Griechenland – Spielwiese der Schwarzhändler

20. Oktober 2012 / Aktualisiert: 26. September 2017 / Aufrufe: 1.402

Eine „Party“ mit Milliarden Euro haben die Schwarzhändler an den Grenzen Griechenlands gefeiert, wo die Kreise über wenigstens ein Jahrzehnt ungestört agieren.

Treibstoff, Spirituosen, Zigaretten, sehr teure handgeknüpfte Teppiche, Lederwaren, Kleidung, aber sogar auch ganze Ladungen mit Zement, Kacheln und kompletten Kücheneinrichtungen passieren illegal die Zollstationen, um dann auf den griechischen Markt geworfen zu werden und die Schwarzhändler reich zu machen. „Wir sprechen von Grenzen so löchrig wie ein Sieb„, gesteht ein höherer Funktionär des Dezernats für Wirtschaftsverbrechen ein.

Zu einer Stunde, wo der Finanzstab der griechischen Regierung darum kämpft, mit der Troika das Paket schmerzhafter Maßnahmen in Höhe von 13,5 Mrd. Euro für die beiden Jahre 2013 – 2014 zu schnüren, welches blutige Kürzungen bei den Renten, Löhnen und Sozialleistungen, aber auch neue Steuern bringt, entgehen dem Staat ungeheure Summen durch den Schwarzhandel. Die Kontrollmechanismen vermögen nicht, der „Mafia“ der Schwarzhändler zu begegnen, und die Regierungen haben während all der Jahre fast nichts getan, um das Problem einzuschränken.

Schwarzhandel bringt Fiskus um wenigstens 7 Mrd. € jährlich

Es ist bezeichnend, dass eine Reihe im April 2012 gesetzlich verabschiedeter Maßnahmen zur Zügelung und Einschränkung des Treibstoffschwarzhandels – wie GPS in den Tankwagen, Anwendung von Systemen zur Kontrolle der Eingänge und Ausgänge bei allen Gliedern der Vertriebskette von den Raffinerien bis zu den Tankstellen, die sogenannten „Tracers“ – immer noch in den Schubladen liegen.

Allein Aus dem Treibstoffschwarzhandel gehen dem griechischen Fiskus jährlich rund 1 Mrd. Euro verloren, während die illegalen Warenimporte aus Bulgarien, Italien und Türkei die Staatskassen um wenigstens 6 Mrd. Euro im Jahr bringen.

Die Vorfälle illegaler Aktivitäten, welche die Tätigkeit der Kreise des Schwarzhandels speisen, schreien hinsichtlich der Bandbreite der Phantasie all jener zum Himmel, die sich diese ausdenken, bestätigen aber auch die Schätzungen, welche den Umsatz des Schwarzhandels auf dem Markt auf panhellenischem Niveau auf Größenordnungen von sogar auch über 20 Mrd. Euro hochrechnen.

Die Haupteingangstore

Die Basispforten für den Schwarzhandel vorgesehener Produkte und Dienstleistungen werden hauptsächlich an den Zollstationen des Landes zu Bulgarien und Italien ausgemacht. Die Bewegung von Waren und natürlichen Personen an den Land- und Seegrenzen Griechenlands zu den Nachbarstaaten ohne besondere Formalitäten, da alle drei Staaten Mitglieder der Europäischen Union darstellen, in Kombination mit den Schwächen der inländischen Kontrollmechanismen wirken wie ein Treibhaus für den riesigen Anwuchs des Problems.

Das Resultat? Die illegalen Importe jeder Art von Waren erleben einen … Zulauf in einem solchen Maß, dass – wie Anfang der Woche der Präsident der Industrie- und Handelskammer Thessaloniki, Dimitris Mpakatselos, betonte – „der fliegende Handel auf den Gehsteigen der großen urbanen Zentren einer Bagatelle gleicht„. Laut bei den Dienststellen und der Leitung der Kammer erfolgten Meldungen umfasst der Kreis des Schattenhandels angefangen von einfachen illegalen Importen von Zigaretten oder Spirituosen bis hin zu Küchen, Fliesen, Treibstoffen und ganzen Lastwagen mit Zement, die fast ungestört auf den Markt geworfen werden.

