Flucht der Unternehmen aus Griechenland

16. Oktober 2012 / Aktualisiert: 08. Dezember 2019 / Aufrufe: 2.385

Der Beschluss der Firmen Coca-Cola 3E und FAGE, ihren Sitze in das Ausland zu verlegen, bringt erneut das Thema der Unternehmensflucht aus Griechenland auf die Bühne.

Das Thema der „Flucht“ großer sowie auch schnell wachsender griechischer Firmen, die sich entscheiden, ihren Sitz in das Ausland zu verlegen, brachte erneut der Beschluss der FAGE AG – einer der ältesten und historischsten Molkereibetriebe des Landes – und der Coca-Cola 3E auf die Bühne, Aktiengesellschaften im Ausland zu gründen, die auch die Muttergesellschaften für alle Aktivitäten ihrer Konzerne darstellen werden. Und all dies in einem Moment, wo der Markt noch seine Wunden aus dem Rückzug großer multinationaler Konzerne aus dem Land – mit dem jüngsten und „lautstärksten“ jenen der französischen Supermarkt-Kette Carrefour – leckt (siehe auch Carrefour zieht sich aus Griechenland zurück).

Die obigen Gesellschaften sind nicht die ersten, die das Ausland trotz der Tatsache zu ihrem Sitz wählen, dass sie in Griechenland sowohl ihre Aktivitäten als auch die Produktion ihrer Produkte beibehalten. Speziell im Bereich der Firmen, die in den digitalen Technologien aktiv sind, stellt in den letzten drei Jahren die Verlegung ihres Firmensitzes in das Ausland schon fast eine Einbahnstraße dar.

Abwanderung weiterer Konzerne ins Ausland

Die Beispiele sind etliche: der Konzern Printec, einer der aktivsten auf dem Gebiet der Automatisierung von Geschäftsvorgängen mit Präsenz in ganz Osteuropa und Umsätzen von über 85 Mio. Euro hat seinen Sitz auf Zypern. Schnellstens wachsende Firmen aus dem Raum der Anwendungen für die Mobiltelefonie, wie Velti, InternetQ und Globo, haben ihren Sitz in Ländern wie Großbritannien – sowohl weil ein großer Teil ihrer Umsätze aus ihren internationalen Aktivitäten herrührt, als auch, weil sie dazu verpflichtet waren, um an internationalen Börsenmärkten wie dem Londoner AIM notiert zu werden.

Wie Marktfaktoren anführen, ist nicht auszuschließen, dass auch andere große griechische Konzerne zu entsprechenden Zügen schreiten werden. Wie beispielsweise seitens der Unternehmensleitung der S&B Mineralindustrie bekannt gegeben wurde, erwägt sie die Möglichkeit der Schaffung einer neuen Holding-Gesellschaft, die ihren Sitz im Ausland haben wird. Weiter gab es in der Vergangenheit Statements von Gesellschaften wie den Konzernen Mytilineos und Intralot, welche die Möglichkeit der Verlegung ihres Sitzes offen ließen. Entsprechende Erklärungen machte auch die Papastratos.

Ebenfalls sehr populär scheinen in den letzten Monaten Nachbarländer wie Bulgarien und Zypern zu werden, bezüglich welcher nicht zu vergessen ist, dass sie Mitgliedstaaten der Europäischen Union darstellen. Zu betonen ist allerdings, dass fast alle Firmen ihre Verwaltungsbüros und den größten Teil ihrer Produktion hinsichtlich der Produktion und Lösungen in Griechenland beibehalten. Wie Marktfaktoren anführen, erfolgt jedoch ab dem Moment, wo sie ihren Sitz in ein anderes Land verlegen, die Besteuerung ihrer – und zwar nicht nur aus den inländischen Aktivitäten herrührenden – Gewinne und Dividenden in dem Land, in dem sich ihr Sitz befindet – mit allem, was dies für Griechenland und seine Wirtschaft bedeutet.

