5000 Kontenöffnungen in Griechenland

9. Oktober 2012 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 2.051

Finanzministerium hofft auf 2,5 Mrd. € aus Steuernachzahlungen

Wie Herr Theocharis gegenüber der Zeitung „Vima tis Kyriakis“ erklärte, sind ungefähr 15.000 griechische Anleger ausfindig gemacht worden, welche Gelder ins Ausland geschafft haben und Überweisungen in Höhe von insgesamt 5,5 Mrd. Euro nicht aus ihren Steuererklärungen zu rechtfertigen vermögen. An die konkreten Betroffenen wird ein Schreiben geschickt werden, mit dem sie über die Ergebnisse der elektronischen Überprüfung informiert werden und das Finanzministerium sie auffordern wird, eine Sonderanwendung des Taxis-Systems zu nutzen, die in den kommenden tagen in Betrieb genommen werden wird, und in einem speziellen Formular die Einkommen zu deklarieren, welche sie in den vergangenen Jahren nicht gemeldet hatten und aus der Recherche der Überweisungen entdeckt wurden, die bei den ausländischen Banken landeten.

All jene Betroffenen, welche die Ergebnisse des Finanzministeriums nicht akzeptieren, werden automatisch einem regulären Überprüfungsverfahren unterstellt und aufgefordert werden, bei den zuständigen Behörden Rechenschaft abzulegen. Wenn in diesem Fall die sich je natürliche Person ergebende Steuerschuld über 150.000 Euro liegt, ist das Vergehen ein Verbrechen und der Steuerpflichtige wird wegen Geldwäsche an die Staatsanwaltschaft überstellt werden und in Gefahr laufen, eine Haftstrafe von etlichen Jahren zu erhalten. Reicht er jedoch ergänzende Steuererklärungen ein und begleicht die Steuern und seine Verpflichtungen an den Fiskus, entgeht er damit der strafrechtlichen Verfolgung.

Im Finanzministerium angestellten konventionellen Berechnungen zufolge ergibt sich, dass der Staat von den 15.000 Steuerpflichtigen insgesamt 2,5 Mrd. Euro an Steuern einnehmen kann.

Prominente gingen … nach London

Was die „Londoner Liste“ betrifft, ist eine staatsanwaltschaftliche Bestellung zur Überprüfung der Vermögensnachweiserklärungen ungefähr 400 griechische Bürger ergangen, die in den letzten Jahren zum Kauf teurer Wohnungen und Gewerbeobjekte in der britischen Hauptstadt schritten. Laut Informationen umfasst diese Liste bekannte Namen der Unternehmerwelt, Sportler, Schauspieler, Sänger, Bankfunktionäre usw.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass im Gegensatz zu den schweizerischen Banken die englischen Behörden – sofern sie von griechischer Seite um Amtshilfe gebeten werden – bereitwillig sind, Angaben über die Immobilien, aber auch die Guthaben der Griechen bei englischen Banken zu erteilen.

Schwierigkeiten – Blockade mit … Koffern bei der „Liste Lagarde“

Wie ein zuständiger Funktionär der SDOE anführt, ist die „Liste Lagarde“ schwerlich zu verwerten, wenn sich die Guthaben per „Koffer-Transfer“ und nicht mittels Banküberweisungen ergeben haben. Zahlt ein Grieche bei schweizerischen Banken Gelder in bar und nicht per Kapitaltransfer von einer griechischen Bank ein, müssen nämlich die Prüfer der SDOE beweisen, dass sich hinter dem konkreten schweizerischen Konto ein griechischer Steuerpflichtiger „versteckt“. Die schweizerischen Banken geben solche Informationen nicht an Griechenland heraus, weil kein zwischenstaatliches Abkommen existiert. Wenn jedoch die Einzahlung im Bankverkehr erfolgte, ist die Mitwirkung der Schweiz und im weiteren Sinn auch die konkrete Liste nicht nötig, da die Überprüfung jederzeit aus Daten der Griechischen Bank erfolgen kann.

