Bankangestellte plündern inaktive Bankkonten in Griechenland

24. September 2012 / Aufrufe: 2.089

In Griechenland räumen hunderte Bankangestellte viele Millionen Euro von inaktiven Bankkonten tausender Bürger ab, ohne in den meisten Fällen bemerkt zu werden.

Bei fast jedem der großen griechischen Kreditinstitute werden jährlich 40 bis 200 Fälle von Plünderungen inaktiver Kundenkonten durch Bankangestellte aufgedeckt. Die Unterschlagung von Geldern wird jedoch fast nie publik gemacht und die Fälle werden üblicherweise bankintern mit der Kündigung des oder der verdächtigen Angestellten abgeschlossen.

Wegen des Ausmaßes des Phänomens haben einige Banken in letzter Zeit ein elektronisches Alarmsystem installiert, während festgestellt wird, dass infolge der Wirtschaftskrise das Ausmaß dieses „bankinternen“ Tricks mit der Veruntreuung der Gelder weiter zunimmt. Bezeichnenderweise werden selbst bei den über Warnsysteme verfügenden Banken weiterhin jährlich 40 – 60 Betrugsfälle entdeckt, obwohl den Angestellten die Existenz des Überwachungssystems bekannt ist.

Banken müssen Guthaben inaktiver Konten an Fiskus abführen

Bei jedem einzelnen der großen Kreditinstitute des Landes existieren schätzungsweise 5 bis 25 Millionen Bankkonten. Davon weisen 2 bis 3 Millionen Konten geringfügige bis überhaupt keine Kontobewegungen auf.

Auf Basis der jüngsten Gesetze ist in Griechenland jede Bank verpflichtet, an den griechischen Fiskus die Gelder aller Konten abzuführen, welche während der letzten 20 Jahre keinerlei Bewegung aufweisen – und zwar ohne zu untersuchen, ob die Inhaber und Berechtigten der Konten am Leben sind oder aus welchem Grund diese Konten keinerlei Bewegungen aufweisen. Die Banken brauchen in diesem Fall auch niemanden über diese „Leerung“ der inaktiven Konten zu benachrichtigen. Laut Erklärungen hoher Bankfunktionäre führt auf Basis dieses Verfahrens jedes der großen Kreditinstitute in den letzten Jahren 1 bis 3 Mio. Euro.

Die „inaktiven“ Konten scheinen jedoch ins Ziel der Bankangestellten zu geraten, welche diese mittels elektronischer Rechner und der Online-Systeme leicht ausfindig machen und ins Visier nehmen können, indem sie riesige Geldsummen unterschlagen, die in einigen Fällen an Offshore-Gesellschaften geleitet werden. Keiner der geschädigten Sparer oder Berechtigten kann irgendetwas wahrnehmen, da er aus verschiedenen Gründen keinerlei Aufsicht und Information über die Bewegungen seines Kontos hat. Zusätzlich wird – sogar auch falls er den Geldabfluss bemerkt – niemand die Spuren der Banktäter ausfindig machen können.

Interne Unterschlagungen sind ständiger Kopfschmerz der Banken

Wie gegenüber der Zeitung „To Vima“ ein hoher Bankfunktionär anführte, der sich mit den „Raubzügen auf inaktive Konten“ befasst, „sind für uns die Unterschlagungen von Geldbeträgen von solchen verwundbaren Konten durch Bankangestellte ein ständiger Kopfschmerzen, über den die öffentliche Meinung minimal informiert wird. Vor einigen Tagen gab es bei zwei Banken – in Xanthi und Drama – eine Unterschlagung von 485.000 Euro, als ein Direktor einer Bankfiliale sich mit sieben Privatleuten abgesprochen hatte, mit gefälschten Personalausweisen Gelder von inaktiven Konten verstorbener Bürger abzuheben.