Warum Unternehmen aus Griechenland fortziehen

Laut den Funktionären der Gesellschaften und Konzerne, welche ihren Sitz in das Ausland verlegen, beschränken sich die – wie von vielen irrig angenommen, allerdings auch nicht unwesentlichen – ausschlaggebenden Gründe nicht nur auf die tiefe wirtschaftliche Rezession oder den „eigensinnigen“ steuertechnischen Rahmen in Griechenland:

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  1. Peter Adam
    16. Oktober 2012, 05:52 | #1

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
    Es musste zwangsläufig so kommen, nach dem Kapital verläßt nun auch sie halbwegs bedeutende Industrie das Land. Griechenland ist bald nur noch ein Torso. Völlig verarmt und durch die Beschlüsse der unsäglichen Troika ruiniert, wird den Griechen nichts anderes übrig bleiben als sich auf Ihre eigene Stärke zu besinnen.
    Was Griechenland nun braucht ist ein echter Schritt zurück, in die Zeiten als der Euro noch nicht da war, als Multinationale Konzerne noch nicht die heimische Lebensmittelproduktion zerstört hatten. Nur dann, und mit eigener Währung kann meine geliebte Heimat wieder gesunden. Alles andere ist nur ein qualvoller, absichtlich vom Großkapital herbei geführter Tod.
    Mir wird Angst und Bange wenn Ichan den kommenden Winter denke. PASOK und Nea Dimokratia sollten endlich verjagt werden und ein Bündnis echter Griechen, Patrioten an Ihre Stelle treten. Die Devise muss lauten: Griechenland zuerst. Erst wenn es jedem einzelnen Griechen im eigenen Land gut geht kann man darüber nachdenken ob man die Forderungen des Großkapitals bedienen will oder nicht.
    Und solche Söldner wie EUGENDFOR sollten bis auf´s Blut von der griechischen Armee bekämpft und aus dem Land gejagt werden. Die Troika und alle EU-Vertreter sollten vorerst zu unerwünschten Personen erklärt und aus Griechenland verjagt werden. Die heimische Lebensmittelproduktion muss schnellstmöglich hochgefahren werden und die Drachme alleiniges Zahlungsmittel werden, Nur über diesen Weg ist die endgültige Katastrophe für das griechische VOlk zu vermeiden. Alles was den Menschen hinsichtlich der Konsequenzen erzählt wird ist eine Lüge und durch Gegenbeispiele wie Argentinien und Island eindrucksvoll widerlegt.

  2. muss sowas sein
    16. Oktober 2012, 12:18 | #2

    @Peter Adam

    sehe ich auch so! Nur – Gewalt erzeugt Gegengewalt und dann bluten leider wieder diejenigen, die schon gar nichts dafür können – wie das halt immer so ist.

    Erst wenn die heimische Produktion wieder an Wert gewinnt, wird es den Einheimischen besser gehen und außerdem kann dann u. a. die heimische Landwirtschaft wieder mit Gewinn arbeiten und sie müssen ihre Produkte nicht verschleudern. Was für eine Schande, wenn man mit dem Handel von „Papieren“ Vermögen verdient und mit der Hände Arbeit kaum mehr als einen Hungerlohn bekommt.

    Sicher gönne ich Jedem alles – solange die Bevölkerung nicht ausgeblutet wird. und das passiert genau, wenn die Finanzhirarchie das Sagen hat, fürs nötige „Kleingeld“ wird alles gekauft und geklaut, mit Knebelverträgen wo nicht die Verursacher, sondern die Steuerzahler und der Rest der unteren Bevölkerung zur Kasse gebeten werden.

  3. tabascofan
    16. Oktober 2012, 13:05 | #3

    Solange der Tomaten-Transport vom Peloponnes nach Athen teurer ist als von den Niederlanden nach Athen, kann das nix werden mit der heimischen Landwirtschaft.

  4. muss sowas sein
    16. Oktober 2012, 15:05 | #4

    Tja – dort wo es gewollt ist – wird subventioniert, wo Billigarbeitskräfte für ein paar Euros am Tag den Großgrundbesitzern das Geld in die Taschen scheffeln.
    Egal ob diese Güter mit Pestiziten behandelt werden müssen –
    was kümmern sich diese „Finanzexperten“ um die Mitmenschen, deren Gesundheit oder Armut.

