Griechenland wird nicht zur sturmfreien Bude werden

8. Oktober 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 870

Mit einer deutlichen Botschaft an Linke und Gewerkschaften beschied Antonis Samaras, Griechenland nicht zur sturmfreien Bude werden zu lassen.

Ein energisches Signal der Entschlossenheit, das Land nicht zu einer sturmfreien Bude werden zu werden, sendete der griechische Premierminister Antonis Samaras mit seinen – nicht unumstrittenen – Erklärungen an die Parteien der Linken und die Gewerkschafter, die zu Besetzungen öffentlicher Gebäude und Unruhen anstiften, und verurteilte die vorgestrigen beispiellosen Ausschreitungen im Verteidigungsministerium.

Einen Strahl der Hoffnung schafft zur selben Stunde der Besuch der bundesdeutschen Kanzlerin Angela Merkel am kommenden Dienstag (09 Oktober 2012) in Athen, um Unterredungen mit dem griechischen Premierminister zu führen. Antonis Samaras charakterisierte den Besuch der deutschen Kanzlerin als sehr positive Entwicklung und erklärte, sie empfangen zu werden „wie es einem Führer einer großen Macht und eines befreundeten Landes wie Deutschland gebührt„.

Der Besuch Frau Merkels wenige Wochen nach dem Besuch Samaras‘ in Berlin wird auch auf symbolischem Niveau als signifikant betrachtet, da die „Stippvisite“ der Kanzlerin als Geste der Unterstützung an die Regierungspolitik, aber auch Antonis Samaras persönlich zu einer Stunde interpretiert wird, in der Griechenland einen Kampf ausfechtet, um die Verhandlungen mit der Troika zum Abschluss zu bringen, aber auch die Auszahlung der blockierten Tranche der 31,5 Milliarden Euro zu erreichen.

Premierminister fürchtet politische Instabilität in Griechenland

Was den Premierminister jedenfalls stark beunruhigte, waren die Geschehnisse im Verteidigungsministerium, während auch Nörgeleien bezüglich der Haltung der politischen Führung des Ministeriums und der gesamten Handhabung des Themas zu erklingen begonnen haben. Antonis Samaras fürchtet, dass angesichts der schwierigen Entscheidungen die Gefahr eines Klimas der Instabilität lauert, was die Bemühungen der griechischen Regierung sehr erschweren würde. Deswegen sorgte er gestern dafür, eine Botschaft an die Parteien der Linken zu senden, die er praktisch – wie seine Gesprächspartner betonten – für den weiteren Verlauf verantwortlich macht.

Derzeit trägt die Regierung einen Kampf an allen Fronten für die Seriosität des Landes und die Rettung des Vaterlandes aus, damit die ungeheuren Opfer des griechischen Volkes nicht umsonst waren„, erklärte der Premierminister gestern unmittelbar nach seiner Ankunft aus Paris und fügte an: „Alle, die glauben, ich werde das Land zu einer sturmfreien Bude werden lassen, erliegen einem Irrtum, und ich bedaure besonders jene, die wissen was Gesetz und Demokratie bedeuten und nicht nur nicht helfen, sondern auch Hindernisse schaffen und Öl ins Feuer schütten.

Der griechische Premierminister endete mit der Äußerung: „Alle sollen wissen, dass wir nicht die Orientierung verlieren. Wir werden den Kampf mit der selben Kühnheit und Entschlossenheit fortsetzen, zum Wohl dieses Landes.

Gespräche über Auszahlung der anhängigen Tranche

Der Besuch der Bundeskanzlerin in Athen wird als sehr bedeutsam beurteilt, zumal er Einschätzungen zufolge einen Katalysator für die Auszahlung der nächsten Tranche der Hilfskredite an Griechenland darstellen wird, da gemäß dem Zeitplan die Verhandlungen mit der Troika über das neue Maßnahmenpaket abgeschlossen sein werden, während ein weiteres Treffen der politischen Führer ansteht.

In Bezug auf den Besuch Angela Merkels äußerte Regierungssprecher Simos Kerdikoglou in einer Erklärung, es sei das erste Mal nach fünf Jahren, dass die Kanzlerin Deutschland Griechenland besucht, und betonte: „Dieser Besuch ist sehr positiv für die Kräftigung der traditionellen Bindungen der beiden Staaten und wird sicherlich einen weiteren Schritt für die signifikanten zukünftigen europäischen Entscheidungen darstellen.

Geldreserven Griechenlands reichen bis November 2012

Wenn wir scheitern, erwartet uns das Chaos„, lautet der Titel eines Interviews, welches Premierminister Antonis Samaras der deutschen Wirtschaftszeitung „Das Handelsblatt“ gab und in dem er betont, die Liquiditätsreserven Griechenlands reichen bis November aus.

Herr Samaras bekräftigte die Entschlossenheit und Hingabe der Regierung hinsichtlich der Reformen und Umsetzung der Verpflichtungen und verlangte mehr Zeit, aber nicht zusätzliche Gelder.

(Quelle: Vradyni, S. 8)

Relevanter Beitrag:

  1. Heinz
    8. Oktober 2012, 13:25 | #1

    Zitat:

    “Derzeit trägt die Regierung einen Kampf an allen Fronten für die Seriosität des Landes und die Rettung des Vaterlandes aus, damit die ungeheuren Opfer des griechischen Volkes nicht umsonst waren“, erklärte der Premierminister gestern unmittelbar nach seiner Ankunft aus Paris und fügte an: “Alle, die glauben, ich werde das Land zu einer sturmfreien Bude werden lassen, erliegen einem Irrtum, und ich bedaure besonders jene, die wissen was Gesetz und Demokratie bedeuten und nicht nur nicht helfen, sondern auch Hindernisse schaffen und Öl ins Feuer schütten.“

    Vilelleicht sollte Samaras weniger schwülstig daher reden, als vielmehr alle Griechen zu Opfern heran ziehen. Denn „die ungeheuren Opfer des griechischen Volkes“ waren doch bisher vor allem Opfer derjenigen, die sowieso schon wenig haben. An die Großen traut sich der Herr nicht heran. Und da ist der sich mit allen einig, die die neoliberale Wirtschaft noch weiter ausbauen wollen. Das wird Griechenland, und nicht nur ihm, endgültig einer Zerreißprobe aussetzen.

  2. Helmut K.
    10. Oktober 2012, 15:36 | #2

    Heinz,
    dein letzter Absatz sagt alles aus.

    Ich frage mich, worauf die griechische Regierung noch wartet, wo ihnen doch alle Fakten der Verwaltung bekannt sind. Die Regierung muss endlich regieren und sich nicht von den eigenen Verwaltungen an der Nase herumführen lassen.

    Alle Seilschaften müssen durch Umsetzung innerhalb der Behörden zerschlagen werden.
    Junge Griechen und Griechinnen müssen schnell angelernt werden, damit diese energisch allen Ungereimtheiten ein Ende bereiten können.
    Möglicherweisen können gewiefte deutsche Steuerfachleute hier behilflich sein. Aber wenn man sich nicht in die Karten gucken lassen will weil man befürchtet, dass Ungereimtheiten aufgedeckt werden, dann wird daraus nie etwas.

    Wenn alle Stricke reißen, sollte die Bevölkerung die Verwaltungsleute aus den Ämtern jagen. Aber ich glaube dafür sind die Griechen zu brave Leute.

  3. Lapalulli
    16. Oktober 2012, 19:05 | #3

    @Helmut K.
    Wie soll die Regierung die Seilschaften zerschlagen, wenn sie und die Leiter von Behörden im Rousfeti-System selbst Bestandteil der Seilschaften sind?

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