Die „goldenen“ Routen der illegalen Treibstoffe

Griechenland, Türkei, Bulgarien, Albanien, Skopje und Mauretanien sind die Routen, welchen die „Mafia des schwarzen Goldes“ folgt, um an den fiktiven Treibstoffexporten Millionen Euro zu verdienen. Laut den Daten der UN über den grenzüberschreitenden Handel werden ungeheure Treibstoffmengen im Wert von hunderten Millionen Dollar fiktiv in die benachbarten Balkanstaaten exportiert.

Charakteristisch ist, was seit Jahren mit Skopje geschieht, wohin Griechenland den Export eines Vielfachen der Menge deklariert, die jene von Griechenland importiert zu haben deklarieren. Spezieller wurden im Zeitraum 2001 – 2010 Exporte von Kraftstoffen im Wert von 530 Mio. Dollar nach Skopje deklariert, von dessen Seite für den selben Zeitraum Importe aus Griechenland von gerade einmal 192 Mio. Euro gemeldet wurden!

Die Modi des grenzüberschreitenden Schwarzhandels mit den fiktiven Kraftstoffexporten beschreibt charakteristisch Professor Dimitris Mardas in einer von ihm erstellten Studie:

  • Der griechische Fahrer des Benzintankwagens deklariert den Exportbetrag an der Grenze, macht danach – anstatt sich an den gegenüberliegenden Posten des Nachbarlandes einzufinden – eine Wende und kehrt mit einer angeblich von ihm exportierten Ladung zu seiner Basis in Griechenland zurück.
  • Ein einfacher Pkw hält an der Grenze, lässt die Rechnungen für die fiktive Treibstoffladung abstempeln, die sie angeblich exportieren, und der Fahrer fährt zurück nach Hause.
  • Der Tankwagen deklariert an der griechischen Grenze den einer vollen Ladung entsprechenden Wert des für den Export bestimmten Treibstoffs, während er nur die halbe Menge transportiert, die anschließend am gegenüberliegenden Grenzübergang deklariert wird.
  • Der Tankwagen deklariert den Wert des für den Export bestimmten Treibstoffs, den er tatsächlich transportiert, und macht sich zur benachbarten Zollstelle auf. Auf der Zwischenstrecke verschwindet der Tankwagen.
  • Transit-Transporte. Ein Treibstoff-Transittransport nach Mauretanien wird in Griechenland als „Export“ deklariert, während er in FYROM als „Transit“ und nicht als Import deklariert wird.

Spirituosen und Zigaretten

Eine offene Wunde für die staatlichen Einnahmen, nebst einer Gefahr auch für die öffentliche Gesundheit, stellen die illegalen Importe von alkoholischen Getränken und Zigaretten dar, die ungeheure Ausmaße angenommen zu scheinen haben, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass die Verfolgungsbehörden fast alltäglich auch einen Erfolg auf ihrem Konto zu verbuchen haben. Im benachbarten Bulgarien kostet eine Flasche Whisky ungefähr 8 Euro, während in Griechenland die entsprechende Marke bei 18 Euro liegt – was zur Folge hat, dass Viele einen Hang zeigen und das Risiko ihrer Verwicklung in die rechtswidrige Aktivität zu tragen wagen.

Der Umsatz ist ungeheuer, und die Schäden für unsere Mitglieder, die ihre Geschäfte legal durchführen, ist kolossal“, betont der Präsident der Industrie- und Handelskammer Thessaloniki und fügt an, dass die Kammer zur Bekämpfung des Problems – unter anderem – die Durchführung von Kontrollen nicht nur an den Grenzen, aber durch mobile Einsatzgruppen auch entlang etlichen Kilometern ab den Zollstationen vorgeschlagen haben.

Mit der selben Logik betonte er die Notwendigkeit, die Zollstationen mit dem speziellen Röntgengerät auszustatten, welches das Innere der Container bei ihrer Bewegung in den Häfen und auf den Fahrzeugen an den Landgrenzen „scannen“ kann, damit die Möglichkeit der Einfuhr illegaler Waren in das Land eingeschränkt wird, aber auch der Zusammenarbeit mit den beiden Nachbarländern auf Ebene des Informationsaustausches, damit die Kontrollbehörden effizienter sind.

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