Vor einigen Jahren gab es einen anderen derartigen Betrug in Xylokastro. Jedoch begegnen fast alle großen Banken jedes Jahr hunderten solcher Fälle mit Unterschlagungen von Geldern mittels bankinterner Anweisungen illegal agierender Angestellter und worüber nicht berichtet wird. Die meisten Banken haben kein elektronisches Warnsystem, und es wird geschätzt, dass sie – auf Basis häufiger interner Kontrollen – im Durchschnitt ungefähr 100 – 200 solcher Fälle entdecken, ohne dass natürlich jemand weiß, ob es auch andere gab, die nicht wahrgenommen worden sind. Die meisten stehlen anfänglich kleine Beträge um zu sehen, ob sie entdeckt werden, und danach machen sie mit größeren Abhebungen weiter.

Weitere Betrugsversuche trotz installierter Warnsysteme

Wie aus den selben Berichten hervorgeht, haben ein oder zwei griechische Banken Warnsysteme installiert. Wird eine überraschende Bewegung auf einem inaktiven Konto in Kombination mit der Tatsache festgestellt, dass der Berechtigte sich keine Kontokarte ausstellen ließ, erfolgt somit automatisch eine Meldung und die Mobilisierung der Kontrollstellen.

Obwohl die Angestellten wissen, dass es bei den konkreten Kreditinstituten ein System zur rechtzeitigen Benachrichtigung gibt, werden trotzdem wieder 40 bis 60 Fälle jährlich verzeichnet. In jedem dieser Fälle bewegen sich die verloren gegangenen Beträge – der ersten Phase der illegalen Abhebungen – schätzungsweise von 5.000 bis 15.000 Euro.

(Quelle: To Vima)

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  1. Heinz
    24. September 2012, 11:24 | #1

    Was soll man darüber denken? Ich bin fassungslos!

  2. Konstantin
    24. September 2012, 14:18 | #2

    Für mich ist das von Staatswegen legalisierter Diebstahl.
    Der Staat dürfte nicht das Recht haben Konten nach 20 Jahren ohne Bewegung ungeprüft an sich aus zahlen zu lassen. Es gibt doch auch Bürger die im Ausland leben und jahrelang nicht nach Griechenland reisen. Ober erbberechtigte Verwandte die nichts von einem Sparguthaben des Verstorbenen wissen.
    Die Bankangestellen die klauen, denken sich wohl, bevor der Staat das kassiert nehmen wir uns lieber einen Teil davon. Solange diese nur entlassen werden und keine harte Strafe bekommen, wird das wohl noch so weitergehen.
    Mir ist das auf Kreta schon passiert. Ein Sparbuchguthaben wo 9 Jahre keine Bewegung war, war nicht mehr vorhanden als ich das Guthaben abheben wollte. Das Sparbuch konnte ich vorweisen. Es war kein großes Guthaben, lag so ca. unter 500 DM auf Drachme angelegt. Die Erklärung der Bankangestellen waren etwas unlogisch, aber dafür zum Anwalt zu gehen und zu klagen, mit ungewissem Ausgang, davon habe ich abgesehen.
    So legalisierte Diebstähle vom Staat erlaubt gibt es meines Wissens noch in anderen Bereichen. Wer auf dem Gründstück eines anderen etwas pflanzt oder baut, darf es später auch sein Eigen nennen.

  3. admin
    24. September 2012, 15:23 | #3

    @Konstantin
    Die rechtlich umstrittene Konfiszierung der Guthaben erfolgt auf Basis eines Gesetzes aus der deutschen Besatzungszeit, ein relevanter Beitrag wird zeitnah folgen.

  4. Götterbote
    24. September 2012, 16:45 | #4

    @Konstantin

    Wie ich zufälligerweise vor einigen Monaten gehört habe, wird diese Praxis der Kontoauflösungen zugunsten des Staates nicht nur in Griechenland praktiziert. In dem mir bekannten Fall ging es um eine österreichische Bank.

  5. Konstantin
    24. September 2012, 17:39 | #5

    @ Götterbote

    Ist es bei der österreichischen Bank auch so das ungeprüft ob einer verstorben ist und Verwandte hat oder ob er im Ausland lebt, das Geld nach einer gewissen Zeit an den Staat geht?
    Ist ja nachvollziehbar das Gelder um die sich keiner kümmert an den Staat gehen, aber ohne Information oder Prüfung, das stört mich.