Bei der SDOE wird geschätzt, signifikante „Steuer-Scoops“ landen zu können, wenn Anweisung gegeben wird, die Gelder zu überprüfen, die nicht nur in der Periode 2009 – 2001, aber auch in der Periode der „fetten Kühe“, also während der Jahre 2000 – 2005 ins Ausland transferiert wurden, als die Auslandsüberweisungen eine alltägliche Sache waren.

Speziell bezüglich der „Liste Lagarde“ wurde mit einer handschriftlichen Anweisung des Wirtschaftsstaatsanwalts Grigoris Peponis am vergangenen Donnerstag (04 Oktober 2012) dem SDOE-Leiter der Bezirksdirektion Attika, Nikos Panagiotopoulos, der USB-Stick mit den Namen und den Beträgen der Guthaben übergeben, damit eine gründliche Überprüfung erfolgt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Wirtschaftsstaatsanwalt mit seinem handschriftlichen Schreiben persönlich den Amtsträger der SDOE auswählte, der die Durchführung der Untersuchung über die Herkunft der Guthaben der Personen übernimmt, die in der konkreten Liste angeführt werden.

Laut sicheren Informationen wird Nikos Panagiotopoulos ein Team von 5 – 6 Personen zusammenstellen, welches zu gründlichen Überprüfungen schreiten und Recherchen bei den deklarierten Einkommen und der Vermögenslage der auf der elektronischen Liste enthaltenen Personen durchführen wird. Im weiteren Verlauf werden alle Betroffenen, welche die in Rede stehenden Guthaben nicht aus ihren Steuererklärungen begründen können, aufgefordert werden, Erklärungen zu geben und zusätzliche Steuern zu zahlen, die bis zu 45% der „versteckten“ Guthaben erreichen können.

(Quelle: To Vima)

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. Skydiver
    9. Oktober 2012, 09:47 | #1

    Von den Originaldaten werden ja wohl noch Kopien existieren.
    Ich hoffe, die Griechen heizen Μέρκελ heute ordentlich ein, 7000 Polizisten haben gegen zehntausende Demonstranten nicht die geringste Chance. Μέρκελ soll ruhig merkeln, dass sie in Ελλάδα absolut nicht willkommen ist.

  2. Heinz
    9. Oktober 2012, 11:08 | #2

    Zitat:
    „Nach dem Wirbel und dem Aufschrei, den in der öffentlichen Meinung die Enthüllung hervorrief, dass die vorherigen Regierungen seit zwei Jahren die “Liste Lagarde” mit 1.991 Namen griechischer Anleger in der Schweiz in ihren Händen hatten und diese Personen niemals überprüft wurden,…..“

    Weshalb wundern sich manche Menschen noch, dass die sog. Troika so handelt, wie sie handelt?
    Die Forderungen an die griechischen Regierungen stehen doch schon Jahre im Raum, die Steuerhinterziehung aktiv zu bekämpfen. Wie wir oben lesen konnten, hat das niemand interessiert.
    Hätten Sie da noch Geduld?

  3. Marika
    9. Oktober 2012, 11:33 | #3

    @Heinz
    Der ganze Wirbel um die „Liste Lagarde“ ist Mumpitz (Artikel bis zum Ende lesen …) und zielte von Anfang an darauf ab, mal wieder die Stimmung anzuheizen und den Tieffliegern neue Munition zu liefern. Selbst ohne Kenntnis der Hintergründe sollte schon allein der Zeitpunkt der „Enthüllungen“ zu denken geben – sofern letzteres nicht zweckdienlich vermieden wird.

  4. Heinz
    9. Oktober 2012, 11:41 | #4

    @Marika

    Nun, ich habe bis zum Schluss gelesen. Wenn Sie mich bitte aufklären würden, was das mit dem Zeitpunkt der Enthüllungen auf sich hat. Ich bin ehrlich daran interessiert, qualifizierte Informationen zu erhalten, um mir eine faire Meinung bilden zu können.

Kommentare sind geschlossen