    Es ist in Mode gekommen, solchen Ländern die Ländereien für ein paar Euro abzukaufen um Monokultur zu betreiben, wie in Ostafrika – die Menschen werden vertrieben und wenns damit nicht funktioniert – einfach „entsorgt“. Danach wird im großen Stil Palmöl produziert und am Ende entsteht dann sozusagen der Biodiesel.

    Und Griechenland – wie Deutschland, usw… kann es sein, daß es von der Finanzwelt gar nicht gewollt ist, daß sich die Wirtschaft im eigenen Land erholt oder festigt,
    denn wenn jeder Kleinbauer sein eigenes Land bewirtschaftet und sich davon ernährt, fehlen Ländereien wo eben diese Großgrundbesitzer ihre Geschäfte nicht betreiben können.

    Und was das Gewissen von diesen obskuren Geschäftspraktikern betrifft, von dem ach so schönen und doch leider so verseuchten Gemüse, Fleisch, Geflügel, Obst,… es den Verbrauchern schönzureden und günstig zu verkaufen,
    dieses Gewissen existiert dort wahrscheinlich genauso wenig wie das Wort Menschlichkeit,
    denn je mehr Menschen erkranken – umso mehr blüht das Geschäft mit der Pharmaindustrie.

    Und so weiter……….

  5. Heinz
    16. Oktober 2012, 16:36 | #5

    @tabascofan

    Das Gleiche gilt für Tomaten aus Kreta in Westeuropa.

    Nicht immer über die äußeren Umstände schimpfen. Die größten Probleme und Blutsauger sitzen „im“ Land. Sind das Patrioten?

  6. Heinz
    16. Oktober 2012, 16:37 | #6

    Mit dem Schimpfen waren natürlich nicht Sie gemeint, tabascofan. Das bezog sich auf vorherige Beiträge. Sorry.

  7. raiwer
    16. Oktober 2012, 18:49 | #7

    Was soll man denn als Verantwortlicher einer Firma machen, wenn man liest, dass die Syriza stärkste Partei ist und Tsipras alles auf links drehen will.
    Da würde ich auch laufen.
    Ohne jede Planungssicherheit wird das nichts mit dem wirtschaftlichen Aufschwung.

  8. Marion
    16. Oktober 2012, 20:08 | #8

    Die Beiträge zu diesem Artikel sind die besten die ich in diesem Blog gelesen habe. Bleibt die Frage was wir außer bloggen tun können, um Aufklärung in D zu betreiben. Ich bin Deutsche mit 30 Jahren Liebe zu Griechen. Ich streite jeden Tag für Griechen. Aber ein deutscher Normalo kann eine griechische Seele nie verstehen. Da liegen Welten zwischen. Das Problem in GR sind ausschließlich die Eliten und die behämmerte Bürokratie. Wieso können wir nicht zusammen kämpfen? Wird auch in D nötig werden!

  9. Catalina
    17. Oktober 2012, 01:14 | #9

    @Peter Adam:
    … und ein Bündnis echter Griechen, Patrioten an Ihre Stelle treten. Die Devise muss lauten: Griechenland zuerst. Erst wenn es jedem einzelnen Griechen im eigenen Land gut geht …

    Das ist ein sehr schmaler Grat: Auch die „Chryssi Avgi“ argumentiert mit ähnlichen Thesen und zieht dabei eine Spur des Zerstörens, des Verprügelns, des Einschüchterns und des Schikanierens hinter sich her. Es sollte nicht heißen „Griechenland zuerst“ sondern lieber „ein lebenswertes, menschenwürdiges, eigenständiges Leben in Griechenland ist möglich – für ALLE!

