5000 Kontenöffnungen in Griechenland

9. Oktober 2012 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.998

In Griechenland wurde die Öffnung von 5.000 Bankkonten beantragt, gegen deren Inhaber Verdachtsmomente auf Steuerhinterziehung oder rechtswidrige Bereicherung bestehen.

Nach dem Wirbel und dem Aufschrei, den in der öffentlichen Meinung die Enthüllung hervorrief, dass die vorherigen Regierungen seit zwei Jahren die „Liste Lagarde“ mit 1.991 Namen griechischer Anleger in der Schweiz in ihren Händen hatten und diese Personen niemals überprüft wurden, sowie nach dem Eingreifen der Justiz fingen nun Finanzministerium und SDOE „Feuer“. Seit Donnerstagabend (04 Oktober 2012), als der Direktor der SDOE Attika, Herr Nikos Panagiotopoulos, das elektronische Archiv mit den Namen von dem Wirtschaftsstaatsanwalt Herrn Grigoris Peponis erhielt, wurde ein Sonderstab gebildet, der das wirtschaftliche Profil aller auf der Liste aufgeführten Personen erstellen wird, damit deren Steuererklärungen und Vermögensverhältnisse rückwirkend über ein Jahrzehnt überprüft werden, und anschließend die gesetzlichen Bestimmungen aktivieren, damit alle ihre Konten in Griechenland und der Schweiz offiziell geöffnet werden.

Exklusiven Informationen der Sonntagsausgabe der Zeitung „To Vima“ zufolge hat die SDOE bereits beantragt, 5.000 Bankkonten natürlicher und juristischer Personen zu öffnen, die entweder auf einer der anderen drei Listen enthalten wind, welche das Finanzministerium handhabt (der Personen, die in den Jahren 2009 – 2011 Gelder ins Ausland geschafft haben, aller, die in der selben Periode in London oder anderen europäischen Städten eine Immobilie kauften, sowie auch der politischen Persönlichkeiten, Bürgermeister, Leiter öffentlicher Träger, Abgeordneten und sogar auch Sportler, die bereits von den Behörden überprüft werden), oder für welche begründete Verdachtsmomente über eine rechtswidrige Bereicherung bestehen.

Beunruhigung über mögliche „Retuschen“

Diese Entwicklungen in Kombination mit den neuen Daten und hauptsächlich Namen, welche das Licht der Öffentlichkeit erblicken, schaffen ein explosives Klima in der Gesellschaft, die aufgefordert ist, die allein für das Jahr 2013 rund 9 Mrd. Euro tangierende Last der Maßnahmen auf sich zu nehmen. Die Reaktionen richten sich hauptsächlich gegen die politischen Personen, während der zuständige Finanzminister Giannis Stournaras über das sich gestaltende Klima in Sorge ist, da sich dieses nicht zuletzt auch auf den Verlauf der staatlichen Einnahmen auswirken wird.

Größere Beunruhigung verursacht allerdings die Tatsache, dass sich niemand über die „Behandlung“ der Listen seitens der Personen sicher sein kann, welche die Listen über einen langen Zeitraum in ihren Schubladen behielten. Angesichts der Tatsache, dass auf der „Liste Lagarde“ in der Menge der Namen laut Informationen sogar leere Zeilen und Seiten existieren, kann sich niemand sicher sein, dass die Listen nicht eine Bearbeitung erfuhren.

Laut den selben Informationen soll diese Liste auch Namen politischer „Clans“, Unternehmer der Fahrzeugbranche und des Bausektors, einer Menge reicher Familien aus Thessaloniki und einer großen Anzahl Reeder enthalten. Niemand kann sich darüber sicher sein, was Christine Lagarde ursprünglich übergab und was schließlich am vergangenen Donnerstag bei der SDOE ankam.

Die 54.000 Anleger der Periode 2009 – 2011

Bis zu zehn Jahre rückwirkend werden die Kontrollbehörden die Steuererklärungen all jener untersuchen, deren Namen auf den verschiedenen Listen aufgeführt werden, die sich in den Händen des Wirtschaftsministers, der SDOE und der Zentralstelle für Informationssysteme befinden. Einer der bedeutendsten Funde des Finanzministeriums ist die Liste mit den 54.000 Namen griechischer Anleger, die in der Periode 2009 – 2011 ungefähr 22 Mrd. Euro ins Ausland schafften.

