Griechenland will Lebensdauer der Frischmilch verlängern

23. Oktober 2012 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 2.021

In Griechenland wird die Verlängerung der bisher auf 5 Tage beschränkten Haltbarkeit pasteurisierter Frischmilch erwogen, um ein Sinken der Einzelhandelspreise zu erreichen.

Die griechische Regierung schickt sich zu einer „Liberalisierung“ der Lebensdauer der „Frischmilch“ an. Auf dem Tisch der Diskussionen zwischen den Ministerien für Entwicklung und Landwirtschaftsentwicklung befindet sich laut Informationen die Abschaffung der Beschränkung von 5 Tagen, die heute auf Basis eines Präsidialdekrets aus dem Jahr 1999 für die pasteurisierte Milch gilt, damit der Wettbewerb gesteigert und die Preise gesenkt werden.

Quellen des Ministeriums für Landwirtschaftsentwicklung und Lebensmittel besagen, Minister Athanasios Tsavtaris scheint willig zu sein, das Thema der Lebensdauer der pasteurisierten Frischmilch zu untersuchen, da sein Ministerium diese Zuständigkeit inne hat und sich in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretär des Entwicklungsministeriums, Athanasios Skordas, befindet, der das Thema als erster stellte und erachtet, die Liberalisierung könne die Preise senken, da Griechenland bei Molkereiprodukten das teuerste Land in ganz Europa ist.

In Griechenland gilt die Milch als „frisch“, die eine Lebensdauer von 5 Tagen hat. In anderen Ländern der Europäischen Union gestaltet sich die Lebensdauer im Durchschnitt auf 9 Tage (Deutschland, Holland, Großbritannien u.a.), Seit 2006 bis heute wurde das Thema etliche Male von dem Entwicklungsministerium an das Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung gestellt, welches jedoch nicht zustimmte, mit dem Ergebnis, dass die Maßnahme nicht voranschreitet.

Griechenland hat die höchsten Milchpreise in ganz Europa

Die griechischen Konsumenten sind gezwungen, sogar bis zu 50% mehr als andere Europäer zu zahlen, um einen Liter pasteurisierte Milch zu kaufen. „Es ist eine Situation, die angegangen werden muss„, äußert Herr Skordas. Von dem Produzenten bis zu der Industrie und anschließend dem Supermarkt wird der Preis eines Liters Milch für den griechischen Konsumenten mit Kosten belastet, von denen man sagen könnte, dass sie nicht gerechtfertigt sind, wenn man die Endpreise in Griechenland und im Ausland vergleicht.

Während in Deutschland der Produzent die Milch für 0,30 Euro pro Liter verkauft und der Verbraucher das Endprodukt zu Preisen von bis zu 0,89 Euro pro Liter – also 154% teurer – kauft, verkauft in Griechenland der Produzent die Milch für 0,42 Euro pro Liter und der Konsument kauft sie für bis zu 1,50 Euro pro Liter, also um 257% teurer. Die griechischen Industriellen vertreten allerdings, den Preis der Milch um weniger als 1/3 zu bestimmen und behaupten, dass ihre Kosten wegen der besonderen Umstände hoch sind, welche der griechische Markt aufweist.

Meines Erachtens sind die Hauptgründe, aus denen die Milch in Griechenland teuer verkauft wird, zwei. Der erste bezieht sich auf den Preis des Rohstoffs und der zweite hat mit der Lebensdauer der Frischmilch zu tun. Was die Dauer betrifft, beträgt sie in Griechenland 5 Tage, wogegen sie in anderen Ländern 9 Tage beträgt. Es wird geschätzt, dass diese Differenz die Transportkosten für die Unternehmen verdoppelt und sich entsprechend auf den Endpreis auswirkt„, erklärt der Staatssekretär für Entwicklung.

Stallhaltung und kleine Einheiten belasten Produktionskosten

Was die griechischen Viehzüchter betrifft, werden ihnen für die Milch höhere Preise als anderen Europäern gezahlt. Daten des Griechischen Milch-Organismus zeigen, dass der durchschnittliche Milchpreis (Erzeugerpreis) 43 Cent pro Liter betrug, 10 Cent teurer als im EU-Durchschnitt. Wie jedoch die zuständigen Ministerien eingestehen, kann der Preis – obwohl er für die Erzeuger zufriedenstellend ist – in etlichen Fällen nicht die kontinuierlich steigenden Zuchtkosten und den Finanzierungsmangel decken.

