Griechenland: Auf Messers Schneide

8. Oktober 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 417

Autor: „BtK“ / Editorial Vradyni

Thema: Griechenland wird nicht zur sturmfreien Bude werden

Wir hoffen, dass der Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel am kommenden Dienstag der Anfang des Endes des Tauziehens der letzten Wochen um die Verabschiedung des Pakets der Kürzungsmaßnahmen und die Auszahlung der nächsten Tranche der 31 Mrd. Euro sein wird, die für das Überleben des griechischen Staates erforderlich ist.

Was bedeutet praktisch die Verhängung der neuen schmerzhaften Sparmaßnahmen durch die Troika, die dem Schnitt der öffentlichen Verschuldung um 50% auf Beschluss Brüssels folgte? Werden wir, wie von vielen vertreten, in eine Einschränkung der nationalen Souveränität geführt? Werden wir die nächsten Jahre unter Vormundschaft stehen? Selbstverständlich werden diese Einschätzungen für die nächsten Jahre gelten. Unsere Gläubiger werden uns im nächsten Zeitraum ihren Willen mit harter Faust aufzwingen. Manche stört dies. Andere nicht so sehr, unter der Berücksichtigung, dass die verantwortungslose Politik, welche über Jahrzehnte korrupte und unfähige griechische Regierungen befolgten, uns in diese traurige und gefährliche heutige Lage führte, mit dem Resultat, dass eine strengere europäische Kontrolle, die bei der Sanierung unserer volkswirtschaftlichen Verhältnisse helfen könnte, nicht unbedingt negativ wäre. Sofern es natürlich in der Realität kein Problem mit unserer Souveränität gibt, zumal Griechenland weiterhin ein kompakter und souveräner Staat bleibt.

Die Auswirkung des Schuldenschnitts ist in unserem realen Leben extrem anders. Und dies müssen wir sehen und feststellen. Und unsere Maßnahmen treffen. Zweifellos werden wir Griechen in den nächsten Jahren ärmer sein, wir werden gezwungen sein, mit dem zu leben, was wir produzieren. Und wir müssen eingestehen, dass dies nicht viel ist.

Jahrelang pflegten wir, mit den staatlichen Zuwendungen zu leben, die aus der unerschöpflichen Kreditaufnahme herrührten. Der griechische Staat, aber auch die griechische Gesellschaft muss lernen, zu leben und Überschüsse zu produzieren, um sich – nach wenigstens einem Jahrzehnt – mit erneuerter Seriosität wieder auf die Märkte begeben zu können. Ist das möglich? Natürlich ist es nicht leicht. Wenn ein Lebensmodell zusammenbricht, bedarf es langer Zeit und beharrlicher Anstrengung, damit es durch ein neues, realistischeres und funktionelleres ersetzt wird. Wir haben jedoch nicht den Luxus der Zeit. Die Dinge laufen davon. Und zwar mit schnellen Rhythmen. Und zwingen uns, uns anzupassen und zu ändern. Werden wir es schaffen? Unsere persönliche Ansicht ist, dass der Grieche anpassungsfähig, intelligent und kreativ ist, wenn das System ihn nicht daran hindert. Und der zuversichtliche Blick ist, dass er bald beginnen wird, sich anzupassen und zu produzieren.

Die nächsten Monate, vielleicht auch die nächsten Jahre werden außerordentlich schwierig und schmerzhaft sein. Und auf den Straßen der griechischen Städte wird – hoffen wir, nur im übertragenen Sinn – viel Blut fließen, wir werden alle „Wunden“ davontragen. Wir werden nach Lösungen suchen müssen, die vielen von uns – speziell denen, die sich in einem fortgeschritteneren Alter befinden – fast unmöglich erscheinen werden. Deswegen werden auch immer mehr Griechen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Und für diese muss es die – sei es auch minimale – Fürsorge seitens eines Staats geben, der bisher bewiesen hat, dass er unzulänglich und korrupt ist, und sich eiligst ändern muss.

Ebenfalls müssen wir erkennen, dass wir produzieren müssen. Es kann nicht angehen, dass wir in einem schlechthin landwirtschaftlichen Land 70% und mehr der von uns konsumierten Lebensmittel importieren. Wir müssen wieder jene Grundsätze entdecken, die wir einmal hatten: der kreativen und harten Arbeit, in Kombination mit dem Unternehmungslust, um unsere vergleichsweisen Vorteile zu entwickeln. Unsere Ansicht ist, dass wir es schaffen werden. Aber es wird viel Mühe und Zeit nötig sein. Und wir müssen beginnen, uns … seit gestern zu ändern.

Quelle: Vradyni
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Heinz
    8. Oktober 2012, 13:46 | #1

    Dem allen ist nichts hinzu zu fügen, außer dem Wunsch, dass alle Betroffenen diese Realität erkennen und mehr nach vorne als nach hinten schauen. Denn in gewisser Weise waren sie alle in der Vergangenheit selbst beteiligt. Wie auch immer.

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