Aus den Informationen, welche die Datenverarbeitungszentrale des Finanzministeriums ausgewertet hat, haben sich erschütternde Daten ergeben, die zeigen, dass ungefähr jeder Vierte all jener, die ihre Gelder ins Ausland gebracht haben, diese niemals in seiner Steuererklärung deklariert und im selben Augenblick auf Konten bei griechischen Banken hatte, ohne sich Gedanken darüber zu machen, möglicherweise irgendwann kontrolliert zu werden. Dies, weil – wie zuständige Funktionäre des Finanzministeriums anführen – bis heute niemals die massenweise Aufhebung der Bankgeheimnisses für Sparer erfolgt war um festzustellen, ob ihr Kapital das Produkt einer Steuerhinterziehung ist oder aus dem Finanzamt gemeldeten Einkommen herrührt.

Der Staatsekretär im Finanzministerium, Giorgos Mavraganis, gab in der vergangenen Woche dem Generalssekretär für Informationssysteme, Christos Theocharis, die Anweisung, umgehend zur Erstellung einer Liste der Personen zu schreiten, welche ihre Gelder ins Ausland geschafft haben und nicht aus den Daten ihrer Steuererklärungen gerechtfertigt werden können. Der Staatssekretär des Finanzministeriums verlangte von den Finanzämtern und zuständigen Kontrollbehörden, diesen Fällen Vorrang zu geben, auf dass der Staat umgehend Einnahmen einziehen kann, damit ein Teil des „schwarzen Lochs“ der Einnahmen gedeckt wird und die Steuermaßnahmen eingeschränkt werden, deren Durchsetzung die Troika verlangt.

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  1. Skydiver
    9. Oktober 2012, 09:47 | #1

    Von den Originaldaten werden ja wohl noch Kopien existieren.
    Ich hoffe, die Griechen heizen Μέρκελ heute ordentlich ein, 7000 Polizisten haben gegen zehntausende Demonstranten nicht die geringste Chance. Μέρκελ soll ruhig merkeln, dass sie in Ελλάδα absolut nicht willkommen ist.

  2. Heinz
    9. Oktober 2012, 11:08 | #2

    Zitat:
    „Nach dem Wirbel und dem Aufschrei, den in der öffentlichen Meinung die Enthüllung hervorrief, dass die vorherigen Regierungen seit zwei Jahren die “Liste Lagarde” mit 1.991 Namen griechischer Anleger in der Schweiz in ihren Händen hatten und diese Personen niemals überprüft wurden,…..“

    Weshalb wundern sich manche Menschen noch, dass die sog. Troika so handelt, wie sie handelt?
    Die Forderungen an die griechischen Regierungen stehen doch schon Jahre im Raum, die Steuerhinterziehung aktiv zu bekämpfen. Wie wir oben lesen konnten, hat das niemand interessiert.
    Hätten Sie da noch Geduld?

  3. Marika
    9. Oktober 2012, 11:33 | #3

    @Heinz
    Der ganze Wirbel um die „Liste Lagarde“ ist Mumpitz (Artikel bis zum Ende lesen …) und zielte von Anfang an darauf ab, mal wieder die Stimmung anzuheizen und den Tieffliegern neue Munition zu liefern. Selbst ohne Kenntnis der Hintergründe sollte schon allein der Zeitpunkt der „Enthüllungen“ zu denken geben – sofern letzteres nicht zweckdienlich vermieden wird.

  4. Heinz
    9. Oktober 2012, 11:41 | #4

    @Marika

    Nun, ich habe bis zum Schluss gelesen. Wenn Sie mich bitte aufklären würden, was das mit dem Zeitpunkt der Enthüllungen auf sich hat. Ich bin ehrlich daran interessiert, qualifizierte Informationen zu erhalten, um mir eine faire Meinung bilden zu können.

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