(Anmerkung: Der Vollständigkeit halber ist weiter anzumerken, dass im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern in Griechenland in Ermangelung entsprechender Weideflächen die Stallhaltung der Milchkühe vorherrscht und die Tiere folglich das ganze Jahr über mit – zu einem erheblichen Anteil importierten – kostspieligen Futtermitteln gefüttert werden müssen. Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe wiederum wird zusätzlich dadurch eingeschränkt, dass es sich meistens um kleinere Einheiten mit bis zu 40 Kühen handelt, während in großen europäischen Ländern Einheiten mit mehr als 300 Tieren vorherrschen.)

Ergebnis ist der kontinuierliche Rückgang der griechischen Milchproduktion, welche Tatsache sich wiederum auf die Preise auswirkt. Laut den Daten des Griechischen Milch-Organismus geht die jährliche Produktion in Griechenland in den letzten Jahren mit einem Rhythmus von 3% – 5% zurück und ist heute auf ein Niveau bei 600.000 Tonnen gesunken, wogegen das Kontingent, welches Griechenland genießt, 850.000 Tonnen erreicht. (Anmerkung: Während es vor zehn Jahren noch etwa 10.000 Milchproduzenten gab, ist ihre Anzahl inzwischen unter 4.000 gesunken.)

Die Erzeuger sind absolut gegen die Erhöhung der Lebensdauer der Milch, obwohl ihre Produktion die Gesamtnachfrage des Landes nach Kuhmilch nicht decken kann. Was die Industriebetriebe betrifft, haben sie ihre Reaktion nicht öffentlich zum Ausdruck gebracht. In einem Bericht des Entwicklungsministeriums im vergangenen Juli über den konkreten Markt wird jedenfalls angeführt, „eine mögliche Verlängerung der Lebens der Milch würde den Import aus anderen Ländern gestatten und die Entwicklung der Hausmarke der Supermärkte erleichtern und damit den Wettbewerb auch auf Niveau der Preise stärken“.

(Quelle: Ta Nea)

Relevante Beiträge:

  1. Götterbote
    23. Oktober 2012, 14:25 | #1

    Vielleicht sind meine Gedanken diesbezüglich (aus gesundheitlichen und anderen Gründen) nicht korrekt, aber für mein Empfinden muss man auch folgendes berücksichtigen:

    Milch ist als Lebensmittel sicher sehr wichtig und es sollte gewährleistet sein, dass jeder Mensch sich dieses Lebensmittel auch – mehr oder weniger – leisten kann, wobei ich für „weniger“ bin. Ist es nicht so, dass die (deutsche und vermutlich westeuropäische) Milchproduktion dermaßen überindustrialisiert ist, dass es sich inzwischen um ein „Ramschprodukt“ mit immer geringerer Qualität (auch Stichwort Antibiotika) handelt? Wie bei allen anderen Lebensmitteln sollten die Menschen sie wieder zu schätzen lernen, anstatt auf billig zu pochen. Wenn ich griechische Milch oder Milchprodukte zu mir nehme, habe ich auch immer die Hoffnung, kleinere Bauernhöfe damit zu unterstützen und hoffe, dass diese auch von dem höheren Preis leben können. Wobei ich aber auch hoffe, dass die Tierhaltung (so wie im Artikel zu lesen, ist es in Griechenland leider landschaftsbedingt hauptsächlich die Stallhaltung) auch angemessen ist.

