Griechenland: Unser verbliebenes Kleingeld für ihren letzten Schuss

9. September 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 911

Autor: Kostas Logaras

Thema: „Letzte Maßnahmen“ in Griechenland

Wie wenig Scham muss ein Mensch haben, den seine „Ratengläubiger“ verpflichten, sein Wort zu halten und seine Unterschrift zu respektieren? Na? Wie weit kann die rote Linie seiner Erniedrigung reichen, wenn sie ihn gewaltsam zwingen, seriös zu werden?

Erröten unsere griechischen Politiker nicht, wenn bei den Begegnungen mit ihren Amtskollegen diese sie am Ohr ziehen und von ihnen – wie von Schuljungen – verlangen, endlich das einzuhalten, was sie beschlossen haben? Die notwendigen Änderungen, denen sie zustimmten, die Reformen, die sie genehmigten und unterzeichneten, damit das Land aus der Dritte-Welt-Sphäre hinaus gerät? Damit endlich der öffentliche Sektor von der parteilichen Feudalherrschaft befreit wird.

Nein, sie schämen sich nicht. Genau genommen haben sie in der Stunde, wo sie das Versprechen geben – jenen, dass sie ihr Wort halten, und uns, dass diese Maßnahmen auch die letzten sein werden – im selben Moment in ihrem Sinn (wie der Spieler im Kasino, der sich Geld leiht, um seinen Verlust wettzumachen) „gib es mir jetzt, wo es mir pressiert, und danach sehen wir„. Und sobald die anderen den Kopf wegdrehen, widmen sich die Nichtsnutze ihren üblichen Praktiken: Untätigkeit und Gleichgültigkeit, Verschwendungen und Einstellungen ihrer Verwandten. Wahrscheinlich haben sie keine Scham. Hätten sie ein solches Gefühl, wären die Dinge anders.

Wenn ich sie also sehe, wie sie mit eingezogenem Schwanz denen „draußen“ ihr Versprechen geben, ja, von nun an werden sie sich konsequent zeigen, erinnere ich mich an die Ratenverkäufer der 60er Jahre. Die durch die Nachbarschaften zogen und bei denen die Hausfrauen Tischdecken, unechten Schmuck, Bettlaken und solches Zeug auf Pump kauften. Wenn jedoch die Stunde kam, die Rechnung zu bezahlen, versteckten sich manche von diesen, gerissen und unseriös, im Haus und schickten die Kinder vor, um dem Ratenkassierer auszurichten „meine Mama ist nicht da„. Fortgesetzt und systematisch.

Sogar auch jetzt, wo die Rateneintreiber der Troika im Land eintreffen (gelobt sei die Stunde), kommt es in mir hoch, mich zu erheben und der Mattscheibe des Fernsehers zuzurufen: Glaubt ihnen nicht, sie sind alle drinnen! Jahrzehnte verstecken sie sich nun hinter ihrem Finger. Verschwender, skrupellos und völlig unfähig – ausgenommen einiger Weniger -, irgend etwas auf die Reihe zu bringen oder die Situationen effektiv zu handhaben. Glaubt ihnen nicht, was sie sagen. Sie sind alle Zuhause, Koalition und Opposition.

Sobald ihr jedoch den Rücken kehrt und weggeht, werden sie sich wieder ihrer bekannten Taktik hingeben: Sie werden die nutzlosen Organismen der Parteidrohnen erhalten, die Bezüge der Parlamentsbediensteten erhöhen, den Cliquen der geschlossenen Berufsgruppen nachgeben, den unmöglichen Forderungen der Justizdiener stattgeben und die kirchlichen Führer demütig um Verzeihung bitten.

Und beim nächsten Mal, kurz bevor ihr kommt, werden sie – tragisch verhängnisvoll und unfähig – erneut über die Arbeitnehmer und Rentner herfallen. Wie der eingangs von mir angeführte Spieler im Kasino oder, noch schlimmer, wie die Junkies, die (auch diese für ihren Schuss) das letzte Kleingeld aus dem Sparstrumpf ihrer Mutter klauen. Weil sie nur mit dieser machen können, was sie wollen.

Quelle: Protagon.gr
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

KategorienMeinungen
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  1. 0177translator
    9. September 2012, 17:22 | #1

    Vergeßt auch niemals Goldman Sachs, den früheren Arbeitgeber von Monti und Draghi.

  2. Heinz
    9. September 2012, 18:47 | #2

    Warum hatte ich die ganze Zeit schon das Gefühl, dass das genau der Knackpunkt an der ganzen Krise ist?
    Wenn er recht hat, dann steht noch viel Arbeit und auch ethische Wandlung an. Das wird dauern, lange, sehr lange. Und ein gutes Ende wird es nur geben, wenn der „Rückfall“ ausbleibt.

  3. oniro
    9. September 2012, 18:50 | #3

    Ein sehr guter Artikel !!!
    Aber hier kann man nur sagen :
    ENTWEDER MAN HATS oder MAN HATS NICHT !!!

    WERTE UND GEWISSEN !!!

  4. die Deutsch-Griechin
    10. September 2012, 00:07 | #4

    Bravo sas, Kirie Logara. Akrivos etsi ine.

  5. V99 %
    10. September 2012, 16:14 | #5

    Verwunderlich, dass einige einen derartigen Artikel benoetigen um die Lage zu verstehen. 😀

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