Flucht der Unternehmen aus Griechenland

16. Oktober 2012 / Aktualisiert: 08. Dezember 2019 / Aufrufe: 2.404

Anhaltende tiefe Rezession

Die wirtschaftliche Rezession hat den signifikanten Rückgang der inländischen Einnahmen vieler international orientierter Firmen zur Folge. Beispielsweise entfallen auf Griechenland gerade einmal 15% der Einnahmen des Konzerns Printec, der seinen Sitz auf Zypern hat, und es gibt auch viele entsprechende Beispiele.

Die Verschlechterung der Umsätze, aber auch die negativen Aussichten bezüglich des Verlaufs der Nachfrage in den nächsten Jahren befinden sich unter den Gründen, die bei der Entscheidung etlicher Multis wie der deutschen Supermarkt-Kette Aldi zu Buche schlugen, die sich trotz der ungeheuren Investitionen in den Ausbau des Netzes ihrer Läden klammheimlich innerhalb weniger Monate nach ihrem offiziellen Debüt auf dem griechischen Markt zurückzog.

Bedürfnis nach Seriosität

In den letzten Jahren dürfte das Bild Griechenlands im Ausland nicht als das bestmögliche charakterisiert werden, und dies beeinträchtigt nicht nur die potentiellen Investoren, aber auch die Kunden. Es gibt nicht wenige Fälle, in welchen die Lieferanten von den griechischen Firmen Vorkasse für ihre Bestellungen verlangen, während es auch ein Problem mit den Akkreditiven griechischer Banken gibt.

Die Existenz des Auslandssitzes hat zum Resultat, dass eine Gesellschaft als amerikanisch, britisch oder luxemburgisch charakterisiert und das Problem gelöst wird. Beispielsweise ist es kein Zufall, dass – auch die – die Intrasoft International, Tochtergesellschaft der Intracom Holdings, ihren Sitz in Luxemburg hat.

Auf der Suche nach Kapital im Ausland

Kapitalschöpfung und Börse. Es geht um den Grund, auf den sich hauptsächlich die neuen Firmen berufen, die in Griechenland in Erscheinung treten, und speziell jene, die sich im Raum der digitalen Technologien bewegen. Die existierende Schwierigkeit bei der Auffindung von Investoren aus Griechenland, welche den Gegenstand verstehen, mit dem sie sich beschäftigen, treibt derartige Unternehmen dazu, in den Vereinigten Staaten nach Kapital zu suchen.

Die amerikanischen Investment-Fonds fordern jedoch, dass sich der Sitz der Gesellschaft, in welche sie investieren werden, in der Nähe ihrer Geschäftsräume befindet. Ein solches Beispiel ist die Pinatta, eine griechische Gesellschaft, die jedoch ihren Sitz in Silicon Valley in Nordkalifornien hat, weil ihre Investoren sie dort haben wollten.

Notierung an Börsen im Ausland

Gleichermaßen bedeutsam ist auch das Bedürfnis nach einem Gang an die Börse. Gesellschaften wie Velti, Globo und InternetQ starteten zwar in Griechenland und ihre zentralen Geschäftsräume befinden sich in Chalandri und Marousi, ihr Sitz liegt jedoch im Fall der ersten auf Jersey Island und der beiden anderen in London.

Der Grund ist der Umstand, dass Velti im Nasdaq und Globo und InternetQ am Londoner AIM-Markt notiert sind. Hinsichtlich der Gründe, nicht die Athener Börse vorgezogen zu haben, lautet die gegebene Antwort, dass die griechische Börse bezüglich der Technologie-Firmen ganz einfach vollständig verschmäht wird.