  6. Götterbote
    24. September 2012, 18:59 | #6

    @Konstantin

    Ich kann es Dir leider nicht mit 100% Sicherheit sagen, aber angeblich ist es auch dort so, dass es nicht weiter geprüft wird. Für mich auch unverständlich, bzw. skandalös.

  7. γιαούρτι γιαουρτάκι
    24. September 2012, 21:26 | #7

    @admin
    Ey, das geht gar nicht. Das ist doch voll die Nazikeule und nach her kommt dann auch noch raus, wie das mit den toten Rentnern funktionierte, die keine Verwandten mehr hatten.

  8. admin
    24. September 2012, 21:32 | #8

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Das ist bereits hinreichend bekannt – im Gegensatz zu der Anzahl der Rentner, die inzwischen tot sind oder bald sein werden, weil sie keine Rente mehr bekommen.

  9. Konstantin
    24. September 2012, 21:50 | #9

    @ Admin

    ich kann Ihre Antwort nicht so recht deuten. Ich nehme mal an es ist als Vorwurf an die Deutschen Besatzer gedacht, die damals so ein Gesetz verabschiedet haben.
    Allerdings sind nun viele Jahre vergangen und Griechenland wäre sehr wohl in der Lage gewesen, bessere Gesetze zu verabschieden.
    Die deutschen Gesetze kenne ich zum größten Teil, die sind so ausgelegt das der Staat jederzeit über Umwege legal an das Vermögen der Deutschen kommen kann.
    Als Beispiel wurde damals nach dem Krieg allen Immobilieninhabern ein geschätzer Kredit auferlegt, abhängig vom Wert der Immobilile, die die Bürger dann abzahlen mußten.
    Dieses Gesetz gilt heute noch und wird sicherlich bald wieder mal in Anspruch genommen werden.

  10. γιαούρτι γιαουρτάκι
    24. September 2012, 22:16 | #10

    @admin
    Wenn von angeblich 8000 „toten Rentnern“ nur noch 2500 übrig bleiben, die sich nicht zurück gemeldet haben, fehlt über die Hälfte und wenn dann auf Konten nur noch eingezahlt und nicht abgehoben wird, läßt sich ja was vermuten. Dabei werden sicherlich noch unter den 2500 einige gewesen sein, die den Aufruf zur Rückmeldung nicht mit bekommen oder verstanden haben oder nicht in der Lage waren sich zu melden. Und wenn in der alten Taverne der Postbote auf’s Dorf kommt und die versammelten Alten resigniert nur noch 35 Euro in der Abrechnung finden, werden sie sich auch über Nullabrechnung nicht mehr wundern und sich erst recht nicht mehr melden.

  11. Götterbote
    24. September 2012, 23:18 | #11

    @Konstantin

    ich empfinde den Kommentar nicht als Vorwurf,sondern als Hinweis und Information, da man in diesen Tagen schnell auf die Idee kommen könnte, dass sich die griechische Regierung solch irrsinnigen Gesetze ausdenkt.

  12. Heinz
    25. September 2012, 20:10 | #12

    Was mich hier an diesen Kommentaren sehr, sehr stutzig macht ist die Tatsache, dass sich anscheinend niemand daran stört, dass Bankangestellte Konten abräumen, sondern sich nur daran stören, dass am Schluss der Staat das Geld bekommt. Leute, das ist ganz einfach Diebstahl. Stört das niemand mehr? Das kann nie rechtlich möglich sein.

    Sind wir denn tatsächlich noch alle in Europa?

    Im Übrigen sind die Gesetze in Deutschland nicht so, dass der Staat sehr schnell an das Vermögen Verstorbener kommen kann. Zuerst wird einmal in alle Himmelsrichtungen (Erbberechtigte aufsteigender, absteigender und evtl. seitlicher Linien) ermittelt und gesucht. Erst wenn sich niemand finden lässt, wird das Verfahren über eine vorgeschriebene Bekanntmachung durch das Nachlassgericht beendet. Banken oder Bankangestellte dürfen gar nichts behalten. Natürlich gibt es auch hier Grauzonen, wenn absolut niemand von den Konten weiß.

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