertrag vorgesehen war, dass der Unternehmer keine Bezahlung erhalten würde, wenn er wegen der Schwierigkeiten, denen er begegnete, zu zusätzlichen Arbeiten schreiten würde.

Abgesehen von dem vorstehend Angeführten ergab sich aus der Überprüfung seitens der Inspektoren, dass ERGOSE und AKTOR die finanziell unvorteilhaftesten Methoden wählten, um das Projekt „ans Laufen“ zu bringen. Unter dem Vorwand der Minimierung der Bauzeit der Tunnel und der Fertigstellung des Projekts innerhalb von 48 Monaten wurde die Erstellung zwei seitlicher Hilfstunnels gewählt, einer südlicher (von Moschokaria) und einer nördlicher (von Ag. Stefanou). Die … auf dem Papier vollzogenen Pläne hätten senkrecht das Paar der Haupttunnel tangiert und somit vier zusätzliche Tunnelbaufronten geschaffen. Der bei Moschokaria „half“ natürlich niemals.

Das Geheimnis ist jedoch woanders verborgen. Mit der konkreten Planung erhöhten sich die ursprünglichen vier (Bau-) Fronten auf 12. Das Schlimmste? Laut den Prüfern gab es neun alternative und wirtschaftlichere Programme, die jedoch – merkwürdigerweise – verschmäht wurden.

Behörden stellten sich Meldungen der Berater gegenüber taub

Der Skandal der „goldenen“ Tunnel wäre nicht aufgedeckt worden, wenn die Planungsbüros, welche die Beaufsichtigung des Projekts übernommen hatten (Maliou S.A. – Intesca-Inarsa S.A.), sich am 21 März 2011 nicht mit „heißen“ Anzeigen an den damaligen Minister für Infrastrukturen, Herrn Reppas, und den Generalinspektor der öffentliche Verwaltung, Herrn Leandros Rakintzis, gewendet hätten. Bis zu jenem Moment hatte sich weder die physische noch die politische Führung der ERGOSE für die Meldungen interessiert, welche ungeheure Geschehnisse verzeichneten.

Das Projekt des großen Tunnels des Höhenzuges Othrys wurde im April 2007 mit dem Vertrag Nr. 407/07 der AKTOR ATE angetragen. Es hatte einen Etat von 324 Mio. Euro und die Konstruktionskosten wurden – mit dem Rabatt von 35% – auf 210 Mio. Euro festgelegt. In dem Vertrag wurde der 24. April 2011 als Frist für die Ausführung des Projekts und der 21. August 2012 als äußerste Frist bestimmt.

Bis wir im März 2011 angelangen, wo auch der Projektberater einen viele Seiten umfassend „Brandbericht“ an den damaligen Verkehrsminister, aber auch den Vorstand und die Direktion für Studien, Normen und Verordnungen der ERGOSE einreicht, mit dem er anführte, hinsichtlich der unterirdischen Tunnelprojekte eine Vielzahl vertragswidriger Handlungen und Unterlassungen sowohl seitens der AKTOR als auch seitens der zuständigen Aufsichtsbehörden der ERGOSE festgestellt zu haben, werden die Unregelmäßigkeiten von einer eigenartigen Omertà verhüllt.

Bezeichnend ist, dass – bis das Ministerium in Bewegung gerät und die Sache sowohl den staatsanwaltlichen Behörden als auch dem Generalinspektor der öffentlichen Verwaltung anträgt – sich kein … Blatt bewegt hatte.

Bis dahin hatten natürlich die Büros der Berater wiederholt Überbescheinigungen (also Bescheinigungen nicht erfolgter Arbeiten) in Höhe von 20 Mio. Euro, Vorab-Bescheinigungen (also Bescheinigungen von Arbeiten, die erfolgten, ohne vertraglich für eine Bescheinigung reif zu sein) in Höhe von 17 Mio. Euro, die Überschreitung exklusiver Teilfristen um 3 bis 20 Monate, die Verletzung von Regeln zur Aufstellung des genehmigten Zeitplans und noch viel mehr gemeldet.

(Quelle: Zougla.gr)

  1. Karlie
    30. Oktober 2012, 19:36 | #1

    Was sind schon ein paar Millionen im Vergleich zu den Milliarden die dem Volk aufgedrückt werden ?

  2. yiannis22
    30. Oktober 2012, 22:15 | #2

    Solche Sachen wundern doch hier niemanden mehr. So funktioniert Griechenland schon seit Jahrzehnten. Vetternwirtschaft und Klüngel. Überall wo Geld und Macht ist wird mit (man entschuldige diese abgedroschene Wort) Networking dafür gesorgt, dass noch mehr von beidem dazukommt.

  3. Helen
    2. November 2012, 12:26 | #3

    Und warum sind nun alle überrascht? In GR lief es nie anders. Früher hat sich kein Mensch darüber aufgeregt.
    Vielleicht haben die Leute, die das Ganze gemeldet haben einfach dieses Mal nicht hren „Anteil“ bekommen und deshalb alles veröffentlicht.

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