Sieben Gründe für die Verlegung des Firmensitzes

Zusammenfassend fokussieren sich die Entscheidungen zur Verlegung des (Haupt-) Sitzes griechischer oder / und in Griechenland aktiver Firmen und Konzerne auf sieben Hauptgründe:

  • Die Rezession und die unheilvollen Prognosen über den Verlauf des BIP.
  • Das negative Bild Griechenlands auf den internationalen Märkten. – Die größere Internationalisierung der Umsätze.
  • Die Schwierigkeit bei der Schöpfung von Kapital und Einführung bei ausländischen Börsen.
  • Der feindliche und sich kontinuierlich ändernde Rahmen der Besteuerung.
  • Die bürokratischen Hürden, welche die Investitionen verzögern.
  • Die in vielen ausländische Ländern gebotenen Investitionsanreize.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Peter Adam
    16. Oktober 2012, 05:52 | #1

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
    Es musste zwangsläufig so kommen, nach dem Kapital verläßt nun auch sie halbwegs bedeutende Industrie das Land. Griechenland ist bald nur noch ein Torso. Völlig verarmt und durch die Beschlüsse der unsäglichen Troika ruiniert, wird den Griechen nichts anderes übrig bleiben als sich auf Ihre eigene Stärke zu besinnen.
    Was Griechenland nun braucht ist ein echter Schritt zurück, in die Zeiten als der Euro noch nicht da war, als Multinationale Konzerne noch nicht die heimische Lebensmittelproduktion zerstört hatten. Nur dann, und mit eigener Währung kann meine geliebte Heimat wieder gesunden. Alles andere ist nur ein qualvoller, absichtlich vom Großkapital herbei geführter Tod.
    Mir wird Angst und Bange wenn Ichan den kommenden Winter denke. PASOK und Nea Dimokratia sollten endlich verjagt werden und ein Bündnis echter Griechen, Patrioten an Ihre Stelle treten. Die Devise muss lauten: Griechenland zuerst. Erst wenn es jedem einzelnen Griechen im eigenen Land gut geht kann man darüber nachdenken ob man die Forderungen des Großkapitals bedienen will oder nicht.
    Und solche Söldner wie EUGENDFOR sollten bis auf´s Blut von der griechischen Armee bekämpft und aus dem Land gejagt werden. Die Troika und alle EU-Vertreter sollten vorerst zu unerwünschten Personen erklärt und aus Griechenland verjagt werden. Die heimische Lebensmittelproduktion muss schnellstmöglich hochgefahren werden und die Drachme alleiniges Zahlungsmittel werden, Nur über diesen Weg ist die endgültige Katastrophe für das griechische VOlk zu vermeiden. Alles was den Menschen hinsichtlich der Konsequenzen erzählt wird ist eine Lüge und durch Gegenbeispiele wie Argentinien und Island eindrucksvoll widerlegt.

  2. muss sowas sein
    16. Oktober 2012, 12:18 | #2

    @Peter Adam

    sehe ich auch so! Nur – Gewalt erzeugt Gegengewalt und dann bluten leider wieder diejenigen, die schon gar nichts dafür können – wie das halt immer so ist.

    Erst wenn die heimische Produktion wieder an Wert gewinnt, wird es den Einheimischen besser gehen und außerdem kann dann u. a. die heimische Landwirtschaft wieder mit Gewinn arbeiten und sie müssen ihre Produkte nicht verschleudern. Was für eine Schande, wenn man mit dem Handel von „Papieren“ Vermögen verdient und mit der Hände Arbeit kaum mehr als einen Hungerlohn bekommt.

    Sicher gönne ich Jedem alles – solange die Bevölkerung nicht ausgeblutet wird. und das passiert genau, wenn die Finanzhirarchie das Sagen hat, fürs nötige „Kleingeld“ wird alles gekauft und geklaut, mit Knebelverträgen wo nicht die Verursacher, sondern die Steuerzahler und der Rest der unteren Bevölkerung zur Kasse gebeten werden.

  3. tabascofan
    16. Oktober 2012, 13:05 | #3

    Solange der Tomaten-Transport vom Peloponnes nach Athen teurer ist als von den Niederlanden nach Athen, kann das nix werden mit der heimischen Landwirtschaft.

