Rechtsextremisten drittstärkste Partei in Griechenland

6. September 2012 / Aufrufe: 638

Die am 06 September 2012 publizierten Ergebnisse einer Demoskopie der PulseRC zeigen die rechtsextremistische Chrysi Avgi als drittstärkste Partei in Griechenland.

Der Blick auf die Tabellen der Ergebnisse einer am Donnerstag (06 September 2012) in der politischen, satirischen und investigativen griechischen Wochenzeitung „To Pontiki“ publizierten demoskopischen Erhebung der Pulse RC lässt erkennen, dass im Vergleich zu dem Wahlergebnis des 17 Juni 2012 grundsätzlich alle Parteien abgesunken sind, mit Ausnahme der rechtsextremistischen Chrysi Avgi und der kommunistischen Partei Griechenlands (KKE).

Speziell für die drei Parteien der Koalitionsregierung, also Nea Dimokratia (ND), Panhellenische Bewegung (PASOK) und Demokratische Linke (DIMAR) zeigt sich ein ernsthafter Rückgang infolge der allgemeinen Unzufriedenheit bezüglich der Entscheidungen der Regierung.

Diese Unzufriedenheit kommt jedoch nicht der Radikalen Linken (SYRIZA) zugute, deren Anteile ebenfalls sinken, sondern der Chrysi Avgi, die einen Aufstieg von 3,6% bzw. auf die gültigen Stimmen hochgerechnet sogar 4,6% präsentiert! Der Aufstieg der KKE ist dagegen marginal und weist derzeit eine Erholung von dem rapiden Absturz aus, den die Partei zwischen den beiden Wahlgängen der Parlamentswahlen im Mai und im Juni 2012 erlebte.

Ergebnisse der am 06.09.2012 publizierten Umfrage der PulseRC

In Einzelheiten stellen sich die Ergebnisse der aktuellen demoskopischen Erhebung der PulseRC (in Klammern die Hochrechnung auf die gültigen Stimmen) folgendermaßen dar:

  • Nea Dimokratia 22,5% (25%), gegenüber 29,7% bei den Wahlen am 17 Juni 2012
  • SYRIZA 21,5% (24%), gegenüber 26,9%
  • PASOK 7,5% (8%), gegenüber 12%
  • Unabhängige Hellenen 6% (6,5%), gegenüber 7,5%
  • Chrysi Avgi 9,5% (10,5%), gegenüber 6,9%
  • DIMAR 4% (4,5%), gegenüber 6,3%
  • KKE 4,5% (5%), gegenüber 4,5%
  • Andere Partei 6,5% (7%), gegenüber 6%
  • Unentschlossen 8,5% (9,5%)

(Quelle: To Pontiki)

  1. V99 %
    6. September 2012, 13:07 | #1

    Bei der Medienpraesenz der „kackbraunen“ Morgenroete, war ja auch nichts anderes zu erwarten. Die wissen sich gezielt in ganz Europa in allen Bereichen oeffentlich zu halten, wie B-Promis. Sei es durch oeffentliches ohrfeigen von Politikern, durch ominoese Spendenaktionen, von Blut und Lebensmitteln an „arische“ Griechen. Und das alternativlose Volk (…ohne Blödzeitung, dafuer mit staatlichen Fernsehkanaelen) laesst sich gerne die „stolze griechische Seele“ streicheln. Da klingen Reparationsforderungen ein wenig wie Realsatire. Wacht endlich auf und gebt Nazis keine Chance!

  2. 6. September 2012, 14:02 | #2

    Die SYRiZA hatte 26,9% und nicht 29,7

  3. admin
    6. September 2012, 15:12 | #3

    @Freiheitsliebender
    Danke für den Hinweis, die Angabe wurde korrigiert.

  4. Ottfried Storz
    6. September 2012, 16:12 | #4

    In Krisenzeiten boomen in allen Ländern rechtsradikale Parteien. Sie gelangen jedoch fast nie an die Macht, da sie von den anderen Parteien als Koalitionspartner gemieden werden.

  5. Willi F. Gerbode
    7. September 2012, 11:00 | #5

    @Ottfried Storz Sie haben recht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Rechten direkt in die Regierung gelangen. Zwei Dinge scheinen mir hier aber wichtig zu sein: 1. die Rechten verstärken den Druck auf die Regierung populistisch zu handeln, z.B. härter mit Migranten umzugehen; 2. sie verschärfen den Konflikt innerhalb der griechischen Gesellschaft – die Wahrscheinlichkeit nimmt zu, dass es in der Konfrontation mit linken Gruppen (oder Gewerkschaften) zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, die das Bild GRs im Ausland weiter verschlechtern; 3. (nicht zu unterschätzen:) der Stimmengewinn bei eventuellen Wahlen erschwert die Regierungsbildung, führt also zu einer Destabilisierung des gesamten politischen Systems. Und letzteres in Kombination mit einer Erosion der Staatsmacht (vgl. Richter diskutieren trotz Streikverbots für ihre Berufsgruppe mit einem Ausstand!) macht dann schließlich die eigentliche Gefahr der Neonazis in GR aus.

  6. V99 %
    7. September 2012, 11:43 | #6

    Wie die Destabilisierung funktioniert haben wir doch in D nach dem ersten Weltkrieg, in der von Reparationen geschwaechten Weimarer Republik gesehen. Manche Symptome sind hier in GR aehnlich, allerdings noch in den Anfaengen. Damit will ich nicht den „braunen“ Teufel an die Wand malen. Was deutlich sichtbar ist, ist die allgemeine Gewaltbereitschaft dieser Gruppen und das wegsehen von Teilen der Bevoelkerung, und noch schlimmer des Staatsapparates. Das was von manchem hier im Board bezueglich der NSU Morde in D angeprangert wird, findet hier erschreckenderweise in der Oeffentlichkeit, mit Zustimmung der Polizei statt. Das finde ich sehr gefaehrlich. Dass die Rechten durch eine Wahl an die Macht kommen ist momentan nicht zu befuerchten, aber, wenn wichtige Teile des Staatsappartes denen wohlgesonnen sind, geht das auch anders!

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