  2. V99 %
    23. Oktober 2012, 20:39 | #2

    Vielleicht ist es ja auch besser fuer die Gesundheit der Menschen, wenn sie nicht so viel „Fremdmilch“ in sich reinschuetten. Ist schon seltsam, der gigantische Anstieg der Milchprodukte in unseren Supermaerkten. Unsere Grosseltern kannten so etwas nicht. Und wenn man sich mal naeher mit der Thematik vom Sinn und Unsinn des hohen Milchkonsums beschaeftigt, kommt man eigentlich zu dem Ergebnis, dass es einer breiten Front von Unternehmern mehr nuetzt als der Volksgesundheit 😀 Die Milch jeder Saeugetierspezies ist unterschiedlich zusammengesetzt, weil sie verschiedenen physiologischen Anforderungen genuegen muss. Ein Kalb verdoppelt sein Geburtsgewicht in 47 Tagen, der Mensch erst in ca. 180 Tagen. Kuhmilch enthaelt entsprechend viel Eiweiss und Kalzium, Muttermilch dagegen sehr wenig. Offenbar steht die Gehirnentwicklung beim Menschen im Vordergrund, was auf den hohen Milchzuckeranteil zurückgefuehrt wird, und weniger das Koerperwachstum. Bei den Saeugetieren ist es umgekehrt. Allen erwachsenen Saeugern ist gemeinsam, dass sie nach dem Abstillen ihre artspezifische Muttermilch nicht mehr zu sich nehmen und auch nicht mehr im Stoffwechsel verarbeiten koennen. Da mutet es irgendwie seltsam an, dass Menschen sich seit kurzem artfremde Milch als Basisnahrung erkoren haben. Die Milch von Kuehen, noch immer von der Natur nur fuer deren Kaelber bestimmt, ist von der westlichen Gesellschaft als Universal Nahrungsmittel vereinnahmt worden. Gesuender sind wir dabei augenscheinlich nicht geworden. Im Gegenteil, wie wissenschaftliche Studien ergeben haben, laesst es sich, z.B. als gesichert ansehen, dass Kuhmilchkonsum im Babyalter und in der fruehen Kindheit das Risiko an Diabetes Typ I zu erkranken erheblich erhoeht. Im Verdacht stehen weitere Krankheiten, wie Multiple Sklerose, Parkinson und Neurodermitis. Ich will jetzt nicht so manchem die Milch im Kaffee vermiesen, sondern nur die unbedingt billig verkonsumierbare Milch in Frage stellen ;-D

  3. admin
    23. Oktober 2012, 23:51 | #3

    @V99 %
    Die Mods sind heute mal „einen heben“ gegangen und haben das Feld „Opa Gnädig“ überlassen, der wegen Parkinson so wie so fast alles durch- / wegklickt … .

  4. Stipsi Fan
    24. Oktober 2012, 14:50 | #4

    @admin
    eigentlich finde ich Ihre Kommentare immer ok, aber diesen verstehe ich nicht. Jeder Naturheilarzt kann bestätigen, dass V99 % recht hat. Ich habe noch nie verstanden, dass meine Bekannten -bei diesen Spritpreisen- 1 Stunde Autofahrt in Kauf nehmen um etwas billigere Milch (und dann im Massen) bei Lidl zu kaufen. Milchprodukte wie Joghurt (was man aber hochwertig und günstig in jedem Dorf einkaufen kann) sind besser verträglich. Ein Haufen Allergien und Krankheiten lassen sich auf Milch trinken zurückführen. Lactoseunverträglichkeit ist in D doch schon eine Volkskrankheit. Ausserdem gibt es ja auch keine wertige Milch: ultrahocherhitzt und wer weiß wie behandelt, das Beste wird zur Sahneherstellung vorher schon abgenommen.

  5. Konstantin
    24. Oktober 2012, 16:46 | #5

    Die sollten die Lebensdauer der Frischmilch mal so lassen wie sie ist. Wenn ich in Griechenland Milch trinke merke ich wenigstens das es Milch ist. Kaufe ich in den Niederlanden oder in Deutschland sogenannte Frischmilch, schmeckt diese grauenhaft.
    (Natürlich nicht die frische Milch vom Bauern) Die Milch die im normalen Handel erhältlich ist, ist gestreckt und hat mit Milch nicht mehr viel zu tun.
    Fehlt noch das gefrorener aufgebackene Teigrohlinge in Griechenland als frisch verkauft werden sollen. Diesen Mist bekommen wir hier in Deutschland auch überall angeboten.
    Griechenland kann stolz darauf sein, das zumindeste die innländisch vertriebenen Lebensmittel noch Lebensmittel sind.
    Wenn die Griechen sich in Griechenland so ernähren wie wir hier in Deutschland gäbe es dort sicherlich bald auch jede Menge Schlaganfälle mehr.

  6. Silke
    8. November 2012, 15:08 | #6

    Können Sie mir bitte mitteilen, was Sie mit „Lebensdauer“ meinen? Entspricht das dem deutschen Mindesthaltbarkeitsdatum?
    Vielen Dank! Silke Wartenberg

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