  4. muss sowas sein
    16. Oktober 2012, 15:05 | #4

    Tja – dort wo es gewollt ist – wird subventioniert, wo Billigarbeitskräfte für ein paar Euros am Tag den Großgrundbesitzern das Geld in die Taschen scheffeln.
    Egal ob diese Güter mit Pestiziten behandelt werden müssen –
    was kümmern sich diese „Finanzexperten“ um die Mitmenschen, deren Gesundheit oder Armut.

    Es ist in Mode gekommen, solchen Ländern die Ländereien für ein paar Euro abzukaufen um Monokultur zu betreiben, wie in Ostafrika – die Menschen werden vertrieben und wenns damit nicht funktioniert – einfach „entsorgt“. Danach wird im großen Stil Palmöl produziert und am Ende entsteht dann sozusagen der Biodiesel.

    Und Griechenland – wie Deutschland, usw… kann es sein, daß es von der Finanzwelt gar nicht gewollt ist, daß sich die Wirtschaft im eigenen Land erholt oder festigt,
    denn wenn jeder Kleinbauer sein eigenes Land bewirtschaftet und sich davon ernährt, fehlen Ländereien wo eben diese Großgrundbesitzer ihre Geschäfte nicht betreiben können.

    Und was das Gewissen von diesen obskuren Geschäftspraktikern betrifft, von dem ach so schönen und doch leider so verseuchten Gemüse, Fleisch, Geflügel, Obst,… es den Verbrauchern schönzureden und günstig zu verkaufen,
    dieses Gewissen existiert dort wahrscheinlich genauso wenig wie das Wort Menschlichkeit,
    denn je mehr Menschen erkranken – umso mehr blüht das Geschäft mit der Pharmaindustrie.

    Und so weiter……….

  5. Heinz
    16. Oktober 2012, 16:36 | #5

    @tabascofan

    Das Gleiche gilt für Tomaten aus Kreta in Westeuropa.

    Nicht immer über die äußeren Umstände schimpfen. Die größten Probleme und Blutsauger sitzen „im“ Land. Sind das Patrioten?

  6. Heinz
    16. Oktober 2012, 16:37 | #6

    Mit dem Schimpfen waren natürlich nicht Sie gemeint, tabascofan. Das bezog sich auf vorherige Beiträge. Sorry.

  7. raiwer
    16. Oktober 2012, 18:49 | #7

    Was soll man denn als Verantwortlicher einer Firma machen, wenn man liest, dass die Syriza stärkste Partei ist und Tsipras alles auf links drehen will.
    Da würde ich auch laufen.
    Ohne jede Planungssicherheit wird das nichts mit dem wirtschaftlichen Aufschwung.

  8. Marion
    16. Oktober 2012, 20:08 | #8

    Die Beiträge zu diesem Artikel sind die besten die ich in diesem Blog gelesen habe. Bleibt die Frage was wir außer bloggen tun können, um Aufklärung in D zu betreiben. Ich bin Deutsche mit 30 Jahren Liebe zu Griechen. Ich streite jeden Tag für Griechen. Aber ein deutscher Normalo kann eine griechische Seele nie verstehen. Da liegen Welten zwischen. Das Problem in GR sind ausschließlich die Eliten und die behämmerte Bürokratie. Wieso können wir nicht zusammen kämpfen? Wird auch in D nötig werden!

  9. Catalina
    17. Oktober 2012, 01:14 | #9

    @Peter Adam:
    … und ein Bündnis echter Griechen, Patrioten an Ihre Stelle treten. Die Devise muss lauten: Griechenland zuerst. Erst wenn es jedem einzelnen Griechen im eigenen Land gut geht …

    Das ist ein sehr schmaler Grat: Auch die „Chryssi Avgi“ argumentiert mit ähnlichen Thesen und zieht dabei eine Spur des Zerstörens, des Verprügelns, des Einschüchterns und des Schikanierens hinter sich her. Es sollte nicht heißen „Griechenland zuerst“ sondern lieber „ein lebenswertes, menschenwürdiges, eigenständiges Leben in Griechenland ist möglich – für ALLE!