  10. Catalina
    17. Oktober 2012, 02:13 | #10

    @Peter Adam:
    Was Griechenland nun braucht ist ein echter Schritt zurück, in die Zeiten als der Euro noch nicht da war, als Multinationale Konzerne noch nicht die heimische Lebensmittelproduktion zerstört hatten.

    Okay, wir haben die Stunde Null. Griechenland hat die Troika endlich rausgeschmissen, die EU und der IWF haben daraufhin sofort jegliche Geldhähne zugedreht.
    So, und jetzt ist Monatsmitte. Das Essen lassen wir mal außen vor, denn ich bin der Überzeugung, dass man in Griechenland (auf dem Land) essensmässig überleben kann. Von Chorta bis Früchten liefert das Land vieles, man darf nur nicht zu faul sein, die Orangen auch vom Baum zu pflücken) Jetzt müssen aber die Renten ausbezahlt werden, die in den Behörden verbliebenen Angestellten möchten ihren Lohn. Die Krankenhäuser, die Apotheken brauchen dringend Materialien und Medikamente. Du bist Diabetiker und brauchst unbedingt Insulin. Und vor allem braucht man Geld, das etwas wert ist. Ich bezweifle, dass sich die Schweizer Pharmafirma auf einen Tauschhandel einlassen würde, im Sinne von Insulin gegen Zitronen und Orangen, aber wer weiß. Momentan werden ja Granatäpfel stark gehandelt. Sie werden für alles Mögliche verwendet, von Kosmetika bis zu diversen Medikamenten. Israel hat in Griechenland schon vor einiger Zeit grosse Felder aufgekauft, um Granatäpfel zu pflanzen und die Ernte dann nach Israel zu bringen und in irgendeiner Art und Weise zu vermarkten. Das sollten wir z.B. doch eigentlich auch alleine hinkriegen?
    Du schreibst, „PASOK und Nea Dimokratia sollten endlich verjagt werden“. Okay, verjage sie, aber das Geld, welches deren Mitglieder/Minister sich illegal angeeignet haben, ist nichts im Verhältnis zu dem, was bestimmte Reederfamilien und andere wirtschaftliche Oligarchen außer Landes gebracht haben. Besuche die Greek Community in London und du wirst sehen, was wirklicher Reichtum ist. Und genau diese Leute, die aus Griechenland das Geld herausgesaugt haben, die niemals auch nur einen Euro Steuern in GR zahlten, rühren nun auch in der Krise nicht einen Handschlag. Für ein internationales Unternehmen wie z. B. die Latsi Group wäre es ein Leichtes jetzt, in Zeiten der Krise und bitterster Armut für die Leute in Athen, zum Beispiel mal eine Million Euro zu spenden, damit die Suppenküche von Klimaka.org.gr gut über den Winter kommt. Tut sie es? Ich habe jedenfalls nichts gehört! Stattdessen darf man in diversen TV-Sendungen die penetranten Interviews mit irgendwelchen griechisch sprechenden Schickimicki-Millionären hören, die sich noch ganz toll dabei vorkommen, dass sie keine Steuern zahlen.
    Aber zurück zum Ausgangstext – wie kann Griechenland das erste, zweite Jahr seiner „wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ überstehen? Denn das plötzlich alle Händler und Bazaaris zu „Wohltätern“ werden, die ihre Waren zu einem ganz kleinen Preis den Käufern überlassen, das müssen wir erst gar nicht in Betracht ziehen. Die enormen Preissteigerungen der Lebensmittel in den letzten Monaten, trotz der Krise, zeigen einmal mehr, dass man bei jeder Krise auch verdienen kann und dass man von bestimmten Personengruppen anscheinend keinerlei Solidarität erwarten darf.

  11. Catalina
    17. Oktober 2012, 10:25 | #11

    Kalimera, und jetzt möchte ich gleich noch ein Zitat des Philosophen Demókritos nachschieben, welches dieser schon vor beinahe 2400 Jahren den Leuten sagte:

    „Von Größe zeugt, das Richtige zu denken, wenn ein Unglück dich ereilt.“

    Wie wahr, wie wahr und leider nichts schwieriger als das 😉

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