  10. Catalina
    17. Oktober 2012, 02:13 | #10

    @Peter Adam:
    Was Griechenland nun braucht ist ein echter Schritt zurück, in die Zeiten als der Euro noch nicht da war, als Multinationale Konzerne noch nicht die heimische Lebensmittelproduktion zerstört hatten.

    Okay, wir haben die Stunde Null. Griechenland hat die Troika endlich rausgeschmissen, die EU und der IWF haben daraufhin sofort jegliche Geldhähne zugedreht.
    So, und jetzt ist Monatsmitte. Das Essen lassen wir mal außen vor, denn ich bin der Überzeugung, dass man in Griechenland (auf dem Land) essensmässig überleben kann. Von Chorta bis Früchten liefert das Land vieles, man darf nur nicht zu faul sein, die Orangen auch vom Baum zu pflücken) Jetzt müssen aber die Renten ausbezahlt werden, die in den Behörden verbliebenen Angestellten möchten ihren Lohn. Die Krankenhäuser, die Apotheken brauchen dringend Materialien und Medikamente. Du bist Diabetiker und brauchst unbedingt Insulin. Und vor allem braucht man Geld, das etwas wert ist. Ich bezweifle, dass sich die Schweizer Pharmafirma auf einen Tauschhandel einlassen würde, im Sinne von Insulin gegen Zitronen und Orangen, aber wer weiß. Momentan werden ja Granatäpfel stark gehandelt. Sie werden für alles Mögliche verwendet, von Kosmetika bis zu diversen Medikamenten. Israel hat in Griechenland schon vor einiger Zeit grosse Felder aufgekauft, um Granatäpfel zu pflanzen und die Ernte dann nach Israel zu bringen und in irgendeiner Art und Weise zu vermarkten. Das sollten wir z.B. doch eigentlich auch alleine hinkriegen?
    Du schreibst, „PASOK und Nea Dimokratia sollten endlich verjagt werden“. Okay, verjage sie, aber das Geld, welches deren Mitglieder/Minister sich illegal angeeignet haben, ist nichts im Verhältnis zu dem, was bestimmte Reederfamilien und andere wirtschaftliche Oligarchen außer Landes gebracht haben. Besuche die Greek Community in London und du wirst sehen, was wirklicher Reichtum ist. Und genau diese Leute, die aus Griechenland das Geld herausgesaugt haben, die niemals auch nur einen Euro Steuern in GR zahlten, rühren nun auch in der Krise nicht einen Handschlag. Für ein internationales Unternehmen wie z. B. die Latsi Group wäre es ein Leichtes jetzt, in Zeiten der Krise und bitterster Armut für die Leute in Athen, zum Beispiel mal eine Million Euro zu spenden, damit die Suppenküche von Klimaka.org.gr gut über den Winter kommt. Tut sie es? Ich habe jedenfalls nichts gehört! Stattdessen darf man in diversen TV-Sendungen die penetranten Interviews mit irgendwelchen griechisch sprechenden Schickimicki-Millionären hören, die sich noch ganz toll dabei vorkommen, dass sie keine Steuern zahlen.
    Aber zurück zum Ausgangstext – wie kann Griechenland das erste, zweite Jahr seiner „wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ überstehen? Denn das plötzlich alle Händler und Bazaaris zu „Wohltätern“ werden, die ihre Waren zu einem ganz kleinen Preis den Käufern überlassen, das müssen wir erst gar nicht in Betracht ziehen. Die enormen Preissteigerungen der Lebensmittel in den letzten Monaten, trotz der Krise, zeigen einmal mehr, dass man bei jeder Krise auch verdienen kann und dass man von bestimmten Personengruppen anscheinend keinerlei Solidarität erwarten darf.

  11. Catalina
    17. Oktober 2012, 10:25 | #11

    Kalimera, und jetzt möchte ich gleich noch ein Zitat des Philosophen Demókritos nachschieben, welches dieser schon vor beinahe 2400 Jahren den Leuten sagte:

    „Von Größe zeugt, das Richtige zu denken, wenn ein Unglück dich ereilt.“

    Wie wahr, wie wahr und leider nichts schwieriger als das 😉

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